Vassily Ivanchuk besiegt beim Simultan in Salzgitter-Bad alle 31 Gegner
Ein Weltstar zum Anfassen: Der ukrainische Supergroßmeister Vassily Ivanchuk sorgte in Salzgitter-Bad für ein außergewöhnliches Schachfest. Beim Simultan im Gymnasium Salzgitter-Bad trat er gegen 31 Gegner gleichzeitig an – Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Vereinsspieler. Doch die erhoffte Sensation aus der Sicht seiner Gegner blieb aus, auch wenn der große Favorit - siehe Titelbild, als er einen Springer eingestellt hatte - durchaus Schreckmomente zu verkraften hatte …

Ein Weltklasse-Großmeister zu Gast
Wenn ein Spieler wie Vassily Ivanchuk eine Schachveranstaltung abseits der Metropolen oder der großen Turniere besucht, ist das für die Schachfreunde ein außergewöhnlicher Moment. Das gilt umso mehr, wenn es sich überwiegend um junge und noch nicht turniererfahrene Spieler handelt. Genau das galt für die Teilnehmer der Simultanveranstaltung im Gymnasium Salzgitter-Bad. Auf Einladung der Schachvereinigung Salzgitter e.V. und ihres engagierten Pressewarts und inzwischen erfahrenen Turnierorganisators Christian Koschetzki verwandelte sich die Cafeteria der Schule in eine Bühne für ein in Erinnerung bleibendes Schachevent.
Der aus Lviv stammende Großmeister gehört seit Jahrzehnten zu den faszinierendsten Persönlichkeiten der internationalen Schachwelt. Erst kürzlich überzeugte er mit starken Leistungen beim Traditionsturnier Tata Steel im niederländischen Wijk aan Zee. Nach seinem Simultanauftritt ist das internationale Turnier in Reykjavik seine nächste Station.
Trotz seines gut gefüllten Turnierkalenders nahm sich Ivanchuk Zeit für Salzgitter – und machte den Nachmittag zu einem echten Erlebnis für alle Beteiligten.
Großmeister trifft auf Amateure
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Das Simultan fand im Rahmen der Reihe „Großmeister trifft auf Amateure“ statt. Die ist inzwischen zu einer festen Größe in der Region geworden. Seit mehr als drei Jahren organisiert die Schachvereinigung Salzgitter regelmäßig solche Begegnungen zwischen Weltklassespielern und lokalen Schachfreunden: „Wir durften in den letzten drei Jahren in Salzgitter bereits mehrere prominente Simultan-Gäste begrüßen – darunter IM Jonathan Carlstedt, GM Nikolas Lubbe, GM Matthias Wahls, GM Vincent Keymer, GM Ivan Sokolov sowie Thomas und Elisabeth Pähtz“, so Koschetzki.

Die beiden Hauptpersonen des Tages: Simultanspieler Vassily Ivantchuk und Organisator Frank Koschetzki. | Alle Fotos: Carolin Köpp
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Der begeisterte Schachspieler ist selbst als Trainer zweier Schulschach-AGs – dem Gymnasium Salzgitter-Bad und dem Gymnasium Fredenberg – tätig, deren Teilnehmer dementsprechend auch vorberechtigt für die Teilnahme an diesem Wettkampf mit einer Schachlegende waren. „Uns ist wichtig, dass gerade junge Spieler die Möglichkeit bekommen, Schachgrößen aus nächster Nähe zu erleben“, erklärte Koschetzki. „Wenn ein Weltklassespieler durch den Raum geht und am eigenen Brett einen Zug macht, ist das spannend und bleibt oft ein Leben lang in Erinnerung.“

Der Organisator betonte außerdem die Bedeutung solcher Veranstaltungen für die Nachwuchsarbeit: „Schach lebt von Begegnungen. Ein Simultan wie dieses zeigt Kindern und Jugendlichen, dass hinter den großen Namen echte Menschen stehen – und dass sie selbst Teil dieser faszinierenden Schachwelt sein können.“
Konzentration an 31 Brettern
Insgesamt 31 Gegner warteten auf Ivanchuk. Runde für Runde bewegte sich der Großmeister konzentriert durch die Reihen der Bretter, stets ruhig, aufmerksam und mit dem für ihn so charakteristischen nachdenklichen Blick, für den er weltweit bekannt ist.
Die Atmosphäre war gleichzeitig angespannt und begeistert: Jeder Spieler versuchte, den besten Zug zu finden – wohl wissend, dass man nicht jeden Tag gegen eine Schachlegende spielt.

In der Cafeteria, dem Austragungsort dieses ungleichen Wettkampfs, dürfte es ansonsten wohl deutlich geräuschvoller zugehen.
Am Ende überzeugte aber – wenig überraschend – die enorme Klasse des ukrainischen Großmeisters. Bereits um 16:08 Uhr war das Simultan beendet – Ivanchuk hatte alle Partien für sich entschieden, in nur etwas mehr als zwei Stunden Gesamtspielzeit.
Doch für die Teilnehmer zählte vor allem das Erlebnis. Einige analysierten nach der Partie ihre Stellung noch einmal mit dem Großmeister oder diskutierten ihre Ideen mit Freunden und Trainern. Auch das Autogramm der ehemaligen Nummer 2 der Weltrangliste sowie das gemeinsame Foto dürften einen Ehrenplatz in der Schachvitrine bekommen.

Wann bekommt man schon einmal eine Anlayse seiner Partie von der ehemaligen Nummer 2 der Weltrangliste? | Foto: Carolin Köpp
Ivanchuk über Schach, Kreativität und Computer
Hort stellte einige seiner Partien gegen die Weltmeister vor und weiß viel über diese großen Persönlichkeiten des Schachs zu berichten.
Vor den Partien nahm sich Ivanchuk auch etwas Zeit für einige Fragen von ChessBase. Interessant, dass ihn selbst als aufstrebendem Spieler das Simultanspielen nie besonders gereizt hat – er bevorzugte immer den direkten Kampf mit dem Gegner: „Als junger Spieler schätzte ich Simultanveranstaltungen eigentlich nicht besonders“, erinnerte sich Ivanchuk. „Ich wollte mich damals ganz auf meine eigenen Partien konzentrieren.“

Auch ChessBase-Mitarbeiter Stefan Liebig musste sich der Schachlegende geschlagen geben. | Foto: Carolin Köpp
Doch mit der Perspektive wechselt häufig auch die Bewertung, heute sieht der seit Jahrzehnten erfolgreiche Spieler das Thema mit anderen Augen: „Als Großmeister spiele ich Simultan, weil ich Schach populärer machen möchte. Es ist eine schöne Möglichkeit, viele Menschen gleichzeitig für das Spiel zu begeistern.“

Wer hat hier gewonnen - wer verloren? Am Ende waren alle Gewinner, auch der Organisator. | Foto: Carolin Köpp
Der Ukrainer sprach auch offen über seine eigene Karriere. Rückblickend glaubt er, dass er noch mehr hätte erreichen können. Zwar hat er mit seiner besten Elo-Wertung von 2787 im Oktober 2007 als einer von relativ wenigen Spielern ernsthaft an der magischen 2800er-Marke gekratzt, doch überspringen konnte er sie ebenso wenig, wie er Weltmeister im klassischen Schach werden konnte. Immerhin aber wurde er Blitz- (2007) und Schnellschachweltmeister (2016) und konnte eine beeindruckende Zahl von Spitzenturnieren gewinnen beziehungsweise vordere Plätze erobern. Interessanterweise möchte er sich aufgrund der vielen dramatischen, von ihm gespielten Partien nicht auf eine eigene Lieblingspartie festlegen lassen
„Vielleicht hätte ich der beste Spieler der Welt werden können, wenn ich mein Training besser organisiert hätte“, sagte er selbstkritisch. „Ich habe einige Chancen verpasst.“
Doch seine Leidenschaft für das Spiel ist ungebrochen. Zwar ist er inzwischen an der 2600er-Marke angekommen und kämpft nicht mehr um den zweiten Platz der Weltrangliste, den er zu Beginn der 1990er-Jahre und dann nochmal im Jahr 2007 erkämpfte, doch er brennt nach wie vor für das Spiel: „Ich möchte weiterhin auf hohem Niveau spielen“, betonte Ivanchuk. „Mein Ziel ist es vor allem, nicht auf Zeit zu verlieren. Ich möchte einfach gutes Schach spielen.“
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Ein Stil jenseits der Engine
Ivanchuks Spielstil gilt seit Jahrzehnten als besonders kreativ und unberechenbar. Manche Beobachter vergleichen ihn mit modernen Angriffsspielern wie Daniil Dubov, Alireza Firouzja oder Richard Rapport. Der Ukrainer sieht das jedoch anders.
„Ich glaube nicht, dass mein Stil direkt mit ihnen vergleichbar ist“, sagte Ivanchuk. „Vom Ansatz her erinnert mich eher der junge Großmeister Ediz Gurel ein wenig an meine Spielweise.“ Was ihn an dem türkischen Nachwuchstalent fasziniert: „Er versucht, die Stellung wirklich zu verstehen – und verlässt sich nicht nur auf den Computer.“ Über die Rolle moderner Engines hat Ivanchuk eine differenzierte Meinung: „Computer haben dem Schach enorm geholfen, weil sie neue Ideen zeigen“, erklärte er. „Aber sie haben auch Nachteile. Manchmal verlassen sich Spieler zu sehr auf die Engine und verlieren dabei ihr eigenes Verständnis.“
Event mit großer Wirkung
Eine Veranstaltung dieser Größenordnung ist nur durch viele Unterstützer möglich. Der besondere Dank Koschetzkis gilt der Niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung sowie dem Präsidenten des Niedersächsischen Schachverbandes, Michael S. Langer, und seinem Stellvertreter Jörg Tenninger, der ein Grußwort sprach, sowie dem Vorsitzenden des Schulfördervereins Martin Gosch.

Die Gesichter hinter der Veranstaltung: Jörg Tenninger (NSV), Vassily Ivantchuk, Christian Koschetzki (Organisator) und Martin Gosch (Förderverein der Schule). | Foto: Carolin Köpp
Mit dem Besuch von Vassily Ivanchuk setzte die Schachszene in Salzgitter ein weiteres Ausrufezeichen – und bewies einmal mehr, dass Spitzenschach und Nachwuchsförderung hervorragend zusammenpassen. Die Veranstalter zeigten sich hochzufrieden mit dem Verlauf des Tages. Koschetzki zog ein positives Fazit: „Dass ein Spieler wie Ivanchuk nach Salzgitter kommt, ist etwas ganz Besonderes für unsere Region. Wir planen schon das nächste Highlight im Herbst. Die Idee bleibt dieselbe: große Namen des Schachs mit unseren jungen Talenten zusammenzubringen. Der nächste große Name wird Rustam Kasimdzhanov sein …“
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