Legends of Chess: Carlsen mit Schwierigkeiten

von André Schulz
24.07.2020 – Magnus Carlsen tat sich gegen Peter Leko schwer und stand nur in einer Partie gut - doch das reichte dem Weltmeister. Im Spitzenspiel siegte Svidler gegen Gelfand. Nepomniachtchi bestätigte seine gute Form, Ding Liren seine schlechte. Und Kramnik gewann das Duell der Weltmeister nach einer hochdramatischen Auftaktpartie. | Foto: Lennart Ootes

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Die dritte Runde des Legends of Chess brachte die Begegnung des 14. Schachweltmeisters gegen den 15. Schachweltmeister, also Kramnik gegen Anand. Lang ist es her, dass die beiden um die Schachweltmeisterschaft spielten. Es war 2008 in der Bundeskunsthalle in Bonn, im zumeist ausverkauften Theatersaal des Museums. Der Wettkampf damals war eine recht klare Angelegenheit zugunsten von Anand.

Anand und Kramnik lieferten sich in der 3. Runde der Legends of Chess eine hochdramatische erste Partie, von beiden auf "alles oder nichts" angelegt. Anand stand auf Gewinn, vergab ihn aber in höchst unübersichtlicher Stellung. Dann kippte die Partie zugunsten von Kramnik. Auch er fand in weiterhin komplizierter Position oft, aber nicht immer den besten Zug. Remis wäre vielleicht ein gerechtes Ergebnis gewesen. Der der letzte Fehler entschied die Partie zugunsten von Kramnik.

 

Weiß steht auf Gewinn. 40.Sf5! Ke8 [40...exf5 41.e6+ Kc7 42.e7 und gewinnt.] 41.Sxh6 Sxc3 42.Sxg5 Sxd4 43.f7+ Ke7

 

44.Ta1 [Stärker war 44.Tf1 Tb8 (44...Sce2+ 45.Kf2) 45.Sg8+ Kf8 46.Sf6 Ke7 47.Sfh7 Se4 48.Sxe4 dxe4 49.f8D+ Txf8 50.Txf8 c3 51.Tc8 c2 52.Kf2 und gewinnt.] 44...Sce2+ 45.Kf2 Sf4+ 

 

46.Kg3? [Richtig war 46.Kf1 Sc6 (46...c3 47.Ta7+ Kf8 48.Sh7+ Kg7 49.f8D+ Kg6 50.Df6+ Kh5 51.Dg5#) 47.Sg8+ Kf8 48.Sf6 Ke7 49.f8D+ Kxf8 50.Ta8+ Kg7 (50...Tb8 51.Sd7+) 51.Tg8+ Kh6 52.Sf7#] 

46...Sg6 [Schwarz ist wieder im Spiel.] 47.Ta7+ Kd8 48.Ta8+ Kc7 49.Tg8 Se2+ 50.Kf2 [50.Kf3 Sxe5+ 51.Ke3 Sxf7 52.Shxf7 c3 53.Sxe6+ Kd7 54.Seg5 c2 55.Se5+ Ke7 56.Sd3 mit Ausgleich.] 50...Sef4+ 51.Ke3 c3 

 

52.Sxe6+? [Damit kippt die Partie zugunsten von Schwarz. Richtig war 52.Txg6 Sxg6 53.Sxe6+ Kd7 54.Sf4 d4+ 55.Ke4 (55.Kxd4 Tb4+ und gewinnt.) 55...c2 56.e6+ Kc7 57.Sd3 und der Ausgang ist offen.]

52...Sxe6 53.Txg6 d4+ 54.Ke4

 

54... Te2+? [Sollte den Gewinn wieder vergeben. 54...c2 55.Tg7!? Kb6 war der richtige Weg.] 55.Kf3 Te3+ 56.Kg4 Sf8 57.Tg8 Sd7 58.Sf5 c2 59.Sxe3 c1D 60.Sd5+ Kb7 61.e6 Dd1+ 62.Kg5

 

62... Dd2+? [62... Dg1 mit Dauerschach.] 63.Kg6? [63.Sf4+– und Weiß ist am Ruder.] 63...Dg2+ [Nun kann die schwarze Dame alles abräumen. 63...Dg2+ 64.Kf5 Dxd5+] 0–1

Was für ein Drama!

Nachdem die erste Partie von Kramnik gewonnen wurde, legte der 14. Weltmeister in Partie zwei nach.

 

Es sieht auf den ersten Blick so aus, als würde Weiß durch die vorgerückten Bauern am Königsflügel eingeengt. Das Gegenteil ist der Fall. Das Vorrücken der Bauern hat riesige Löcher in die schwarze Stellung gerissen, wie Kramnik durch Öffnung der Stellung nachweist. 27.d4! Sxd4 [27...exd4 28.Lf4 kostet Material.]

28.Lxd4 exd4 29.Df4 [Der Td6 kann nicht ziehen.] 29...Dc7 [29...Df8 30.c5] 30.c5 [Trotzdem.] 30...Tc6 [30...Dxc5 31.Tac1 Db6 32.Te7 gefolgt von Dg5 und Matt.] 31.Lc4+ Kf8 [31...Kh8 32.Te8+ Hübsch. 32...Sxe8 33.Df8#]

 

32.Te5 [Bereitet Tae1 vor, was unter anderem Te8 droht. Schwarz kann nichts ziehen.] 1–0

In der 3. Partie kam Anand nicht über ein Remis hinaus, womit das Match für ihn verloren war. 

Einseitig verlief die Begegnung zwischen Ian Nepomniachtchi und Anish Giri. In der ersten Partie erreichte Giri mit Weiß die Diagrammstellung, die gemäß der Meinung führender Engines für Weiß klar gewonnen ist. 

 

In der Praxis einer Rapidpartie ist sie das nicht. Schwarz hat einen klaren Plan, der im Vormarsch des g-Bauern besteht. So gewann Nepomniachtchi auch die Partie.

Auch der zweite Punkt ging an den Russen.

 

Eine ganz normale Najdorf-Stellung? Nicht ganz, denn der weiße König kam nicht mit der 0–0–0 nach c1, sondern "zu Fuß", also Ke1–e2–d1–c1] 24.Sf3 [Droht Sg5.]

24...Da5? [Schwarz bedient nicht. Er musste etwas für seinen e6 tun, damit die Bauernstellung am Königsflügel nicht völlig auseinanderfällt: [24...Dc8 25.Sg5 h6; oder 24...De7 25.Sg5 h6 26.Lxg6 fxg6 27.Dxg6 Lxg5+ (27...hxg5 28.hxg5 Lxg5+ 29.Kb1 Lh4 30.Dh5) 28.hxg5 Lf7]

25.Sg5 [Nun ist es schon vorbei.] 25... Tfc8 [25...h6 26.Sxe6 fxe6 27.Dxg6] 26.Dxh7+ Kf8 27.Sxe6+ fxe6 28.Lxg6 1–0

Die dritte Partie endete remis.

Heute musste auch Magnus Carlsen zur Kenntnis nehmen, dass Peter Leko ein schwer zu schlagender Gegner ist. Die ersten drei Partien endeten remis. Und damit musste der Weltmeister mehr als zufrieden sein, denn in keiner der Partien kam er auch nur in die Nähe eines Vorteils, im Gegenteil. In den ersten beiden Partien stand Carlsen zeitweise schlechter, in der dritten Partie auf Verlust.

 

33.Te1? [Zu hastig. 33.De4; Oder 33.De3 mit gesundem Materialvorteil.] 33...Sf3+ 34.Dxf3 Lxd4 35.Txc4 [35.Lxc4 Lxb2 36.Tb1 Lxc4 37.Txb2 und der b-Bauer bietet Schwarz genug Gegenspiel.] 35...Lxb2 36.Tb1 Lxc4 37.Lxc4 Ld4 38.Txb3 De8 39.Lxa6 Dxa4 40.Lf1 g6 41.Tb7 ½–½ 

Die vierte Partie war die erste, in der Carlsen im Vorteil war und diesen mustergültig in einen Punkt umwandelte.

 

25.Da4 Dd7 26.Db4 Sc8 27.Db8 Kf7 28.Le5 Kg8 29.b4 Kf7 30.a4 Ke7 31.a5 Kd8 32.a6 Ke8 33.Kh2 Kf7 34.Db7 Ke8 35.g4 Se7 36.Db8+ Sc8 37.Kg3 Kd8 38.Db7 Sd6 39.Dxd7+ Kxd7 40.Lxd6 Kxd6 [Das Bauernendspiel ist gewonnen, was natürlich kein Zufall ist.] 41.f4 Ke7 42.h4 Kf6 43.hxg5+ hxg5 44.fxg5+ Kxg5 45.Kf3 Kg6 46.Kf4 Kf6 47.g5+ Kg6 48.Ke5 Kxg5 49.Kxe6 Kf4 50.Kd6 Ke4 51.Kxc6 Kxd4 52.b5 1–0

Ding Liren bestätigte gegen Vasyl Ivanchuk seine nicht so gute Form. Zwar glich er einen Rückstand noch aus, lief in Partie vier aber in ein Matt.

 

Schwarz hatte sich in schlechter Stellung auf a4 bedient: 23.Lxh7+ Kf7 [23...Sxh7 24.De6+ Kh8 25.Sg6#] 24.Sf5 Sxh7 25.Sh6+ 1–0

Das Spitzenspiel der Runde wurde zwischen Peter Svidler und Boris Gelfand ausgetragen. Beide "Legenden" hatten die beiden Auftaktrunden gewonnen. Hier entschied Peter Svidler das Treffen in der dritten Partie für sich.

 

21.Dh5 Sf8 [Weiß setzt alles auf seinen Königsangriff, dringt damit aber nicht durch.] 22.f6 [22.Sd2!?] 22...Seg6 23.fxg7 Kxg7 24.c5 [Weg mit Schaden. 24.Sd2!? zwecks Verbesserung der Springerposition war die Alternative.] 24...bxc5 25.Sd2 Tab8 26.Sf1 [Der Springer käme gerne nach f5.] 26...Lxf1 27.Txf1 Tb2 28.Tg3 Tcb8

 

Die Inititiave ist auf Schwarz übergangen. 29.Tgf3 Tb1 30.h4 Se6 31.Dh6+ Kg8 32.h5 Sgf4 33.g6 fxg6 34.hxg6 Dg7 [34...Sxg6 reicht auch: 35.Tf6 Sef4 36.Lxf4 exf4 37.Txg6+ hxg6 38.Dxg6+ Dg7]35.gxh7+ Kh8 36.Dxg7+ Kxg7 37.Lh3 Sg5 0–1

Partien

 

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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