Legends of Chess: Anand punktet

von André Schulz
28.07.2020 – Viswanthan Anand hatte im Verlauf des Turniers reichlich Pech. In der gestrigen 7ten Runde konnte er endlich einen glatten Sieg gegen Boris Gelfand landen. Unterdessen hat Magnus Carlsen seinen Vorsprung um einen Punkt erhöht. | Foto: Alina l'Ami

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Der Weltmeister erhöht

Magnus Carlsen benötigte in der siebten Runde der Legends of Chess allerdings volle vier Partien, um gegen Peter Svidler den ersten und entscheidenden Sieg zu landen. Die ersten drei Partien hielt der St. Petersburger Schachanalyst - teils mit etwas Mühe remis. In der vierten Partie konnte Svidler aber der Wucht von Carlsens Endspielkraft nicht mehr standhalten.

 

Plan: Der weiße König läuft auf den weißen Feldern ins schwarze Lager und holt den Bauern h6 ab, und zwar so: 49.Ke4 Lf8 50.Kf5 Tc7 51.Ta6 Ke8 52.Kg6 Tb7 53.Te6+ Kd8 54.Tf6 Le7 55.Kxh6 Tb5 56.Tf5 Tb4 57.e6 Txg4 58.Td5+ Ke8 59.Kg6 Tf4 60.Ta5 Kf8 61.Txa7 Tf6+ 62.Kh7 Ld6 63.Tf7+ Txf7+ 64.exf7 1–0

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Ian Nepomniachtchi ist Carlsens engster Verfolger. Gegen den sperrigen Peter Leko musste die russische Nummer eins nach vier Remis jedoch ins Armageddon. Dort stand ein kompliziertes theoretisches Endspiel zur Diskussion:

 

62.Kc4 Ta4+ [62...Txf3 63.Tb7 Txf4+ 64.Kb5 Tf1 65.a7 Ta1 66.Kb6 Kg5 67.Tb8 Txa7 68.Kxa7 Kf4 ist remis. (68...f5 würde für Schwarz verlieren.) ]

63.Kb5 Txf4 64.Tc7? [64.Ta8 Kg5 65.a7 Txf3 66.Th8 Tb3+ 67.Kc4 und gewinnt.]

64...Txf3 65.Tc4 Tb3+? [Schwarz folgt der Intention von Weiß und verliert.]

[65...Te3 hält stattdessen remis. 66.a7 Te8 67.Kb6 Kg5 68.Kb7 f5 69.Tc8 Te7+ 70.Kb6 Txa7 71.Kxa7 

a) 71...f4? 72.Kb6 f3 73.Tf8 Kg4 74.Kc5 g5 75.Kd4 Kg3 76.Ke3 g4 77.Tg8 f2 78.Tf8 und Schwarz gewinnt.

b) 71...Kf4  72.Tc3 g5 73.Kb6 g4 74.Kc5 g3 75.Tc2 Kf3 76.Kd5 g2 77.Txg2 Kxg2 78.Ke5 remis.]

66.Tb4 Te3 67.a7 Te8 68.Ka6 [68.Ka6 f5 69.Tb8] 1–0

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Anish Giri hatte zu Anfang der Turnierserie etwas Probleme, den richtigen Online-Spielrhythmus zu finden, nun hat er sich prächtig eingespielt. Gegen den form- und verbindungsschwachen Ding Liren benötigte er nur drei Partien zum Gewinn des Treffens. Die erste Partie endete allerdings sehr abrupt wegen eines neuerlich Verbindungsbruchs auf Seiten von Ding Liren, der für den Chinesen zum Partieverlust führte.

Die dritte Partie gewann Giri ohne Verbindungsabbruch. Ding half hier selber auf andere Weise mit.

 

45.Lb6? [45.Le3 hält die Partie.]

45...Ta6 [Nun hat der Läufer kein Feld mehr.]

46.Txd3 Te1+ 47.Kh2 Txb6 48.Tc2 Tb1 49.h4 Kg6 50.Tcc3 Tb2 51.Kg3 Kf6 52.Te3 g5 53.hxg5+ hxg5 54.Tc8 Sf4 55.Tf8+ Kg7 0–1

Es hat etwas gedauert, aber nun ist auch Viswanathan Anand im Turnier der Legenden angekommen. Gegen den Turniersenior - zwei Jahre älter als Anand - Boris Gelfand kam der 15. Schachweltmeister zu einem glatten Sieg. Das Match war die Neuauflage des WM-Kampfes aus dem Jahr 2012. Damals hatte Anand große Schwierigkeiten, gegen Gelfand seinen Titel zu verteidigen. 

In einer spannenden ersten Partie konnte sich der Inder in einem anspruchsvollen Endspiel mit ungleichem Material durchsetzen.

 

22... Sxa4!? [Anand bringt Würze ins Spiel. Das Figuren"opfer" bringt ihm zwei Bauern und drei verbundene Freibauern am Damenflügel ein.]

23.Dxa4 Sxe4 [Verbunden mit der Drohung Sxg3.]

24.Lxe4 [Vielleicht war es besser den Läufer auf dem Brett zu lassen: 24.Lb6!?]

24...Txe4 25.Sc3 Dxa4 26.Sxa4 b5 27.Sb6 Td8 28.Lf4 Ld6! [Das unbedachte 28...Lc5? spielt Weiß in die Händer: 29.Lc7 Tde8 30.d6. Der d-Freibauer ist nur einer, aber er ist jetzt pfeilschnell.]

29.Lxd6 Txd6 30.Sc8 Td7 31.d6 c3 [Die Lawine rollt.]

32.Td5 b4 [Wie steht es nun? Die Maschine wertet diese Stellung als 0.00, was hier wohl heißt: Beide Seiten können noch gewinnen.]

 

33.Sb6 Td8 34.d7 Te6 35.Sa4 Tc6 36.Sc5 Tc7

[36...c2 37.Tc1 Txd7 38.Sxd7 b3 39.Tb5

a) 39...a4 wäre zu hastig. 40.Tb8+ Kh7 41.Sf8+ Kg8 42.Se6+ Kh7 43.Sd4 Td6 44.Sxc2 Weiß gewinnt.

b) 39...Td6  40.Kg2 Td1 41.Txc2 bxc2 42.Tb8+ Kh7 43.Sf8+ Kg8 44.Sg6+ Kh7 45.Sf8+ remis.]

37.Te5 Kh7 38.Ta1?

[38.Te8? Tcxd7 39.Sxd7 Txd7 40.Ta8 c2 41.Tc8 b3 und die Bauern laufen, Schwarz gewinnt.

38.Tc1 führt zum Remis: 38...a4 39.Sxa4 Tcxd7 40.Sxc3 Tc7 41.Td1 bxc3 42.Txd8 c2 43.Te1 c1D 44.Txc1 Txc1+]

38...a4

 

39.Txa4 [Zäher war vielleicht 39.Sxa4 c2 40.Tee1 Tcxd7 41.Sb2 b3 42.Tac1 g5 43.hxg5 hxg5 44.Kg2 g4 mit schwarzem Vorteil - Weiß kann sich nicht rühren.]

39...c2 40.Ta1 Tdxd7 41.Sxd7 Txd7 42.Tc5 [42.Tee1 b3. Zwei schwarzen Bauern sind hier mehr wert als ein weißer Turm.] 42...b3 43.Tf1 Td1 44.Kg2 Txf1 45.Kxf1 b2 0–1

Für Anand-Fans:

Master Class Band 12: Viswanathan Anand

Als Viswanathan Anand auf der europäischen Schachbühne erschien, hatte er in Indien schon einige Erfolge erzielt, die indischen Jugendmeisterschaften und als Jugendlicher auch die Landesmeisterschaften der Erwachsenen gewonnen. Mit gerade einmal 14 Jahren wurde Anand 1984 für die Schacholympiade in die indische Nationalmannschaft berufen. 1987 wurde er Juniorenweltmeister, 1988 verlieh die die FIDE dem 19-jährigen den Titel eines Großmeisters.

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Vasyl Ivanchuk gewann die erste Partie und brachte in der zweiten Partie seines Matches gegen Vladimir Kramnik die Drachenvariante zum Einsatz, mit durchschlagendem Erfolg.

 

18.De1 [Die Hauptvariante beginnt mit 18.Lc4]

18...Sf4 19.Ld6 Db6 20.Lc5 Dc7 [Schwarz scheint mit Remis zufrieden zu sein, Weiß will weiterspielen.]

21.c4 Ld5 22.Ld6 [22.cxd5 cxd5 öffnet entscheidend die c-Linie.]

22...Db6 23.Lc5 Dc7 24.Th2 [24.Ld6 Db7 25.cxd5 cxd5 26.Sc3 Tac8 ist gut für Schwarz.]

24...Lxe4 25.Ld6 Dc8 26.Dxe4 c5 27.b4 Lf8 28.bxc5 Da6 29.Tb2 Da3 30.Kb1 [Die Fläche vor dem weißen König ist recht luftig geworden...]

30...Lxd6 31.cxd6 Tab8 32.Tb7 Ted8 33.c5 Dxc5 34.d7? [Übersieht den nächsten Zug. 34.Tb3 Txb3+ 35.axb3 Txd6 und Weiß kann noch ums Remis kämpfen.]

 

34...Sd5 [Eine maximal unangenehme Versperrung.]

35.Dxd5 [35.Txd5 Txb7+ 36.Ka1 Dc3#]

35...Dxd5 36.Txd5 Txb7+ 37.Kc2 Tdxd7 38.Txe5 Td4 0–1

Kramnik glich in der nächsten Partie aus, aber die vierte Partie ging erneut an Ivanchuk.

Für Kramnik-Fans:

Master Class Band 11: Vladimir Kramnik

Mit dieser DVD kann man am Vorbild eines der besten Spieler der Schachgeschichte und mit den Erläuterungen der Autoren (Pelletier, Marin, Müller und Reeh) lernen, wie man Partien strategisch erfolgreich anlegt, seinen Gegner auf diese Weise permanent unte

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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