Leko am besten

10.01.2007 – Nur eine einzige Partie verlor Peter Leko beim 1.ACP Rapid World Cup. Boris Gelfand war der einzige Spieler in Odessa, dem das Kunststück gelang, dem Ungarn einen ganzen Punkt abzunehmen. Genutzt hat ihm das nichts, denn im Stichkampf war er chancenlos. Peter leko bestätigte in Odessa seine derzeit gute Form, die sich schon bei seinem Turniersieg beim Tal-Memorial in Moskau abzeichntete. Einen starken Eindruck hinterließ auch Teimour Radjabov. Der jüngste Teilnehmer schied zwar im Halbfinale gegen einen sehr technisch agierenden Vassily Ivanchuk aus, erfreute aber Zuschauer und Problemautor Sergey Tkachiev, indem er dessen komplizierte Studien am schnellsten von allen zu lösen imstande war. Auch vor der Kamera machte der Youngster eine gute Figur und beantwortete alle Fragen präzise und eloquent, meint Misha Savinov in seinem Schlussbericht. Offizielle Turnierseite... , ACP Rapid World Cup - Berichte...Mehr....

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Leko gewinnt den 1. ACP World Rapid Cup
Von Misha Savinov

Nicht nur das ACP Schnellschachturnier verdient viel Beifall. Auch die Gastgeberstadt Odessa soll zumindest mit ein paar Bildern gewürdigt werden.


Ein typischer Winter in der Nähe des Schwarzen Meers


Laokoon und die Schlangen


Odessa lockt sogar Anfang Januar ein paar Touristen an


Das Opernhaus ­– siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Odessa_Opera_Theater


Ivan Martos’ Statue des Grafen de Richelieu in Odessa – mit gestreifter Weste


Das Plakat des World Rapid Cup


Primorsky bei Nacht


Historisches Kopfsteinpflaster gibt es in dieser wunderschönen Stadt häufig

Am letzten Tag des ACP World Rapid Cups wurden zwei Halbfinale und ein Finale gespielt. Das schien etwas unfair dem Spieler gegenüber, der sich im zweiten Halbfinale qualifizieren musste, da er nur zwischen 10 und 50 Minuten Zeit zur Erholung vor dem Schlusswettkampf um $40,000 hätte. Vielleicht war dem so, aber er bestritt das. Tatsächlich begann der Tag mit einem unerwarteten, oder anders gesagt, nicht geplanten Ereignis. Ein paar Dutzend Kinder kamen gegen 11 Uhr Vormittag zum Hotel, um ‘die Großmeister zu treffen’. Bis zur letzten Minute stand nicht fest, wie dieses Treffen aussehen würde. Schließlich verfielen wir auf die Blindschachidee.

Aber zuerst einmal gab es Fragen. Die Kinder aus Odessa waren extrem ungeduldig und ließen den Spielern fast gar keine Zeit, um Fragen unterschiedlicher Schwierigkeitsstufen zu beantworten.


Großmeister treffen auf schachbegeisterte Kinder


Bohrende Fragen

Sie wurden erst nach Evgeny Bareevs geschickter Frage&Antwort etwas langsamer: ‘Welche Charaktereigenschaften braucht man, um Großmeister zu werden? – Geduld. Man muss nicht nur lernen zu fragen, sondern auch lernen, den Antworten zuzuhören.’


Jeder lacht über Bareevs mit unbewegtem Gesicht vorgetragenen Scherze


Tatsächlich jeder!

Evgenys kürzlich erfolgte Aufnahme in das Jugendschachkomitee des Russischen Schachverbands war eindeutig kein Fehler.


‘Können Sie dieses Ding entfernen, damit wir eine Partie spielen können?’

Dann kamen die Blindpartien. Der erfahrene Amber-Veteran Alexei Shirov testete die Kinder als Erster. Er gewann leicht. Dann nahm Sergey Rublevsky seinen Platz ein, aber diese Partie verlief nicht so glatt. Wie Sie auf dem Photo sehen können, befand er sich zu einem bestimmten Zeitpunkt in ziemlichen Schwierigkeiten, was bei seinen Kollegen Gelächter hervorrief.


Sergey Rublevsky trifft auf seinen Gegner


Und gerät in einer harmlosen Eröffnung in Schwierigkeiten

Im kritischen Moment konzentrierte sich Sergey jedoch, dachte etwa eine Minute (was wie eine Ewigkeit schien) über seinen Verteidigungsplan nach und wendete das Blatt allmählich. Aber der Großmeister, der als Dritter spielte (behalten wir seinen Namen für uns), verlor gegen ein Mädchen. Zu seiner Entschuldigung lässt sich sagen, dass dieses Mädchen die Tochter eines örtlichen Schachmeisters und erfahrenen Schachtrainers ist.

Nach der Aufregung des Blindschachs gingen wir zum Schnellschach über, was erneut Erinnerungen an die Privatparty in Monaco hervorrief. Leko und Gelfand waren zuerst dran.


Gelfand und Leko machen sich kampfbereit

Und sie spielten ein großartiges Match, wenn auch am Anfang etwas verhalten. Die zwei Remis in den Schnellpartien waren nicht allzu ereignisreich, obwohl die Qualität des Spiels ordentlich war. Die Gegner tasteten einander nach Schwächen ab.

Im Blitz hatte Leko alle Vorteile auf seiner Seite und es lag nur an seinen Nerven – aus irgendeinem Grund spielt der Ungar Schlüsselpartien nicht so gut –, dass er eine Sudden-Death-Partie brauchte, um weiter zu kommen. Die erste Blitzpartie war eine Katastrophe für Gelfand, dessen Sizilianer erstaunlich schnell zusammenbrach. Beachten Sie, dass der erste Versuch in der Schnellpartie okay verlief, aber als Boris die Eröffnung wiederholte, wurde er ohne große Probleme geschluckt. In der zweiten Partie gewann Leko einen Bauern und stand kurz vor einem positiven Gesamtergebnis, als er plötzlich den Faden verlor und der Endspielroutinier Gelfand das Material zurück gewann und die Partie dann zum Sieg steuerte.

Noch eine Armageddon-Partie, huh! Leko gewann im Losen und entschied sich für Schwarz. Das war die richtige Strategie. Gelfand strengte sich schwer an, nach Zeit zu gewinnen und gab gleich nach der Eröffnung so viel Gas wie möglich. Dies ist jedoch gegen seine Natur. Boris landete in einer ziemlich passiven Stellung und übersah ein einfaches und wirkungsvolles Qualitätsopfer des Schwarzen – das tatsächlich gewann, da die schwarze Dame die gegnerischen Bauern nach Belieben einsammeln konnte. Leko war eine Runde weiter.


Im Rampenlicht bei der Pressekonferenz


Peter Leko: Das war spannend

Das zweite Halbfinale war ein weiterer Titanenkampf. Ivanchuk und Radjabov haben mich beide sehr beeindruckt. Man kann ohne weiteres sagen, dass sich Vassily in diesem Turnier in verblüffender Form befand, aber Teimour war auch ziemlich wach. Der berühmte Schachkomponist Sergey Tkachenko verfolgte erstaunt, wie der Großmeister aus Aserbeidschan seine Studien, von denen etliche ziemlich kompliziert waren, in ein paar Minuten und ohne Brett löste. Tkachenko zeigte anderen Spielern die gleichen Studien, aber nur Alexei Shirov kam in die Nähe von Radjas Rekordergebnissen und auch nur bei bestimmten Studien, die auf brillanten und kreativen taktischen Tricks beruhten.


Das zweite Halbfinale

Die erste Partie war die Schlüsselpartie des Wettkampfs. Ivanchuk spielte sehr trockenes, technisches Schach, sicherte sich das Läuferpaar und benahm sich dann, als würde dies genügen. Teimours Vater Boris war später unzufrieden mit dem Bedenkzeitverbrauch seines Sohnes. Ivanchuk hatte etwa 7 Minuten für das entstehende Endspiel, Radjabov 7 Sekunden. Für mich war Teimours Fähigkeit, in solch horrender Zeitnot eine schlechtere Stellung eine ganze Weile zu halten, ein deutliches Indiz seiner herausragenden Fähigkeiten. Aber schließlich brach Schwarz doch zusammen und Ivanchuk schlug aus seinem Läuferpaar Kapital. Radjas Versuche in der zweiten Partie zurückzuschlagen, waren einfallsreich, aber am Ende ein bisschen zu ungesund für Ivanchuk. Das Genie aus Lvov verfügt über eine Unmenge an Erfahrung im Spiel gegen diverse Gegner aus Baku...


Teimour Radjabov allein vor der Presse

Das Finale begann 50 Minuten, nachdem Radjabov-Ivanchuk vorbei war. Vassily Ivanchuk wurde erlaubt, bei der obligatorischen Pressekonferenz zu fehlen und Teimour Radjabov (der, um das nicht zu vergessen, 0-2 verloren hatte) ertrug geduldig die gesamte Aufmerksamkeit der Medien, darunter drei bis vier Fernsehstationen und viele Zeitungsjournalisten.


Trotz der Niederlage sehr beliebt

Radjabov verzauberte das Publikum in Odessa mit prompten und detaillierten Antworten. Wir haben uns an den Burschen bereits gewöhnt, aber er ist erst 19 und wird immer noch besser…

Der letzte Wettkampf war Leko gegen Ivanchuk, und er verlief extrem technisch. Es scheint, als gelte es nach dem Match in Elista wieder als guter Stil, Stellungen ohne Damen zu spielen.


Kein Scherz, dies ist die Aljechin-Verteidigung


Sehen Sie nur, wie schön die Springer aufgestellt sind

Keiner der beiden Spieler konnte in den Schnellpartien und in der Blitzpartie irgendwelche Fortschritte erzielen. Die Partien wurde kommentiert, zuerst von Morozevich und Beim (Victor Korchnoi musste Odessa am letzten Tag verlassen), danach von Bareev, Gelfand und Tregubov.


Morozevich kommentiert

Morozevichs Kommentare waren am originellsten und mutigsten, die von Bareev am subtilsten – und sie enthielten die meiste Ironie. Er schlug vor, wie man Leko schlagen könnte – vier Remis machen, das Losen gewinnen und sich in der Sudden-Death-Partie für Schwarz entscheiden. Ivanchuk schien auf dem richtigen Weg zu sein, aber ein zweites Mal Aljechin zu spielen, erwies sich als Fehler, da er die Eröffnung sehr viel schlechter als beim ersten Mal behandelte. Leko erhielt eine überwältigende Stellung, und dann war es vorbei – Chucky wurde einfach erdrückt und auch das Qualitätsopfer half nicht.

 

Bei der abschließenden Pressekonferenz klagte Ivanchuk über sein schlechtes Spiel in der letzten Partie, die er wie ‘ein Spieler der ersten Kategorie’ behandelt hätte.


Ivanchuk: ‘Ich habe gespielt wie ein Spieler der 1. Kategorie!’


‘Wenig Pause ist kein Grund, 50 Minuten Vorbereitung reichten aus’


Die Schachlogik herrschte und beide Spieler freuen sich darüber

Er bestritt, dass weniger Zeit zum Ausruhen gehabt zu haben sein Spiel in irgendeiner Weise beeinflusst hätte, und wies darauf hin, dass Leko ein sehr viel anstrengenderes Halbfinale spielen musste... Der Ungar wurde gefragt, was alle führenden Spieler verbinden könnte. Er antwortete, dass solche Turniere wie in Odessa mit Sicherheit viel dazu beitragen können. Dem kann ich nur zustimmen.

Später, nach dem Finale, der Pressekonferenz und vielen weiteren Interviews erfolgte die Siegerehrung.


Der einzige Spieler, der Leko geschlagen hat, sollte respektiert werden


Marina Makarytcheva interviewt

Neben den Geldpreisen beschenkte die Organisation die Spieler mit Karikaturen, die während des Turniers von Ihnen von einem Zeichner angefertigt wurden. Besonders Sergey Rublevsky und Vassily Ivanchuk hatte große Freude daran, während Hikaru Nakamuras Begeisterung zurückhaltender ausfiel.


Hikaru Nakamura bekam ein Bild von sich, aber möchte es nicht zeigen. Ich auch nicht


Sergey Rublevsky wird von Vadim Morokhovsky herzlich begrüsst


Hey, ich bin’s!


Preis, Diplom, Porträt und Umschlag für Teimour Radjabov


Vassily Ivanchuk ist unglaublich nett zu den Fotografen


Peter Leko: ‘Ich glaube, ich habe diesen Sieg verdient’


Der Preis: Sechzehn Swarowski-Sterne


Doch leider konnten die Lekos nicht alle Blumen mit nach Hause nehmen

Auch Peters Ehefrau Sofie erhielt einen Sonderpreis.


Ein Spezialpreis für Sofia Leko


Das siegreiche Paar


Alle Partien (pgn)...

 

 

 

 

 

 

 



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