Leko-Schachschule in Miskolc

24.04.2007 – Schach wird großgeschrieben in Miskolc, deren Stadtväter mit dem Programm "Kultur baut Stadt" der früheren Industriestadt eine neue Identität vermittelt haben. Schachwettkämpfe, wie das morgen beginnende Match zwischen Leko und Kramnik, gehören ebenso dazu wie eine Schachschule, die gestern unter der Schirmherrschaft von Peter Leko eröffnet wurde. Die Stadt hat dafür Räume im VIP-Bereich der Sportanlage des örtlichen Fußballerstligisten zur Verfügung gestellt und wird die Schachschule auch mit Trainern unterstützen. Dagobert Kohlmeyer sprach am Rande der Eröffnung mit der ungarischen Nummer Eins. Mehr...

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Leko-Schachschule in Miskolc eröffnet
Fotos: Frederic Friedel, Dagobert Kohlmeyer

Der ungarische WM-Kandidat Peter Leko hat am Montag, kurz vor seinem Match gegen Wladimir Kramnik, in Miskolc eine Schachschule eröffnet.

Er möchte damit dem Schachnachwuchs seines Landes Gelegenheit geben, fachgerecht zu trainieren. Mit dem Standardzug e2-e4 eröffnete Peter die erste Übungsstunde.

Anschließend gab es die ersten Tipps sowie Autogramme für die Kids. Die Stadt Miskolc und ihr Bürgermeister Sandor Kali unterstützen das Projekt mit Räumlichkeiten und Trainern.

"Man muss Schach und Bewegung kombinieren"
Interview mit Peter Leko
Von Dagobert Kohlmeyer

Wer kam auf den Gedanken, eine Schachschule unter deinem Namen zu errichten?

Diese Idee hatte ich schon immer. Ich wusste aus eigener Erfahrung, wie schwer es am Anfang einer Schachkarriere ist, Fortschritte zu machen. Und die Frage „Warum solle es den heutigen Kindern so ergehen“? steckte praktisch seit langem in mir. Es geht darum, dass die Kids überhaupt eine Möglichkeit bekommen, fachgerecht zu trainieren.

Was gab dann den konkreten Anstoß, die Sache jetzt anzupacken?

Voriges Jahr während des Matchs gegen Anatoli Karpow in Miskolc kam das Thema plötzlich wieder zur Sprache. Bürgermeister Sandor Kali, der sehr viel für Schach übrig hat, sagte, das ist eine super Idee. Und er hat sich der Sache persönlich angenommen.

Wie hoch sind deine Ansprüche an die Schüler?

Es ist klar, wenn das Kind Leko-Schachschule heißt, dann muss es ein bestimmtes Niveau haben. Auch die finanzielle Unterstützung für das Training muss stimmen. Wenn man schon so ein Projekt in Angriff nimmt, dann sollte man es auch ernsthaft tun, damit die Kinder die Möglichkeit haben, sich wirklich zu verbessern. Mein Name soll keine Alibifunktion haben.



Wer ist denn Sponsor dieser Einrichtung?

An erster Stelle steht die Stadt Miskolc. Sie nehmen es sehr ernst und zeichnen für das erste Jahr voll verantwortlich. Mit den VIP-Räumen im Fußball-Stadion von Miskolc (1. ungarische Fußball-Liga) steht eine großartige Lokalität zur Verfügung. Ich denke, die Kids werden mit großer Freude hierher kommen.

Kinder haben ja auch einen starken Bewegungsdrang. Nutzen sie das Stadion mit?

Ja, klar. Sie können dort in den schönen Räumen nicht nur am Schachtisch sitzen, sondern sich auch im Stadion bewegen. Ich tue es ja auch, ob beim Fußball oder Tischtennis. Man sollte beides, geistige und körperliche Tätigkeit, miteinander kombinieren, was einfach ideal ist.

Du kannst als viel beschäftigter Schachprofi nicht immer hier sein. Wer sind denn die Trainer?

Es sind erst einmal drei, später werden es sicher noch mehr. Da ist Attila Barva, der nicht nur die organisatorische Arbeit erledigt. Mit über 2400 ELO ist er selbst ein sehr starker Spieler. Dann der Internationale Meister Gyula Meszaros, ein alter Bekannter und Freund von mir. Er war Trainer von Ferenc Berkes. Die Kinder lieben ihn, weil er eine sehr angenehme Art hat. Als Spieler ist er sehr aggressiv, vor allem im Mittelspiel und Endspiel. Solche Leute brauchen wir. Sie sind sehr interessant für den Schach-Nachwuchs. Wir haben ein ganz gesundes Team, das sehr effektiv arbeiten kann.

Wie oft schaust du bei deinen Eleven vorbei?

Ein bis zweimal im Jahr bestimmt. So lange ich Profi bin, kann ich es mir natürlich nicht erlauben, mich ständig mit der Schachschule zu beschäftigen. Das Wichtigste war jetzt erst einmal, die Sache zu starten und mit meinem Namen Sponsoren zu gewinnen. Wenn die Schule sich etabliert hat und die Kinder nach ihren Möglichkeiten die entsprechenden Ergebnisse bringen, werden wir sicher auch noch mehr Unterstützung erhalten.

Wie groß ist der Ansturm auf die Leko-Schachschule?

70 Kinder sind schon eingeschrieben, und weitere 60 warten darauf, aufgenommen zu werden. Wir wählen nur die Besten aus. Es ist ganz klar, wenn hart gearbeitet wird, dann trainieren die Talentiertesten vier oder fünfmal pro Woche. Wie schon gesagt, wenn wir etwas tun, dann wird es wirklich richtig gemacht.

Ungarn ist ein Land mir großen Schachtraditionen. Die Schachlegende Lajos Portisch wurde Anfang des Monats 70 Jahre. Hast du an ihn gedacht?

Natürlich. Ach wenn wir keine sehr engen Kontakte pflegen, respektieren wir einander sehr. Was Lajos für unser Land im Schach geleistet hat, ist kaum zu wiederholen. Bei 20 Olympiaden zu spielen, ist bei den Anforderungen von heute nicht mehr möglich. Ich finde es wichtig, die Veteranen des Schachs zu ehren, wie das jetzt durch das Match Portisch-Spasski geschehen ist.

Wie ist deine Prognose für das Schnellschach-Match gegen Wladimir Kramnik? Du hast ja vom WM-Match in Brissago 2004 noch eine Rechnung offen.

Man kann beides nicht miteinander vergleichen. Das eine war eine Weltmeisterschaft, wo wir beide sehr gut vorbereitet antraten. Hier findet eine Show-Veranstaltung statt, die aber bis zum Schluss interessant und spannend sein wird. Kramnik ist der absolute Weltmeister und in einer großartigen Verfassung. Seitdem er nach seiner Krankheit zurückkam, hat er Top-Leistungen gebracht: bei der Olympiade in Turin, Dortmund, Wijk aan Zee, Monaco. Er spielt brillant, und das zeigt, wie schwer es für mich wird.

Siehst du dich als Außenseiter?

Etwas schon. Wladimir ist der Favorit, ganz klar. Aber auf der anderen Seite ist Miskolc ein ganz besonderer Ort. Die Leute von hier und meine ganze Fangemeinde stehen voll hinter mir. Das wird mich beflügeln. Trotzdem muss ich meine beste Leistung bringen, um ein gutes Resultat zu erzielen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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