LGA-Open: Schlussbericht und Interviews

14.09.2006 – Das LGA-Open in Nürnberg ist offenbar sowohl bei den teilnehmenden Amateuren wie Profis gleichermaßen gut aufgenommen wurden. Insgesamt 150 Spieler hatten sich an dem Turnier, das mit mehreren Doppelrunden an nur vier Tagen in den Räumens des Titelsponsors über die Bühne ging, beteiligt, darunter eine Reihe von Titelträgern. Turnierorganisator Michael Bezold, selbst Großmeister, konnte bei den Einladungen seine Kontakte spielen lassen. Jonny Hector gewann knapp vor Alexander Graf und Daniel Friedman. Im Interview zeigt sich Lubomir Ftacnik von der Organisation des Turniers, zu der auch ein professioneller Internetauftritt gehörte, beeindruckt. Turnierseite...Mehr...

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Das LGA-Open in Nürnberg - Schlussbericht und Interviews

Turnierbericht über den vierten Spieltag (Runden 6 + 7)
Hector hauchdünn vor Graf und Fridman

Der 3. LGA Premium Cup in der Metropolregion Nürnberg war bis zum Schluss von großer Kampfeslaune geprägt.

Als einziger mit weißer Weste musste der Schwede Jonny Hector am Abschlusstag des LGA Premium Cups gleich beide Partien mit Schwarz antreten. Zunächst stellte ihn der in Hamburger Diensten stehende Dr. Lubomir Ftacnik vor größere Probleme.


Ftacnik gegen Hector

Aber Hector konnte sich nach und nach herauswinden und eine passive, aber sehr feste Stellung mit Springerpaar gegen Läuferpaar Remis halten. Auch in der letzten Runde musste er gegen den GM Daniel Fridman von Mühlheim und nicht wie irrtümlicherweise in einem vorherigen Artikel erwähnt dessen Reisepartner in der Bundesliga Katernberg, als Nachziehender antreten. Aber da beide mit einem halben Punkt führten, wollten sie nichts mehr anbrennen lassen und sicherten sich lieber mit einem Unentschieden eine Topplatzierung. Der Sieger wäre alleiniger Gewinner gewesen. Das Preisgeld wurde nach dem Hort System geteilt. So musste man noch abwarten, was sich in den Verfolgerpartien entwickelte.

GM Alexander Graf vom SG Porz, der in Nürnberg wieder mal sein großes Kämpferherz zeigte, überrannte den jungen Mönchengladbacher Ilja Zaragatski. In der Tschigorin-Verteidigung wählte Graf eine einfache, dafür aber umso effektivere Aufstellung. Der Schwarze spielte in seiner gedrückten Position nach vorne, was aber nur noch mehr Felderschwächen zutage brachte. Letztlich ein ungefährdeter Sieg für Graf.


Graf gegen Zaragatzki

IM Buhmann gegen GM Ftacnik wie auch GM Gofshtein gegen GM Brodsky endeten unspektakulär mit einem Remis, so dass die Buchholtzwertung über die ersten drei Plätze entscheiden musste. Durch seine fünf Siege zu Beginn hatte Hector hier in der Endabrechnung die Nase vorn. Nach seinem Sieg 1999 beim Pyramiden Cup entführte der in Kopenhagen lebende GM erneut die Trophäe in den hohen Norden.

Ein Kurzsieg gelang dem Lokalmatadoren GM Michael Pruskin gegen den Forchheimer FM Manfred Heidrich. Prusikin, der 5,5 Punkte erzielte, lebt nämlich in Nürnberg, spielt aber für den TSV Bindlach-Aktionär in der 1. Bundesliga. Heidrich hatte bis zu diesem Zeitpunkt ein überragendes Turnier gespielt mit Siegen über GM Balinov und IM Bromberger.

Ebenfalls für viel Aufsehen sorgte Gabrielle Renner. Die Münchnerin mit einer DWZ unter 2000 besiegte in der 6. Runde IM Alexander Maier und musste in der Schlussrunde gegen den indischen IM Jha Sriram antreten.


Renner gegen Maier

Mit einem Sieg wäre sie gar auf dem geteilten vierten Platz gelandet und das bei über 30 Titelträgern.

Dieser Sieg des Inders gegen die bis dahin führende in der Damenwertung bescherte seiner Frau diesen Sieg in der Sonderwertung. Bester Jugendlicher wurde der Topgesetzte David Baramidze mit einem Schlussrundensieg über GM Lutz Espig.


Baramidze gegen Espig

Den Seniorenpreis ergatterte sich der große Buchautor GM Lev Gutman.

Bei der Siegerehrung sprach Turniersieger Jonny Hector im Namen aller Teilnehmer seinen Dank der LGA aus.


Die Sieger, Hector (m.l.) zwischen Graf und Friedman, re: Turnierleiter Bezold

Das Dienstleistungsunternehmen habe eine hervorragende Arbeit gezeigt, es habe sehr viel Spaß gemacht und die Spieler hätten sich sehr wohl gefühlt im „Frankenland“.



Hans-Jürgen Zeitler von der LGA dankte dem Schiedsrichter Robert Ackermann, der das Turnier souverän leitete. Er wies auch darauf hin, dass die vierte Auflage des Premium Cups im kommenden Jahr zu ähnlicher Zeit etwa Anfang September wieder stattfinden wird.

Das Team des 3. LGA Premium Cups bedankt sich an dieser Stelle bei allen Teilnehmern. Wir hoffen, es hat Ihnen bei uns gefallen und wir freuen uns auf nächstes Jahr zur vierten Auflage.

 



GM Michael Bezold
(Turnierleitung)

Jochen Galsterer
(Projektleitung)
 

 

GM Dr. Ludomir Ftacnik

Wie sind sie auf das Turnier gekommen?

Das ist eine merkwürdige oder ungewöhnlichere Geschichte. Ich kenne GM Michael Bezold schon seit längerer Zeit durch den Hamburger Schachklub, wo wir beide gespielt haben, bzw. spielen. Dennoch habe ich nicht direkt von ihm von diesem Turnier erfahren, sondern durch Stuart Conquest während eines Turniers in Portugal. Dieser hatte eine Einladung nach Nürnberg erhalten und sich angemeldet. Er musste aber kurzfristig absagen, da zeitgleich die EU-Schachmeisterschaft in Liverpool stattgefunden und er eine Einladung für diese Veranstaltung erhalten hat. Da ich selbst zu dieser Zeit keine anderen Verpflichtungen hatte, habe ich einfach bei Michael Bezold nachgefragt und konnte an der Stelle von Stuart Conquest teilnehmen.

Warum spielen Sie in diesem Jahr beim LGA Premium Cup mit?

Ich lebe in Bratislava. Das ist nur 500 km von Nürnberg entfernt und die Anreise ist somit für mich sehr einfach und angenehm. Als professioneller Schachspieler ist man es gewohnt große Distanzen zurückzulegen um an Turnieren teilzunehmen. Die Reise nach Nürnberg war für mich somit nur ein Katzensprung. Es ist einfach einmal schön keine große Reise machen zu müssen um ein attraktives Turnier zu spielen. Auch zeitlich hat es mir in meinen Terminplan gepasst und ich freue mich, dass ich ein kompaktes Turnier spielen kann, was nicht über eine ganze Woche geht.

Wie gefällt Ihnen der LGA Premium Cup?

Sehr gut. Ich wünsche mir, dass es mehr Turniere dieser Art gebe. Es ist ein professionelles Turnier, die Leute und die Atmosphäre sind nett. Auch das Hotel und die Verpflegung sind bestens. Alles läuft so, wie man es sich von einem guten Turnier erhofft. Es gibt wirklich nichts Schlechtes über dieses Turnier zu berichten. Ich bin sehr zufrieden.

Was unterscheidet dieses Turnier von anderen?

Das sind verschiedene Dinge. Zum einen das Format des Turniers. Normalerweise gehen Turniere über 9 Runden und mindestens eine Woche. Für viele Berufstätige ist es schwer an diesen Turnieren teilzunehmen. Man kann sich nicht einfach eine komplette Woche Urlaub nehmen. Auch Jugendliche profitieren von diesem Turnier, da auch deren Alltag oftmals ausgebucht ist und nicht ohne weiteres eine komplette Woche für Schachturniere zur Verfügung steht. Natürlich gibt es hierbei auch eine Kehrseite der Medaille: Sieben Runden in etwas mehr als drei Tagen ist sehr anstrengend und fordert enorm viel Kraft, Energie und Ausdauervermögen. Nur wer sowohl geistig als auch körperlich fit ist, ist im Stande während des gesamten Turniers konzentrierte und erfolgreiche Partien zu spielen. Der körperliche und geistige Zustand ist einfach ausschlaggebend und man sollte diesen Fakt nicht unterschätzen. Ich selbst laufe jeden Tag und halte mich so fit. Das hilft mir, wenn ich so wie hier mehrere Partien täglich spiele, damit meine Konzentrationsfähigkeit über den Tag nicht absinkt. Nur so lassen sich verhängnisvolle Fehler vermeiden. Vielen Schachspielern fehlt es auch schwer, so „früh“ am morgen geistig fit zu sein um zu Höchstleistungen aufzulaufen. Wir Schachspieler sind nun mal oft Nachtvögel, aber den Zeitplan hier sollte man einfach als Herausforderung sehen. Wenn jemand sowohl geistig, körperlich als auch schachlich fit ist, wird er die Herausforderung des Turniers objektiv gesehen sicherlich bewerkstelligen.

Gibt es weitere Unterschiede zu anderen Turnieren?

Das Teilnehmerfeld ist sehr weit gestreut. Schachspieler unterschiedlichster Couleur spielen hier mit: vom Anfänger mit wenig Turniererfahrung über den Amateur bis hin zu namhaften Titelträgern, man hat hier die Chance auf jeden Gegner zu treffen. Besonders junge oder unerfahrene Spieler haben so die Möglichkeit eventuell gegen Titelträger zu spielen. Sollte dies nicht der Fall sein, bietet sich ihnen doch oft genug die Möglichkeit mit diese in Kontakt zu treten, sei es im Analyseraum, den Pausen oder beim Essen. Diese Chance dürfen sie sich nicht entgehen lassen, denn nur so können sie dazulernen und sich verbessern. Organisiert man Schachturniere so hat man meistens nur zwei Möglichkeiten: Eine Möglichkeit wäre ein riesiges „Schauturnier“ zu organisieren mit hauptsächlich bekannten Schachspielern und Titelträgern. Natürlich ist hierbei das Medieninteresse groß und die Organisatoren haben die Garantie, dass die bekannten Schachspieler auch kommen, da sie ihre ELO-Zahl möglicherweise verbessern können und sicherlich auch en gutes Preisgeld beim Sieg erhalten werden. Für den regionalen Schachbetrieb ist dies aber nicht förderlich. Kleinere Spieler bleiben außen vor, die Titelträger unter sich.

Die andere Möglichkeit wäre ein Turnier mit lokalem Schwerpunkt. Leider bleiben bei diesen Turnieren oftmals die Titelträger fern. Hier beim LGA Premium Cup hat man es erfolgreich geschafft beide Aspekte zu verbinden. Das Teilnehmerfeld ist für Titelträger interessant, es besteht die Möglichkeit die ELO-Zahl zu verbessern, da ausreichend gute Spieler vorhanden sind, aber auch lokale Schachspieler erhalten die Chance mit Titelträger zu Spielen. Titelträger sind quasi zum anfassen nah. Bei diesem Turnier trifft Qualität auf Lokalität, was nicht leicht zu vereinbaren ist. Die Qualität eines Turniers hängt von so vielen kleinen Dingen ab, die hier aber zu meiner Zufriedenheit gelöst wurden. Einer dieser kleinen Feinheiten ist die Qualität des Internetauftritts: Alle notwendigen Informationen sind enthalten, kein Wunsch bleibt unerfüllt. Es ist übersichtlich und wenn man die Seite aufmerksam studiert, bleiben keine Fragen unbeantwortet.

Mir gefällt auch sehr gut, dass sich die Organisatoren hier auch noch um die Titelträger bemühen und Anreize setzen, damit sie in die LGA kommen. Normalerweise werden Titelträger nicht mehr eingeladen, da Organisatoren ganz nach dem Motto handeln: „Die kommen ja sowieso. Wir müssen uns nicht um diese bemühen“. Konditionen für Titelträger sind diesen fremd. Das ist hier ganz anders. Titelträger erhalten z.B. den Hotelaufenthalten oder Verpflegung. Man bemüht sich einfach um die Spieler und kümmert sich intensiv um sie. Das erinnert mich ein bisschen an alte Zeiten. Ich spiele ja immerhin schon eine ganze Weile Schach. Leider hat sich das geändert. Schön, wenn man sieht, dass es doch noch anders gehen kann. Es ist so ein bisschen wie Weihnachten hier. Etwas auf das man sich freut und bei dem man sich wohl fühlt.

Gäbe es etwas, was Sie an diesem Turnier verbessern würden?

Ich würde mir wünschen, dass noch mehr Spieler an dem Turnier teilnehmen können, falls die Nachfrage danach vorhanden ist. Es wäre schön, wenn noch mehr Schachspieler die Möglichkeit erhalten könnten, an diesem einmaligen Turnier teilzunehmen.
Eine Sache, die ein bisschen ungewöhnlich ist, ist die Raumaufteilung. Normalerweise sind alle Bretter in einem Raum und man kann sich leicht andere Partien anschauen. Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten ist dies hier aber nicht möglich und das Turnier findet in zwei Räumen statt. Aber dies ist nicht schlecht. Möchte man sich andere Partien ansehen, läuft man eben ein oder zwei Schritte.

Was erhoffen Sie sich von diesem Turnier?

Ich möchte natürlich meine ELO-Zahl verbessern und ein paar Punkte dazu gewinnen. Natürlich bin ich auch angereist um zu versuchen den ersten Preis zu gewinnen. Mal sehen, wie es ausgeht. Wichtig ist, dass man mit sich selbst zufrieden ist und gut spielt. Ich habe hier in Nürnberg schöne Erfahrungen gemacht, konnte meine Wertung verbessern und habe auch noch Hoffnungen auf den ersten Platz. Insofern haben sich meine Hoffnungen erfüllt. Wenn ich die Zeit habe, komme ich gerne nächstes Jahr wieder.



GM Jonny Hector, Sweden

Stefanie Drückler (LGA): How did you get to know about the tournament?

Jonny Hector: I know GM Michael Bezold from different tournaments like 'Pyramide' in Fürth or the 'Pulvermühle' which he is organising as well. So he told me about this tournament and invited me to Nuremberg a few months ago.


Why did you come to Nuremberg?
 
I followed Michael Bezold's invitation and therefore I am here. I like playing tournaments which are organised by Michael Bezold. He is always trying to improve his tournaments and the whole organisation. These events are interesting because he has a lot of ideas and tries to integrate them in his tournaments. When I got the invitation I knew there are going to be some new side things, for example the small chess ridles during the day, which will make it interesting to play.

How do you like the Premium Cup 2006 so far?

I really enjoy it. The organisation is good and the tournament is interesting. There are a lot of small ideas realised which are new for me and that is always nice to have. The surroundings are good and I like playing here. It is a strong and tough tournament and there are more than 15 players who make a living out of winning chess tournaments. Consequently, the competition is high but that makes it interesting, from the sportive side of view as well.
Another reason why I might like it a lot is that I finished well and now I am waiting for the end results. You always like something if it is going well for you. Anyway, it is a professional tournament in Nuremberg, the conditions are good and I am happy to be one of the winner.

Is there anything special about this tournament?

What I find interesting is the connection between chess and the LGA (sponsor in which building the tournament is carried out): Both deal with good ideas, correctness and planning. While finding a solution both chess players and the LGA have to consider the possible following consequences. That there is a connection between chess and the sponsor especially in times of difficulties to find sponsors for chess is something I seem to be special. It is is no longer compulsory to have a sponsor which is in the position to offer such a tournament but it is nice and desireable to see this kind of support.

What were your expectations for this tournament?

As a professional I try to win. I knew it was going to be an intensive programme but I made it and now I enjoy that I am finished and my only job is to wait for the result and the award ceremony. This situation where you only have to wait without playing and with the ensurance that you are one of the winners is the gratification for the rounds where I played without mistakes. I knew that I cannot afford to make a single mistake while playing a tournaments with so many good players. Making no mistake was what I expected from myself and I am happy that I achieved my goals.

Thank you for the interview. I wish you all the best for your next matches.
 

 

 

 


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