Der 4. LGA Premium Cup
Von André Schulz
Die Landesgewerbeanstalt (LGA) Bayerns mit Sitz in Nürnberg residiert in
sehr modernen und großzügigen Gebäuden unweit der Nürnberger Innenstadt. In
der Nähe liegt der ebenfalls moderne Südwest-Park mit zahlreichen Firmen und
einem größeren Tagungshotel. Inzwischen gehört die LGA zur TÜV Rheinland
Group. Hauptsächliches Aufgabengebiet ist die Prüfung und Zertifizierung von
Produkten, sowie Angebote im bericht Technologieförderung, Baustatik und
vieles mehr.


Kunstausstellung in den LGA-Räumen
In diesem Jahr fand der LGA Premium Cup bereits zum vierten Mal in den
Räumen des Sponsors statt. Mit Hans-Jürgen Zeitler hat die Firma einen
Prokuristen in ihrem Mitarbeiterstab, der selbst ein begeisterter und auch
guter Schachspieler ist und bei dem die Anfrage aus dem Vorstand, ob
Schach nicht ein gutes Vehikel zur Präsentation der LGA sei, auf fruchtbaren
Boden fiel. Er fragte bei Großmeister Michael Bezold, der in Nürnberg schon
den Pyramiden Cup organisiert hatte, um Hilfe an und so wurde der LGA
Premium Cup auf die Beine gestellt.


im Fischer-Saal: die Spitzentische

Spielsäle: Fischer-Saal am besten, gefolgt von der Botvinnik-Promenade

Technikzentrale ohne Chefpilot Axel Fritz


Entspannung in der Mittagspause
Bezold hat als Großmeister sicher viele Kontakte in die Schachszene,
aber besonders die Verbindungen zu seinen früheren Schützlingen aus seiner
Zeit als Jugendtrainer des deutschen Schachbundes erweisen sich für die
Organisation als nützlich. Die Jugendlichen von damals sind inzwischen sehr
spielstarke Titelträger, von denen Arik Braun mit dem Jugendweltmeistertitel
vielleicht die beste "Titelbeute" gemacht hat. Anscheinend haben sie ihren
damaligen Trainer in guter Erinnerung behalten, denn gerne und in große Zahl
folgen sie Bezolds Ruf nach Nürnberg.

Arik Braun

Rainer Buhmann

David Baramidze

Sebastian Bogner, vor zwei Jahren mit 14 Deutschlands jüngster IM aller
Zeiten

Ilja Zaragatzki
Hinzu kommen in jedem Jahr einige weitere Titelträger, die Bezold meist
persönlich kennt, und die er als Bereicherung des Wettbewerbs ansieht. Alle
zusammen, Amateure und Profis, geben der Veranstaltung ein spezielles
Gesicht. So ist das Turnier in erster Linie ein Open für die Nürnberger und
fränkischen Schachfreunde bzw. andere Spieler aus der näheren und weiteren
Umgebung. Von den Titelträgern stammen viele aus Deutschland. Einige
bekannte Spieler von außerhalb, z.B. Arthur Kogan, Johny Hector, Tiger
Hillarp Persson, Ivan Farago oder Österreichs neuer Jungstar Markus Ragger,
verleihen dem Turnier internationales Flair, ohne jedoch den regionalen
Gesamteindruck insgesamt zu verändern.

"Mr. Modern Defence": Hillarp Persson

Farago

Kogan
Mit dem Studienkomponisten und Spieler Yochanan Afek hatte Bezold zudem
jemanden eingeladen, der mit seinen Endspielstudien nach den Runden
interessante Aufgaben präsentierte und zum Mitlösen animierte.

Afek mit Studie

Bezold mit "Lottofee" bei der Auslosung
Die Großmeister hatten im Verlaufe der fünf Turniertage z.T. ein schweres
Leben. David Baramidze sah sich in seiner Auftaktrunde in einer schwierigen
Partie gegen den LGA-Finanzchef Zeitler und profitierte davon, dass dieser
seine Chancen nicht nutzte. Zeidler absolvierte wohl das anstrengendste
Programm. Wie alle anderen spielte er sechs Doppelrunden an drei Tagen, ging
zwischendurch aber auch noch in sein Büro zum Arbeiten.
Der schwedische Spitzenmann Tiger Hillarp Persson hatte gegen den
17-jährigen Max Fuhrmann einen Bauern weniger, als Kompensation nichts und
bot schließlich verzweifelt Remis an. Sein Gegner - froh über dieses Ergebnis
- nahm an und musste sich umgehend vom GM die Leviten lesen lasen -
schließlich sei die Partie gewonnen und dann nimmt man kein Remis an. GM
Petr Haba verlor gar gegen Helmut Luther, Nummer 104 der Setzliste. Das
passierte allein am ersten Tag. In der Folge nahmen die Favoritenstürze kein
Ende und mancher GM sah sich auch an den nächsten Tagen in schwieriger Lage
und ließ Federn, oft gegen ehrgeizige Jugendliche aus der Region, aber auch
die gestandenen deutschen Turnierspieler älteren Zuschnitts ließen sich
nicht die Butter vom Brot nehmen.

Im Kopylev verlor in Runde 4 gegen den titellosen David Schneider

Elena Levushkina

Lutz Espig

Lev Gutman

Arik Braun lehnte Gutmans remis ab, verlor aber die Partie
So schlug Klaus Klundt mit Artur Kogan einen der Favoriten. Der Israeli
mit Wohnsitz in Spanien ließ sich deswegen nicht die Laune verderben und
zeigte am folgenden Tag bei TV ChessBase fröhlich seine Verlustpartie,
nachdem am Vortag schon der Sieger die kritischen Momente erläutert hatte.

Klaus Klundt
Als zusätzlichen Programmpunkt hatte Michael Bezold die ChessBase
Moderatoren Oliver Reeh und André Schulz eingeladen, die mit Ü-Notebook,
Kamera und der technischen Hilfe von LGA Projektleiter Jochen Galsterer in
einem Nebenraum zusammen mit zahlreichen Schachfreunden im Internet die
Partien analysierten und kommentierten.

Oliver Reeh
Organisationschef Bezold braucht nicht viel Überredungskunst, um Spieler
in das improvisierte Studio zu lotsen, damit diese dort ihre Gewinnpartien
zeigten. So passierten etwa 20 mehr oder weniger bekannte Spieler die
Übertragungskamera und zeigten in teils wirklich lehrreichen Ausführungen
ihre Partien und reger Anteilnahme des Fachpublikums im Internet. Für viel
Zuschauer ergaben sich dadurch zahlreich Aha-Erlebnisse, denn die von den
Spielern erläuterten Partien eröffneten viel mehr Reichtum als eine nackte
oder nur von Engineberechnungen begleitete Partie. Umgekehrt konnten aber
manchmal auch die Internet-Kiebitze mit ihren Anregungen den Spielern
zusätzliche Ideen zu ihren Partien vermitteln.
Sieger des Turniers wurde schließlich dank besserer Wertung Jonny Hector
vor dem punktgleichen Vitaly Kunin (beide 6 Punkte). Die Turnierseite der
LGA bietet ausführliche Informationen zu allen Runden.

Oliver Reeh im Gespräch mit Jonny Hector

Organisation wie im Schlaf: GM Michael Bezold
Link:
Turnierseite der LGA...