Li Chao Sieger beim Doeberl-Cup

07.04.2010 – Zur Zeit ist in Südostasien große Schachaktivität mit drei international bedeutenden Open zu verzeichnen. Den Auftakt machte der Doeberl-Cup in Australiens Hauptstadt Canberra. Weit über 200 Spieler nahmen an den verschiedenen Open teil, über 70 spielten im "Premier" mit, darunter auch zehn Großmeister und eine Reihe weiterer Titelträger. Mit Li Chao setzte sich dann auch einer der Favoriten durch und holte sich mit 7,5 Punkten den ungeteilten ersten Platz. Für die Europäer - so berichtet der aus Irland angereiste Dejan Bojkov - waren die ersten Turniertage, allesamt mit Doppelrunden, ein reiner "Kampf ums Überleben" - wegen des Jetlags. Beim anschließenden Ausflug in die Outbacks setzte sich der Kampf in der Begegnung mit der ungezähmten Natur fort - zum Glück waren die wilden Tiere aber schon alle gut gesättigt. Turnierseite...Bericht, Bilder, Endstand, Partien...

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Der Doeberl Cup in Canberra
Von Dejan Bojkov

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts debattierten die Australier erbittert, welche Stadt ihre neue Hauptstadt sein sollte. Die großen Rivalen waren Sydney und Melbourne, aber keine der beiden Städte konnte sich durchsetzen. Am Ende einigte man sich auf eine unabhängige Hauptstadt, die ungefähr in der Mitte der beiden großen Städte lag und so entstand Canberra. Mittlerweile hat Canberra etwa 300.000 Einwohner und ist Sitz der australischen Regierung und Verwaltung.

Schach wird in Canberra auch gespielt. So wurde der diesjährige Doeberl-Cup vom 1. bis zum 5. April in der australischen Hauptstadt ausgetragen. Das Turnier trägt den Namen des Architekten Erich Doeberl, der es zu Lebzeiten stark gefördert hat. Er stellte den Großteil des Preisfonds zur Verfügung und lobte gelegentlich Extrapreise aus, wenn ihm der Verlauf des Turniers besonders gefiel (leider segnete dieser großzügige Schachfan vor ein paar Jahren das Zeitliche, aber das Turnier trägt noch immer seinen Namen).



Gespielt wurden neun Runden nach Schweizer System mit zusätzlichen Wertungsgruppen: Hauptturnier, Jugendturnier und U12. Das Turnier war ein Erfolg und wie mir Hauptschiedsrichter Shaun Press erklärte, reichte die Zahl der Teilnehmer beinahe an den alten Rekord von 1985 heran, als 268 Spieler am Turnier teilnahmen.

Aus finanziellen Gründen gab es fast nur Doppelrunden. Australien und Europa sind weit voneinander entfernt und die ersten Tage glichen mehr einem Überlebenstraining als einem Schachturnier, da sich der Jetlag doch bemerkbar machte. Morgens um vier aufzuwachen ist nicht die beste Vorbereitung für eine Vormittagspartie und in dieser Hinsicht haben die Aussies (oder Ozzies – wie sich die Einheimischen selber nennen) definitiv einen Vorteil gegenüber den europäischen Gästen. Auch wenn ich damit ein bisschen vorgreife, so kann ich doch sagen, dass sie den gut genutzt haben und eine GM-Norm sowie 3 IM-Normen holten. Ein großer Erfolg für das australische Schach und, wie Hauptorganisator Charles Bishop bei der Abschlussfeier erklärte, einer der Beweggründe, das Turnier zu organisieren.


David Smerdon




Einer der interessantesten Aspekte des Turniers war der so genannte Kampf-Preisfonds. Zusätzliche Tausend Dollar sollten an die Spieler gehen, die in der letzten Runde gewannen, allerdings unter zwei Bedingungen: die Spieler durften sich vorher keine Großmeisterremis geleistet haben (als Großmeisterremis galten Partien, die vor dem dreißigsten Zug Remis wurden) und berücksichtigt wurden nur Spieler, die mindestens genau so viele Punkte hatten wie der Spieler an Brett Vier.

Erstaunlich, aber dieses Jahr gewann niemand den Preis. Vor der letzten Runde hatten fünf Spieler eine Chance auf diesen Preis. Doch am ersten Brett einigten sich Li Chao und Malaniuk schnell auf Remis, was dem Chinesen, der mit Weiß spielte, den alleinigen ersten Platz sicherte, während Malaniuk durch dieses Remis am Ende auf dem geteilten dritten Platz landete.


Siegerehrung: Li Chao erhält den Siegerpokal

Li Chao spielte das gesamte Turnier sehr souverän und war in keiner seiner Partien in Verlustgefahr. Am zweiten Brett kam es zwischen Panchanathan und Smerdon zu einem unterhaltsamen und langen Kampf, der schließlich Remis endete. Es war die einzige Remispartie des Inders, allerdings kam sie zu einem unpassenden Moment. Dramatisch ging es am dritten Brett zu, wo ein anderer Inder, GM Kunte, gegen den Lokalmatador George Xie das Geschehen diktierte, bis er seine Dame einstellte. Doch Xie hatte sich in der vorletzten Runde schon ein schnelles Remis erlaubt und sich damit aus dem Kampf um den Kampfpreis katapultiert. Trotzdem kann er mit seinem Turnier sehr zufrieden sein: zweiter Platz und die dritte und letzte GM-Norm. An Brett Vier gewann Roy Chowdhury mit Weiß gegen Zhao Zong Yuan, aber auch er hatte zuvor ein Remis in weniger als dreißig Zügen gespielt (wobei die Dinge hier nicht ganz klar waren, denn dieses Remis kam durch eine Zugwiederholung zustande, die man auch hätte vermeiden können). Und schließlich war da noch die Partie zwischen Gawain Jones und Rej Tomek, die abwechselungsreichste Partie der letzten Runde. Erst stand Weiß vollkommen auf Gewinn (Qualität mehr), dann vollkommen auf Verlust (Figur weniger im Endspiel) doch zu guter Letzt wurde die Partie Remis. Immerhin konnte Tomek sich damit trösten, dass er eine IM-Norm erzielte.

Herausragend waren die Live-Kommentare von GM Ian Rogers.

Unterstützt von seiner Frau Cathy erläuterte der beste Spieler, den Australien je hervorgebracht hat, dem Publikum die gesamte Runde hindurch die wichtigen Partien.

Nach der Abschlussfeier blieb uns nur wenig Zeit zum Sightseeing, die wir jedoch zu einem Besuch im nahe gelegenen Canberra-Naturpark nutzten, um die Kängurus zu fotografieren.




Die Ausflügler






Das australische Wahrzeichen





 



Dann ging es weiter nach Sydney, wo das Open am Tag darauf begann.

GM Dejan Bojkov

Turnierseite: http://www.doeberlcup.com.au/index.shtml

www.dejanbojkov.blogspot.com



Endstand

Rank   Name Rating Score
1 GM Li, Chao 2613 7.5
2 IM Xie, George 2470 7
3 GM Malaniuk, Vladimir 2582 6.5
4 GM Panchanathan, Magesh Chandran 2543 6.5
5 GM Smerdon, David C 2530 6.5
6 IM Roy Chowdhury, Saptarshi 2429 6.5
7 GM Barua, Dibyendu 2479 6
8 GM Bojkov, Dejan 2505 6
9 IM Solomon, Stephen J 2426 6
10 GM Jones, Gawain 2556 6
11 FM Rej, Tomek 2348 6
12 FM Teichmann, Erik 2325 6
13   Ly, Moulthun 2315 6
14 FM Boyd, Tristan 2308 6
15 GM Zhao, Zong-Yuan 2592 5.5
16 GM Kunte, Abhijit 2528 5.5
17 FM Cheng, Bobby 2271 5.5
18 IM Sandler, Leonid 2319 5.5
19 IM Morris, James 2236 5.5
20 IM Goldenberg, Igor 2386 5
21 IM Lahiri, Atanu 2368 5
22 GM Johansen, Darryl K 2457 5
23 IM Sharma, Dinesh 2361 5
24 IM Toth, Andras 2385 5
25   Stojic, Svetozar 2013 5
26   Ikeda, Junta 2302 5
27   Scott, Ronald 2266 5
28   McNamara, Gary 2117 5
29   Matheson, Laurence 2080 5
30   Stojic, Dusan 2192 5
31 FM Steadman, Michael 2264 5

.. 32 Spieler

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