Die zwei Führenden, Anand auf Platz Eins und Carlsen auf Platz Zwei,
begnügten sich in der Runde 12 jeweils mit einem Remis. Anand sah mit Weiß
keinen Grund, gegen Aronian nach Zug 23 noch weiterzuspielen.


In der Hinrunde war es Aronian, der dem Inder in diesem Turnier die
einzige Niederlage beibrachte. Vielleicht wollte Anand gegen diesen Gegner
erst einmal ein Remis einfahren oder der Spitzenreiter lässt das Turnier nun
mit Remisen auslaufen, weil er nicht glaubt, dass einer der Verfolger ihn
noch einholen könnte.



Gespielt wurde eine Spanische Antimarshallvariante.
Im 16.Zug wich Anand mit der Neuerung 16.Lxe6 vom Vorbild
Bruzon-Aronian, Turin 2006 ab. Nachdem sein Raumgewinnversuch am Damenflügel
sofort neutralisiert wurde und sich auf der offenen a-Linie die Türme
tauschten, bot der Inder Remis an.


In der Analyse lebten Anand und Aronian auf.
Die Partie zwischen Topalov und Carlsen war insofern interessant, als
Topalov mit seinem Zug 8.d4 einen völlig anderen Weg einschlug als die sonst
sonst üblichen in einer Damenindisch/Englisch-Hybridvariante.

Herausholen konnte der Bulgare gegen Carlsen damit gar nichts. Offenbar
hatte Carlsen nicht das gespielt vorbereitet hatte. Manche halten Topalov
vor allem für den führenden Mann, was die Eröffnungsarbeit angeht. In dem
Sinne hatte sich auch Kramnik nach dem Turnier in Wijk geäußert.



Im laufenden Turnier von Morelia und Linares hat der Bulgare aber nicht
das gezeigt, was ihn noch in Wijk auszeichnete. Im letzten Jahr war er
ebenfalls sehr schlecht in Mexiko gestartet (2 aus 7, Performance 2620),
konnte die schlechte Hinrunde aber in Linares mit einer herausragenden
Leistung (5,5 aus 7, Performance 2947) mehr als kompensieren und wurde
hinter Aronian noch Zweiter. Diesmal hat Topalov den Schalter für seinen
berühmten "Turbo" anscheinend aber noch nicht umlegen können.


Für die Gewinnpartien sorgten heute Svidler und Morozevich (zusammen mit
ihren Gegnern).

In der Partie zwischen Leko und Svidler stand eine jener Varianten aus dem
Englischen Angriff auf dem Brett, die in den letzten 20 Jahren so furchtbar
populär geworden ist. Engländer, darunter Short und Adams fingen Mitte der
80er Jahre an, die Najdorfvariante auf diese Weise zu bekämpfen. Eigentlich
könnte man den Variantenkomplex auch Byrne-Variante nennen, den so spielte
schon Robert Byrne 1971 gegen Fischer, wenn auch nur im Blitz.
Gesten führt Svidler die weißen Steine gegen Topalov in einer ähnlichen
Position und rettete sich ins Remis durch ewiges Schach.

Heute spielte er mit Schwarz gegen Leko und der Ungar bekam ebenfalls
Probleme. Nach der langen Rochade wählte der St.Petersburger mit 10..a5 den
am wenigsten gespielten Zug von vier Hauptfortsetzungen (10...Sbd7,
10...Dc7, 10...b7-b5).

Leko folgte Anands Idee aus dessen Partie gegen Vallejo vor drei Jahren,
wich aber einen Zug später mit 12.a3 von diesem Vorbild ab. Das
entscheidende Motiv wurde der Partie wurde später ein weißer Springer, der
sich nach b6 "vergallopiert" hatte und dort nicht mehr weg kam.

Nachdem Svidler mit 31..Dd6 auch noch Drohungen gegen den weißen König
aufstellte, brach Weiß zusammen.
Gute Unterhaltung boten auch Ivanchuk und Morozevich.


Der Ukrainer hatte die alte 5.Sb3 -Variante im Schotten gewählt und in
der Folge versucht, mit der langen Rochade Pfeffer ins Spiel zu bringen.


Grübel
Morozevich brachte seine Türme auf der a-Linie in Stellung und band mit
diesen die weiße Dame.

Nach dem Abtausch dieser Schwerfiguren erwies sich die übrig gebliebene
weiße Dame gegenüber den schwarzen Türme als agilere Figur.

Schachübertragung ins Foyer. Es gibt noch Plätze.