Lindores Abbey Chess Challange: Vier mit drei

von André Schulz
20.05.2020 – Sergey Karjakin startete am ersten Tag der Lindores Abbey Chess Challenge mit einer Niederlage, ließ aber drei Siege folgen und führt zusammen mit Magnus Carlsen, Hikaru Nakamura und Wesley So das Feld an. Die jungen Leute des Turniers liegen alle am Tabellenende.

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Die Lindores Abbbey Chess Challenge ist das zweite Turnier der Magnus Carlsen Chess Tour, mit der der Weltmeister und seine Sponsoren insgesamt 1 Mio. Dollar Spielgeld (Geld, um das man spielt) auf den Schach-Spitzenprofi Markt wirft.

Zwölf Top Spieler wurden eingeladen. Das Format wurde gegenüber dem eigentlich doch sehr erfolgreichen Format des Magnus Carlsen Invitational geändert. Bei einer Paarung werden hier in der Vorrunde jetzt nicht vier Rapidpartien gespielt, sondern nur eine. Und in der K.o.-Runde werden dafür Vierermatches im Modus "Best of three" gespielt, das heißt, wer zwei Matches gewonnen hat, ist weiter. Und die K.o.-Runde beginnt mit acht Spielern, also einem Viertelfinale.

Bei den hier eingeladenen Spielern handelt es sich ausnahmslos um Spieler der absoluten Weltklasse, vielleicht mit Ausnahme von Alireza Firouzja. Der 16-Jährige ist aber auf dem Weg dahin. Bei diversen freien Matches im Internet hat Alireza Firouzja sich an die Spitze der Ranglisten gespielt und konnte sogar Carlsen in Bulletserien bezwingen. Hier wird jedoch nicht mit 1 Minute Bedenkzeit gespielt, sondern mit 15 Minuten (plus Zugabezeit), die Spieler haben also 14 Minuten, um Fehler zu machen. Beim Magnus Carlsen Invitational war der Firouzja nicht so erfolgreich wie bei den freien Vorführungen und man fühlt sich etwas an den Aufstieg von Wei Yi erinnert. Auch der Chinese schoss wie eine Rakete in die Höhen der Eloliste, wurde aber beim Eintreffen in der Elo-Stratosphäre in seinem Lauf stark abgebremst.

Das wirft eine interessante Frage auf: Werden diese Turniere eigentlich Elo gewertet? Auch die FIDE hat sich in dieser Zeit, wo alle wegen des Corona-Virus häuslich geworden sind, sehr hinter das Online-Schach geklemmt. Das Thema stand aber sowieso auf der Agenda von Arkady Dvorkovich und wurde durch die Ereignis nur beschleunigt. Eigentlich müssten die Turniere doch Elo-gewertet werden. Aber wie? Die Online-Turniere sind zumeist Schnellschach- oder Blitzturniere. Aber die Auswertung so einfach in die "normalen" Schnellschach- und Blitzwertung einfließen lassen kann man die Partien ja auch nicht. Schließlich werden sie an und mit der Maus unter ganz anderen Bedingungen gespielt. Und noch eine weitere Zusatzzahl einzuführen, würde die schon jetzt vorhandene Verwirrung nur vergrößern. Der FIDE-Elo-Kommissar pflegt schon drei Wertungen: Klassisch, Rapid und Blitz. Da die Zahlen aber alle im gleichen Bereich angesiedelt sind und außerhalb der FIDE-Eloliste zumeist nicht kenntlich gemacht werden, weiß man bisweilen gar nicht, welche Zahl gemeint ist. Es wäre vielleicht nützlich, den Rapid-und Blitzwertungen eine "R" oder "B" voran oder nachzustellen.

Jetzt aber zum Turnier: Die Vorrunde der Lindores Abbey Chess Challenge wird mit ihren elf Runden im Modus jeder gegen jeden an drei Tagen durchgezogen, mit zweimal vier und einmal drei Partien. Der Titelsponsor ist eine Whisky- Destillerie in Schottland. Man sagt, in der einstigen Lindores Abtei wurde der Whisky erfunden. Vor kurzem wurde die Destillerie neu gegründet, hat aber noch keinen Whisky. Bevor aus dem Brauergebnis Whisky wird, müssen mindestens vier Jahre vergehen. Für einen guten Whisky reicht das aber nicht. 12 Jahre sollten es schon sein, besser 16 oder 24 Jahre. Man kann aber in der Abtei jetzt schon ein Fass Whisky kaufen und in zwölf Jahren abholen oder sich Flaschen schicken lassen. Man sieht, Whisky passt gut zum Schach: Man muss langfristig denken.

Nach den ersten vier Runden haben sich drei Spieler mit drei Punkten an die Spitze gesetzt. Sergey Karjakin hat als einziger drei Partien gewonnen, aber auch eine verloren, gegen Hikaru Nakamura. Magnus Carlsen, Nakamura und Wesley So kommen auf zwei Siege und zwei Remis.

Zu den Teilnehmern gehört auch Levon Aronian. Man kann seinen Namen nicht erwähnen, ohne an den tragischen Tod seiner Frau Arianne Caoili zu denken, die nach einem Autounfall am 30. März in einem Krankenhaus in Armenien starb. Es war eine Zeit, als die ganze Welt wegen der ausbrechenden Corona-Pandemie mit schlechten Nachrichten überschüttet wurde. Diese Nachricht kam noch hinzu. Es ist schön, dass der großartige Levon Aronian wieder an einem Turnier teilnehmen kann. Er machte zwei Punkte. Einer Niederlage gegen Carlsen stand ein Sieg gegen Firouzja gegenüber, plus zwei Remis.

Auch am Tabellenende hat sich nach dem ersten Tag eine Vierergrupe gebildet, mit den jungen Leuten: Dubov, Duda, Wei Yi und Firouzja- alle mit nur einem Punkt. Was ist los, Jugend?

Magnus Carlsen startete mit einem Sieg gegen Alexander Grischuk. Mit Weiß spielte der Weltmeister die Spanische Anti-Berliner Variante im Stile eine Sizilianers, also mit Königsangriff und langer Rochade.

 

Nach 28.Lf8 droht Txh7 und Matt. Grischuk musste die Qualität geben.

Karjakins erfolgreicher Tag begann hingegen mit einer Niederlage gegen Nakamura.

 

Nach 31.e5 war schnell Schluss.

Alireza Firouzja stand in seiner Auftaktpartie gegen Levon Aronian auf Gewinn.

 

42...T5h4! (Maschine) gewinnt entweder den Springer, weil der wegen Matt nicht ziehen kann: 43.Se5 43...T4h2#

oder die Dame gegen zwei Türme mit überlegener Stellung: 43.gxh4 Dxh4+ 44.Dg3 (44.Ke2 Dxg4+ 45.Kd3 Th3) 44... Tf1+ 45.Kxf1 Dxg3 46.Sf2 Dxf4 und Weiß überlebt das mit dem offenen König nicht. 

Firouja spielte aber 42...g5, ließ Aronian vom Haken und verlor die Partie im Gewühl noch: 43.De5 Dxe5 44.Sxe5 Ld5 45.Ke3 T5h3 46.Kd4 Txg3 47.c6 f6 48.Tb7+ Kh6 49.fxg5+ fxg5 50.Kc5 Te3 51.Sg4+ 1–0

Partien

 

Tabelle

Rg. Name Pkt.  Wtg1 
1 Karjakin Sergey 3,0 0,0
2 Carlsen Magnus 3,0 0,0
3 Nakamura Hikaru 3,0 0,0
4 So Wesley 3,0 0,0
5 Ding Liren 2,5 0,0
6 Grischuk Alexander 2,0 0,5
7 Aronian Levon 2,0 0,5
8 Yu Yangyi 1,5 0,0
9 Duda Jan-Krzysztof 1,0 0,0
  Dubov Daniil 1,0 0,0
  Firouzja Alireza 1,0 0,0
12 Wei Yi 1,0 0,0

Turnierseite...

Ergebnisse bei Chess-results...



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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