London, Tag 3: Nakamura und Vachier-Lagrave sind im Finale!

von Johannes Fischer
13.12.2018 – Hikaru Nakamura (Foto) und Maxime Vachier-Lagrave gelten als zwei der besten Schnellschach- und Blitzschachspieler der Welt. Und in den Schnell- und Blitzpartien im Halbfinale der London Chess Classic waren sie dann auch erfolgreich, Nakamura gegen Fabiano Caruana, Vachier-Lagrave gegen Levon Aronian. | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

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Entscheidung im Schnell- und Blitzschach

Alle vier Partien mit klassischer Bedenkzeit in den Halbfinalbegegnungen der London Chess Classic endeten mit Remis, die Entscheidung, wer ins Finale einziehen würde, musste also im Schnell- und Blitzschach fallen. 

Halbfinale 1:  Hikaru Nakamura vs Fabiano Caruana

Caruana ist die Nummer zwei der Welt im klassischen Schach, aber auf der Live-Rating-Liste liegt er sowohl im Schnell- als auch im Blitzschach deutlich hinter Nakamura. Zu Beginn ihres Wettkampfs in London kam Nakamura auf eine Rapid-Elo von 2844 und lag damit hinter Magnus Carlsen auf Platz zwei der Weltrangliste - und 78 Punkte vor Caruana, der in London mit einer Rapid-Elo von 2766 ins Rennen ging.

Noch größer war der Abstand bei der Blitz-Elo: Hier lag Nakamura vor den London Chess Classic mit einer Zahl von 2889 sogar 122 Punkte vor Caruana, der im Blitzen auf eine Elo-Zahl von 2767 kam.

Aber dennoch. Man konnte damit rechnen, dass Caruana vor dem WM-Kampf gegen Carlsen an seinen Schnellschachfähigkeiten gearbeitet hatte, auch wenn davon im WM-Tiebreak letztendlich nicht viel zu sehen war.

Der Schnellschach-Wettkampf

Und in der ersten der beiden Schnellpartien war es Nakamura, der nach zweischneidiger und komplizierter Eröffnung die Initiative übernahm und sich in einem Endspiel Schritt für Schritt Gewinnchancen erarbeitete. Aber Caruana blieb kaltblütig. Er verbrauchte zwar viel Zeit, aber verteidigte sich zäh und fand in einem schwierigen Endspiel am Ende eine rettende Ressource. Als er den Zug ausführte, der im das Remis sicherte, hatte er nur noch 7 Sekunden auf der Uhr.

 

Die zweite Partie im Schnellschach lief zunächst gut für Caruana. In einer Variante des Angenommenen Damengambits mit Lf4 war er sehr gut vorbereitet und verbrauchte für seine ersten 20 kaum Bedenkzeit, obwohl die Stellung kompliziert war und Nakamura einen Bauern geopfert hatte. Doch in einem entscheidenden Moment schien Caruana seine Vorbereitung vergessen zu haben.

Stellung vor 23.Td1

 

Hier hätte Caruana nach Einschätzung der Experten vor Ort, die sich auf Computeranalyse stützten, mit 23.Sd4 klaren Vorteil bekommen können. Stattdessen zog er Td1 und Nakamura gelang es Schritt für Schritt, die weißen Drohungen zu parieren und seine Freibauern am Damenflügel nach vorne zu rücken.

Kein Glück im Schnellschach: Fabiano Caruana | Foto: Lennart Ootes

Caruana hatte Gegenspiel, aber verbrauchte jetzt seinerseits viel Zeit und fand keine Möglichkeit, Nakamura unter Druck zu setzen. Nakamura gewann die Partie und ging mit 4 Punkten Vorsprung (für eine gewonnene Schnellpartie gab es in London 4 Punkte, für eine gewonnene Blitzpartie 2) in den Blitzwettkampf.

 

Der Blitzwettkampf

Nakamura war im Blitzen Favorit, aber gleich in der ersten Partie zeigte Caruana, dass die Entscheidung noch nicht gefallen war. Eine Ungenauigkeit Nakamuras in leicht schlechterer Stellung kostete ihn erst einen Bauern und dann die Partie. Damit lag Caruana im Gesamtwettkampf nur noch zwei Punkte zurück.

Doch Nakamura schlug zurück und gewann die Blitzpartien zwei und drei, gewann damit den Gesamtwettkampf und qualifizierte sich damit für das Finale. Die vierte Blitzpartie hatte damit keine sportliche Bedeutung, aber auch sie ging an Nakamura, der damit den Wettkampf insgesamt klar gewann.

Die Blitzpartien

 

Halbfinale 2:  Levon Aronian vs Maxime Vachier-Lagrave

Im Halbfinale zwischen Levon Aronian und Maxime Vachier-Lagrave gab es keinen klaren Favoriten. Im Schnellschach kam Aronian vor dem Turnier in London auf 2802 Punkte, Vachier-Lagrave auf 2786. Aber dafür lag der Franzose bei der Blitz-Elo mit 2937 deutlich vor Aronian, der auf 2858 Punkte kam.

Levon Aronian und Maxime Vachier-Lagrave sind gut befreundet, am Brett schenken sie sich jedoch nichts. | Foto: Lennart Ootes

Der Schnellschach-Wettkampf

Doch in der ersten Partie des Halbfinales wiederholte sich das, was auch in den ersten beiden Partien mit klassischer Bedenkzeit geschehen war: Aronian kam bald nach Ende der Eröffnung in Vorteil, aber fand keine Möglichkeit, seine bessere Stellung in einen Gewinn zu verwandeln. So endete die erste Partie zwischen Aronian und Vachier-Lagrave wie alle anderen bisherigen fünf Partien des Halbfinales in London: mit Remis.

 

In der zweiten Schnellpartie wandelte sich das Bild: In einer Berliner Verteidigung geriet Aronian bald nach der Eröffnung unter Druck und verlor wenig später einen Bauern. Auf der Suche nach einer guten Verteidigung verbrauchte er viel Zeit, aber fand sie nicht. Und im Gegensatz zu Aronian, der die ersten drei Partien besser stand, aber nicht gewinnen konnte, gelang es Vachier-Lagrave seinen Vorteil zu verwerten. Er gewann nach 49 Zügen und ging ebenfalls mit 4 Punkten Vorsprung in den Blitz-Wettkampf über 4 Partien.

 

Der Blitzwettkampf

Im Blitzen kam es bereits in der ersten Partie zu einer Vorentscheidung: Vachier-Lagrave gewann mit Schwarz und so musste Aronian alle drei noch verbleibenden Blitzpartien gewinnen, um den Gesamtwettkampf Unentschieden zu halten.

Doch auch in der zweiten Blitzpartie hatte Aronian kein Glück. In einer zweischneidigen Endspielstellung, in der beide Seiten nur noch Sekunden auf der Uhr hatte, übersah er eine Springergabel und verlor so auch die zweite Blitzpartie und den Wettkampf.

Vachier-Lagrave hatte sich damit für das Finale der London Chess Classic qualifiziert. In der dritten Blitzpartie kam Aronian zu seinem ersten Sieg im Wettkampf, aber das war nur noch eine Ergebniskorrektur.

Auch in diesem Wettkampf hatte die vierte Blitzpartie also keine sportliche Bedeutung mehr. Zur Unterhaltung der Zuschauer wurde sie trotzdem gespielt und erneut gewann Vachier-Lagrave durch eine Springergabel.

Die Blitzpartien

 

Finale am Samstag

Morgen, am Freitag, den 14. Dezember, folgt ein Ruhetag, und am Samstag beginnt dann das Finale, in dem Nakamura und Vachier-Lagrave um den Sieg der London Chess Classic kämpfen. Wieder mit zwei Partien mit klassischer Bedenkzeit, zwei Schnellpartien und vier Blitzpartien.

Caruana und Aronian spielen um Platz drei.

Der Modus

Die Wettkämpfe bestehen aus zwei klassischen Partien, zwei Rapidpartien und vier Blitzpartien. 

Bedenkzeiten

Klassisch mit 100 Minuten für 40 Züge, 60 Minuten für den Rest und 30 Sekunden  Zeitzugabe pro Zug
Schnellschach mit 25 Minuten plus 10 Sekunden Zugabe pro Zug
Blitz mit 5 Minuten plus 3 Sekunden Zeitzugabe pro Zug

Wertung

Klassisch: 6 Punkte für einen Sieg, 3 Punkte bei Remis

Rapid: 4 Punkte für einen Sieg, 2 Punkte für ein Remis

Blitz: 2 Punkte für einen Sieg, 1 Punkt für Remis

Zeitplan Finale

11. Dezember 11 Semi-Finals Klassisch Partie 1 im Google Hauptquartier
12. Dezember 12 Semi-Finals Klassisch Partie 2 im Google Hauptquartier
13. Dezember 13 Semi-Finals Rapid & Blitz & Playoffs (Falls Nötig) im Google Hauptquartier

14. Dezember: Ruhetag

15. Dezember 14.00 Finale Klassisch Partie 1 im London Olympiazentrum
16. Dezember 16 14.00 Finale Klassisch Partie 2 im London Olympiazentrum
17. Dezember 17 14.00 Finals Rapid & Blitz, Playoffs (wenn nötig), Schlussfeier im London Olympiazentrum

Partie- /Rundenbeginn, jeweils 14 Ortszeit (15 Uhr MEZ)

Preisfonds

1. 120.000 USD
2. 80.000 USD
3. 60.000 USD
4. 40.000 USD

Gesamtpreisfonds: 300.000 USD

Turnierseite London Chess Classic GCT...

Regulations für das Finale...

Eventseite...

Grand Chess Tour...

 




Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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Krennwurzn Krennwurzn 14.12.2018 11:50
Die Zugriffszahlen sind bei den klassischen Partien meist sogar geringer als im Tiebreak. Zuseher und Spieler "lieben" also das Tiebreak. Wenn man die Entscheidungen in den klassischen Partien haben möchte, muss man nach Lösungen suchen, die das Tiebreak nicht so attraktiv machen für beide Seiten.
Jammern wird da wenig helfen und dass früher sowieso alles besser war - hilft auch nicht weiter! Wir leben im hier und jetzt - und dafür brauchen wir Lösungen!
Don Claudio Don Claudio 14.12.2018 09:57
Wenn man die Ergebnisse des klassischen Schachs anschaut, so sollte man darüber nachdenken, es abzuschaffen und ganz auf Schnell-, Blitz- oder gar Bullitschach über zu gehen, da kaum noch Partien im kl. Sch. entschieden werden. Eine interessante Variante wäre auch, die Super GMs gegen alpha cero antreten zu lassen, damit diese vielleicht ein kämpferisches Schach auf höchstem Niveau erlernen, anstatt der auswendig gelernten, zu 99 % endenten Remisvarianten, dem staunenden Schachvolk vorzuführen. Jedenfalls eine traurige Entwicklung für das Schach, wenn die S.GMs ihren kleinen Kreis geschlossen halten durch ihre permanenten Remisen, um nur selbst zu kassieren. M. Carlsen haz sich großartig durch kämpferisches Schach an die Spitze gearbeitet, aber wie die letzte WM zeigte, hat er sich nun auch den seit Jahren gleichen öden Remisschiebern zugestellt und die Medien bejubeln noch das großartige Schach bei dem ein normaler Mensch meistens abschaltet.
Pemoe6 Pemoe6 14.12.2018 09:34
Gejammer war schon abgearbeitet - siehe Beitrag "London, Tag 2" (:-)).
Rainbow66 Rainbow66 14.12.2018 12:08
Wo bleibt denn diesmal das Gejammer, dass die Sieger nicht im "richtigen", sondern nur im Schnell- bzw. Blitzschach gewonnen haben? Vielleicht weil es diesmal nicht Magnus Carlsen betrifft?
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