London Chess Classic: Weltauswahl gewinnt gegen England

von André Schulz
10.12.2021 – Vor der Schlussrunde lagen das englische Team und die internationale Auswahl beim Wettkampf England vs. Rest of the World im Rahmen der London Chess Classic 2021 mit jeweils 7.5 Brettpunkten gleichauf. In der sehr umkämpften letzten Runde des Vergleichs konnte die Weltauswahl das Match für sich entscheiden. Boris Gelfand und Nikita Vitiugov sorgten für die Gewinnpunkte. Michael Adams gewann seine Partie für England.

ChessBase 16 - Megapaket Edition 2022 ChessBase 16 - Megapaket Edition 2022

Dein Schlüssel zu frischen Ideen, präzisen Analysen und zielgenauem Training! ChessBase ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Jetzt mit den neuen Datenbanken Mega 2022 und der Fernschachdatenbank Corr2022! Außerdem neu im Megapaket: 1 Gutschein für ein Profi-Powerbook Ihrer Wahl + 250 ChessBase-Dukaten!

Mehr...

 

Als Headliner der London Chess Classic 2021, diesmal im Cavendish Centre zu Gast, wurde in diesem Jahr ein Wettkampf zwischen den drei englischen Spitzenspielern Michael Adams, Luke McShane und Gawain Jones und einer internationalen Auswahl mit den Großmeistern Boris Gelfand, Nikita Vitiugov und Maxime Lagarde ausgetragen. Der Vergleich wurde als doppelrundiger Mannschaftswettkampf im Scheveninger System durchgeführt, jeder Spieler spielt gegen jeden Spieler der anderen Mannschaft. Gewertet wurde nach Brettpunkten. Vor der Schlussrunde am Donnerstag lagen beide Teams gleichauf, es stand 7,5:7,5.

Der letzte Spieltag brachte dann eine sehr umkämpfte Runde an allen drei Brettern. Am Ende des Tages fanden alle drei Partien eine Entscheidung.

Maxime Lagarde opferte gegen Michael Adams im Benkö-Stil in der Reti-Eröffnung einen Bauern am Damenflügel, sah diesen allerdings nie wieder. Die zwischenzeitliche Kompensation wurde von Michael Adams neutralisiert und der Punkt ging schließlich an Schwarz.

Ein spannendes Gefecht lieferten sich Boris Gelfand und Gawain Jones in der Königsindischen Verteidigung. Gelfand gewann mit Weiß im Laufe des damenlosen Mittelspiels die Oberhand, aber Jones zauberte auch am Schluss noch Mattdrohungen aus dem Hut.
 

 

Die Position entstand aus der Hauptvariante der Königsindischen Verteidigung. Mit Hilfe des Damentauschs hat Weiß dem schwarzen Angriff die Spitze abgebrochen. Der englische Drachen- und Königsindischexperte versucht aber in dieser spannungsreichen Stellung trotzdem noch zum Angriff zu kommen.]

25...f3?! [Die Maschine sieht die Partie nach 25...Sc2 26.Ta2 Sb4 27.Lxb4 cxb4 28.Txb4 Le7 29.Sxc8 Txc8 30.Tba4 Ld8= ausgeglichen.]

26.Ta2 Ld7?! [Gibt den Bauern b7, um auf der Diagonalen c6–g2 anzugreifen. Sachlicher war 26...Le7 27.Sxc8 Txc8 28.Tab2 Tc7 und Weiß steht aktiver.]

27.Txb7 Txb7 28.Sxb7 Lc6 29.Sxc5

 

29... Tb8 [Das droht Matt.]

30.gxf3 [30.Tb2 war auch gut.]

30...Sxf3+ 31.Kg2 Sh4+ 32.Kg3 Kh6 [Um Angriffen mit dem Schnittpunkt e5 aus dem Weg zu gehen.]

33.a6 [Der a-Bauern wird die Partie zugunsten von Weiß entscheiden.]

33...Le7 34.Se6 Lxe4 35.Lxe5 Tg8 [35...Tc8 36.Lg7+ Kh5 37.Le2+ und Schwarz wird Matt.]

36.Sg5 Kxg5 37.Lxg8 Sf5+ 38.Kh3 Ld3 [Vorsicht!]

 

39.Ld5 [Matt gesehen und verteidigt.]

39...Lf1+ 40.Lg2 Lc4 41.a7 [Game over.] 1–0

Ebenso spannend war die Partie zwischen Nikita Vitiugov und Luke McShane. Nach der Eröffnung stand der einstige englische Wunderknabe mit einer Bauernmehrheit am Damenflügel aussichtsreiche, schaffte es aber nicht die Bauern in Bewegung zu setzen.

 

[Weiß hatte in einer Variante der Damenindischen Verteidigung einen Bauern am Damenflügel geopfert und gewann dafür die Qualität am Königsflügel. Da es keine offenen Linien gibt, fällt der Qualitätsverlust hier nicht so sehr ins Gewicht, währen die schwarze Bauernmehrheit eine große Rolle spielen kann, wenn sie sich in Bewegung setzen kann.]

20...Sd5 [Nach 20...Sb4!? 21.h4 h5 22.Lf3 Sbd5 lautet der Maschinenvorschlag. Im Unterschied zur Partie können sie Bauern sich hier bald losmarschieren.]

21.h4 h5 22.Lf3 Lxh4 [Der Bauer war ungedeckt und wird einkassiert. Nun ist aber auch die h-Linie für einen weißen Angriff offen und außerdem kostet das Unternehmen Zeit.]

23.Sc5 Dd6 24.Se4 Dd7 25.Sc5 Dd6 26.Se4 Dd8 [Schwarz weicht der dreifachen Stellungswiederholung aus und spielt auf Gewinn.]
 

 

27.Sc5 [Räumt e4 für den Läufer. Weiß baut mit den nächsten Zügen eine Angriffsbatterie auf.]

27...Ke7 28.Le4 Lf6 29.Df3 Tb6? [Eine bessere Version der schwarzen Idee war 29...Dd6 30.Lxg6 Sxd4 31.exd4 Lxd4 32.Td1 Dxc5 33.Lxf7 Lxf2 34.Tg5 De3 mit gleichen Chancen.]
 

 

30.Lxg6 Sxd4 [30...fxg6 31.Txg6 verbietet sich. Der schwarz Königs steht danach zu offen.]

31.exd4 Lxd4 32.Lxf7 Lxc5 33.Dxh5 [Stark war 33.Tg8 Dd6 34.Lxe6 Dxf4 35.Lxd5]

33...Sf6 34.Dxc5+ Kxf7 [Droht nun Dd3 mit Dauerschach.]

35.Tg3 Tb8 [Mehr Widerstand leistete 35...Sd5]

36.Da7+ Ke8 37.Te1 Dd6 38.Txe6+ Dxe6 39.Te3 Tb6 40.Dxb6 1–0
 

Endstand

12th LCC ENG v ROW London E, 3. bis 12. Dez. 2021
  Mannschaft 1 2 3 4 5 6 Punkte
1 Rest of World 2 0.5 2 2 1 2 9.5
2 England 1 2.5 1 1 2 1 8.5

Partien

 

Am Wochenende folgt noch das British Rapidplay mit Runden am Samstag und Sonntag.

Turnierseite...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren