London: Zwei Remis zum Auftakt

von Johannes Fischer
11.12.2018 – Vier Spieler treten bei den London Chess Classic im Finale der Grand Chess Tour gegeneinander an: Fabiano Caruana, Hikaru Nakamura, Maxime Vachier-Lagrave und Levon Aronian. Gespielt wird im K.-o.-Modus, in Zweikämpfen, in denen klassische, aber auch Blitz- und Schnellpartien gespielt werden. Die beiden Auftaktpartien endeten Remis. | Foto: Fabiano Caruana | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

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Zwei Remis zum Auftakt

Halbfinale 1: Fabiano Caruana v Hikaru Nakamura

Vor nicht einmal zwei Wochen, am 28. November, endete der WM-Kampf zwischen Fabiano Caruana und Magnus Carlsen. Caruana erlitt eine knappe Niederlage und verlor im Stichkampf. Doch jetzt, nur kurze Zeit später, ist er wieder in London, um bei den Chess Classic zu spielen. Das Los bescherte Caruana im Halbfinale Hikaru Nakamura als Gegner, in der ersten Partie mit klassischer Bedenkzeit hatte Caruana Weiß. Caruanas Partien bei den London Chess Classic mit klassischer Bedenkzeit haben einen ganz eigenen Reiz, denn mit einem Sieg gegen Nakamura würde Caruana die Nummer 1 der virtuellen Weltrangliste werden, auf der er im Moment knapp hinter Carlsen liegt.

Aber die Frage war natürlich, wie Caruana den WM-Kampf gegen Carlsen überstanden hatte. Steckten ihm die Niederlage und der anstrengende Wettkampf noch in den Knochen oder konnte er von der Arbeit profitieren, die er in die Vorbereitung auf Carlsen gesteckt hatte?

Nun, in der Auftaktpartie gegen Nakamura war von Müdigkeit bei Caruana wenig zu spüren, aber von der Vorbereitung auf Carlsen könnte Caruana profitiert haben. Denn schon bald stand ein Abgelehntes Damengambit mit Lf4 auf dem Brett - diese Variante hatte Caruana zwei Mal gegen Carlsen gespielt. Allerdings hatte Caruana in beiden Partien gegen den Weltmeister Schwarz, hier, bei seiner Rückkehr nach London, wechselte er die Seiten und spielte die Variante mit Weiß.

Nakamura wollte nicht wirklich wissen, wie gut sich Caruana in den Hauptvarianten auskannte und wählte ein selten gespieltes System, in dem Caruana dann im neunten Zug mit dem natürlichen 9.Lg3 eine Neuerung brachte.

Ein entspannter Nakamura | Foto: Lennart Ootes, Turnierseite

Schon bald wurde das Spiel spannend und Caruana opferte links und rechts Bauern, um den schwarzen König unter Druck zu setzen, aber so aufregend das auch aussah, so gelassen blieb die Engine - Ausgleich lautete die Einschätzung des Computers und daran änderte sich im Verlauf der Partie nie wirklich etwas.

Nakamura wehrte alle Drohungen Caruanas ab und nach 51 Zügen endete die Partie mit Remis.

 

Mit diesem Remis konnte Caruana den Weltmeister auf der Weltrangliste nicht überholen und Carlsen bleibt weiter die Nummer eins der Welt.

Halbfinale 2: Maxime Vachier-Lagrave vs Levon Aronian

Auch beim zweiten Halbfinale zwischen Maxime Vachier-Lagrave und Levon Aronian wirkte der WM-Kampf zwischen Carlsen und Caruana noch nach. Bekanntlich endeten alle zwölf Partien mit klassischer Bedenkzeit beim WM-Kampf mit Remis, obwohl eine ganze Reihe davon sehr inhaltsreich waren. Dieser "Tradition" blieben Vachier-Lagrave und Aronian treu. Sie spielten eine interessante Partie, aber trennten sich am Ende Unentschieden.

Vachier-Lagrave probierte es mit 1.e4, was Aronian mit 1...e5 beantwortete, um Vachier-Lagrave wenig später zu einer theoretischen Diskussion im Marshall Gambit einzuladen. Die lehnte der Franzose mit 8.a4 dankend ab, aber das hinderte Aronian nicht daran, bald nach Abschluss der Eröffnungsphase die Initiative an sich zu reißen.

Aronians Figuren standen sehr aktiv und das führte schließlich zum Qualitätsgewinn für Schwarz. Doch Vachier-Lagrave verteidigte sich hartnäckig und nach 42 Zügen stand ein Endspiel auf dem Brett, in dem Weiß mit einem Läufer gegen den Turm des Schwarzen spielte, aber mit zwei Bauern für die Qualität materiell nicht schlechter stand. Nach 74 Zügen endete auch diese Partie mit Remis.

 

Morgen wird die zweite klassische Partie des Halbfinales gespielt, am Donnerstag, den 13. Dezember, stehen dann die Schnell- und Blitzpartien auf dem Programm.

Dann folgt ein Ruhetag und am Samstag beginnt das Finale.

Der Modus

Die Wettkämpfe bestehen aus zwei klassischen Partien, zwei Rapidpartien und vier Blitzpartien. 

Bedenkzeiten

Klassisch mit 100 Minuten für 40 Züge, 60 Minuten für den Rest und 30 Sekunden  Zeitzugabe pro Zug
Schnellschach mit 25 Minuten plus 10 Sekunden Zugabe pro Zug
Blitz mit 5 Minuten plus 3 Sekunden Zeitzugabe pro Zug

Wertung

Klassisch: 6 Punkte für einen Sieg, 3 Punkte bei Remis

Rapid: 4 Punkte für einen Sieg, 2 Punkte für ein Remis

Blitz: 2 Punkte für einen Sieg, 1 Punkt für Remis

Zeitplan Finale

11. Dezember 11 Semi-Finals Klassisch Partie 1 im Google Hauptquartier
12. Dezember 12 Semi-Finals Klassisch Partie 2 im Google Hauptquartier
13. Dezember 13 Semi-Finals Rapid & Blitz & Playoffs (Falls Nötig) im Google Hauptquartier

14. Dezember: Ruhetag

15. Dezember 14.00 Finale Klassisch Partie 1 im London Olympiazentrum
16. Dezember 16 14.00 Finale Klassisch Partie 2 im London Olympiazentrum
17. Dezember 17 14.00 Finals Rapid & Blitz, Playoffs (wenn nötig), Schlussfeier im London Olympiazentrum

Partie- /Rundenbeginn, jeweils 14 Ortszeit (15 Uhr MEZ)

Preisfonds

1. 120.000 USD
2. 80.000 USD
3. 60.000 USD
4. 40.000 USD

Gesamtpreisfonds: 300.000 USD

Turnierseite London Chess Classic GCT...

Regulations für das Finale...

Eventseite...

Grand Chess Tour...

 



Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".

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