13.12.2014 – Nach zwei Remis und einer Niederlage kam Hikaru Nakamura in London gegen Michael Adams mit unternehmungslustigem Spiel zu seinem ersten Sieg. Fabiano Caruana zauberte mit Schwarz gegen Vladimir Kramnik eine Remiskombination aufs Brett und Vishy Anand gelang es nach frühem Bauernopfer nicht, sich gegen Anish Giri ernsthafte Gewinnchancen zu erarbeiten. Mehr...
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Wie will Ex-Weltmeister Vladimir Kramnik gegen Fabiano Caruana eröffnen? Natürlich mit 1.d4.
Londons Bürgermeister Boris Johnson sagt "Yes to Chess"
Londons Bürgermeister Boris Johnson scheint einen anderen Zug vorzuziehen. Und er weiß, was er tut. In einem Interview mit Malcolm Pein, dem Organisator der London Chess Classic, der hier im Hintergrund moderiert, erzählte Johnson, wie begeistert er Bobby Fischers Buch Meine 60 Denkwürdigen Partien gelesen hätte. Und Fischer war bekanntlich 1.e4-Spieler.
Für Vladimir Kramnik, der vor der vierten Runde gemeinsam mit Anish Giri in Führung lag, schien die Partie gegen Fabiano Caruana auch nach 1.d4 sehr gut zu laufen. Kramnik kam gegen Caruanas Grünfeld-Verteidigung zu genau dem Stellungstyp, den er sehr gerne und sehr gut spielt: ein damenloses Mittelspiel, in dem er leichten Druck und viele Chancen zu haben schien. Doch dann ließ er seinen Gegner entwischen und gestattete Caruana im 20. Zug ein überraschendes Figurenopfer, das schließlich zu einem Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern führte, das schnell Remis wurde.
Vladimir Kramnik
Fabiano Caruana
Im Weltmeisterschaftskampf bereitete Vishy Anand Magnus Carlsen mit 1.d4 mehr als einmal Probleme. Auch gegen Anish Giri probierte er es mit diesem Zug und setzte den jungen Holländer in einer Gambitvariante des Angenommenen Damengambits bereits in der Eröffnung unter Druck. Doch Anand hatte zwar adäquate Kompensation für seinen geopferten Bauern, aber mehr auch nicht. Im Mittelspiel versuchte er lange, wenn auch vergeblich, den Druck auf Giris Stellung zu erhöhen, bis er schließlich in ein ausgeglichenes Endspiel abwickelte, das schnell Remis wurde.
Vishy Anand
Anish Giri
Für die einzige Entscheidung des Tages sorgte Hikaru Nakamura gegen Michael Adams. Mit dem Damengambit ohne Sc3 wählte Nakamura eine selten gespielte Eröffnung, die zu einer ungewöhnlichen Stellung mit vielen taktischen Möglichkeiten führte. Adams verbrauchte viel Zeit, doch geriet allmählich in die Defensive, als sich sein a-Freibauer nicht als Stärke, sondern als Schwäche erwies. Am Ende fand Adams nichts Besseres als den Übergang in ein Doppelturmendspiel, in dem Nakamura mit vier gegen drei Bauern - wobei der e-Bauer isoliert war - am Königsflügel gute praktische Gewinnchancen hatte. Adams wollte die Stellung vereinfachen und strebte nach Bauerntausch, aber gestattete Nakamura so taktische Möglichkeiten. Um die zu parieren, manövrierte Adams seinen Turm ins Abseits, wo er dann plötzlich gefangen war und verloren ging. Damit hatte Nakamura seinen ersten Sieg erzielt und konnte sich vom letzten auf den dritten Platz katapultieren.
Der Beginn der Partie
Nakamura auf der Suche nach der passenden Eröffnung
Stand nach vier von fünf Runden
Partien
Rundenplan
Runde 1, Mittwoch, 10. Dezember, 16:00 bis 23:00
Vladimir Kramnik
½-½
Vishy Anand
Hikaru Nakamura
½-½
Anish Giri
Mickey Adams
1-0
Fabiano Caruana
Runde 2, Donnerstag, 11. Dezember, 16:00 bis 23:00
Vishy Anand
½-½
Fabiano Caruana
Anish Giri
1-0
Mickey Adams
Vladimir Kramnik
1-0
Hikaru Nakamura
Runde 3, Freitag, 12. Dezember, 16:00 bis 23:00
Hikaru Nakamura
½-½
Vishy Anand
Mickey Adams
½-½
Vladimir Kramnik
Fabiano Caruana
½-½
Anish Giri
Runde 4, Samstag, 13. Dezember, 14:00 bis 21:00
Vishy Anand
½-½
Anish Giri
Vladimir Kramnik
½-½
Fabiano Caruana
Hikaru Nakamura
1-0
Mickey Adams
Runde 5, Sonntag, 14. Dezember, 14:00 bis 21:00
Mickey Adams
-
Vishy Anand
Fabiano Caruana
-
Hikaru Nakamura
Anish Giri
-
Vladimir Kramnik
Parallel zu dem Super Six Turnier findet in London ein Open und ein Wettkampf zwischen dem französischen GM Romain Edouard und dem englischen GM Gawain Jones statt. Die vierte Partie dieses Wettkampfs endete Remis und damit führt Jones jetzt mit 2,5:1,5.
Partien des Wettkampfs
Fotos: Turnierseite (John Saunders, Ray Morris-Hill)
Johannes FischerJohannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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