Lothar Schmids Sammlung bei Sotheby's

von André Schulz
23.04.2026 – Letzte Woche wurde die Schachauktion bei Sotheby's mit vielen Exponaten aus der Sammlung von Lothar Schmid beendet. Die kostbarsten Objekte erzielten weit über 100.000 Pfund. Eingerahmt wurde die Online-Auktion von einer Ausstellung und einem Vortrag. Der Musiker und Schachliebhaber Jason Kouchak war dabei. | Foto: Jason Kouchak vor dem Bild "Die Schachspieler" (oder: "Das Schachmatt des Teufels") von Friedrich Moritz August Retzsch, um 1831

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Der deutsche Großmeister und Verleger Lothar Schmid (1928 - 2013) war einer der bedeutendsten Sammler von Schachexponaten in der Welt und trug im Laufe der Jahre die vielleicht größte private Sammlung von Schachbüchern zusammen. Genau weiß man das nicht. Nicht einmal Lothar Schmid selber hatte zum Schluss einen vollständigen Überblick über den genauen Umfang seiner Sammlung, die ungefähr 50.000 Objekte umfasst haben soll.

Diese enthielt neben vielen Devotionalien, darunter die handgeschriebenen Notationszettel von Bobby Fischer und Boris Spassky aus ihrem Weltmeisterschaftskampf von 1972, Schachspiele, Kunstwerken und Schachbüchern einige bedeutende Werke aus der Geschichte der Schachliteratur. 86 Exponate aus der Sammlung von Lothar Schmid Objekte im Rahmen einer größeren Schachauktion mit dem Titel "Bücher, Manuskripte und Objekte aus drei bedeutenden Sammlungen" beim englischen Auktionshaus Sotheby's versteigert. Vergangenen Freitag (17. April) endete die Auktion, die online durchgeführt wurde. Die Ergebnisse der Auktion erfüllten die Erwartungen der Verkäufer voll und ganz, meldete Sotheby's nach Ende der Auktion.

Das bedeutendste Objekt aus der Sammlung von Lothar Schmid war eine der wenigen erhaltenen Originalausgaben von Lucenas "Repetición de amores y arte de ajedrez" aus dem Jahr 1479.

Die Ausgabe in der Sammlung von Lothar Schmid gilt als das schönste Exemplar. Das Buch wechselte für 179.200 Pfund den Besitzer. Das Manuskript von Grecos "Trattato del gioco de scacchi“ (1620) erzielte 115.200 Pfund. 

Der handgeschriebene Notationszettel der 17. Partie aus dem WM-Kampf von 1972 brachte 110.000 Pfund ein. 

Nicht zu entziffern? Hier die Partie zum Nachspielen:

Neben den prächtigen Büchern wurden Kunstwerke, darunter Giulio Benso: "Die Schachspieler" (44.800 Pfund) und alte und exquisite Schachspiele versteigert. 

Als Verleger und Mitinhaber des Karl May Verlages hatte Lothar Schmidt frühe eine bibliophile Affinität zu Literatur und besonders Schachliteratur entwickelt. Er war ein begabter Schachspieler, wurde einer der besten Spieler Deutschlands und gehörte zur erweiterten Weltspitze, obwohl sein Beruf als Verleger ihm nur begrenzte Zeit für das Turnierschach ließ. Als Turnierspieler, Nationalspieler und später als Schiedsrichter hatte er die Möglichkeit in viele Länder der Welt zu reisen und kam dort mit vielen Schachfreunden in Verbindung. Sein berühmtester Auftritt war 1992, als er den Wem-Kampf zwischen Fischer und Spassky als Schiedsrichter leitete.

Auch für das berühmte Auktionshaus Sotheby's war diese Schachauktion etwas ganz Besonderes. Das Haus rahmte die Auktion mit einer Ausstellung ein, in der die wunderschönen Exponate zu sehen waren. In einem Vortrag am vergangenen Mittwoch wurde über die Geschichte des Schachs und die Entstehungsgeschichte und Bedeutung einiger der Exemplare referiert.

Dr. Gabriel Heaton, Dominic Lawson und Jonathan Rowson in einer Podiumsdiskussion über die Bedeutung des Schachs und seine Geschichte

Der englische Musiker und Komponist Jason Kouchak, ein großer Schachliebhaber, war ebenfalls zu der Veranstaltung eingeladen und hatte Gelegenheit die Ausstellung zu bewundern.

Jason Kouchak

Jason Kouchak gratuliert seinem Freund Jonathan Rowson nach einem inspirierenden Abend im Auktionshaus Sotheby’s.

Jason Kouchak zeigte sich sehr beeindruckt:

"Der Vortrag vor der Auktion war sehr aufschlussreich und lehrreich. Die Bedeutung und Symbolik der verschiedenen Objekte wurden ausführlich erörtert. Es ist wirklich inspirierend, dass ein einzelner Mann wie Lothar Schmid, seine Zeit und Energie darauf verwendet hat, diese wunderbaren Bücher, Gemälde, Zeichnungen zu sammeln."

In einem Artikel im Guardian (s.u.) über diese Auktion und die Lothar Schmids Sammlerleidenschaft berichtete sein Sohn Bernhard, wie Lothar Schmids Frau Ingrid das Hobby ihres Mannes stoisch ertrug. Schmid unternahm bisweilen sehr weite Reise, um seltene Exemplare zu erwerben.

Viele wunderbare Schachexponate

"Es ist eigentlich sehr schade", bedauert Jason Kouchak, "dass diese einzigartige Sammlung nun auseinandergerissen wurde. Eigentlich gehören die Objekt in ein Museum in Deutschland."

Alle Exponate bei Sotheby's...

Beitrag in The Guardian...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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