Lothar Vogt feiert seinen 70sten Geburtstag

von André Schulz
17.01.2022 – In seiner Zeit als Schachprofi gehörte Großmeister Lothar Vogt zu den besten Spielern der DDR. Später betätigte er sich der ausgebildete Lehrer als Schachtrainer und Internatsleiter in Leipzig. Nach seiner Pensionierung spielt er wieder mehr Schachturniere mit und feiert heute seinen 70sten Geburtstag. | Foto: John Saunders

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Zum 70sten Geburtstag von Lothar Vogt

Lothar Vogt wurde am 17. Januar 1952 in Görlitz geboren und gehörte in jungen Jahren zusammen mit Wolfgang Uhlmann und Rainer Knaak zu den besten Schachspielern der DDR. Schach lernte er im Alter von sieben Jahren vom Vater eines Schulfreundes und wurde bei seinem ersten Verein Motor Görlitz unterstützt und trainiert. In seinen ersten Jahren stand vor allem die Betrachtung der Endspiele im Vordergrund. Die "Endspiel-Bibel" waren damals die Lehrbücher von Yury Averbakh. Nachdem der Jugendtrainer Heinz Rätsch im Präsidium des Schachverbandes durchgesetzt hatte, dass auch talentierte Jugendliche an den DDR-Landesmeisterschaften mit spielen durften, konnte Lothar Vogts schon mit 15 Jahren 1967 sein Debüt bei den DDR-Meisterschaften geben.

1969 wurde Lothar Vogt DDR-Jugendmeister und durfte bei der U20-Weltmeisterschaft in Stockholm mitspielen. Hier traf er erstmals auf Anatoly Karpov, den sich Lothar Vogt zum Vorbild nahm.

 

Ab 1968 besuchte Lothar Vogt zur weiteren Förderung ein Sportinternat in Leipzig, an dem später auch Rainer Knaak, Thomas Casper und Petra Feustel Unterricht erhielten. Die Schachtrainer waren Wolfgang Pietzsch, Artur Hennings und Detlef Neukirch. Mit Rainer Knaak bildete Lothar Vogt eine enge Trainingsgemeinschaft. 

1968 wurde Lothar Vogt erstmals in die Nationalmannschaft berufen und spielte in Minsk einen Länderkampf gegen Weißrussland. Die Reise wurde mit Vereinsmannschaftskämpfen in Moskau und Nowosibirsk fortgesetzt. Zweimal, 1972 in Skopje und 1988 in Thessaloniki nahm Lothar Vogt für die DDR-Auswahl an Schacholympiaden teil. Es wären viel mehr Einsätze geworden, aber die DDR-Sportführung stufte Schach als nicht förderungswürdig ein und nahm an den Schacholympiaden nicht mehr teil. Nach der Wiedervereinigung betreute Lothar Vogt 1996 das deutsche Frauennationalteam.

Lothar Vogt speilte bei vielen internationalen Einzelturnieren mit, darunter fünfmal beim Capablanca-Memorial auf Kuba. 

 

Seine besten Platzierungen erreichte er 1969 in Warschau (1. Platz), 1970 in Zinnowitz (1.–2.), 1972 und 1979 in Stary Smokovec (1972, 1. und 2.), 1974 in Leipzig (1.–2.), 1977 in Kecskemet (1.), 1979 in Naleczow (1.–3.) und 1982 in Polanica-Zdroj (1982, 1.). 2002 gewann er das Open von Leukerbad und 2006 das Open in Lenk. Bei den Schachturnieren in der Sowjetunion zählte man mitunter 1000 Zuschauer. Die Spieler wurden wie Popstars behandelt. Lothar Vogt erzählte in der Leipziger Volkszeitung, wie ihn eine junge Frau unter der eigentlich geheim gehaltenen Telefonnummer im Hotel anrief und versuchte ein Date zu bekommen. 

 

 

 

 

 

Den Internationalen Titel erreichte Lothar Vogt 1973. Im Jahr 1976 wurde er zum Großmeister ernannt.

Beim Andorra-Open (Foto: Andorra-Open)

Neben seiner Karriere als Schach-Großmeister studierte Lothar Vogt Deutsch und Geschichte auf Lehramt und schloss das Studium 1976 mit dem Diplom ab. Den Lehrerberuf in diesen Fächern übte Lothar Vogt jedoch nie aus, sondern wurde Schachprofi. Offiziell war er als Schachtrainer angestellt.

Nach der Wiedervereinigung spielte Lothar Vogt in der Bundesliga von 2990 bis 2000 für die SG Porz und wurde mit der Mannschaft fünfmal Deutscher Mannschaftsmeister (1994, 1996, 1998, 1999 und 2000). Danach spielte Lothar Vogt Mannschaftskämpfe für den SC Bann, für Leipzig Gohlis und für den SC Eppingen.

Lothar Vogt gehört zudem zum festen Inventar der SG Zürich und ist inzwischen der Spieler mit den meisten ununterbrochenen Einsätzen in der Schweizer Staatsliga. 1999, 2002, 2003, 2005, 2008, 2009, 2010 und 2016 wurde er mit dem Team Schweizer Mannschaftsmeister. Fünfmal nahm er mit Zürich am European Team Cup teil.
 

Zusammen mit Vlastimil Hort als Kommentator beim Rapidturnier in Zürich 2009

Von 1991 bis 1996 war Lothar Vogt Leiter des einst von Ludek Pachmann gegründeten Schachgymnasiums in Altensteig. Danach arbeitete er als Landestrainer von Sachsen und wurde schließlich Internatsleiter des Sportgymnasiums in Leipzig. In dieser Zeit als Schachtrainer und Internatsleiter kam Lothar Vogt nur noch wenig zum spielen.

Nach der Pensionierung 2017 fand Lothar Vogt wieder mehr Zeit, spielte einige hochrangige Seniorenturnier, aber auch viele Open überall in der Welt mit. Alles in allem hat Lothar Vogt 50 Länder bereist und will 2023 am Thailand Open und am Canadian Open teilnehmen.

Auch journalistisch und als Autor war Lothar Vogt aktiv: Über 15 Jahre führte er in der Rochade Europa die Rubrik "Der Leser ist am Zug". Zusammen mit Rainer Knaak verfasste er zudem das Buch "Königsindisch Pro und Contra".


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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