Runde zwei und drei in Sofia
Von Dejan Boikov

Frühling in Sofia

M-tel Runde 1 bis 3...
Gleich in der Nähe des Grand Hotels, vor dem Eingang zum National
Theater “Ivan Vazov”
haben die Organisatoren ein Zelt aufstellen lassen, wo man die Partien auf
Monitoren mitverfolgen kann.


Grand Hotel und Zelt

Viele Schachfreunde machen von dem Angebot Gebrauch, und lauschen
an der frischen Luft den Kommentaren von GM
Evgeny Ermenkov.
Wenn einen die Leidenschaft packt, kann man auch gleich an einem
der Tische selber blitzen.

Unter den Zuschauern sah ich den bulgarischen Meister Petar
Ljangov, der ein großer Fischer-Fan ist.

Petar Ljangov
Gerade wurde Ljangov Dritter der bulgarischen
Seniorenmeisterschaft, war aber mit dem Ergebnis nicht zufrieden.
Die Partien des zweiten Tages endeten allesamt remis, waren aber
doch recht interessant.

Adams und Topalov im Gespräch

Mamedyarov und Sasikiran kommen
Bei der Pressekonferenz herrschte großes Gedränge, da die Partien
alle ungefähr zur gleichen Zeit endeten.

Topalov hatte in der Eröffnung einen kleinen Vorteil erzielt,
doch Adams hielt gekonnt dagegen. 23...Te8 war ein sehr starker Zug, meinte
Topalov. Adams sagte, dass sein Qualitätsopfer vor allem im Remissinne gespielt
war.
Mamedyarov spielte gegen Sasikiran sehr
aktiv und erhielt die besseren Möglichkeiten. Nachdem er aber dem Damentausch
aus dem Weg gegangen war, sah er keinen klaren Weg mehr, wie er die Position
hätte verbessern sollen. Am Ende waren alle Schwerfiguren abgetauscht und mit
den ungleichfarbigen Läufern ein Remis schwer zu vermeiden. 23...b5 war
eventuell eine bessere Möglichkeit im Gewinnsinne.
Kamsky spielte gegen Nispeanu recht
originell und erzielte damit seinen ersten (halben) Punktgewinn im Turnier.


Nisipeanu liebt Pressekonferenzen
Dritte Runde


In der dritten Runde opferte Mamedyarov in seiner Partie gegen
Topalov einen Bauern und erhielt dafür starken Angriff. Mit dem König in der
Mitte war der Bulgare am Ende den Schwerfiguren von Mamedyarov hilflos
ausgeliefert.


Mamedyarov

Topalov nicht zufrieden
Der ehemalige Fideweltmeister kritisierte sein Spiel in der
Eröffnung. 7...dc4 (Cheparinov) oder später 11...Le7 waren bessere
Möglichkeiten. Gelobt wurde Mamedyarovs Manöver Tf1-e1-e3, was den Turmtausch
mit 18...Te8 verhindert, wegn 19.Txe8 Txe8 20.Se6 und gewinnt. Nach nur 2,5
Stunden musste der Lokalheld die Partie aufgeben.
Adams opferte gegen Nisipeanu eine Figur für zwei Bauern und
entblößte damit den König seines Gegners.



Später gewann er einen weiteren Bauern und hielt dennoch den
Angriff fest. Nisipeanu gab zu, das Opfer übersehen zu haben. Beide Spieler
waren sich einig, dass Adams danach auf Gewinn steht. Adams meinte noch, dass er
diesen Stellungstyp häufig gegen seinen Rechner spielt, aber immer verliert.
Briefmarken
Parallel zum Turnier wird in der Hauptpost von Sofia, nicht weit
vom Grand Hotel, eine umfangreiche Briefmarkenausstellung zum Thema Schach
gezeigt.

Eigentümer der Sammlung ist Toncho Demirev, ein bekannter
Schiedsrichter aus Veliko Tarnovo. Er hat diese Ausstellung auch schon 2003 am
Rande der ECTC in Plovdiv gezeigt. Da sie inzwischen weiter gewachsen ist, fand
er eine Wiederholung angemessen.

Toncho Demirev
Unter den Exponaten befindet sich die erste Schachbriefmarke überhaupt. Sie
wurde 1949 in Bulgarien gedruckt.

Die erste Schachbriefmarke kam aus Bulgarien

Topalov

Stefanova-Marke

Die bulgarische Ecke
Außerdem werden einzigartige Umschläge gezeigt, z.B. mit
Autogrammen von Fischer und anderen Weltmeistern (Botvinnik,
Anand, Kramnik, Topalov).

Fischer-Autogramm

Umschlag mit Kortschnoj-Autogramm 1978 Baguio

Fernschachbrief von 1886

Brief von Karpov

Wettkampf Petrosian-Kortschnoj

Autogramme der Varna-Schacholympiade 1962

UdSSR gegen den Rest der Welt
"Wir sehen einzigartige Zeugnisse der Geschichte", teilt Demirev mit.

"Wussten Sie, dass es 1912 einen bulgarischen Schachklub in
Karlsruhe gab, also lange vor der Gründung des Verbandes 1928?"

bulgarischer Schachklub in Karlsruhe
Eine Besonderheit ist ein Umschlag von Ruslan Ponomariov: "Wo ist der
Schiedsrichter, der mir wegen eines Handyanrufs eine Null verpasste? Ich will
ihm diesen Umschlag schenken."

Ponomariovs Geschenk unter dem von van Wely