Magnus Carlsen bleibt Weltmeister!

von Johannes Fischer
28.11.2018 – Am Ende behielt Magnus Carlsen Recht. In der zwölften Partie des WM-Kampfs gegen Fabiano Caruana war er in guter Stellung mit Remis einverstanden, weil er seine Chancen im Schnellschach-Tiebreak höher einschätzte. Und der Erfolg gab Carlsen Recht. Er gewann den Tiebreak souverän, klar und ungefährdet mit 3-0. Damit gewann Carlsen auch den Wettkampf und verteidigte seinen Titel. | Foto: Lennart Ootes, Archiv

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Magnus Carlsen gewinnt Tiebreak souverän

Wo war Magnus Carlsens Zauber geblieben, die Fähigkeit, in scheinbar harmlosen Stellungen Möglichkeiten zu finden und seine Gegner zu überspielen, auch wenn sie keine offensichtlichen Fehler gemacht hatten. Dieser Zauber hat Carlsen zum Weltmeister gewmacht, er hat ihm die höchste Elo-Zahl beschert, die je ein Spieler erreicht hat.

Aber beim WM-Kampf gegen Caruana in London schien Carlsen dieser Zauber verloren gegangen zu sein. Alle zwölf Partien des Wettkampfs mit klassischer Bedenkzeit waren Remis ausgegangen und gleich in der ersten Partie hatte Carlsen nach starkem Spiel ein Gewinn ausgelassen. Viel Gewinnchancen bekam er danach nicht mehr. Und als er sie in der zwölften Partie bekam, war er mit Remis zufrieden.

Partie 1

Doch in der ersten Partie des Tiebreaks schien der Carlsen-Zauber wieder da zu sein. Nach der Eröffnung konnte er Caruana mit scheinbar einfachen Zügen unter Druck setzen, ja, er schien fast schon auf Gewinn zu stehen. Doch Caruana verteidigte sich einfallsreich und hartnäckig und konnte sich in ein Turmendspiel retten, in dem er gute Remischancen hatte. Doch bei knapper werdender Zeit fand Caruana nicht die richtige Verteidigung und Carlsen ging im Tiebreak 1-0 in Führung.

 

Partie 2

Der Sieg in der ersten Partie schien Carlsen beflügelt zu haben. Er wiederholte die Sveshnikov-Variante, die auch in der 12. Partie des Wettkampfs auf dem Brett gestanden hatte, aber dieses Mal bot er keine Zugwiederholung an, sondern suchte den Kampf. Nach der Niederlage in der ersten Partie hatte Caruana nichts gegen eine Verschärfung der Stellung und so kam es zu einem scharfen Sizilianer. Mit dem Vorstoß des c-Bauern schien sich Caruana wenig später Chancen zu verschaffen, aber das erwies sich schnell als Illusion. Carlsen reagierte mit einem Figurenopfer, wenig später brach die weiße Stellung zusammen und Carlsen ging im Tiebreak mit 2-0 in Führung.

 

Partie 3

Nach den zwei Niederlagen zum Auftakt musste Caruana die dritte Partie unbedingt gewinnen. Doch Carlsen hatte Weiß und wählte einen sehr sicheren, soliden Aufbau. Caruana suchte verzweifelt nach Gegenchancen und schien sie auch zu bekommen, als Carlsen die Stellung plötzlich öffnete - danach kam es zu einem Endspiel, in dem Carlsen Dame + Läufer und Caruana Dame + Springer hatte. Doch wenn Caruana in diesem Endspiel auf Gegenspiel gehofft hatte, so zerstörte Carlsen sämtliche Illusionen schnell: er neutralisierte die schwarzen Drohung und schob seine Freibauern vor. Caruana fand kein Rezept, der weiße c-Bauer ging zur Dame und wenig später gab Caruana auf. Carlsen hatte den Tiebreak 3-0 gewonnen und seinen Titel verteidigt.

 

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Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".