Magnus Carlsen – „Ich passe nicht wirklich in eine der üblichen Schubladen”

02.04.2012 – Nach dem letzten Tal-Memorial gab Magnus Carlsen Evgeny Atarov ein Interview, das Ende des Jahres auf der russischen Seite ChessPro erschien und bald danach auch in einer englischen Zusammenfassung veröffentlich wurde. Die Aussagen des 21-Jährigen sind z.T. so verblüffend, dass sie hier auch den deutschen Schachfreunden zugänglich gemacht werden sollen. So hat der Weltranglistenerste laut eigenem Eingeständnis eine Eröffnungsvorbereitung, die weit hinter der anderer Topspieler hinterher hinkt - und hat auch kaum Lust, das zu verbessern. Überhaupt hat erst Kasparov ihn auf den Mangel aufmerksam gemacht. Der Norweger ist auch keines jener "Computerkids", die Schach mit Datenbanken, Schachprogrammen und Internet gelernt haben. Erst mit 12 Jahren kam Carlsen mit ChessBase-Programmen in Berührung. Als Genie sieht er sich nicht, freut sich aber trotzdem über Urteile wie das von Alexander Nikitin. Der einstige Kasparow-Trainer hatte beobachtet, wie der 13-jährige Carlsen beim Aeroflot-Open den früheren Weltklassespieler Dolmatov vom Brett gefegt hatte: "Ich habe die Partie eines Genies gesehen!" Zum Interview...

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Magnus Carlsen – „Ich passe nicht wirklich in eine der üblichen Schubladen

Von Colin McGourty aus dem Russischen ins Englische, von Bastian Pielczyk aus dem Englischen ins Deutsche übertragen

Nach dem Tal-Memorial 2011 in Moskau gab Magnus Carlsen ein langes Interview, das erst Ende des Jahres veröffentlicht wurde. Doch das Warten hat sich gelohnt, denn es zeigt auf bemerkenswerte Weise, warum der Norweger aus der Schachwelt hervorsticht. Er sagt, er habe sich als Schachspieler im Wesentlichen ohne die Benutzung von Computern entwickelt und dass er sich abseits von Turnieren kaum mit dem Spiel beschäftige. Sein ausführlicher und reflektierter Bericht über seine Zusammenarbeit mit Garry Kasparow macht zudem deutlich, dass er nicht mit Hikaru Nakamuras Ansicht übereinstimmt, außer Eröffnungswissen nicht viel von ihm lernen zu können.

Magnus Carlsen sprach fast eine Stunde lang mit Jewgeni Atarow von ChessPro über eine Vielzahl von Themen. Neben den Höhepunkten, die ich zur Übersetzung ausgewählt habe, sprach er unter anderem auch über die Weltmeisterschaft, Poker, seine Bekanntheit in Norwegen und über die nahezu stetige Begleitung durch seinen Vater. Die in diesem Artikel verwendeten Fotos von Carlsen beim Tal-Memorial stammen ebenfalls von Jewgeni Atarow. Wir präsentieren Ihnen dieses bemerkenswerte Interview mit freundlicher Genehmigung unserer Kollegen von ChessPro.

Carlsen über seine Einstellung zum Schach

Ich bin professioneller Schachspieler und deshalb sollte ich alles in meiner Macht Stehende tun, um mein Potential auszuschöpfen. Ich gewinne gern und will die bestmöglichen Ergebnisse erreichen… Gleichzeitig gelingt es mir immer noch, viel Spaß am Schachspielen zu haben! Während einer Partie höre ich auf, an das Ergebnis zu denken, weil ich so von dem Geschehen auf dem Schachbrett eingenommen werde…

Was dieses Turnier anbelangt, erinnere ich mich vor allem an zwei Partien – gegen Gelfand und Kramnik. Mir hat es einfach gefallen, als wir diese unkonventionellen Stellungen erreichten. Wenn sich jede Partie so interessant entwickeln könnte wie diese beiden, wäre ich wirklich hocherfreut. Aber leider besteht Schach nicht nur aus Kreativität.

Und hätte sich Ihre Einstellung zu diesen Partien geändert, wenn sie nicht so gut für Sie ausgegangen wären?

Das Ergebnis ist natürlich immer wichtig, aber ich spreche über die Freude, die aus dem Spiel selbst entsteht.

Meinen Sie eine abstrakte Freude am Spiel oder die Freude darüber, dass sie den Verlauf des Spiels zu Ihren Gunsten beeinflussen können?

Vor allem löse ich gerne ungewöhnliche Aufgaben am Schachbrett. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ich das Eröffnungsstudium nicht wirklich mag – alles beginnt bei der ewig gleichen Ausgangsstellung.


Wladimir Kramnik, Ilja Lewitow (Vorstandsvorsitzender des Russischen Schachverbands) und Magnus Carlsen bei der Analyse

Über seine Arbeit am Schach

Wie viel Zeit widmen Sie dem Schach?

Das lässt sich schwer sagen. Während eines Turniers nimmt Schach meine gesamte Zeit ein. Dann bin ich zu 100% auf das Spiel konzentriert. Ich schalte Fernseher und Telefon ab, ich existiere für niemanden… Wenn ich zu Hause bin? Sofern keine Trainingseinheit angesetzt ist und kein Turnier ansteht, arbeite ich überhaupt nicht an meinem Schach.

Ganz und gar nicht?

Allerdings!

Und Sie erhalten in keiner Weise ihre „Wettkampffähigkeit“?

Nun, wenn ich Lust habe, sehe ich mir etwas an, das mein Interesse geweckt hat. Oder ich lade ein paar neue Partien herunter…ich weiß nicht, nichts Besonderes. Es fällt mir schwer, das als zielgerichtetes Training zu beschreiben. Es mag seltsam klingen, aber ich profitiere sehr stark von der bloßen Durchsicht von Partien. Ich analysiere sie nicht, benutze keine Engines, sondern klicke mich einfach durch die Züge, sehe mir neue Ideen an und wer was spielt...

Und das sagt der Führende der Weltrangliste!

Nun, jeder hat seine eigene Herangehensweise. Keiner weiß wie die anderen ihre Zeit verbringen – Anand, Kramnik, Aronian…

Über seine Schachentwicklung

Denken Sie, dass Sie ein besonderes Schachtalent besitzen?

Ich weiß nicht. Jeder hat viele verschiedene Talente. Wahrscheinlich habe ich so etwas wie ein Schachtalent, aber ich kann das nicht mit 100%iger Sicherheit sagen.

Können Sie selbst einschätzen, was Ihre Besonderheit ausmacht?

Ich kann dabei nur das zugrunde legen, was andere über mich sagen. Als ich etwa 12-13 Jahre alt war, meinten viele Leute, dass ich ein großes Schachtalent hätte und einmal ein guter Spieler würde. Mir selbst war es zu dieser Zeit jedoch egal, ob ich ein starker Spieler würde oder nicht – ich spielte einfach und hatte Spaß daran…

Tatsächlich ist es sehr schwierig einzuschätzen, wer mehr und wer weniger talentiert ist. Oder wer ein wirklich großer Schachspieler wird, und wer unbekannt bleibt.

Ich erinnere mich immer noch an eine Szene mit Alexander Nikitin, Kasparows Trainer, der bei einem der ersten Aeroflot-Turniere neben Ihrem Tisch stand und sah, wie Sie Dolmatow in 20 Zügen zermalmten. Daraufhin ging er mit einer Notation des Spiels durch die Halle und erzählte jedem atemlos: „Das ist die Partie eines Genies“…

Ja, daran erinnere ich mich, ich war damals 13 (lacht). Ich muss mich bei Nikitin für die gute Werbung, die er dort für mich betrieben hat, bedanken. Er ist eine Autoritätsfigur und ich habe sogar darüber gehört als ich nach Hause zurückgekehrt war. Ja, er hat mir auch eine große Zukunft vorhergesagt.

 

Und Sie waren wirklich nicht peinlich berührt oder beunruhigt durch das ganze Gerede von Ihrem Genie?

Ich kann mich nur wiederholen: Ich habe mich nie für ein Schachgenie gehalten und nie auf die Einschätzungen anderer Leute geachtet. Auch heute reagiere ich gelassen auf so etwas… Viele halten mich für zu nüchtern. Aber schon damals habe ich mich immer gefragt, welchen Sinn diese ganze übertriebene Aufregung hat – man muss einfach nur das tun, was gut funktioniert.

Wie viel langsamer wäre Ihre Schachentwicklung verlaufen, wenn Sie keinen Computer zur Verfügung gehabt hätten?

Das weiß ich nicht. Darüber habe ich nie nachgedacht. Mir erscheint es, als (er denkt kurz nach) hätte der Computer keinen wesentlichen Einfluss auf mich persönlich gehabt.

Das ist kaum zu glauben… Sie zeichnen sich ja gerade dadurch aus, jede beliebige Stellung „nach Ansicht“ spielen zu können und jederzeit Stellungen verteidigen zu können, in denen „hässliche“ Computerzüge benötigt werden…

Aber so war es. Ich kann Ihnen sagen, dass ich in den ersten fünf Jahren überhaupt keine Computerunterstützung genutzt habe, nicht mal in Form einer Datenbank! Damals habe ich einfach ein Schachbrett aufgestellt, nahm die Bücher, die ich gerade bearbeitete, und sah mir so alles an. Ehrlich gesagt, wusste ich mit 11-12 nicht einmal was ChessBase war. Ich habe erst einen Computer zum Schach benötigt, als ich anfing, über das Internet zu spielen. Mir ist klar, dass dies aus meinem Mund ziemlich unglaubwürdig klingt – und die meisten Leute halten mich für ein Kind der „Computerschach“-Ära, aber so war es nun einmal. Übrigens hat meine „Inkompetenz“ im Hinblick auf die Benutzung von Computern für das Schach sogar meine ersten Trainer erstaunt. Ich konnte Ihnen weder Datenbanken noch eigene Analysen zeigen…

Haben Sie noch Notizbücher mit Analysen aus Ihrer Kindheit, die das „dokumentieren“? Gibt es Zeitzeugen?

Natürlich sind die Leute nicht verschwunden – Sie können einfach meinen Vater fragen. Was Notizen angeht, bin ich mir nicht sicher. Ich habe nicht unbedingt Notizen angefertigt.

Also ist Ihr Schachverständnis, Ihr positionelles Gefühl, komplett menschlich?

Ich glaube schon, ja. Und mein grundlegendes Schachverständnis hat sich ohne Einsatz von Maschinen herausgebildet. Das war meine Herangehensweise, meine Vorstellung des Wettkampfs.

Über seinen Stil

Also können Sie sich selbst nicht als Taktiker oder Positionsspieler bezeichnen?

Ich würde mich als Optimisten bezeichnen! Tatsächlich habe ich keine festen Vorlieben im Schach. Ich mache das, was die Stellung nach meiner Einschätzung von mir verlangt – angreifen, verteidigen oder in das Endspiel überleiten. Vorlieben zu haben, bedeutet Schwächen zu haben.

Könnten Sie Ihre Eindrücke nach einem Sieg in einem subtilen Endspiel und einem Wirbelsturmangriff vergleichen? Gibt es für Sie da gar keinen Unterschied?!

Ich weiß wirklich nicht, was ich beim Schach mehr mag! Unter anderem kann eine Partie aufgrund des Gefühls herausragen, das sich nach ihrem Ende einstellt, wenn man begreift, dass man etwas wirklich Wertvolles erschaffen hat…Aber so etwas passiert sehr, sehr selten. In meiner bisherigen Laufbahn auf jeden Fall nur ein paar Mal.

Gut, und welche Partien gefallen Ihnen besser, wenn Sie nur Kiebitz sind?

Ich weiß nicht. Ich mag die Auseinandersetzung an sich.

Über das „Hypnotisieren” von Gegnern

Viktor Kortschnoj hat behauptet, Magnus Carlsen hypnotisiere seine Gegner und zwinge sie dadurch zu Fehlern. Carlsen kannte diese Bemerkungen als Atarow sie erwähnte, aber gab eine etwas rationalere Erklärung:

Nun, Sie werden zugeben, dass eine solche Behauptung angesichts der Häufigkeit von Patzern Ihrer Gegner nicht überraschend ist.

Üben sie großen Druck auf ihre Gegner während einer Partie aus und sie werden Fehler machen… Ich kann nicht einschätzen, wie viel häufiger sie solche Fehler gegen mich machen.

Viel häufiger!

Ich weiß nicht. Ich kämpfe in jeder Partie bis zum Schluss und gebe alles, was ich kann. Ich will nach einer Partie nicht denken, dass ich weniger getan habe als ich konnte…Wahrscheinlich beeinflusst diese Einstellung meine Gegner. Fehler resultieren aus Spannung!

Bemühen Sie sich, in jeder Ihrer Partien Spannung auf dem Schachbrett zu erzeugen?

Ich versuche es! Ich kann nicht sagen, dass es in jeder Partie funktioniert. Nehmen wir beispielsweise meine Partie gegen Anand in diesem Turnier: mir ist es einfach nicht gelungen überhaupt irgendeine Spannung zu erzeugen. Aber in allen anderen Partien habe ich es mit aller Macht versucht…

Über Eröffnungen

Carlsen bestätigte die Aussage, das Eröffnungsstudium nehme 80% der Zeit eines Schachspielers in Anspruch, so dass sich folgende Frage ergab:

Aber…sieht man sich Ihre Spiele an, bekommt man einen anderen Eindruck! In den ersten vier Runden des Tal-Memorial hätten Sie, wenn man nur die Eröffnungen betrachtet, 0 aus 4 bekommen können, aber dann hätten Sie 3.5 aus 4 erreichen müssen. Sie haben Ihre Gegner ständig überspielt…

Wahrscheinlich weil ich das Mittel- und Endspiel viel lieber mag als die Eröffnung. Ich mag es, wenn die Partie zu einem Wettstreit der Ideen wird, nicht zu einem Kampf der vorbereiteten Analysen. Aber leider geschieht dies nicht oft.

Stört Sie das?

In gewisser Weise schon, aber was kann ich ändern!

Mehr an den Eröffnungen arbeiten, wie es die anderen auch machen…

Ich arbeite schon mehr daran als ich möchte.

Aber trotzdem sind Sie ihnen, soweit ich das verstehe, in der Regel unterlegen?

Ja. Es ist kein Geheimnis, dass meine Eröffnungsvorbereitung der von Anand und Kramnik und vielen anderen unterlegen ist. Sie haben mehr Erfahrung, vorbereitete Ideen…sie sind Spezialisten darin! Aber ich versuche meine Steine ordentlich auf dem Brett zu platzieren, damit ihr Vorteil nicht so groß wird, dass ich sofort verliere.

Über die Arbeit mit Kasparow

Welche Eindrücke hat die Zusammenarbeit bei Ihnen hinterlassen? Falls ich damit kein verbotenes Thema anspreche?!

Nein, das ist kein Problem. Unsere Zusammenarbeit begann 2009 und wir arbeiteten über ein Jahr lang ziemlich eng miteinander. Wir trafen uns persönlich und führten regelmäßig Gespräche über Skype. Wir haben viel zusammen analysiert, gegeneinander gespielt, Meinungen ausgetauscht…

Welchen Hauptnutzen hatte Ihre gemeinsame Arbeit am Schach für Sie?

Er hat mir geholfen, eine ganze Art von Stellungen besser zu verstehen. Es war klar, dass er viel mehr wusste als ich…Manchmal war es schwer, mit der Geschwindigkeit und Tiefe seiner Analyse Schritt zu halten, aber meistens hatten wir eine gemeinsame Wellenlänge. Was soll ich sagen: es war eine einzigartige Erfahrung für mich. Kasparow hat mir erhebliche praktische Hilfe zukommen lassen.

War er über das Ausmaß Ihrer Eröffnungsvorbereitung erstaunt?

Ja, er war erschüttert darüber, wie wenig ich tatsächlich wusste… Aber wir haben uns nicht auf dieses Thema konzentriert. Er hat mir seine Methoden der Eröffnungsarbeit gezeigt, und dafür bin ich ihm dankbar. Dank ihm habe ich mich in diesem Bereich weiterentwickelt.

Was hat Kasparow Ihnen noch gezeigt?

Er hat mir viel über die Besonderheiten des Wettkamps erzählt, und eine Menge über bestimmte Elite-Spieler. Er hat eine sehr eigene Sicht auf die besten Spieler der Welt.

Waren Sie verblüfft von der Energie, die er mit 46 Jahren immer noch hat?

Ja, er ist ein sehr “energischer” Mann! Auch wenn er einem scheinbar nur seine Meinung mitteilt, diktiert er in Wahrheit, wie man sich verhalten soll…

Wie sehr haben sich ihre Einschätzungen der Stellungen, an denen sie gearbeitet haben, unterschieden?

Sehr deutlich…Kasparow ist ein Forscher, er sieht jede Stellung als ein Theorem an, das bewiesen werden muss, während ich pragmatischer bin – ich suche nach den besten praktischen Möglichkeiten für beide Spieler. Er versucht, alles auf eine endgültige Bewertung zu reduzieren, +- oder -+, während ich nicht so akribisch vorgehe und hauptsächlich nach einem aussichtsreichen Weg suche, den man einschlagen kann. Manche seiner Aussagen zeigten mir, dass er meine Herangehensweise stark damit verbindet, wie Karpow Entscheidungen traf. Er hat ihn wie kein anderer kennengelernt – Ich kann nicht behaupten, dass diese Einschätzung unerfreulich für mich war…

Haben Sie häufig mit Kasparow konkurriert?

Am Schachbrett? Ja, wir haben viele Blitz-Partien gespielt! Es war ein interessanter Kampf. Manchmal war es schwierig für ihn – man konnte erkennen, dass er nicht in Übung war.

Konnten Sie anhand dieser Partien erahnen, wie stark Kasparow in seiner Jugend gewesen sein muss?

Er ist ein fantastischer Schachspieler. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der ein so ausgeprägtes Gefühl für Dynamiken in komplexen Stellungen hat. Und das in seinen 40ern! Natürlich wäre es sehr interessant gewesen, gegen den Kasparow von damals zu spielen, aber wie Sie wissen, können wir die Zeit nicht zurückdrehen… Ich denke, es wäre eine wunderbare Herausforderung gewesen. Auch Karpow soll in seiner Jugend glänzend gewesen sein.

Bedauern Sie das Ende ihrer Kooperation mit Garry?

Ich weiß nicht. Alles hat seine Zeit… Kasparow und ich haben uns vollkommen freundschaftlich getrennt, ohne dass sich jemand angegriffen gefühlt hätte. Er hat mir eine Menge nützlichen Wissens vermittelt. Ich glaube, dass es auch für ihn interessant war. […] Keiner weiß, was passiert wäre, wenn wir weiter zusammengearbeitet hätten. Aus der heutigen Sicht halte ich die Beendigung der Arbeit für den richtigen Schritt.


Magnus Carlsen und Garry Kasparow bei einem freundschaftlichen Schwätzchen vor dem Abschlussdinner der London Chess Classic 2011 [Foto: Frederic Friedel]

In gewisser Hinsicht hatten Sie also das bekommen, was Sie von Kasparow wollten?

Das könnte sein, obwohl es dabei keine Garantien gibt. Vielleicht werde ich meine Entscheidung irgendwann einmal bereuen. Aber vielleicht auch nicht…

Aus den Reihen Kasparows hat man Garrys Enttäuschung über das Ende der Zusammenarbeit deutlich vernommen, so als hätten Sie sich von einem „heiligen Wissen“ abgewandt…

Ich kann das nur schwer einschätzen. Vielleicht habe ich ihn enttäuscht, aber das war nun einmal meine Entscheidung.

Und das Leben geht weiter?

Ja, so ist es! Ich halte es für falsch, sein Leben auf ein oder zwei Entscheidungen zu reduzieren: ich habe mich für den falschen Weg entschieden – und das war es dann. Aber so ist es nicht…Für mich gibt es keine „tödlichen Fehler“. Und selbst wenn ich einige Fehler mache, sind es meine Fehler, und ich werde die Verantwortung für sie übernehmen.



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