Magnus Carlsen Invitational: Nepomniachtchi und Giri im Finale

von Klaus Besenthal
20.03.2021 – Beim 15+10-Onlineturnier "Magnus Carlsen Invitational" hat Anish Giri am Freitag auch sein zweites Halbfinalmatch gegen Wesley So gewonnen. Ebenso wie bereits einen Tag zuvor hieß es nach den vier Partien 2,5:1,5 für Giri, der kaum Probleme hatte, das Finale zu erreichen. Schwerer war es für Ian Nepomniachtchi gegen Magnus Carlsen. Nachdem er das erste Match gegen den Weltmeister mit 2,5:1,5 gewonnen hatte, verlor "Nepo" den zweiten Durchgang zwar zunächst mit demselben Resultat, konnte sich dann aber in den zwei 5+3-Tiebreakpartien mit 1,5:0,5 durchsetzen. Das Finale Giri gegen Nepomniachtchi beginnt am Samstag wie gewohnt um 17 Uhr. Zeitgleich spielen Carlsen und So um Platz 3. | Foto: Meltwater Champions Chess Tour

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Magnus Carlsen Invitational

Nepomniachtchi - Carlsen

Carlsen hatte also das erste Match am Donnerstag verloren und lag somit zurück, doch in der ersten Partie konnte er daran nichts ändern: Diese endete remis, ohne dass die Remisbreite zwischenzeitlich verlassen worden wäre.

Und dann kam es noch schlimmer für den Weltmeister, denn Partie 2 ging für ihn verloren. In einem sehenswerten Endspiel, das mit dem letzten Zug zu einem Doppelturmendspiel wurde, geriet der Weltmeister mit seinem König in ein Mattnetz. Unser Endspiel-Experte Karsten Müller analysiert:

 

Vor dem starken Finish von Nepo hatte der Weltmeister in dieser Partie jedoch eine große Chance auf Vorteil verpasst:

 

In der dritten Partie meldete sich der Weltmeister zurück: Nach einem Figurenopfer besaß Carlsen zwei starke Freibauern, gegen die Nepo nicht das richtige Mittel finden sollte. Das Wort hat Karsten Müller:

 

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Diesem Endspiel waren einige spannende Szenen vorausgegangen. Vor allem hatte Nepo die Chance verpasst, auf einfache Weise mit einem Springeropfer und anschließendem Dauerschach den Finaleinzug bereits frühzeitig dingfest zu machen:

 

Und jetzt war es plötzlich Nepo, für den es noch schlimmer kam, als er Partie 4 sang- und klanglos verlor:

 

In der ersten Tiebreak-Blitzpartie wurde in Zug 62 der letzte Bauer geschlagen. Anschließend unternahm Carlsen mit T+S gegen T langwierige Gewinnversuche - bis er den Turm einstellte. Wahrscheinlich war dies ein Bedienungsfehler mit der Maus. Danach versuchte dann Nepomniachtchi mit T gegen S die Partie zu gewinnen. Das Ganze dauerte bis zum 142. Zug - mit einem Remis als Ergebnis.

Nach der zweiten Blitzpartie hieß es dann "Ende gut, alles gut" für Nepo. In einem schwierigen, aber ausgeglichenen Damenendspiel machte der Weltmeister einen falschen Königszug - und verlor. Nepo war glücklich im Finale gelandet.

Giri - So

Anish Giri, der mit einer 1:0-Matchführung in den Tag gegangen war, hatte gleich in der ersten Partie Glück, dass Wesley So sich eine kleine Kombination entgehen ließ:

 

Ausgleichende Gerechtigkeit: In der zweiten Partie gelang es Giri nicht, eine kleine Schwäche seines Gegners auszunutzen.

 

Die dritte Partie erbrachte das dritte Remis, und dieses Mal wurde die Remisbreite wohl wirklich nicht verlassen, auch wenn Giri als Schwarzer mehrmals für längere Phasen besser stand.

In der vierten und letzten Partie brauchte Wesley So dann einen Sieg, um im Geschäft zu bleiben. Das ging total schief, so dass der Finaleinzug von Anish Giri am Freitag letztlich ziemlich locker vonstatten gegangen ist.

 

Die K.-o.-Phase im Überblick

Partien

 

Turnierseite


Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.
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Heipit Heipit 20.03.2021 11:17
Die letzten 2 Partien gegen Nepo vor dem Tiebreak, als er ausglich, die waren absolut Spitze und zeigten sein wahres Potential. Mann Magnus, es wird Zeit, wieder Mozartsche Klänge ertönen zu lassen, Du hast sie noch drauf!!
Heipit Heipit 20.03.2021 11:13
Diese Schnellpartien sind nicht Carlsens Ding. Obwohl er auch Schnellschach- und Blitzschach-Weltmeister ist, kriegt man das Gefühl nicht los, dass es für ihn äusserst schwierig ist, "oben" zu bleiben, wenn nicht eine ernst ausgetragene WM vor der Tür steht.

Die letzten 3 des Halbfinals sind ihm alle auf den Fersen und dahinter gibt es noch einige Hungrige mehr. Der Gejagte zu sein, ist nicht so seine Rolle, er liebt es eher selbst zu jagen. Auch kriegt man den Eindruck, dass seine Aussetzer sich häufen, was er auf das Alter, wenn auch spasseshalber, zurückführt. Wenn er natürlich damit übereinstimmt, dass man über 30 zum alten Eisen gehört, dann ist nicht mehr viel zu holen und bald wird man ihn nicht nicht mehr als über ELO 2800 sehen.

Vielleicht würde ihm ein WM-Verlust wieder auf die Sprünge helfen, sein wahres Potential abzurufen, so blöd das auch klingen mag.
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