Carlsen vs Nakamura, Tag 6: Spannung bis zum Schluss

von Carlos Colodro
20.08.2020 – Magnus Carlsen gilt als Spieler, der besonders stark spielt, wenn die Lage kritisch ist. Im Finale der Magnus Carlsen Chess Tour war die Lage kritisch, denn nach fünf von maximal sieben Wettkämpfen lag Carlsen mit 2-3 zurück und musste den sechsten Wettkampf unbedingt gewinnen. Das gelang ihm auch - trotz eines lädierten Rückens spielte Carlsen phantastisch stark und gewann den Wettkampf mit 3-1 und glich im Match zum 3-3 aus. Die Entscheidung über den Sieg in der Magnus Carlsen Chess Tour fällt jetzt am Donnerstag, im siebten und letzten Wettkampf. | Foto: Lennart Ootes

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Kontrolliert und stark

Peter Leko, der den Wettkampf zusammen mit Yasser Seirawan live kommentiert, war begeistert, wie Magnus Carlsen im sechsten Wettkampf gespielt hatte. Nach der letzten Partie gratulierte er Carlsen und meinte: "Ein phantastischer Tag, sehr schöne Partien, alles unter Kontrolle."

Mit Siegen in der ersten und der vierten Partie und zwei Remis in den Partien zwei und drei hatte der Weltmeister den Wettkampf mit 3-1 klar für sich entschieden. Und das, obwohl er sich kurz vor der Partie eine Verletzung am Rücken zugezogen hatte. Sichtlich angeschlagen erklärte Carlsen nach dem Wettkampf, was passiert war:

Ich war heute ganz allgemein in großartiger Stimmung und vor der Partie wollte ich nicht wie sonst Laufen gehen, sondern noch kurz im Meer schwimmen, und da ist dann irgendetwas passiert. Aber jetzt tut es nicht mehr so weh wie vorhin.

Für Carlsen war die Magnus Carlsen Chess Tour besonders anstrengend, denn in drei der vorherigen Turniere hatte er es bis ins Finale geschafft. Kommentatoren und Spieler sind sich einig, dass vier Schnellpartien an einem Tag zu spielen anstrengender und aufreibender sein kann als eine klassische Partie pro Tag, da man Niederlagen wegstecken und mit dem Auf-und-Ab des Wettkampfs zurecht kommen muss.

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Über den siebten Satz, der am Donnerstag, den 20. August, entscheidet, ob Nakamura oder Carlsen als Sieger aus diesem hochklassigen und spannenden Duell hervorgeht, meinte Carlsen:

Das wird natürlich schwer. Bislang war jeder Tag schwer und ich glaube nicht, dass das am siebten Tag anders wird.

Doch egal, wer am Donnerstag den letzten und entscheidenden Wettkampf und damit auch die Magnus Carlsen Chess Tour gewinnt: verdient ist der Sieg in Anbetracht des packenden Finales auf alle Fälle.

Stand nach sechs von maximal sieben Wettkämpfen

Magnus Carlsen Tour Finals 2020

M. Carlsen 3 : 1 H. Nakamura

In der ersten Partie hatte Carlsen Weiß und ergriff nach der Eröffnung die Initiative und kam zu starkem Angriff, den er mit einem Springeropfer im 23. Zug noch verstärkte:

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Hier spielte Weiß 23.Sxg7 — und nach 23...Kxg7 24.Dg5+ Kh8 25.Dh4 spielte Nakamura  25...Tg8, wonach Weiß mit 26.Txc6 Txc6 27.Lxd4 Dame und Läufer vernichtend in Stellung bringen konnte.

Allerdings hätte sich Schwarz besser verteidigen können, und zwar mit 25...Te8!, denn dann folgt nach 26.Txc6 Txc6 27.Lxd4 der Zug 27...Lf5 und nach 28.Txe8+ Dxe8 29.Lxf6+ Kg8 ist Schwarz wegen der Drohungen auf der weißen Grundreihe noch am Leben:

 

Doch in einer Schnellpartie mit nur wenigen Minuten auf der Uhr ist eine solche Ressource natürlich schwer zu finden. In der Partie vergrößerte Carlsen seinen Vorteil zunächst kontinuierlich, doch dann unterlief ihm im 32. Zug ein Fehler und er musste die Partie noch einmal von vorne gewinnen. Das gelang ihm neun Züge später.

In der zweiten Partie stand Nakamura in einem vorteilhaften Turmendspiel kurz vor einem Sieg und dem Ausgleich im Wettkampf, doch Carlsen verteidigte sich hartnäckig und rettete sich ins Remis.

In der dritten Partie hatte Carlsen wieder Weiß, aber da er in Führung lag, war er mit einem schnellen Remis durch Zugwiederholung zufrieden. In der vierten Partie musste Nakamura mit Weiß unbedingt gewinnen und verzichtete deshalb in einer komplizierten Stellung auf ein Remis durch Dauerschach:

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Nach der Partiefortsetzung 36.Dc3 Dg3 37.Dxc7 Td7 stand Schwarz klar besser, aber nach der objektiv besseren Fortsetzung 36.Lxf7+ Kxf7 37.Db3+ Kf8 38.Txc7 hätte Schwarz mit ...De1+ und ...Dh4+ Dauerschach erzwingen können.

Doch nach der Partiefortsetzung dauerte es nur noch drei Züge, bis Nakamura aufgab. Damit hatte Carlsen den Wettkampf 3-1 gewonnen und kann mit einem weiteren Sieg im siebten und letzten Wettkampf die Magnus Carlsen Chess Tour für sich entscheiden.

 

Übersetzung aus dem Englischen: Johannes Fischer

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Carlos Colodro stammt aus Bolivien und ist Spanisch-Philologe. Seit 2012 arbeitet er als freier Übersetzer und Autor. Schach, Literatur und Musik sind seine großen Leidenschaften.

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