Magnus Carlsens erste Partie in der Mega Database

von Thorsten Cmiel
03.04.2019 – Magnus Carlsens erste überlieferte Turnierpartie spielte er im Oktober 2000 in Bad Wiessee gegen Ingo Cordts. Im Gespräch mit Thorsten Cmiel erinnert sich der deutsche FIDE-Meister an diese denkwürdige Begegnung.

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Solange sie jung sind…

Die erste Partie von Magnus Carlsen in der Mega Database, also der Datenbank, die die Welt bedeutet, spielte der damals neunjährige Norweger gegen einen deutschen Fide-Meister. Ein Gespräch mit Ingo Cordts im Zug von Darmstadt nach Köln über eine besondere Partie, gespielt in Bad Wiessee in Bayern.

Gespräch in der Bahn

Im Jahr 2000 traten die Norweger als Team um Simen Agdestein auf. Dabei waren auch ein kleiner norwegischer Junge und sein Vater. Magnus Carlsen gewann bei seinem ersten internationalen Auftritt in der ersten Runde und spielte in Runde 2 gegen einen erfahrenen Spieler aus Deutschland. Am 29. Oktober 2000 kam es dann zu der Partie, die Ingo Cordts als ganz normale Partie erinnert. Er habe auch nicht besonders aggressiv agiert, weil sein Gegner ein kleines Kind war. Nach dessen siebten Zug war dem Deutschen schon klar, dass er gegen einen ernsthaften Gegner spielte, denn den Rückzug des Springers nach c3 spielt man nur mit Kenntnissen über die Eröffnung.

Ingo Cordts

Tatsächlich entspann sich zunächst ein interessanter Kampf um den von Schwarz zuvor geopferten Bauern d5. Magnus verbrauchte viel Zeit in der Eröffnung und nach einigen ausgelassenen Chancen beider Akteure verlor er zuletzt den Überblick und verlor als einer frühen Schwächung seiner Stellung.

 

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Nach der Partie verhielt der junge Norweger sich vorbildlich; kein Kugelschreiber flog in die Ecke, keine Figuren wurden abgeräumt. Magnus sei verständlicherweise enttäuscht gewesen, da er sich aufgrund des Verlaufs der Partie mehr erhoffen konnte, so erinnert sich Cordts über 18 Jahre später. Die Analyse der beiden Akteure dauerte dann vielleicht 30 oder 45 Minuten. Magnus und sein Gegner versuchten sich „mit Händen und Füßen“ zu verständigen. Die Übersetzung übernahm der Vater, Henrik, da Magnus noch kein Englisch sprach. Besonders in Erinnerung ist Cordts die kindliche „Krakelschrift“ des seit 2013 amtierenden Weltmeisters. Tatsächlich hat der Kölner die Partie sozusagen am Mann: Ein Fotobild auf dem Handy zeigt das Partieformular mit der noch kindlichen Unterschrift von Magnus Carlsen. Akribisch sind die Bedenkzeiten in der frühen Spielphase notiert und einige Anmerkungen aus der Analyse ebenfalls.

Das Partieformular von Magnus Carlsen

Natürlich verfolgt Ingo Cordts die Karriere von Magnus Carlsen mit Interesse und kann nur lobend („fairer Sportsmann“) über den Schachstar aus Norwegen berichten. Magnus habe der Schachwelt sehr viel gegeben. Er hoffe zudem, dass er nicht frühzeitig aufhöre, wie es seine Schwester in einem Interview mal angedeutet habe. Im Jahr 2000 erzielte Magnus nach einem Sieg in der Schlussrunde letztlich fünfzig Prozent in Bad Wiessee. Ingo Cordts kam auf 5 aus 9.

Ingo Cordts, Weltmeisterbezwinger

Die Bayrische Meisterschaft gehört jedes Jahr zum Turnierplan des Kölners. Die Bayrische Meisterschaft scheint ein gutes Pflaster für deutsche Spieler zu sein. 2018 spielte der Hamburger Julian Grötzbach fast auf den Tag genau 18 Jahre später ebenfalls in der zweiten Runde gegen den fünfzehnjährigen Alireza Firouzja und gewann.

 

Der iranische Junggroßmeister ist als Spätstarter bekannt und kam letztlich mit 7,5 aus 9 auf den geteilten ersten Platz. Julian, ebenfalls zurzeit Fide-Meister, kam auf 5,5 Punkte und Platz 66 von 496. Nicht unwahrscheinlich ist, dass Alireza ab 2024 Schachweltmeister ist und dann hätte der Hamburger eine ähnliche Geschichte wie Ingo Cordts zu erzählen. Alireza hatte im Oktober 2018 eine Rating von 2600, seine Liverating ist 2675.

»Man muss sie schlagen solange sie jung sind.« (Simon Williams, Ginger GM)




Thorsten Cmiel ist Fide-Meister lebt in Köln und Milano und arbeitet als freier Finanzjournalist.
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Eskimo Eskimo 04.04.2019 08:45
"Magnus Carlsens erste überlieferte Turnierpartie spielte er im Oktober 2010" .... muss es nicht 2000 heißen ??
Karl Hackenmeier Karl Hackenmeier 04.04.2019 07:40
So so... man muss sie also schlagen, wenn sie jung sind. Wie alt ist noch einmal Julian Groetzbach ? Kann er nicht auch eine Entwicklung nehmen ? Das Bonmot macht nur dann Sinn, wenn bereits absehbar ist, dass man selber als Schachspieler wesentlich zu alt ist, um eine vielversprechende, internationale Karriere zu machen, aber erfahren genug, um einem Talent eine Lektion zu erteilen!
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