Magnus Carlsens Weihnachtsansprache

von André Schulz
22.12.2021 – In einem Blogbeitrag für seinen Sponsor Simonson Vogt Wiig hat Magnus Carlsen seine Ankündigung, möglicherweise keine weitere Weltmeisterschaft zu spielen, noch einmal bekräftigt und erläutert. Im Laufe der Jahre sei ihm die Leidenschaft für diese Form des Wettbwerbs abhanden gekommen. | Foto: Eric Rosen (FIDE)

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Schon unmittelbar nach dem Ende des Weltmeisterschafskampfes gegen Ian Nepomniachtchi hat Magnus Carlsen alle Schachfreunde mit eine Statement in einem Videoblog schockiert. Dies sei möglicherweise sein letzter Wettkampf um die Weltmeisterschaft gewesen, ließ der Norweger sein Fans wissen. 

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In einem Beitrag, der gestern auf der Webseite seines Sponsors Simonson Vogt Wiig erschien, legte der Weltmeister noch einmal nach. Er ließ das Match gegen Nepomniachtchi Revue passieren und bekräftige und erläuterte seine Entscheidung.

Wie bei den Matches gegen Sergey Karjakin, New York 2016, und gegen Fabiano Caruana, London 2018, habe er zu Anfang des Wettkampfes in Dubai erhebliche Schwierigkeiten gehabt, räumte Carlsen ein. Dann habe sich das Match aber so entwickelt, wie seine erste Weltmeisterschaft 2013. Am Ende stand es damals 6,5:2,5, diesmal 7,5:3,5.

Carlsen hatte sich mit Turnieren von Juli bis Oktober auf den WM-Kampf vorbereitet, darunter auch Online-Turniere. Mitte Oktober hielt er sich in einem Trainingslager in Spanien auf. Die letzte Woche vor dem Match verbrachte Carlsen zur Akklimatisierung in einem Hotel in Muscat im Oman, wo ein ähnliches Klima wie in Dubai herrscht. Im gleichen Hotel hat er sich aber auch schon acht Jahre zuvor, vor dem Wettkampf gegen Anand, vorbereitet, ebenfalls um sich an das heiße Klima zu gewöhnen, dass auch in Chennai herrscht. Ein großer Teil seiner Vorbereitung bestand aus Sport und Erholung, aber auch Blitz- und Bulletpartien.

Ein wichtiger Aspekt, berichtet Carlsen, war auch die psychologische Vorbereitung auf seinen Herausforderer. Carlsen kennt Ian Nepomniachtchi schon seit Jugendzeiten als einen Spieler, der vor allem in der ersten Hälfte eines Turniers sehr gut spielt, dann aber oft das Niveau nicht halten kann. Wenn Nepomniachtchi am Anfang eine Partie gewonnen hätte, wäre der Wettkampf vielleicht anders ausgegangen, meint Carlsen. Die sechste Partie war der entscheidende Wendepunkt. Mit dem Vorsprung im Rücken fühlte Carlsen sich dann im weiteren Verlauf des Matches sehr wohl. Das Endergebnis sei aber angesichts der umkämpften Anfangsphase sehr schmeichelhaft für ihn, urteilt Carlsen.

Wettkämpfe seien in ihrer Dynamik ganz andere Wettbewerbe als Turniere, im Besonderen, wenn es sich um WM-Wettkämpfe handele. Die Vorbereitung mit dem Team sei langwierig und aufwändig, könne aber bei einer Wettkampfniederlage umsonst gewesen sein.

"Der Verlierer hätte das Gleiche ohne jede Anstrengung erreichen können. Bei einem Turnier gibt es nur einen Gewinner. In einem Wettkampf gibt es nur einen Verlierer", resümiert Carlsen.

Im Laufe der Zeit und der inzwischen fünf WM-Matches sei ihm die Leidenschaft für diese Form des Wettbewerbes abhanden gekommen, schreibt Carlsen. Er habe gegen einen Spieler der vorherigen Generation und drei führende Spieler seiner Generation gespielt und gewonnen. Gegen den führenden Spieler der kommenden Generation anzutreten, Alireza Firouzja, wäre noch einmal eine Herausforderung. Alles andere nicht. 

Nun freue sich Carlsen aber, ab dem 26. Dezember in Warschau, seine Weltmeistertitel im Blitzschach und im Schnellschach aus dem Jahr 2019 zu verteidigen (2020 fiel der Wettbewerb wegen Corona aus.)

Zum Blogbeitrag von Magnus Carlsen...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Pemoe6 Pemoe6 23.12.2021 12:33
@fjordfish: Hat Magnus denn hier nicht sein bestes Schach gespielt? Bis auf das hohe Risiko, das er in der 6. Partie (bewusst) gegangen ist, habe ich ihn nirgendwo schwächeln sehen.
@Mendheim: Das haben wir doch alles mit dem Kandidatenturnier. Bloß nicht wieder zurück zum Turnier für die finale Entscheidung, das hatten wir mit Mexiko bereits. Turniere gibt es doch wie Sand am Meer. Der Zweikampf ist historisch gewachsen, ist zudem etwas Besonderes; und die WM sollte doch einen herausragenden Status haben.
Sepedon Sepedon 22.12.2021 11:02
Ein doppelrundiges WM-Großturnier klingt verlockend, aber falls es dazu kommt, hat man den Ärger mit Seilschaften und dergleichen gleich mitgebucht
fjordfish fjordfish 22.12.2021 09:48
Man stelle sich vor ,Magnus gewinnt auch gegen Firuza relativ klar...!
Auf wen soll Herr Carlsen dann noch warten?
Es muss doch irgendwo auf diesem Planeten einen Spieler geben, der Magnus ernsthaft gefährden kann
und der den Weltmeister zwingen kann sein bestes Schach zu spielen,denn ich glaube das ist noch nie passiert.
Mendheim Mendheim 22.12.2021 07:53
Meiner Meinung nach ist das Zweikampfformat zur Ermittlung des Weltmeisters schon länger überholt. Die Erwartungen des Publikums werden daher zwangsläufig immer wieder enttäuscht. Das einzig Unvorhersehbare ist, auf welche Weise sie enttäuscht werden. Spannender und aussagekräftiger wäre ein doppelrundiges Turnier mit den 12 besten Spielern, die sich dafür qualifizieren müssten. Da wäre an jedem Wettkampftag großes Kino, und wer nach 22 Runden die Nase vorn hat, dürfte sich zu Recht Weltmeister nennen.
Elektrosmog Elektrosmog 22.12.2021 03:23
Meine Leidenschaft zum Zuschauen ist mir auch abhanden gekommen. :-) Genau die 6. Partie habe ich versäumt und mich bei allen anderen fadisiert. Vielleicht ist das Format mit einem einzelnen Finalmatch für die WM nicht mehr das beste?

Damit meine ich nicht das gräßliche K.O.-System, mehr so in Richtung eines Turnieres wie es 1948 abgehalten wurde, aber mit etwas mehr Teilnehmern. Da könnte eine Qualifikation ähnlich der jetztigen vorausgehen.
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