Maksim Chigaev gewinnt Keres-Memorial

von André Schulz
16.01.2018 – Am Wochenende gedachten knapp 150 Schachspieler beim Keres-Memorial in Talinn des großen estnischen Schachspielers Paul Keres. Das Turnier wurde als Schnellschachturnier ausgetragen. Mit Daniel Fridman und Georg Meier nahmen zwei deutsche Nationalspieler teil.

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Das 27. Keres-Memorial

Paul Keres wurde am 7. Januar 1916 in Narva (Estland) geboren und wird in seinem Heimatland als nationaler Sportheld verehrt. Der Lauf der Geschichte verhinderte, dass Keres Schachweltmeister wurde, obwohl er lange Zeit einer der besten Schachspieler der Welt war. Sein Heimatland war politischer Spielball der Großmächte des 20. Jahrhunderts. Erst gehörte das Land zu Russland, war dann kurze Zeit unabhängig, wurde ungefragt dem Einflussbereich der Sowjetunion zugeschlagen, war von deutschen Truppen besetzt und gehörte dann wieder zur Sowjetunion. So spielte Keres für Estland, im Zweiten Weltkrieg im Einflussgebiet des Deutschen Reiches und wurde 1945 schließlich "Sowjet"-Großmeister. Den Weltmeistertitel konnte, oder durfte (?) er nie erringen. 1975 starb er auf der Rückreise von einem Schachturnier an einem Herzanfall.

Estland gedachte seinem Sporthelden schon auf vielerlei Weise, unter anderem zum 100. Geburtstag vor zwei Jahren mit der Ausgabe einer Zwei-Euro-Gedenkmünze. Regelmäßig wird ihm zu Ehren ein Gedenkturnier ausgetragen.

Am Wochenende fand das 27. Keres-Gedenkturnier in Tallinn statt, auch mit deutscher Beteiligung. Der deutsche Nationalspieler Daniel Fridman, in Riga geboren, nahm teil. Und mit Georg Meier hatte ein zweiter deutscher Nationalspieler die Reise in die estnische Hauptstadt angetreten. 

Neben den beiden deutschen Spielern brachten über 100 andere Schachfreunde mit ihrer Teilnahme am Keres Gedenkturnier ihre Anerkennung für die Leistungen von Paul Keres in der Schachgeschichte zum Ausdruck, darunter 15 Großmeister beziehungsweise Frauen-Großmeisterinnen. Die meisten der Teilnehmer kamen naturgemäß aus Estland. Russland und Lettland stellten danach mit 15 beziehungsweise 14 Teilnehmern die größten Kontingente.

Elofavorit war Igor Kovalenko (2713), der in der Ukraine geboren wurde und bis 2013 auch unter ukrainischer Flagge spielte. Seit 2014 ist Kovalenko lettischer Staatsbürger und 2014 auch erstmals für Lettland bei der Schacholympiade. Kovalenko zeigte seine Überlegenheit vor allem im Blitzturnier, dass er mit 9 aus 9 für sich entschied. Auch im Schnellschachturnier präsentierte er sich stark und kam auf 8,5 Punkt in 11 Runden nach Schweizer System. Zwei Spieler war aber noch besser: Maksim Chigaev und Kirill Stupak. Dank besserer Zweitwertung wurde der 22-jährige russische Großmeister Chigaev zum Sieger erklärt. 

Der Essener Großmeister Daniel Fridman kam wie Elofavorit Kovalenko auf 8,5 Punkte und belegte hinter diesem aufgrund der Feinwertung den vierten Platz. Georg Meier wurde mit einem Punkt Rückstand, 7,5 Punkten, Zwölfter. Bis zur zehnten Runde blieb Georg Meier ohne Niederlage, unterlag aber in der Schlussrunde Kovalenko.

Beste Frau im Turnier wurde Mai Narva. Die 18-jährige stammt aus einer Schachfamilie, wurde 2014 U16-Mädcheneuropameisterin und stellte bei den letzten beiden Schacholympiade zusammen mit ihre Mutter Regina und ihrer älteren Schwester Triin das Gros der estnischen Frauen-Nationalmannschaft. 

Ein prominenter Teilnehmer aus Island war auch noch am Start - Großmeister Margeir Petursson. Petursson ist einer der vielen isländischen Großmeister, zog sich dann aber vom Schach zurück und gründete eine Bank. Seine MP-Bank war das einzige isländische Bankhaus, das von der großen Finanzkrise infolge des "Lehman-Brothers"-Untergangs in den USA nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die MP-Bank ist inzwischen auch in Ostereuropa sehr aktiv und gelegentlich sieht man "Bankchef" Margeir Petursson auch wieder am Schachbrett.

Interview mit Margeir Petursson (2009) in der FAZ...

Petursson hat seine einstmals stattliche Elozahl inzwischen zwar etwas ruiniert, das Schachspiel aber keinesfalls verlernt. In der Startrangliste belegte er Rang 19. Am Ende kam er als 14ter ins Ziel. Der frühere Drachenexperte hatte allerdings im Verlauf des Turniers nicht die allerbeste Gegnerschaft. Nur zweimal musste er gegen andere Großmeister antreten, gegen Alekseev und gegen Fridman, und hatte hier beide Male das Nachsehen.

Endstand

Rk. Name Pts.  TB1 
1 Chigaev Maksim 9,0 67,0
2 Stupak Kirill 9,0 62,0
3 Kovalenko Igor 8,5 69,0
4 Fridman Daniel 8,5 68,0
5 Ladva Ottomar 8,5 57,5
6 Alekseev Evgeny 8,0 68,5
7 Turov Maxim 8,0 66,0
8 Aleksandrov Aleksej 8,0 64,5
9 Meskovs Nikita 8,0 63,5
10 Kovalev Vladislav 8,0 62,0
11 Shlykov Vitali 8,0 60,0
12 Meier Georg 7,5 68,0
13 Tronenkovs Valdis 7,5 61,0
14 Petursson Margeir 7,5 60,0
15 Ehlvest Jaan 7,5 57,5
16 Narva Mai 7,5 56,5
17 Shvõrjov Igor 7,5 55,0
18 Nestor Kaarel 7,5 52,5
19 Potkin Vladimir 7,0 67,0
20 Neiksans Arturs 7,0 65,5
21 Volodin Aleksandr 7,0 64,5
22 Kanep Meelis 7,0 62,0
23 Kantans Toms 7,0 61,0
24 Valner Uku 7,0 60,0
25 Dubrovin Robert 7,0 60,0
26 Chukavin Kirill 7,0 53,0
27 Kukk Sander 7,0 53,0
28 Petrov Dmitri 7,0 50,5
29 Jezov Roman 6,5 62,5

142 Spieler

 

Das Blitzturnier gewann Ivan Kovalenko (9 aus 9) vor Daniel Fridmann (7 Punkte).

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Ergebnisse bei Chess-results...

Ergebnisse Blitzturnier...

 




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Julian111 Julian111 18.01.2018 06:52
Inwiefern hat Petursson seine Zahl ruiniert? Bestzahl:2540, aktuell:2499, da hat sich der Autor wohl von der Rapid-Elo täuschen lassen...
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