Malteser Reise

29.11.2012 – Gozo, Nebeninsel von Malta, gilt als einer der möglichen Orte, die Homer in seiner Odyssee als Ogygia beschreibt. Hier soll Kalypso Odysseus sieben Jahre lang fest gehalten habe. Laut Homer wurde der Held von der Nymphe gut umsorgt, doch der eigentlich Grund für sein langes Bleiben muss die Schönheit der Insel gewesen sein, meint Alina L'Ami in ihrem zweiten Bericht vom Malta Open. An die 160 Besucher kamen diesmal zum Schachspielen - warum nicht? Sie blieben zwar keine sieben Jahre, nahmen aber trotzdem viele einzigartige Eindrücke mit. Das Open gewann der polnische Großmeister Bartlomiej Heberla. Zum Bericht...

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An jeder Ecke etwas …
Von Alina L'Ami


Als ich dieses Poster an einer Bushaltestelle gesehen habe,
dachte ich mir, aus der Ferne betrachtet sieht es aus wie Werbung für das Schachturnier.


ist die beste Möglichkeit zu beschreiben, was man entdecken kann, wenn man irgendeine der reizenden Gassen Maltas entlang schlendert.


Mdina, die alte Hauptstadt Maltas


Mit vielen kleinen Gassen


hübschen Laternen


und kleinen Strassen


 


Die St. Pauls Kathedrale in Mdina. Interessanterweise gibt es zwei Uhren (eine für die Zeit und eine für das Datum).

Es gibt eine nicht ganz glaubwürdige Geschichte (die allerdings oft wiederholt und veröffentlicht wurde), dass die eine Uhr die korrekte Zeit anzeigen und die andere Uhr den Teufel verwirren soll.


Das auf das Luzzu gemalte Auge soll den Teufel vertreiben – mir scheint, die Malteser sind ein wenig abergläubisch :)

Ich fürchte, ich war keine große Hilfe, als mich die anderen Spieler gefragt haben, wie sie ihre Zeit auf der Insel am besten nutzen sollten. Es stimmt, ich habe versucht, so viel wie möglich zu sehen, aber jemandem hier den passenden Rat zu geben – das steht auf einem anderen Blatt. Vielleicht funktioniert das am besten, indem man zu einem alten Klischee greift: es kommt ganz darauf an

Es kommt darauf an, was man und welche Interessen man hat; das ist von Person zu Person unterschiedlich. Aber es hängt auch – und das ist am wichtigsten – davon ab, ob man bereit ist, ein paar Stunden seiner schachlichen Vorbereitung zu ‘opfern’ und sie durch kulturell Lohnenswertes zu ersetzen. Für mich empfiehlt sich das sehr, denn ich neige dazu, die Vorbereitung zu übertreiben. So gesehen ist es kein Opfer (schachlich gesprochen), wenn ich mich auf die schmalen Gassen Vallettas wage, sondern höchst vernünftig, denn so kann ich wieder voll und ganz zu Kräften kommen. Das liegt in meiner DNA.

Andere Spieler haben sich für ein anderes Vorgehen entschieden: man konzentriert sich erst auf das Turnier und verbringt danach noch ein paar Tage, um sich umzuschauen. Wenn ihnen das gut tut, dann sind alle zufrieden. Die Sieger des Malta-Opens befanden sich jedenfalls in einer komfortablen Situation. Beide, Marian Petrov und Bartlomiej Heberla, holten eindrucksvolle 7,5 Punkte aus 9 Partien, aber dank besserer Wertung ging der Siegerpokal an Polen.


Marian Petrov und Bartlomiej Heberla kämpften in der letzten Runde um Platz eins


 – sie einigten sich schnell auf Remis.


Bartlomiej Heberla, der sich für die Partie fit macht :) Mit Kinnie, was auch sonst?


Der Malteser Softdrink, Kinnie, ist bernsteinfarben und hat einen bittersüßen Geschmack.

Viele Spieler tranken Kinnie gerne pur, aber ich glaube, noch besser schmeckt es mit Alkohol, um den bitteren Geschmack abzumildern.


Manche Spieler trinken lieber Bier als Kinnie.


Die polnische Frauengroßmeisterin Karina Szczepkowska-Horo
wska


Der schwedische GM Stellan Brynell

 


Die letzte Partie des Turniers.


Die Abschlussfeier musste nach hinten verschoben werden, denn der Kampf dauerte mehr als sechs Stunden!


Pokale

Endstand
 

No startNb title name elo club pts buchh. BuSu
1 2 GM Heberla,Bartlomiej 2536 Baszta Znin 7,5 55,5 429
2 4 GM Petrov,Marian 2512   7,5 51,5 445
3 8 IM Collutiis,Duilio 2486 Obiettivo risarcimento padova 7 52,5 442,5
4 5 GM Williams,Simon 2511   7 52 441
5 9 GM Hasangatin,Ramil 2485   7 50,5 446
6 16 WGM L Ami, Alina 2381 Politehnica Iasi/En Passant 7 50 419
7 7 IM Ahlander,Björn 2422 Limhamns SK 7 48,5 424,5
8 12 GM Akesson,Ralf 2440 Vasteras SK 7 48,5 423,5
9 1 GM Mirzoev,Azer 2555   6,5 55,5 444,5
10 18   De Verdier,Michael 2375 Eksjö SK 6,5 52,5 427
11 3 GM Matamoros,Carlos 2525   6,5 51,5 417
12 11 IM Bellia,Fabrizio 2445 Famiglia Legnanese 6,5 50 433
13 13 GM Raetsky,Alexander 2431   6,5 49 418
14 25 FM Duncan,Chris 2294 Watford 6,5 48,5 418
15 17 WGM Szczepkowska-Horo.,Karina 2378   6 53 409
16 10 IM Poetsch,Hagen 2466 Wiesbadener SV 1885 6 52,5 428
17 14 IM Lubczynski,Rafal 2419   6 52 410,5
18 19 FM Pavlidis,Anastasios 2331   6 51,5 424,5
19 24   Vaarala,Eric 2234 Sollentuna SK 6 51 423,5
20 20 FM Velten,Paul 2328   6 51 416
21 6 GM Brynell,Stellan 2500   6 50 413
22 22 FM Joie,Sébastien 2307   6 49,5 424
23 27 FM Robin,Samy 2272   6 49,5 398,5
24 15 IM Quillan,Gary 2409   6 47,5 387
25 31   Schou-Moldt,Thomas 2239   6 45,5 413,5
26 28   Sgnaolin,Davide 2256   6 45 411,5
27 38 CM Pace,Colin 2153   6 44,5 398
28 33   Morin,Yves 2183   6 42 387,5
29 29 IM Chetverik,Maxim 2249 Voronezh 6 40,5 367,5

159 Teilnehmer

 


Der Sieger


Die drei Medaillengewinner


Frühe Erfolge

Wie ich gehört habe, lebt Bartlomiej zurzeit in Malta und hat so alles vor der Haustür, wohingegen der bulgarische Großmeister zwei zusätzliche Tage eingeplant hatte, um sich die Insel anzuschauen.

Das war eine kluge Entscheidung, denn sonst läuft man in Gefahr, von der magnetischen Anziehungskraft der Insel verschlungen zu werden! Und die Aussicht, an zwei Tage Doppelrunden zu spielen, vor allem, wenn die letzten beiden wichtigen Partien (Runde 8 Runde 9) um 9 Uhr morgens bzw. um 15 Uhr nachmittags stattfinden, ist nichts für die Kleinmütigen. Aber wir Schachspieler lieben die Herausforderung und können zu einem Marathon einfach nicht „Nein“ sagen. Jedenfalls nicht in Malta!

Doch um auf die ursprüngliche Frage ‘wo sollen wir hingehen’ zurückzukommen, so wäre meine Antwort jetzt: irgendwo hin?! Man kann sich einfach in einen beliebigen Bus setzen und sich überraschen lassen, wohin die Reise geht – schief gehen kann dabei nichts, denn alle Strecken sind reizvoll. Sollte ich all die Eindrücke, die in Malta auf mich eingestürmt sind, in einem Satz zusammenfassen, so würde ich sagen: in Malta ist Landschaft Architektur und Architektur Landschaft. Alles dreht sich um Geschichte, Mauern, Patina, ganz besonders in Valletta.

Maltas Hauptstadt wurde über einem schroffen Vorgebirge errichtet und ist durchzogen von einem Gitternetz an Strassen, in denen wir uns wie Bauern auf dem Schachbrett (oder Könige, wenn ihnen das besser gefällt) zuhause fühlen können. Es gibt nur ein kleines Problem: angenommen, es passiert das Unmögliche und man verläuft sich (mir ist das gelungen), dann muss man schnell Strategien entwickeln, um die körperliche Belastung auf ein Minimum zu reduzieren. Zum Glück können wir auch in kritischen Momenten unseres Lebens Schach spielen!


Vor den Toren Vallettas


Neben vielen Häusern stehen deutlich sichtbar religiöse Ikonen an prominenter Stelle –


 für mich ein deutlicher Beleg, dass die Religion im Leben der Insel eine große Rolle gespielt hat und immer noch spielt.

 




Nette Begegnungen mit den Einheimischen :)




Das habe ich mit Geschichte an jeder Ecke gemeint: im wahrsten Sinne des Wortes!


Zu Ehren Vallettas, der europäischen Kulturhauptstadt 2018, hat Air Malta die europäischen Flüge umbenannt.

 

Wie die meisten Küstenstädte, die aufgrund von Platzmangel nach dem Model eines Bienenstocks konstruiert sind, versammelt Valletta zahlreiche urbane Phänomene auf einer beeindruckend kleinen Fläche. Die hölzernen Balkone, in die ich mich verliebt habe, befinden sich so nahe beieinander, dass Nachbarn ein Schwätzchen halten können, ohne sich gegenseitig zu besuchen.





Hölzerne Balkone

Es liegt auf der Hand, dass die Identität der Malteser sich deutlich von denen ihrer Nachbarn unterscheidet. Was man sofort sieht, wenn man die Unterhaltungen der Leute verfolgt. Während ich Gebäude, Denkmäler, Strassen oder Leute beobachtet habe, habe ich auch gerne heimlich verfolgt, wie sie miteinander reden. Das hat etwas ganz Besonderes, etwas Nostalgisches…es hat einfach Spaß gemacht, der Sprache, dem Maltesischen, einer Kombination aus scharfen arabischen Kanten, die vom romantischen Klang des Italienischen abgerundet werden, zuzuhören.

 

Über Malta könnte man viel schreiben, über seine bewegte Geschichte, über seine Kunstschätze, Schlösser, Kirchen, Museen, über seine Ritter, und damit wäre ich dann bis tief in die Nacht beschäftigt, ohne viel mehr vorweisen zu können.

Eine Sache noch, vielleicht auch zwei: auf Wikipedia gibt es eine endlos lange Liste mit Filmen, die hier gedreht wurden. Ich vermute, das spricht für sich selbst.

Was die Naturfreunde betrifft, so fallen einem dort Gozo oder Comino ein. Gozo, die zweitgrößte Insel der Inselgruppe, ist als Insel der Calypso bekannt.




Der Hafen von Gozo
...

Der Name geht auf die Nymphe zurück, die den Helden von Homers Odyssee sieben Jahre lang bei sich behalten hat. Ich glaube, Odysseus wollte nicht fort, weil die Insel und nicht weil die Nymphe so schön war


...und seine Kirchen










 


Immer noch in Gozo


Eigentlich kann man nicht nach Malta reisen, ohne die prähistorischen Tempel, die ältesten Tempel der Welt, älter als die Pyramiden oder Stonehenge, zu besuchen. Da ich das nicht getan habe, muss ich wohl wiederkommen. Und ich hoffe, Malta altehrwürdige Wunder können noch ein weiteres Jahr auf mich warten!




In der Nähe von Bugibba, wo das Turnier gespielt wurde.



 


 

 

 



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