"Man muss für Schach arbeiten": Ein Interview mit Sergey Tiviakov

von André Schulz
12.07.2018 – Vor ein paar Tagen wurde Sergey Tiviakov holländischer Meister 2018 und fügte seiner langen Liste von Erfolgen damit noch einen weiteren hinzu. In einem Interview mit ChessBase spricht der ehemalige Jugendweltmeister, der jetzt erfolgreicher Trainer und Open-Spieler ist, über seine Karriere, seinen Spielstil, Training und seine Serie von 110 Partien ohne Niederlage. | Foto: Harry Gielen

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"Nichts ist schwerer als eine gewonnene Partie zu gewinnen!" lautet ein bekannte Schachweisheit. Sergey Tiviakov zeigt, wie man dieses "Problem" angehen kann und noch mehr Punkte aus gewonnenen Stellungen macht.

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Ein Interview mit Sergey Tiviakov

Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Holländischen Meisterschaft. Wie oft hast Du schon bei den Holländischen Meisterschaften gespielt?

Meine erste Holländische Meisterschaft habe ich im Jahre 2000 gespielt, in Rotterdam. Ich bin geteilter Dritter bis Fünfter geworden, zusammen mit dem Fritz SSS Computer und Paul Van der Sterren. Loek Van Wely wurde Meister. Seitdem habe ich viele Holländische Meisterschaften gespielt - ich zähle nicht mehr mit.

Du bist 1973 in Krasnodar zur Welt gekommen. Wann und wie hast Du das Schach entdeckt?

Mit Schach habe ich angefangen, als ich fünfeinhalb Jahre alt war. Ich habe im Hause meiner Eltern ein Schachbuch entdeckt und war fasziniert. Meine Eltern haben mich dann auf eine Schachschule in Krasnodar geschickt.

Wer war oder waren Deine Trainer?

Mein erster Trainer war A. Osachuk. Später habe ich Smyslovs Schachschule besucht. Weitere Trainer waren B. Postovsky und O. Averkin.

Du wurdest schnell besser und warst bald einer der besten Jugendspieler der Welt. Was waren Deine größten Erfolge als Jugendlicher?

1989 wurde ich Jugendmeister der UdSSR und wurde Jugendweltmeister U-16. Ein Jahr später, 1990, wurde ich auch Jugendweltmeister U-18.

Hattest Du Vorbilder, Spieler, die Dich beeindruckt und inspiriert haben?

Smyslov, da ich auf seiner Schachschule war. Aber auch Karpov und Petrosian.

Was waren Deine größten Erfolge als Erwachsener?

1993/1994 habe ich mich für die Kandidatenwettkämpfe qualifiziert und bei der Schacholympiade 1994 habe ich mit Russland Gold gewonnen. 2008 wurde ich Europameister und 2001 und 2005 wurde ich mit Holland Mannschaftseuropameister.

Du bist in Krasnodar geboren, das 1973 zur Sowjetunion gehörte und jetzt russisch ist. Aber Du lebst in den Niederlanden. Wann bist Du in die Niederlande gezogen?

Im September 1998.

Wie oft hast Du schon in der holländischen Nationalmannschaft gespielt?

Oft – das erste Mal 1999. Und nach einer langen Pause werde ich bei der Olympiade in Batumi dieses Jahr wieder für Holland spielen.

Wie würdest Du Deinen Spielstil beschreiben? Stimmt es, dass Du ein "Meister des technischen Schachs" bist?

Ich habe einen rein positionellen Stil. Aber wenn es nötig ist, kann ich auch scharfes Schach spielen. Und ja, ich glaube, ich habe (oder vielleicht auch hatte) eine sehr gute Technik.

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Du reist sehr gerne und spielst auf der ganzen Welt Turniere. Wie viele Länder hast Du bereits bereist?

87.

Welche Länder sind Deiner Meinung nach am schönsten?

Ländern, die eine reiche Kultur mit Natur verbinden. Aber es gibt zu viele schöne Länder auf der Welt - da reicht es nicht, nur ein paar zu nennen!

Zählst Du mit, wie viele Turniere Du im Laufe Deiner Karriere schon gespielt hast?

Nein.

Du giltst als Spieler, der schwer zu schlagen ist, und einmal ist Dir außergewöhnlich große Zahl von Partien hintereinander ohne Niederlage gelungen. Wann hat diese Serie begonnen und wann ging sie zu Ende?

Die Serie dauerte von 2004 bis 2005. In dieser Zeit habe ich in elf Monaten 110 Partien mit klassischer Bedenkzeit ohne eine einzige Niederlage gespielt. Ein Rekord, der immer noch Bestand hat.

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Was ist die beste Partie, die Du je gespielt hast?

Ich habe viele gute Partien gespielt, aber für meine beste halte ich Razuvaev - Tiviakov, Rostov am Don 1993.

 

Du bist nicht nur ein starker Spieler, sondern auch ein erfolgreicher Trainer. Wann hast Du angefangen, andere zu trainieren?

Ich arbeite schon seit vielen Jahren als Trainer. Aber bis vor kurzem nur wenig Stunden. Allerdings habe ich in letzter Zeit in Turnieren ziemlich schlecht gespielt und mit Turnieren weniger Geld verdient als früher. Da musste ich nach anderen Möglichkeiten suchen, um Geld zu verdienen.

Wie viele Schüler hast Du?

Nicht viele. Maximal 10. Meine bekanntesten Schüler sind Jan Werle, sowie Jorden und Lucas van Foreest. Seit kurzem arbeite ich auch ernsthaft mit Machteld van Foreest.

Du hast auch in anderen Ländern als Trainer gearbeitet, nicht wahr?

Ich habe für eine ganze Reihe von Ländern alsTrainer gearbeitet: für den Russischen Schachverband, den Holländischen Schachverband, den Türkischen Schachverband, den Indonesischen Schachverband, den Schachverband von Bangladesh, den Schachverband Turkmenistans und für Schachvereine in Kolumbien und dem Iran.

Was würdest Du als Trainer sagen: Wie kann man als junger Spieler sein Schach verbessern? Was sind die besten Methoden und gibt es gute Bücher oder DVDs, die Du empfehlen würdest?

Man muss hart für das Schach arbeiten. Nicht faul sein. Und nicht zu sehr auf Computeranalysen vertrauen. Versuchen, Schach selber zu verstehen.

Konzentriert: Sergey Tiviakov | Foto: Alina l'Ami

Ist es sinnvoll, klassische Partien zu studieren?

Natürlich. Man kann viel aus ihnen lernen.

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Ein Tipp, wer den kommenden WM-Kampf gewinnt?

Nein.

Danke für Deine Zeit und das Interview!




André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Arelius Arelius 14.07.2018 06:00
RAZUVAEV,YURI S-TIVIAKOV,SERGEI ist zweifelsohne eine beeindruckende Partie. Allerdings hat der Schwarze da auch kräftig mitgeholfen.
RevTiberius RevTiberius 13.07.2018 10:14
Die Partie Razuvaev-Tiviakov ist beeindruckend. Die technische Sauberkeit, mit der er das runterspielt ist wirklich gut. Das Qualitaetsopfer auf e3 springt natuerlich sofort ins Auge und bietet sich quasi automatisch an, aber es dann auch zu spielen und so souveraen zu verwerten ist schon echt gut. Ich habe einige Buecher zum Thema positionelles Qualitaetsopfer gelesen und bin ueberrascht, diese Spitzenpartie dort nicht gefunden zu haben
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