Manuel Göttsching ist gestorben

von André Schulz
13.12.2022 – Manuel Göttsching gilt mit seinem wegweisenden Stück "e2-e4" als Miterfinder der Technomusik. Das Stück entstand 1981. Göttsching widmete es auch äußerlich dem Schach. Am 4. Dezember starb der Musiker im Alter von 70 Jahren in Berlin. Foto: Yoho

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Wie heute bekannt wurde, starb Manuel Göttsching am 4. Dezember im Alter von 70 Jahren. Der Berliner Musiker kam Ende der 1960er Jahre zur Musik und gründete 1970 zusammen mit Hartmut Enke und Klaus Schulze die Gruppe Ashra Tempel. Die Band spielte meditative und psychodelische Stücke und improvisierte bei ihren Auftritten gerne. Ab 1971 ging Klaus Schulze eigene Wege. Götschning und Enke setzten das Ashra Tempel Projekt mit verschiedenen Gastmusikern fort.

Am 12. Dezember 1981 nahm Manuel Göttsching in seinem Berliner "Studio Roma" eine elektronisch erzeugte knapp einstündige Improvisation auf, die heute als Meilenstein der Technomusik gilt. Das Stück besteht aus nur zwei Akkorden, die über das ganze Stück variiert werden. Manuel Göttsching gab dem Stück den Namen e2-e4, die Notation eines beliebten Eröffnungszuges im Schach. Den Titel wählte Manuel Göttsching nicht zufällig. In seiner Jugend hatte er von seinem Vater Schach gelernt. Später spielte Manuel Göttsching hin und wieder auch noch Schach gegen seine Musiker-Kollegen, bis ihm die Partien dann zu lange dauerten. 

Auch die einzelnen Sequenzen nehmen mit ihren Titeln Bezug auf das Schach und folgen dem Verlauf einer Schachpartie:

1. Ruhige Nervosität
 2. Gemässigter Aufbruch
 3. ...und Mittelspiel
 4. Ansatz
 5. Damen Eleganza
 6. Ehrenvoller Kampf
 7. Hoheit weicht
 (nicht Ohne Schwung)
 8. ...und Souveränität
 9. Remis

Es dauerte allerdings noch bis 1984, bevor das Stück von Klaus Schulze produziert und mit einer Auflage von 1000 Stück veröffentlich wurde. Als Cover wurde ein Schachbrett gewählt. Tatsächlich kann man darauf auch spielen, wenn man Figuren zur Verfügung hat.

Das Stück e2-e4 blieb eine Zeit lang mehr oder weniger unbeachtet, bis das legendäre New Yorker "Studio 54" die unterkühlte Musik als Opener für seine Club-Abende wählte. Auf diese Weise wurde e2-e4 zum Kulthit der Club-Szene. Ende der 1980er Jahre veröffentlichten die italienischen Dance Floor-Produzenten von "Sueno Latino" einen Remix, der bald auf allen Dancefloors der Welt gespielt wurde. Seitdem sind zahlreiche weitere Remixes entstanden.

Anlässlich seines 25-jährigen Jubiläums besann man sich 2006 wieder auf das Urwerk Techno-Musik und Manuel Göttsching führte es bei einigen Gelegenheiten live auf, unter anderem 2018 in der Hamburger Elbphilharmonie. 

Manuel Göttsching hätte sein Stück gerne auch in einem größeren Rahmen als Multimediaperformance aufgeführt. Die Corona-Pandemie machte diesen Plänen jedoch einen Strich durch die Rechnung.
 

Ashra-Homepage...

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Nachruf bei Spiegel-online...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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