Matthias Blübaum ist Europameister!

von André Schulz
06.04.2022 – Matthias Blübaum ist Europameister 2022 - ein toller Erfolg für den deutschen Nationalspieler und das deutsche Schach. In der letzten Runde reichte dem deutschen Großmeister ein Remis zum Gewinn der Europameisterschaft. Liviu-Dieter Nisipeanu und Julian Kramer verpassten die Qualifikation zum World Cup. | Fotos: ŠZS/Luka Rifelj

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Mit 28 Spielern nahm der Deutsche Schachbund bei der Europameisterschaft 2022 teil, die in Slowenien, im Kurort Terme Catez ausgerichtet wurde. Der DSB stellt damit nach dem Gastgeber die drittgrößte Delegation. Die meisten Spieler nahmen aus der Ukraine teil, 35 Schachfreunde an der Zahl. Eigentlich untersagt die Ukraine Männern im wehrpflichtigen Alter von 18 bis 60 angesichts des Krieges mit Russland die Ausreise, doch offenbar wurde hier eine Ausnahme gemacht. Die russischen und weißrussischen Spieler hatten auf eine Teilnahme verzichtet. Sie hätten hier nicht unter der Flagge ihres Landes spielen dürfen.

Der Deutsche Schachbund brachte einige spielstarke Großmeister ins Rennen um den Titel und um einen der 20 Plätze, die zur Teilnahme am World Cup berechtigen. Das können, müssen aber nicht die ersten 20 Plätze sein. Einige Spieler, die unter den Top 20 landen, können sich vielleicht noch auf anderem Wege qualifizieren und dann rücken Spieler nach. Vincent Keymer, der im letzten Jahr in Reykjavik nur ganz knapp den Titelgewinn verpasste, hätte hier sicher auch gerne mitgespielt, doch das Turnier überschnitt sich mit dem Grand Prix in Berlin, für den sich Keymer mit seinem guten Resultat beim Grand Swiss in Riga qualifiziert hatte.

Neben den deutschen Großmeistern spielten auch noch einige deutsche Talente mit, von denen Marius Deuer mit seinen 14 Jahren der jüngste war. Mit Annmarie Mütsch wagte auch eine Spielerin aus dem deutschen Frauenkader den Vergleich mit den Männern. 

Matthias Blübaum startete mit einem Remis in das Turnier und brachte sich dann mit sechs Siegen in Folge an die Spitze des knapp 320 Köpfe starken Feldes. Nach der siebten Runde führte er mit einem halben Punkt Vorsprung die Wertung an. Nach drei Remis gegen die Verfolger wurde Matthias Blübaum nach der zehnten Runde von Gabriel Sargissian eingeholt, beide kamen auf 8 Punkte, blieb aber noch nach Zweitwertung auf dem ersten Platz. 

Von den übrigen deutschen Großmeistern spielte Liviu-Dieter Nisipeanu ein routiniertes Turnier und lag vor der Schlussrunde mit 7 Punkten auf Platz, also mit besten Chancen auf einen Qualifikationsplatz.

Dennis Wagner verlor in der vorletzten Runde seine Partie gegen Markus Ragger und verpasste den Sprung auf einen Qualifikationsplatz. Rasmus Svane spielte in Runde 10 remis und wahrte sich vage theoretische Chancen. Alexander Donchenko spielte ein durchwachsenes Turnier und bleib unter seinen Möglichkeiten, Daniel Fridman und später auch Dmitrij Kollars schieden aus bisher unbekannten Gründen aus dem Turnier aus.

Und dann gab es noch einen deutschen IM, der weit oben mitspielte. Julian Kramer betätigte sich in diesem Turnier als Favoritenschreck, nahm den GMs Remise ab oder besiegte sie, darunter Alexander Donchenko und dann Velimir Ivic (es war auch etwas Glück dabei). Vor der Schlussrunde belegte der Hamburger mit 7 Punkten Platz 15 - Qualifikationsplatz in Aussicht, GM-Norm in der Tasche.

In der Schlussrunde musste Matthias Blübaum gegen den routinierten kroatischen Großmeister Ivan Saric antreten und hatte Weiß. Blübaums unmittelbarere Konkurrent um den Titel, Gabriel Sagissian, spielte ebenfalls mit Weiß gegen Jaime Santos. Diese Partie endete endete dann schon nach sechs Zügen mit der Punkteteilung. Das hieß für Matthias Blübaum, bei richtigem Verständnis der Feinwertung, dass ihm ein Remis zum Titelgewinn reichen würde, denn Sargissian und auch Lagarde, falls dieser seine Partie gegen Cheparinov gewinnen würde, sollten die schlechtere Zweitwertung aufweisen.

Blübaum gegen Saric

Nur Saric konnte noch an Blübaum vorbeiziehen, musste dafür aber gegen Blübaum gewinnen. Der serbische GM wählte die kämpferische Königsindische Verteidigung, aber Blübaum ließ mit der Abtauschvariante schnell die Luft raus. Nach dem Tausch der meisten Figuren entstand ein völlig ausgeglichenes Endspiel mit Turm, gleichfarbigen Läufern und symmetrischer Bauernstellung. Kampflos wollte Saric das Remis aber nicht akzeptieren. Erst im 44. Zug gab sich Saric mit remis zufrieden. Matthias Blübaum war Europameister.

Liviu-Dieter Nisipeanu spielte mit Schwarz gegen Mustafa Yilmaz aus der Türkei um einen Qualifikationsplatz. Doch es lief nicht gut für den deutschen Nationalspieler. In einer Modevariante der Semitarrasch Verteidigung kam Nisiepanu in Nachteil und musste schließlich ein Turmendspiel mit zwei Minusbauern verteidigen. Am stand eine Niederlage. Nisipenau belegte Platz 36.

Dieter-Liviu Nisipeanu

Julian Kramer traf auf den aserischen GM Vasif Durarbayli, mit Schwarz und einem Elonachteil von 200 Punkten. Die Erfolgsserie des Hamburger endete hier. 

 

 

 

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Julian Kramer fiel auf Platz 40 zurück. Trotzdem: Mit einer Eloleistung von über 2600 hat  Julian Kramer weit über Par gespielt. 

Rasmus Svane wurde nach einem Remis mit 7 Punkten 41ter. Dennis Wagner gewann seine letzte Partie und wurde mit 7 Punkten 45ter. 

Markus Ragger trennte sich von Vitaliy Bernadskiy remis und erreichte Platz 24. Vielleicht reicht es für den World Cup, wenn Spieler vor ihm sich auf andere Weise für den World Cup qualifizieren.

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Endstand

Rk. Name Pts.  TB1 
1 Bluebaum Matthias 8,5 2594
2 Sargissian Gabriel 8,5 2578
3 Saric Ivan 8,0 2589
4 Cheparinov Ivan 8,0 2585
5 Santos Latasa Jaime 8,0 2546
6 Yilmaz Mustafa 8,0 2530
7 Ponomariov Ruslan 8,0 2523
8 Durarbayli Vasif 8,0 2509
9 Gadimbayli Abdulla 7,5 2637
10 Iskandarov Misratdin 7,5 2631
11 Guseinov Gadir 7,5 2589
12 Ter-Sahakyan Samvel 7,5 2567
13 Sargsyan Shant 7,5 2567
14 Kobo Ori 7,5 2564
15 Moussard Jules 7,5 2558
16 Tari Aryan 7,5 2553
17 Anton Guijarro David 7,5 2551
18 Kuzubov Yuriy 7,5 2547
19 Kozul Zdenko 7,5 2545
20 Nesterov Arseniy 7,5 2540
21 Indjic Aleksandar 7,5 2536
22 Martirosyan Haik M. 7,5 2531
23 Bernadskiy Vitaliy 7,5 2530
24 Ragger Markus 7,5 2521
25 Lagarde Maxime 7,5 2518
26 Abasov Nijat 7,5 2518
27 Petrosyan Manuel 7,5 2518
28 Bartel Mateusz 7,5 2502
29 Iturrizaga Bonelli Eduardo 7,5 2496
30 Brkic Ante 7,5 2483

317 Spieler

 

Alle deutschen Spieler

SNo   Name Rtg FED 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Pts. Rk. Rp K rtg+/-
15 GM Nisipeanu Liviu-Dieter 2652 GER ½ 1 1 ½ ½ 1 ½ 1 ½ ½ 0 7,0 36 2655 10 1,00
20 GM Bluebaum Matthias 2642 GER ½ 1 1 1 1 1 1 ½ ½ ½ ½ 8,5 1 2785 10 20,40
24 GM Svane Rasmus 2637 GER 1 1 1 0 1 ½ ½ 0 1 ½ ½ 7,0 41 2628 10 -1,10
25 GM Donchenko Alexander 2636 GER 1 ½ ½ ½ 1 ½ 0 ½ 0 1 ½ 6,0 111 2495 10 -20,00
27 GM Kollars Dmitrij 2635 GER 1 1 ½ ½ ½ 1 ½ 0 0 0 0 5,0 178 2616 10 -2,00
33 GM Fridman Daniel 2628 GER ½ ½ ½ ½ 0 ½ 0 0 0 0 0 2,5 307 2347 10 -16,80
62 GM Wagner Dennis 2584 GER 1 1 ½ 0 ½ ½ 1 ½ 1 0 1 7,0 45 2593 10 1,90
99 IM Noe Christopher 2515 GER 1 ½ 0 1 ½ 0 1 ½ 1 0 ½ 6,0 117 2459 10 -7,60
147 IM Kramer Julian 2423 GER 1 ½ ½ ½ 0 1 ½ 1 1 1 0 7,0 40 2605 10 27,70
153 FM Krastev Alexander 2409 GER 1 0 ½ 1 ½ ½ 0 1 ½ ½ 1 6,5 78 2466 10 10,30
171 FM Koelle Tobias 2378 GER 1 ½ ½ 0 ½ 1 0 ½ 1 0 1 6,0 94 2527 20 38,20
173 FM Roseneck Jonas 2376 GER ½ 0 1 ½ ½ 0 1 ½ 0 1 1 6,0 105 2478 10 14,50
174   Wachinger Nikolas 2376 GER 0 1 ½ 1 0 1 0 1 ½ ½ ½ 6,0 102 2483 20 32,40
176 IM Fruebing Stefan 2374 GER 0 0 ½ ½ ½ ½ ½ 1 0 ½ 1 5,0 221 2162 10 -29,40
182 FM Richter Nils 2365 GER 0 1 ½ 0 ½ 0 ½ 1 0 1 1 5,5 175 2285 20 -22,20
189 IM Langheinrich Ferenc 2351 GER 0 1 ½ 0 ½ ½ 1 0 1 1 1 6,5 87 2384 10 4,60
198 FM Bethke Richard 2327 GER 0 1 ½ ½ ½ ½ 0 1 1 ½ 0 5,5 151 2432 20 30,40
204 FM Karsay Pascal 2310 GER 0 1 0 1 0 0 1 1 0 1 1 6,0 134 2365 20 15,20
209 FM Deuer Marius 2304 GER 0 1 ½ ½ ½ 0 ½ ½ 0 1 1 5,5 166 2344 20 11,60
225 WIM Muetsch Annmarie 2263 GER 0 1 ½ ½ 0 ½ 0 ½ ½ ½ 1 5,0 213 2243 20 -4,00
243   Hommer Jeremy 2221 GER 0 0 0 ½ 1 0 ½ 1 0 ½ 1 4,5 244 2059 40 -97,20
247 FM Ciolek Andreas 2191 GER 0 ½ ½ ½ ½ ½ 0 1 0 ½ ½ 4,5 227 2312 20 30,00
253   Wecker Martin 2180 GER 0 ½ 0 ½ 1 0 ½ 0 ½ ½ 0 3,5 285 2070 20 -33,20
261 FM Lorscheid Gerhard 2150 GER 0 0 ½ 0 1 0 1 ½ ½ 0 0 3,5 294 2038 20 -27,20
268   Gramb Marius 2107 GER 0 0 1 ½ ½ 1 0 0 ½ ½ 0 4,0 262 2223 20 27,00
288 WFM Bashylina Luisa 2043 GER 0 ½ 0 0 ½ 1 0 0 0 0 1 3,0 297 1923 40 -70,40
307   Linnemann Caspar 1773 GER 0 0 0 0 0 ½ 1 0 0 0 1 2,5 309 1658 40 -56,80
313   Kocharin Timur 1760 GER 0 0 0 0 1 0 1 ½ ½ ½ ½ 4,0 273 1964 40 91,20  

Stefan Fruebing kam auf 5 Punkte

Partien

 

Links:

Turnierseite...

Ergebnisse bei Chess-results...

European Chess Union...

Erklärung der ECU...

Regulations...

Europameisterschaft:


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Phantasy Phantasy 07.04.2022 08:56
Affengeil!

Bravo!!
Hugh67 Hugh67 07.04.2022 08:48
was heisst hier toller Erfolg?? wenn Blübaum ein Schnellschachturnier in Herford gewinnt, ist das toll. Der Gewinn der Europameisterschaft ist phantastisch !!! Absolut grossartig. Ein bisschen mehr Euphorie bitte. Keine einzige Partie verloren und in der wichtigen Schwarzpartie gegen Lagarde mutig Russisch gespielt, wo er doch eigentlich immer Französisch oder Caro Kann spielt. Aus diesem Holz sind Champions geschnitzt. Da kann sich der Beton-Dieter mal ne Scheibe abschneiden; ängstlich in derselben Runde mit Weiss gegen Kozul an Brett 6 nach 10 Zügen Remis geschoben ....
Tiger-Oli Tiger-Oli 07.04.2022 01:26
Glückwunsch an Matthias - großartig, großartig, großartig!
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