Mit Fritz9 "back to the roots"

13.09.2005 – In zweiten Hälfte des 18.Jh. verblüffte der Erfinder Wolfgang von Kempelen ganz Europa, als er seine denkende Maschine, den so genannten "Schachtürken" vorstellte. Anscheinend war der wie ein Türke gekleidete Automat in der Lage, Schach zu spielen und das auch noch sehr gut. Selbst wenn der angebliche Schachautomat in Wirklichkeit "getürkt" war, erfüllte von Kempelen damit doch die Erwartung der Menschen nach der ersten denkenden Maschine. Fritz 9 bietet jetzt zwei virtuelle Schachgegner in perfekter 3D-Animation; einer ist der berühmte Schachtürke. Wer will, kann so mit Fritz9 noch einmal selbst den Beginn des Computerschachs nacherleben und die Faszination nachempfinden, die damals von der ersten Schachmaschine ausging. Neben der Optik bietet Fritz9 natürlich auch viele neue Funktionen zum besseren Lernen, Spielen und Trainieren. Fritz9 erscheint am 23.September und kostet 49,99 Euro. Erst informieren, dann kaufen: Alles über Fritz9... Die besten Neuheiten im Überblick ... Erst kaufen, später lesen...Der Türke in Fritz9...

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Die Tatschache, dass Wolfgang von Kempelen im Jahr 1770 am Hofe Marie Theresias seinen Schach spielenden Automaten vorstellen konnte, verdankt er in gehörigem Maße dem Umstand, dass auch die zweite türkische Belagerung Wiens im Jahr 1683 gescheitert war. So blieb Österreich und auch das übrige Europa weiter der christlichen Kultur verbunden, Kempelen konnte seine Maschine bauen und wählte dafür sicher nicht zufällig die äußere Erscheinung eines Türken. Wollte er seiner Maschine dadurch etwas Mystisches verleihen oder wurde bei den Türken tatsächlich viel Schach gespielt?

In der Mitte des 18.Jh. hatten einige Ingenieure große Fertigkeit im Bau von mechanischen Automaten erlangt und mit einigen der Maschinen versuchte man das Leben nach zu ahmen. Berühmt war z.B. die künstliche Ente von Jaques de Vaucanson, die dieser 1738 in Paris vorgestellt hatte. Sie bestand aus vergoldetem Kupfer und konnte wie eine richtige Ente trinken, fressen, quaken, im Wasser plantschen und Futter verdauen. Der Zeitgeist findet seinen literarischen-kritischen Niederschlag in der Erzählung "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann (1815) . Der Student Nathanel verliebt sich dort in das Mädchen Olimpia, doch diese ist ein dem Menschen täuschend echt nachgebildeter Automat. Erst als sich die beiden Erbauer streiten wird Nathanel das Geheimnis enthüllt. "Erstarrt stand Nathanel - nur zu deutlich hatte er gesehen, Olimpias toderbleichtes Wachsgesicht hatte keine Augen, statt ihrer schwarze Höhlen; sie war eine leblose Puppe".

Angeregt zum Bau seines Türken wurde von Kempelen durch einen französischen Zauberers namens Pelletier, der am Hof in Wien gastiert hatte. Diesen wollte er übertreffen und kam wohl gleichzeitig auf die Idee, dass man das ahnungslosen Publikum auch mit viel Illusion verblüffen könne.

Von Kempelens Automat bestand aus einem Tisch mit einem Schachbrett, hinter dem eine lebensgroße mechanische Puppe, der Türke, saß und anscheinend die Züge ausführte.

Heute weiß man, dass in der Konstruktion ein Mensch verborgen war, doch das damalige Publikum musste glauben, dass die Maschine tatsächlich Schach spielen konnte, und das auch noch sehr gut. Die Maschine war eine der Attraktionen am Wiener Hof und sein Ruhm verbreitete sich durch die Zeitungen über ganz Europa.


Bis ins Detail akribisch ausgeführte 3-D-Animation

Mit der Zeit wurde dem Erbauer seine Erfindung lästig und als er ließ ihn allmählich verschwinden. Als Maria Thersia 1880 starb, war der Türke so gut wie vergessen. Doch der Thronfolger Joseph II, benötigte für seinen Hof Attraktionen und erinnerte sich an den Schachautomaten. Von Kempelen musste den Türken wieder aufbauen und wurde sogar von seinem König auf Europatournee geschickt. Die erste Station war Paris, wo der Türke gegen Phildor und den späteren amerikanischen Benjamin Franklin spielte. Es folgten weitere Stationen in London und Deutschland  bis Kempelen endlich wieder in Wien war und den Tüprken nun endgültig wegpacken konnte. Stattdessen widmete er sich seinem Lieblingsprojekt, einer Sprechmaschine. 1804 starb von Kempelen, doch sein Türke sollte weiter leben.

Der neue Besitzer des Türken hieß Johann Nepomuk Mälzel. Mälzel, u.a. mit Beethoven gut befreundet, war eigentlich Klavierlehrer, hatte aber dann Mechanik studiert und Musikautomaten gebaut, die er auf Jahrmärkten ausstellte. Als der siegreiche Napoleon in Wien weilte, erbat der "Hofmechanicus" Mälzel eine Audienz und versuchte dem Feldherrn Prothesen für dessen versehrte Soldaten zu verkaufen. Nebenbei erzählte er auch vom Schachtürken, was der Schachfreund Napoleon sehr interessant fand. So kam es zur berühmten Partie zwischen Napoleon und dem Türken. In diesem saß nun vermutlich der Wiener Meister Allgaier versteckt.

Mälzel verkaufte den Automaten an Napoleons Schwiegersohn Eugenie. Später leaste er ihn zurück und ging damit in Europa auf Tournee. Die Faszination, die von der "denkenden Maschine" ausging, war ungebrochen. Jahrelang reiste Mälzel in Europa umher, ließ seine Musikautomaten auftreten und den Türken - in diesem saß inzwischen sein Sekretär Schlumberger - Schach spielen. Mälzel pflegte allerdings einen aufwändigen Lebensstil und schließlich rückten ihm seine Gläubiger so dicht auf den Leib, dass er zusammen mit Schlumberger und dem Türken die Flucht in die USA antrat.

In verschiedenen amerikanischen Städten wiederholte Mälzel die Auftritte des Türken und verblüffte auch das amerikanische Publikum. Natürlich wusste man inzwischen, dass der Türke ein Trick war, nur wusste man nicht wie er funktionierte. In den USA zog der Türke auch die Aufmerksamkeit eines jungen Autors namens Edgar Allen Poe auf sich, der seine Beobachtungen in der Geschichte "Mälzels Schachspieler" veröffentlichte.

Bei einer Reise nach Kuba verstarb 1838 Schlumberger an Gelbfieber und damit war auch das Schicksal des Türken besiegelt. In Kuba hatte sich Mälzel zudem finanziell ruiniert, auf der Rückreise erschoss er sich.

Der Türke wechselte den Besitzer, aber das Interesse war erloschen. Schließlich landete er in einem Museum und wurde dort bei einem Brand am Am 25.Juli 1854 zerstört.

Bis heute hat sich der Ruhm des Schachtürken, in gewisser Hinsicht der Vorläufer der Schachcomputer, erhalten und es gab einige Versuch ihn nachzubauen. Die Mechanik wurde mit der so genannten "Blackbox" nachgebaut. Ein Team am Heinz-Nixdorf-Forum in Paderborn realisierte im letzten Jahr sogar einen kompletten Nachbau.

In Fritz 9 gibt es nun erstmals virtuelle Gegner, die als animierte 3D-Figuren grafisch auf dem Bildschirm die Züge ausführen. Es versteht sich fast von selbst, dass als Verbeugung vor der Leistung eines Wolfgang von Kempelen eine der beiden Figuren dem Äußeren des Schachtürken entspricht. Mit diesem wird die Wiener Schachkultur und ein Stück Schach- und europäische Kulturgeschichte vermittelt und vor allem ganz viel Schachatmosphäre geschaffen. Denn das Magische am Schach ist seine Einbettung in die menschliche Kultur. Mit Fritz 9 wird es jetzt auch auf ihrem PC sichtbar.

 


Die Animation kann vom Anwender beliebig gedreht und gezoomt oder in der Perspektive geändert werden.


Mehr über den Schachtürken:

Der erste Schachcomputer war keiner...

 

 

 

 

 

 

 


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