Mit Shirov in die Alpen

02.11.2006 – Der diesjährige Europapokal der Vereine fand in in Fügen statt. Unweit der Tuxer Alpen erwiesen sich der Österreichische Schachverband und der ausrichtende Verein Jenbach als ausgezeichnete Gastgeber. Gewinner war am Ende nicht das favorisierte Team von Ural Sverdlovskaya. Stattdessen konnte Tomsk-400 dank besserer Zweitwertung seinen Vorjahreserfolg wiederholen. Alexej Shirov, der für Ural das zweite Brett besetzte, reiste zwei Tage zuvor an und nutzte den letzten Tag vor dem Start zu einem Aufstieg zur 2237 Meter hohen Kellerjochhütte auf einem nahe gelegnen Gipfel. Eigentlich eine ganz ungefährliche Angelegenheit... Neben Shirovs fotografischer Einladung zur Begleitung erhält der folgende Beitrag eine Datenbank mit allen in Fügen beim Europapokal gespielten Partien. Mehr...

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Mit Shirov in die Alpen

Mit Fügen wanderte der Europapokal der Vereine von Austragungsorten im südlichen Europa nun einmal nach Mitteleuropa. Organisator war der österreichische Verein Sparkasse Jenbach, die im nahe gelegenen Fügen im Zillertal einen geeigneten Spielort, die dortige Veranstaltungshalle fand. Alexey Shirov gehörte zum Team von Ural Sverdolvskaya und besetzte dort hinter Svidler Brett zwei. Mit Grischuk,  Akopian, Dreev und Motylev war die Mannschaft der erste Anwärter auf den Sieg.

Am Ende ereichte es mit 12 Mannschaftspunkten wegen des schlechteren Brettpunktverhältnisses jedoch nur zu Platz drei hinter Tomsk-400 und Ladya Kazan. Shirov machte 4,5 Punkt in sechs Partien. Mit seinem Sieg über Areshchenko sorgte er für den knappen Sieg über Werder Bremen.

Als Alexey Shirov zwei Tage vor dem Turnierbeginn ankam, machte er gleich eine kleine Entdeckungsreise in die umliegenden Berge. In den Zeiten der UdSSR, als die Sowjetbürger nicht ins Ausland reisen durfte, war das Wandern im Gebirge oder gar Klettern eine beliebte Freizeitbeschäftigung.

Als Fünfjähriger war Alexey mit seinem Vater in den Bergen auf der Krimhalbinsel unterwegs gewesen. Mit 600 Metern waren die erstiegenen Berge zwar objektiv nicht sehr hoch, aber für ein Kind dennoch sehr beeindruckend.

So kam ihm die Umgebung von Fügen auf behagliche Art vertraut vor und erinnerte ihn an seine Kindheit. .Am ersten Tag seines Aufenthalts unternahm er am späten Nachmittag einen kurzen Ausflug bis auf eine Höhe von 900 Meter und kehrte dann um.


Kleiner Ausflug in die Umgebung: Los geht's...


Kaltes, klares Wasser, mit...


...und ohne Großmeister.

Am Tag vor dem Turnierstart wagte er sich dann aber an die Besteigung der Tuxer Alpen bis hin zur Kellerjochhütte. Am 7.Oktober, einen Tag vor Turnierbeginn, machte er sich um um 11 Uhr auf den Weg.

Der Ort Fügen liegt auf einer Höhe von etwa 640 Metern und der Aufstieg zur Kellerjochhütte in Höhe von 2237 Metern dauerte insgesamt etwa vier Stunden.


Blick zurück ins Tal

Es wäre möglich gewesen, mit einer Gondel hinaufzufahren, aber dann die beabsichtigte Reinigung durch den Aufmarsch natürlich nicht gegeben gewesen.


Gondel nur für Warmduscher

Auf ca. halbem Weg kann man in einer anderen Hütte schon eine Rast einlegen.


Hinter dem Wanderer kroch plötzlich eine Nebelwand den Berg hoch. Wie man weiß, gibt es auch wieder Bären in den Alpen.

Bis dahin sind die Wege von anderen Wanderern noch recht gut frequentiert. Doch danach werden diese immer weniger und bleiben bald ganz aus.

Vor dem Europapokal hatten sich die Ereignisse beim Wettkampf in Elista überschlagen und auch die nicht dort spielenden Spitzen-Großmeister beeindruckt. Wie würde Schach und die Profis nach den dortigen Vorfällen, die die Runde um die Welt machten, wohl nun angesehen werden? Shirov nutzte den Aufstieg auch, um seine Kopf von allen anderen Gedanken zu befreien, um sich ganz auf den Europapokal konzentrieren zu können. "Danach, als ich wieder unten angekommen war, fühlte ich mich wie rein gewaschen," meinte er.

Normalerweise ist der Aufstieg zur Kellerjochhütte auch dann ungefährlich, wenn man alleine dort hinauf wandert. Falls etwas passiert, wenn man ausrutscht, stolpert, sich etwas bricht, kann man in der heutigen Zeit mit einem Mobiltelefon leicht Hilfe holen. Allerdings sollte man es auch dabei haben und nicht wie Shirov im Hotel vergessen. So war es dann schon etwas unheimlich, alleine durch den Nebel zu marschieren, der in dicken Schwaden zwischen den Gipfeln umher waberte.


Allein und verlassen. Nur der alles verschlingende Nebel begleitet einen.


Uuaaahaha...


Blick in die Tiefe


Das Weiße ist Schnee.

Am Gipfel steht die Kellerjochhütte. Anfang des letzten Jahrhunderts erbaut, bietet sie Schutz vor Regen, Strum und Kälte und kann auch zur Übernachtung genutzt werden.

An der Hauswand wurde ein Schild angebracht, das auch über die Höhe Auskunft gibt.



Gleichzeitig kann das Fotos des Schildes als Beweis angenommen werden, dass unser spielstarker Gipfelstürmer tatsächlich dort war.


Die Bergspitze im Hintergrund sieht nicht hoch aus, hat aber eine Höhe von über 2200 Metern

Am nächsten Tage erzählte er von seinem Abenteuer und wurde prompt von seinem Teamchef gefragt, ob er verrückt geworden sei. Was hätte er denn alleine gemacht, wenn er gestolpert und gestürzt wäre? So mancher ist über die Alpen marschiert und wurde später unfreiwillig als "Ötzi" berühmt. Und was hätte die Mannschaft ohne ihn gemacht? Aber es ging alles gut und niemand kam zu Schaden.


Ende gut, alle gut.

Fotos: Alexej Shirov
Text: André Schulz nach Bericht von Alexej Shirov

 

 

 

 

 



Themen: Europapokal
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