Mit System zum Erfolg: Richters "Planfindung und Variantenberechnung"

09.06.2018 – Wer auf den Gebieten der Planfindung und Variantenberechnung Meisterschaft erreichen will, der ist gut beraten, sich einen erfahrenen Trainer zu besorgen. GM Michael Richter ist hierfür eine gute Wahl: mit seiner neuen DVD „Erfolgsstrategien Band 3“ bietet Ihnen der Leiter der Schachschule Berlin die Gelegenheit, Ihr Schach Schritt für Schritt zu verbessern. Melik Kramer hat sich die DVD angesehen und stellt sie Ihnen in seiner Rezension vor.

Erfolgsstrategien Band 3: Planfindung & Variantenberechnung Erfolgsstrategien Band 3: Planfindung & Variantenberechnung

Planfindung & Variantenberechnung ist nur äußerst mühsam ohne Trainerhilfe erlernbar. GM Michael Richter gibt Ihnen anhand von 10 Lektionen und 90 Videos über wichtige Tipps und Merkregeln, wie Sie sich in unbekannten Stellungen zurecht finden können.

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Michael Richter: Erfolgsstrategien Band 3: Planfindung & Variantenberechnung

Rezension von Melik Kramer

Als Schachspieler und ist man ja in der Regel bestrebt, sein Spiel zu verbessern. Vor allem, wenn man in einer Mannschaft spielt und dort auch Verantwortung hat, kommt man nicht umhin, richtig zu trainieren. Dabei hat man die Möglichkeit, sich entweder einen Trainer zu leisten, was bei individuellem Training zwar sehr viel bringt, andererseits aber auch den Geldbeutel belastet. Oder man greift auf gute Trainings-DVD´s zurück. Letztere haben, wenn sie gut gemacht sind, ein unschlagbares Kosten-Nutzen Verhältnis.

Wichtig finde ich, dass man eine bestimmte Systematik in sein Denken bringt. Da gibt es verschiedene Ansätze und keiner kann den Anspruch erheben, der Stein des Weisen zu sein. Und man kann auch nicht in jeder Stellung während einer Partie alle Punkte abarbeiten. Aber man braucht Jemanden, der einem sagt, wie man in einer Stellung an die Sache ran gehen soll. Und das versucht Michael Richter mit seiner Serie „Erfolgsstrategien“.

Michael Richter stellt in seiner dritten DVD „Erfolgsstrategien“ die Punkte Planfindung & Variantenberechnung vor. Dabei nimmt jeder Teil ca. 50% der DVD ein (Kapitel 1-5 Planfindung, Kapitel 6-9 Variantenberechnung), wobei am Ende natürlich beide im Denkprozess während einer Partie miteinander idealerweisen verschmelzen.

Lassen Sie uns nun zuerst zur Planfindung kommen. Bei allen Kapiteln geht Richter gleich strukturiert vor. Zuerst stellt er den Themenkomplex kurz vor. Danach folgen mehrere Videos dazu. Dabei bittet er den Zuschauer immer zuerst die Stellung einige Minuten zu betrachten und sich selbst Gedanken darüber zu machen. Dadurch tritt schon ein viel besserer Lerneffekt ein, als wenn man sich nur passiv durch das Video berieseln lässt. Auch während der Videos, wenn eine kritische Stellung erreicht ist, ist wieder die Eigeninitiative gefragt. Wenn man sich danach weiter in die Partie vertiefen will, bietet die immer gut kommentierte Partie in der Datenbank eines jeden Kapitels die ideale Möglichkeit dazu. Es liegt also im Ermessen jedes Einzelnen, wie tief er in den jeweiligen Themenkomplex einsteigen will.

Jeder Schachspieler hat schon mal vom guten und schlechten Läufer bzw. Springer gehört. Richter widmet der Thematik zwei Kapitel. Was ich sehr gut finde ist, dass der Autor dabei zuerst Stellungen präsentiert, wo schon klar ist, wer den starken Springer oder Läufer hat und es „nur“ noch um die Verwertung des Vorteils geht. Ausgehend davon gelangt man zu Stellungen, in denen eine Seite erkennen muss (Planfindung), wie sie fortsetzen sollte, damit sie eine vorteilhafte Position mit starkem Springer oder Läufer erhält.

Auch der Punkt Entwicklungsvorsprung wird behandelt. Dabei geht Richter vor allem auf die Möglichkeit der Besetzung des am meisten gedeckten Feldes ein.

Interessant finde ich auch den zuerst sehr allgemeinen Begriff der Figurenverbesserung. Richter weist selbst darauf hin, dass dieser sehr allgemein ist. Er füllt ihn aber mit Hilfe verschiedener Musterpartien mit Leben. Dabei geht es ihm um so wichtige Themen wie Bauernhebel, Prophylaxe, Figurenverbesserung durch vorübergehende Verschlechterung einer Figur. Einer seiner wichtigsten Grundsätze lautet, dass der Plan in der Regel durch die Bauernhebel bestimmt wird. Dabei werden in den gut kommentierten Partien typische Manöver gezeigt, die in jeder Turnierpartie vorkommen können. Sehr gut finde ich, dass dabei nicht nur Standardmanöver, sondern auch sehr kreative Ideen, wie z.B. die Entwicklung des Turms a8 durch den Bauernvorstoß a7-a5 und danach Ta6 vorgestellt werden.

Das Kapitel, das mich am meisten in seinen Bann gezogen hat ist das über Statik und Dynamik. Diese Thematik ist mir in dieser Klarheit so noch nicht bewusst gewesen. Kurz gesagt geht es darum, dass während einer Partie eine Seite statische und die andere dynamische Vorteile hat. Statische Vorteile hat man z.B., wenn man einen Positionsvorteil hat mit einem guten Springer auf d5 als Weißer (Man nehme die Schweschnikow Variante als Stellungsbeispiel). Nun muss die Seite mit dem statischen Nachteil versuchen, diesen durch dynamisches Spiel auszugleichen bzw. durch dynamisches Spiel die Oberhand zu gewinnen. Dieses Thema kommt fast in jeder Partie vor, wird aber laut Richter oft nicht beachtet. Wenn man diese Überlegung in seine Partien mit einfließen lässt, wird man seine Spielstärke bestimmt verbessern. Was mir am besten gefällt ist, dass Richter teilweise seine eigenen Partien als Anschauungsmaterial verwendet und dabei seine Gedankengänge erläutert.

Exemplarisch sei hier die Partie Cicak-Richter (Gelsenkirchen, 1998) vorgestellt:

 

11.c5! ist ein eindrucksvolles Beispiel, wie man statischen Vorteil durch Bauernopfer erreichen und den Gegner völlig lähmen kann.

Nun noch kurz zum Thema Variantenberechnung. Hier behauptet der Autor, dass je stärker ein Spieler ist, desto weniger Varianten rechnet er. Was zunächst komisch klingt ist jedoch durchaus richtig, weil schwächere Spieler oft die falschen Varianten rechnen. Ideal ist es, wenige Varianten zu rechnen, diese aber mit genauen Ergebnissen.

Leichter gesagt als getan. Als eine von vielen Möglichkeiten bietet Richter konkretes Wissen an. Dies ist vor allem in vielen Endspielen gefragt. Wenn man weiß, wie ein Endspiel mit König gegen Bauer und König zu behandeln ist, muss man nichts mehr rechnen, sondern kann auf konkretes Wissen zurückgreifen.

Den Hauptkomplex dieses Themas bildet aber die Mustererkennung. Hierbei wird ein bestimmtes Motiv gelernt. Z.B. ein Grundlinienmatt. Dann wird dieses Motiv anhand leichter Beispiele gelernt und wiederholt. In der Folge wird der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben mit demselben Muster gesteigert. Ziel soll sein, dass ein Spieler dann während einer Partie das Motiv erkennt und es ihm gelingt das Grundlinienmatt umzusetzen. Gut finde ich auch, dass Richter weiterführende Literatur zu dem Thema anbietet, wie z.B. Jacob Aagaard „Calculation“ oder Andrej Wolokitin „Perfektionieren Sie Ihr Schach“.

Ein interessanter Abschnitt ist auch das Kapitel Schlagen oder nicht schlagen. Dabei wird dem Zuschauer eine Stellung gezeigt und er muss entscheiden, ob ein Bauer geschlagen werden darf oder nicht. Ist es gut, oder hat der Gegner ein Gegengift. Diese Herangehensweise hat einen Vorteil gegenüber „normalen“ Taktikaufgaben, bei denen man schon weiß, dass es was Konkretes geben muss. Diese von Richter vorgestellten Übungen verlangen sowohl Berechnung, als auch Visualisierung.

Das Ende der DVD bildet dann der Abschlusstest, der 21 Aufgaben umfasst.

  

Schwarz am Zug gewinnt! Lösung unten.

Fazit

Alles in allem kann man sagen, dass die DVD wichtige Aspekte der Planfindung und Variantenberechnung vorstellt. Ich denke sie richtet sich an Spieler bis zu einer Elo von 2200. Es werden auch keine Klassiker vorgestellt, sondern thematische Partien von starken Spielern. Dadurch besteht nicht die Gefahr, dass man die Partien schon kennt. Richter kommentiert unterhaltsam und lässt seine jahrelange Erfahrung als Trainer einfließen. Wer einzelne Aspekte, wie Verwertung eines Vorteils, oder Verteidigung vertiefen will, sei an die DVDs von Sergej Tiviakov verwiesen. Bewertung: 4 von 5 Punkten
 

Michael Richter: Erfolgsstrategien Band 3 - Planfindung &Variantenberechnung

 
• Videospielzeit: 7 Std. 30 min
• Interaktiver Test mit Videofeedback
• Extra: Zusatz-PDF’s und Ausarbeitungen der Kapitel.
• Mit ChessBase Reader 2017

 

€ 29,90

Lieferbar auf DVD oder als Download

 

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Lösung zum Diagramm: 1…. Kc7! 2. f6 Kd7 3. f7 Ke7 4. g7 Th2+!

 


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