Mit Zeit und Energie

02.08.2009 – Für Norwegen ist der 23. Dezember 1969 ein wichtiges Datum. An diesem Tag stieß man bei Probebohrungen vor der Küste auf Öl - heute gehört Norwegen zu den reichsten Länder Europas. Womöglich verhalf der größere Wohlstand auch dem Schach in Norwegen zu neuer Bedeutung. Dank GM Simen Agdestein, guter Jugendförderung und nicht zuletzt Magnus Carlsen ist das skandinavische Land in der Schachwelt mittlerweile eine feste Größe. Doch dass der Erfolg nicht von alleine kommt, sondern Zeit und Energie erfordert, beweist die Geschichte des Schachklubs von Kristiansund. Axel Smith berichtet.Norwegen bei Wikipedia...Zum Bericht...

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Kristiansund qualifiziert sich für Norwegens erste Liga
Von Axel Smith



Kristiansund ist eine Stadt mit 25.000 Einwohnern, die an der Westküste Norwegens, 400 Kilometer nördlich von Oslo, liegt. Diese Saison hat der Schachklub Kristiansunds eine Menge Zeit und Energie investiert, um in die erste Liga aufzusteigen. Das Ergebnis war verblüffend: Eine Saisonbilanz von 24-3.

Kristiansund besteht aus vier Inseln: Nordlandet, Kirkelandet, Gomalandet und Innlandet. Unter Einheimischen kursiert ein Scherz, dass Diebe von der letzt genannten Insel nicht fliehen können; denn es gibt nur einen Weg nach draußen und der führt über die drei anderen Inseln!



In den 60ern hat man eigentlich nicht geglaubt, dass es Öl vor der Küste Norwegens geben könnte, aber eine Firma unternahm 1966 dennoch Bohrungen. Drei Jahre später, am 23. Dezember 1969, stieß man auf Öl, und seitdem ist Norwegen ein reiches Land. Zehn Jahre später hatte sich die Ölindustrie in Kristiansund etabliert und spielt heute in der Wirtschaft des Landes immer noch eine führende Rolle. Viele Länder, die in den letzten Jahrzehnten reich geworden sind, haben ihr Geld für funktionale Gebäude wie Parkhäuser ausgegeben, anstatt damit kulturelle Einrichtungen wie Opernhäuser und Theater zu errichten und in gewisser Weise gilt das auch für Norwegen.

Das Unternehmen des öffentlichen Nahverkehrs, das weltweit am längsten ununterbrochen in Betrieb ist, befindet sich in Kristiansund - "Sundsbåten". Es ist wirklich alt - so alt wie das Telefon - und wurde 1876 in Betrieb genommen!

Am 28. April 1940 begann die Bombardierung Kristiansunds. Neben einer Stadt in Malta war Kristiansund die europäische Stadt, in der der prozentuale Anteil der bombardierten Häuser am höchsten war - 70%. Am Ende von fünf Jahren deutscher Besatzung beschloss man, die Stadt wieder neu aufzubauen. Beim Bau der modernen Häuser nutzte man das gesamte Farbspektrum - alles nur Erdenkliche wurde getan, um das bedrückende Gefühl aus der Zeit des Krieges zu vermeiden. Kristiansund wurde "das Dorf der vielen Farben" genannt und bietet immer noch einen wunderschönen Anblick.

Kristiansunds Hauptstrasse hat das gleiche Gefälle wie die Hauptstrasse Roms, und so hat der deutsche Architekt sie auf die gleiche Weise konstruiert. Sein Entwurf enthält einen Strand am Ende der Strasse, aber den gibt es nicht.


Das schöne Vereinslokal des Schachklubs von Kristiansund liegt in dieser Strasse - das rosa angemalte Haus in der Mitte des Bilds.



Aage Sivertsen ist Vereinspräsident. Sein Motto lautet "think positive" und mit harter Arbeit ist es ihm gelungen, eine Menge Sponsoren zu gewinnen. Mit ein Grund dafür dürfte sein, dass die lokale Presse ausführlich über den Verein berichtet.


Robin Hoem, Lars Hjelmås, Axel Smith, Kjell Tore Sandum und Michai Suba (Anders Olsson ist nicht auf dem Bild) bildeten die Mannschaft, die sich für die erste Liga qualifiziert hat - mit einer Saisonbilanz von 24-3.


Tore Kristiansen leistet unschätzbare Arbeit für den Verein. Allen Schulen in Kristiansund wird so viel kostenloser Schachunterricht angeboten, wie sie wollen, und viele zukünftige Schachspieler lernen so die ersten Züge.


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