Mitgliederentwicklung Im Deutschen Schachbund

von André Schulz
19.05.2021 – Das Jahr der Pandemie hat dem Deutschen Schachbund einen Rückgang von etwa 4% der Mitglieder beschert, etwa 3600 Personen an der Zahl. Damit steht der DSB im Vergleich zu anderen Sportverbänden noch gut da, ist aber vom Spitzenwert von 97.624 Mitgliedern aus dem Jahr 1992 weit entfernt. Die Entwicklung der Mitgliedszahlens seit der Gründung:

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Fischer-Effekt oder Hübner-Effekt?

Im letzten Jahr, dem Jahr der Corona-Pandemie, verloren die Schachvereine, und damit auch der deutsche Schachbund 3600 Mitglieder. Das ist wenig erstaunlich. Erstaunlicher ist eher, wie gering der Rückgang beim Schach ausfällt. Ein Vereinsleben, bei dem man Freunde in den Klubräumen beim Schach treffen kann, konnte 2020 schließlich nur zeitweise stattfinden. Und der Ligabetrieb am Brett, wo man mit seiner Mannschaft um Punkte kämpft, wurde Anfang 2020 unterbrochen. Seitdem warten die Schachfreunde auf Wiederaufnahme. Einige wissen gar nicht, ob es ihre Mannschaften noch gibt. Die Deutsche Schach Online Liga bot immerhin einen gewissen Ersatz.

Alle Sportvereine verzeichnen als Folge der Corona-Pandemie zum Teil starke Rückgänge. Umfragen unter Breitensportvereinen ergab, dass diese im Schnitt Rückgänge von 10 bis 15% der Mitglieder zu verzeichnen haben. Der Deutsche Schachbund kommt mit einem Rückgang von etwa 4% noch verhältnismäßig glimpflich davon.

Die Entwicklung der Mitgliedszahlen im Verlauf der Jahrzehnte kann man auf der Webseite des Schachbundes nachschlagen. Die Liste ist zwar nicht lückenlos und vollständig, bietet aber interessante Aufschlüsse.

Der Deutsche Schachbund wurde 1877 in Leipzig gegründet. 1897 stehen 89 Vereine als Mitglieder zu Buche. Die Anzahl der Personen ist unbekannt. 1887 werden aber etwa 2500 Personen als Mitglieder des Schachbundes angegeben. 1920 sind es etwa 5000 Personen. Der Zuwachs scheint gering, jedoch bedeutete der Erste Weltkrieg mit über 2 Mio. Gefallenen, fast 500.000 Hungertoten und einer unbekannten Anzahl von Toten infolge der Spanischen Grippe einen gewaltigen Aderlass, der sich auch in allen Sportvereinen niederschlug. Viele Sportvereine mussten sich nach dem Ersten Weltkrieg mangels noch lebender Mitglieder auflösen.

In den 1920 Jahren erholte sich das gesellschaftliche Leben allmählich und 1923 verzeichnet die Liste des Deutschen Schachbundes immerhin knapp 20.000 Mitglieder.

Die Zahlen der Jahre 1924 bis zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg fehlen leider. 1933 wurde auch das deutsche Schachleben im Großdeutschen Schachbund gleichgeschaltet. Die Berliner Geschäftsstelle des Großdeutschen Schachbundes wurde bei einem Bombenangiff am 23. November 1943 völlig zerstört. Einige Monate später wurde auch die nachfolgende Geschäftsstelle des Berliner Geschäftstelle durch Bombentreffer vernichtet. Alle Unterlagen des Großdeutschen Schachbundes verbrannten bei den beiden Angriffen.

Im Februar 1950 erfolgte in Wiesbaden die Wiedergründung des Deutschen Schachbundes, der nun aber nur auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland wirkte. Für das Jahr 1951 verzeichnete der Deutsche Schachbund 25.395 Mitglieder. Der Schachverband der DDR wurde 1958 in Leipzig gegründet. Mitgliedszahlen der frühen Jahre liegen nicht vor. In den folgenden Jahren wuchs die Zahl der Mitglieder kontinuierlich.

1970 zählte der Deutsche Schachbund etwas über 46.000 Mitglieder, der DDR-Schachverband (DSV) fast 28.000 Mitglieder.

Und dann setzte der Fischer-Boom ein... ? "Jein". Es gibt einen Zuwachs an Mitgliedern in den Jahren 1970 bis 1975, aber er fällt nicht so groß aus, wie man es sich vielleicht vorstellen könnte. 1975 zählte der Deutsche Schachbund 51.780 Mitglieder, davon 50.605 Männer und nur 1075 Frauen. Etwas über 12.000 Mitglieder sind Jugendliche. 1970 war die Deutsche Schachjugend gegründet worden.

Interessant ist der Zuwachs an Mitgliedern in den folgenden Jahren. 1976 sind es 56.000 Mitglieder und 1979 schon über 61.000. Vielleicht ist es eine Spätfolge des Fischer-Effekts. Schach war durch den Wettkampf Fischer-Spasski mehr in den Mittelpunkt des Interesses und in den Focus der Medien gerückt worden. 1977 und 1978 kämpfte der Dissident Kortschnoj unter großer Anteilnahme der Medien um den WM-Titel.

1980 hat der Deutsche Schachbund schon über 66.000 Mitglieder und 1983 schon 80.000. Dies könnte auch die Folge eines Hübner-Effekts sein, denn Robert Hübner war inzwischen einer der weltbesten Spieler und spielte als Deutscher um die Weltmeisterschaft mit. Der Anteil der Jugendlichen hat sich inzwischen von 12.000 im Jahr 1970 auf 24.000 im Jahr 1983 auf 24.000 verdoppelt.

Die Jahre 1984 bis 1990 sind besonders von den Leistungen von Garry Kasparov geprägt. Kasparov ist auch in den deutschen Medien sehr präsent. Darüber hinaus beginnen die Computer ihren Einzug in die Wohnungen auch der Schachfreunde. Der Computer eignet sich sehr gut zum Schachspielen und Trainieren. Der Deutsche Schachbund hat fast 87.000 Mitglieder. Der DDR-Schachverband meldet fast 44.000 Mitglieder

Eine einschneidende Zäsur brachte die Wiedervereinigung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik. Noch vor der politischen Wiedervereinigung erfolgt die Vereinigung der beiden deutschen Schachverbände im September 1990. Zu Beginn 1991 zählt der Deutsche Schachbund noch 87.000 Mitglieder, 1992 aber dann 97.000 Mitglieder. Offenbar hat es etwas gedauert, bis der Effekt der Wiedervereinigung sichtbar wurde. Das Jahr 1992 markiert aber auch die Spitze in Bezug auf die Mitgliedszahlen. Es gibt in den 1990er und 2000er Jahren ein Auf und Ab mit den geringsten Mitgliedszahlen im Jahr 2001 - nicht ganz 92.000. 2006 wurde der Spitzenwert von über 97.000 noch fast einmal erreicht. In den 2010er Jahren schwankte die Mitgliederzahl um die Zahl von 90.000 Mitgliedern, stieg 2019 um fast 2000 Mitglieder an, um jetzt durch die Corona-Pandemie hinter den alten Wert zurückzufallen.

Der Anteil von weiblichen Mitgliedern konnte im Laufe der Jahrzehnte gesteigert werden, von einst 5% auf jetzt etwa 10%. Das ist ein Erfolg, ein deutlich höherer Anteil wäre jedoch erstrebenswert. 

Mit seinen 93.000 Mitgliedern war der Deutsche Schachbund 2020 in der Rangliste deutscher Sportverbände im Deutschen Olympischen Sportbund nach Mitglieder auf Platz 27 von 66 Verbänden Der Deutsche Schachbund führt in der 3. Gruppe - Verbände mit über 50.000 Mitgliedern. Die größten deutschen Sportverbände sind der Deutsche Fußballbund (über 7 Mio. Mitglieder), der Deutsche Turnerbund (über 5 Mio.), der deutsche Tennisbund (1,36 Mio.), der Schützenbund (1,35 Mio.) und der Deutsche Alpenverein (1,31 Mio.). 

 

Mitgliedsentwicklung im Deutschen Schachbund (Quelle: DSB)

Die Zahlen von 1951 bis 1992 wurden von Heinrich Früh (†) ermittelt und sind in der DSB-Geschäftsstelle archiviert worden. 

Die Mitgliederzahlen des Deutschen Schachverbandes der DDR sind in dieser Statistik nicht enthalten.

Die Zahlen von 2001 bis 2015 wurden in den Statistiken beim Deutschen Olympischen Sportbund veröffentlicht. Die Statistik für 2016 wurden den Zahlen von MIVIS entnommen.

 

Jahr Vereine Mitglieder davon
männlich
davon
weiblich
Jugendliche1
2021 2.33012 89.34211 81.57811 7.76411 24.49911
2020 2.35812 93.04711 85.01211 8.03511 26.74211
2019 2.36112 91.77011 84.10711 7.66311 25.85511
2018 2.357 89.9757 82.5367 7.4397 23.9947
2017 2.415 89.2714 82.0554 7.2164  
2016   89.193 82.096 7.096  
2015 2.473 89.628 82.601 7.027  
2014 2.530 90.382 83.442 6.940  
2013 2.530 90.676 83.985 6.691  
2012 2.595 90.840 84.272 6.568  
2011 2.612 91.135 84.771 6.364  
2010 2.612 92.935 86.737 6.198  
2009 2.638 94.149 87.861 6.288  
2008 2.652 95.386 89.116 6.270  
2007 2.680 95.691 89.385 6.306  
2006 2.702 97.184 90.916 6.268  
2005 2.711 96.758 90.517 6.241  
2004 3.000 95.293 89.304 5.989  
2003   94.340 88.546 5.794 26.273
2002 3.000 93.210 87.664 5.546 24.662
2001   91.781 86.439 5.342 24.045
20002 ca. 3.000 92.902 87.598 5.304 24.303
19992 3.000 94.53414 89.20814 5.32614 23.274
19982 2.955 95.787 90.347 5.440 23.762
19972 3.712 95.854 90.536 5.318 22.928
19962 2.954 95.536 90.234 5.302 19.834
19952 2.975 95.060 89.871 5.189 19.561
19942 3.483 95.273 90.189 5.084 19.379
1993   95.096     18.847
1992   97.624     18.706
1991   87.011     18.643
1990   86.264     18.963
1989   86.769 + 43.76215     20.042
1988   86.356     18.518
1987   85.158     18.571
1986   83.647     18.528
1985   82.916     20.247
1984   83.525 + 43.0948     21.320
1983   80.865     24.445
1982   79.161     24.587
1981   72.384
72.466
    20.384
1980   66.232     18.104
1979   61.693     17.184
1978   59.432 + 39.7148     17.185
1977   57.720     13.951
1976   56.043      
1975   51.780 50.605 1.175 12.258
1974   50.027 + 33.2268 48.952 1.075 9.790
1973   48.683
48.721
    9.524
1972   47.844     8.200
1971   45.459
45.495
    6.308
1970   46.158 + 27.8428     5.867
1969   46.133     5.645
1968   46.458      
1967   46.253      
1966   45.277      
1965   45.362      
1964   44.830      
1963   45.262      
1962   42.800      
1961   42.370      
1960   39.587     2.9246
1959   37.893      
1958   38.452 + 30.0005      
1957   37.559      
1956   35.332      
1955   35.897
37.897
     
1954   33.672
33.852
     
1953   32.137      
1952   28.977      
1951   25.395      
...          
19233   18.000 - 20.000      
19223 230 10.000 - 12.000      
192113 199 8.226      
192013 122 ca. 5.000      
...          
19029 58 (5010)        
1900 Kongress9 51 (3410)        
19009 76        
31. Juli 18989 80 (9010)        
18879   2.500      
18859 86        
18839 83        
18819 75        
1. Mai 18799 58        

1 Die Zahlen von 1969 bis 2003 (1976 fehlt) sind Zahlen der DSJ-Mitglieder.
2 Die Zahlen von 1994 bis 2000 wurden den Meldungen des DSB an den Deutschen Sportbund entnommen.
3 Entnommen der Kongress-Dokumentation von 1923, siehe DSB-Kongresse.
4 Offizielle Statistik des DV-Referenten zum 01.01.2017
5 Schach-Echo 8/1960 (FIDE-Statistik). Die erste Zahl sind die Mitglieder im DSB, die so auch der FIDE gemeldet wurde (8,6 Mitglieder auf 10.000 Einwohner). Die zweite Zahl sind die vom DSV der DDR gemeldeten Mitglieder (13,8 Mitglieder auf 10.000 Einwohner).
6 Schach-Echo 6/1960 (Bericht DSB-Kongreß): Die Quelle enthält darüberhinaus eine nach Landesverbänden sortierte Liste.
7 Offizielle Statistik des DV-Referenten zum 01.01.2018 (Jugendliche U18)
8 Zweite Zahl: Mitglieder im DSV der DDR - SCHACH 9/1988 S. 8f "30 Jahre Deutscher Schachverband der DDR" von Bernd Segebarth
9 Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Deutschen Schachbundes von Albert Hild, 1927
10 Einzelmitglieder (aus Festschrift 1927)
11 Offizielle an den DOSB gemeldete Zahlen (Stichtag: 1.1. d.J., Jugendliche U18). Mit enthalten sind (seit 2019) die Mitgliederzahlen des Deutschen Fernschachbundes (2019: 1554, davon 32 weiblich; 2020: 1567, davon 25 weiblich; 2021: 1550, davon 31 weiblich).
12 Aktive Vereine im DSB am 01.01.2019 (ohne Schwalbe, BdF, DBSB)
13 Mitgliederzahlen 1921
14 Schach Intern 3/99 nennt abweichende Zahlen

15 Zweite Zahl: Mitgliederzahlen des DSV der DDR von Ende 1988

Die zehn größten Schachvereine in Deutschland

1 40023 Hamburger SK von 1830 eV 694
2 G0353 Schachzwerge Magdeburg 587
3 10614 OSG Baden-Baden 378
4 A0221 Elmshorner SC von 1896 230
5 22059 SC Garching 1980 e.V. 229
6 10422 Karlsruher SF 1853 224
7 D2004 SV "Glück auf" Rüdersdorf e.V. 209
8 A080I Lübecker SV von 1873 204
9 24109 SC Moosburg 1956 e.V. 203
10 61209 Schachfreunde Brackel 1930 e. V. 202

Liste beim Deutschen Schachbund...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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