Morelia: Mut zum Risiko

17.02.2008 – Spitzenturniere mit nur acht Teilnehmern leiden oft an blutleeren Remis. Die Spieler sind theoretisch bestens gerüstet und turniertaktische Überlegungen siegen häufig über Kampfgeist und die Lust am Spiel. In der zweiten Runde in Morelia war jedoch von fehlender Risikobereitschaft nichts zu sehen. Levon Aronian setzte gegen Anand ganz auf Königsangriff und Vassily Ivanchuk glänzte gegen Peter Leko durch zahlreiche originelle taktische Einfälle. Der Mut wurde belohnt: Beide gewannen ihre Partien, wenn auch nicht ohne Hilfe des Gegners. Weniger spektakulär aber ebenfalls interessant verliefen auch die Remispartien zwischen Teimour Radjabov und Veselin Topalov sowie Alexei Shirov und Magnus Carlsen.Turnierseite...Partien der Runden 1 und 2...Mehr...

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Runde 2, 16. Februar 2008

V. Anand - L. Aronian 0-1
T. Radjabov - V. Topalov 0,5:0,5
V. Ivanchuk - P. Leko 1-0
A. Shirov - M. Carlsen 0,5:0,5

Tabelle



Vishy Anand gilt als einer der besten Verteidiger der Welt. Immer wieder staunen Gegner und Publikum über die Zähigkeit, mit der Anand schlechte Stellungen verteidigt. Ob schwierige Endspiele, komplizierte Verteidigungsstellungen oder misslungene Eröffnungen: Immer wieder gelingt es Anand, sich herauszuwinden. Um so überraschender war sein Lapsus gegen Levon Aronian. In einem Marshall-Gambit setzte Aronian auf originelles Spiel und hatte viel Material investiert, um seinen Angriff am Laufen zu halten. In einer Stellung, in der Fritz Weiß im Vorteil sieht, strauchelte Anand dann schließlich auf der Suche nach einem klaren Weg, um den schwarzen Angriff abzuwehren.



Der letzte weiße Zug war 30.Sf3?, was Aronian Gelegenheit zu dem taktischen Schlag 30....Te3! gab, wonach Weiß den schwarzen Angriff nicht mehr abwehren kann. Es folgte noch: 31.fxe3 Dxf3 32.Dc2 fxg3 33.hxg3 Dxg3+ 34.Kh1 Lf5 und Weiß gab auf.


Anand und Aronian zu Beginn der Partie

Vasily Ivanchuk steht in dem Ruf, launenhaft zu spielen. An guten Tagen weltmeisterlich, an schlechten lustlos und schwach. In der zweiten Runde in Morelia gegen Peter Leko zeigte er sein ganzes Können. Er wählte eine originelle Eröffnung, überraschte immer wieder mit taktischen Tricks und zeigte, als es zu einer Stellung kam, in der er mit zwei Türmen gegen Lekos Dame spielte, strategisches Können.


Auf der Suche nach dem richtigen Zug


Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle: Peter Leko

Veselin Topalov wandelte in Runde zwei auf den Spuren von Vladimir Kramnik. Gegen Teimour Radjabov entschied sich der Bulgare gegen einen Sizilianer und griff stattdessen zur Berliner Verteidigung. Ein zähes, spannendes Ringen entfaltete sich, in dem Radjabov einen Bauern opferte - oder vielleicht sogar einstellte? -, den er jedoch bald zurück gewann, wonach sich die Wogen allmählich glätteten.


Was? Kein Najdorf?


Wie würde Kramnik spielen?

Recht unspektakulär verlief die Partie zwischen Alexei Shirov und Magnus Carlsen. Carlsen nahm in der Eröffnung für aktives Spiel einen isolierten Damenbauern in Kauf, mit Abtausch neutralisierte Shirov das aktive Spiel und bald landeten die beiden in einem ausgeglichenen Endspiel.

Übrigens wurden alle vier Partien der zweiten Runde mit 1.e4 eröffnet. Damit steht es nach acht gespielten Partien im 1.e4 gegen 1.d4 Duell 7:1 für den e-Bauern. Bis zum 23. Februar haben die Teilnehmer noch Zeit, in Morelia den d-Bauern zu unterstützen. Dann reist der Turniertross nach Linares, wo das Turnier am 28. Februar weitergeht, bis es am 7. März schließlich endet.

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