Morozevich in Biel weiter in Front

29.07.2003 – In der siebten Runde lieferten sich Morozevich und Bacrot gestern im Spitzenkampf ein taktisch scharfes Gefecht, das schließlich remis endete. Smirin gewann seine Partie gegen Kortschnoi und Pelletier siegte gegen Lutz, wodurch der Schweizer die rote Laterne an seinen Landsmann Kortschnoi abgeben konnte. Morozevich führt mit 5,5 Punkten vor Smirin mit 5 Punkten. Im Meisteropen endeten die Spitzenspiele allesamt remis. Im Verfolgerfeld besiegte Jungstar Sergey Karjakin Vladislav Tkachiev und schloss zur Spitze auf.Zur offiziellen Turnierseite... Kunstvolles aus Biel...

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Straßenschach in Biel

Nach zwei Tagen Dauerregens zeigte sich Biel am Dienstag wieder von seiner sonnigen Seite. Angeblich soll es dabei gestern sogar zu einem lokalen Sturm gekommen sein, wurde der Turnierleitung berichtet. Vielleicht war es ein lokaler Miniaturwirbelwind - man hat von solchen Phänomenen schon gehört - , der einen Ast seinem Mutterstamm entriss und das geparkte Auto eines Turnierteilnehmers beschädigt haben soll. Auch sonst hat die Turnierleitung unter Peter Burri mal mit diesem mal mit jenem Vorfall zu tun und regelt die anlaufenden Dinge mit der gebührenden - in der Schweiz besonders - Gelassenheit und Routine. Man merkt, dass das Turnier auf 36 Jahre alte Erfahrung zurück blickt.


Peter Bohnenblust (v.li.) Beat Rüegger, Matthias Gallus

Während Alexander Morozevich ohne Hektik wohl seinem Turniersieg zusteuert, hat es Christopher Lutz und Viktor Kortschnoj in der siebten Runde erneut getroffen. Lutz verlor seine Partie gegen Pelletier und meinte nachher, er hätte eigentlich recht chancenlos verloren. Kortschnoi, für den es hier nicht gut läuft, wollte heute mit Gewalt gegen Smirin gewinnen und wurde bald ausgekontert. Durch seinen Sieg hat sich Pelletier nun etwas nach vorne gearbeitet, doch der Abstand zur oberen Tabellenhälfte beträgt 2 volle Punkte.


Alexander Morozevich


Morozevich und Pelletier angespannt


Smirin konzentriert


Kortschnoj bald Zuschauer zusammen mit seiner Frau 


Partieübertragung


Sergey Karjakin mit Mutter

Im Meisteropen neutralisierten sich die Kräfte an den ersten Tischen mehr oder weniger schnell zum remis. Sergey Karjakin, der von seiner Mutter begleitet wird, zeigt heute gegen den Vorjahresteilnehmer des GM-Turniers Vladislav Tkachiev, was in ihm steckt, holte sich den ganzen Punkt und reihte sich in die jetzt achtköpfige Führungsgruppe ein. 

Alexandra Kosteniuk verlor gegen Andrej Schchekachev und fiel auf Platz 31 zurück. Seit Karjakin und Kosteniuk Anfang des Jahres ihren Wettkampf im Dannemann-Center in Brissago spielten, hat man das Gefühl, man muss beiden zugleich erwähnen, wenn sie wieder in der Schweiz spielen. In den beiden Open spielen nur sehr wenige Frauen mit, die dadurch besonders auffallen. 


Nathalie Bonnafous


Gaby Livschitz

Wenn man sich z.B. die Ranglisten der letzten Europameisterschaft anschaut und mit der Teilnehmerliste des Meisteropens vergleicht, weiß man, dass viele Spielerinnen auch hier erfolgreich mitspielen und Praxis gegen starke Spieler sammeln könnten. Vielleicht fehlt ihnen der Mut, sich so wie Alexandra Kosteniuk, Gaby Livshitz, Petra Schuurmann, Nathalie Bonnafous oder Alexandra Wilson einfach mal ins Feuer zu werfen. Grund dafür besteht aber eigentlich nicht.


Al-Modiakhi aus Quatar liegt in der Spitzengruppe


Openspezialist Semen Dvoirys


Biel-Veteran Tukmakov


Leonid Kritz aus Deutschland


Milos Pavlovic spielt in Biel immer riesig.


Vadim Milov ist nicht zufrieden und zur Zeit nur auf Platz 51.


GM Rashkowsky

Timo Reusser, 10 Jahre als, ist jedenfalls nicht mutlos. Er schlägt sich schon im Allgemeinen Open und hat bereits eine Spielstärke von fast 1800. Wetten, dass man noch öfter von ihm hören wird.


Timo Reusser

GM-Turnier - Stand nach sieben Runden
1. Morozevich 5,5
2. Smirin 5,0
3. Bacrot 4,5
4. Pelletier 2,5
5. Lutz 2,0
6. Kortschnoi 1,5

Die Partien zum Nachspielen...

Meisteropen - Stand nach sieben Runden
1. Al-Modiakhi
2. Shariyazdanov
3. Avrukh
4. Riantzev
5. Al-Sayad
6. Sedlak
7. Kuzmin
8. Karjakin

alle 5,5, Punkte.

...



Prominenz auch unter den Zuschauern: Alexander Bakh, Schiedsrichter, Organisator des Aeroflot-Open und neuerdings mit führender Funktion im russischen Schachverband hat auf dem Weg nach Dortmund eine Pause in Biel eingelegt.



Zwei Mädchen mit Fritz im Foyer. Wahrscheinlich sprechen sie jetzt nicht über Schach, sondern über wichtigere Dinge.



Blitzen, analysieren und quatschen auf der Empore des Kongresszentrums.

Übrigens gibt es auch im Schach kaputt gespielte Sportgeräte, wie man hier sieht:

Das Festival wirft defekte Figuren in Sammelkisten. Irgendwann werden sie wohl weggeworfen. Peter Burri erzählte, dass heute meist die Türme zuerst defekt sind, früher seien es die Könige gewesen, was immer das auch bedeuten könnte.

Wenn man viele defekte Figuren eingesammelt hat, sieht das ein wenig so aus, wie die Angebote auf dem Hamburger Fischmarkt, vielleicht auch wegen der Bananenkiste, die nebenan steht. Immerhin kann man Schachfiguren länger in solchen Kisten aufbewahren als Fisch. In Deutschland würde übrigens sicher bald ein Schachfigurenpfand eingeführt, sobald der Bundesumweltschutzminister Trittin von solchen Praktiken erführe.

 

Werbung! Zwei Stars stehen außerhalb des Kongresszentrums. Sponsor Opel hat zwei seiner neuen Modelle für den Fahrdienst des Turniers zur Verfügung gestellt. Im Bild sieht man den Meriva. beeindruckend ist der zweite Wagen, ein Vectra mit einem starken Motor und Tiptronicschaltung (keine Kupplung), dessen Knöpfe am Lenkrad an die Formel Eins erinnern. Werbung Ende!

Industrie - und Kunststadt Biel

Die mittelalterliche Stadt Biel hat sich im Laufe der Zeit kaum vergrößert, bis Mitte des 19.jh. die Industrie, vor allem die Uhrenindustrie sich hier ausbreitete und für Bevölkerungszunahme, Wachstum und große Veränderungen in der Infrastruktur sorgte.

In der Schachwelt ist Biel für sein Schachfestival bekannt. Doch sonst ist die zweisprachige Stadt, die sich immer als Biel/Bienne bezeichnet, eigentlich eine der wichtigsten Industriestandorte der Schwei und vor allem durch seine Uhrenindustrie berühmt. Große Namen der Schweizer Uhrenindustrie sind hier beheimatet, so Rolex und Omega. 




Omega rüstete mehrere Apollomissionen mit Uhren aus


Mega-Omega im Museum Neuhaus: So funktioniert eine Uhr. Ist doch eigentlich nicht so schwer.

Durch die Einfuhr billiger Digitaluhren aus Fernost geriet die Schweizer Uhrenindustrie Mitte der Siebziger Jahre in eine Krise und erholte sich, als sie die Swatch erfand. Dennoch sind die großen Zeiten der weltweit dominierenden Schweizer Uhren Vergangenheit. Nach einem Bevölkerungsrückgang um etwa 15.000 Einwohner setzt die Stadt heute die Schwerpunkte auf Kommunikationsdienstleistungen, aber auch Tourismus.

Obwohl Biel eine "Industriestadt" war und zum Teil noch ist, sieht die Stadt nicht so aus, wie man sich solche Städte vorstellt oder vielleicht aus Deutschland kennt. 


Velomobil mit Botschaft. Der Besitzer Parsival macht Werbung für die Kunstsprache Esperanto.

Hässliche Fabrikhallen gibt es nicht. Stattdessen prägt eine bezaubernde Altstadt das Stadtbild, die Schüss fließt in ihrem kanalisierten Bett durch die Stadt und verbreitet Gemütlichkeit. 


Blick durch das Geländer auf die Schüss.

Der starke frankophone Einfluss sorgt für Betriebsamkeit auf den Strassen und in den vielen Straßencafés. Auch die "Neustadt" ist so neu nicht und die Straßenzüge der Fußgängerzone (mit "Begegnungszone") sind ausgesprochen hübsch.

Stadtbilder:


Ein alter Bauernschuppen.


Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Burgplatz


Häuserfassade am Burgplatz



Der Gerechtigkeitsbrunnen auf dem Burgplatz.



Blick durch zwei Häuser auf den Erker des Zunfthaus der Waldleute.



Brunnenfigur mit Stadtfahne.


Die Stadtkirche

Der Platz vor der Stadtkirche wird der Ring genannt, weil sich hier früher das Gericht versammelte und sich ringartig aufstellte. Der Brunnen entstand 1546. Die Figur ist ein Bannerträger mit der Stadtfahne.


Häuser des 17 Jh. an der Untergasse


Haus mit Zunftzeichen der Bäcker


Der Rotschettenturm an der nördlichen Ecke der Stadtbefestigung.


Laubengang an der Obergasse


Bar in historischem Ambiente


Farbenspiel hinter alter Fassade


Durchgang zwischen den Gassen.



In diesem Haus übernachtete Johann Wolfgang von Goethe auf seiner zweiten Reise durch die Schweiz. Heute wäre er vielleicht auch mit dem Fahrrad gekommen, wer weiß? Das Haus steht gegenüber dem Vennerbrunnen, dem Wahrzeichen von Biel, der im Moment von einer Baustelle drum herum verunziert wird.



Das Treppenhaus des Gerichts wurde von einem Künstler farbig gestaltet und zeigt die vier Jahreszeiten.

Bieler Museen

Biel hat fünf Museen. Centre Müller ist ein Maschinenmuseum, Omega beheimatet ein Uhrenmuseum. Das Museum Schwab hat zur Zeit wegen Renovierung geschlossen. 


Museum Schwab

Dort werden Funde der Urgeschichte und Archäologie ausgestellt. Das Kunstmuseum ist das CentrePasqueArt. Im Museum Neuhaus werden verschiedene Ausstellungen zu Kunst und Geschichte angeboten.


Das Museum Neuhaus

Das CentrePasqueArt stellt derzeit "Bilder " von Fabrice Gygi aus. 

Genau genommen handelt es sich um monochrome graue Gemälde in der Einheitsgröße von 150x300cm, die immer gegenüber aufgehängt sind. Titel der Ausstellung: "Happiness Overdose". 

In einer zweiten Ausstellung werden Objekte von Erik Steinbrecher vorgestellt. 




Skulpur auf dem Museumsdach. Es regnete stark.

In einer weiteren Ausstellung über Aktfotografie werden u.a. Fotos von Man Ray gezeigt.

Last, but not least. Im Nebengebäude sieht man die Installation "Grabmal der verstorbenen Sprachen".

 

Im Museum Neuhaus werden verschieden Ausstellungen in mehreren Abteilungen angeboten. Im Erdgeschoss gibt es Bilder, Texte und weitere Materialien zur nahe Biel gelegenen Taubenloch-Schlucht zu sehen. Derzeit beschäftig die Schlucht die Bieler Politiker, denn vor Kurzem kam dort ein Kind wegen Steinschlag zu Tode, und es wird darüber gestritten, ob man das hätte verhindern können.



Die dramatischen Felswände der Taubenloch-Schlucht

Eine andere Abteilung zeigt Stücke aus der Bieler Industriegeschichte. Dazu gehören viele Uhren. Biel beheimatet aber auch eine Drahtindustrie und Textilfabriken.


Schweizer Hängeuhren


Ein Uhrmachermeister bei der Arbeit.

Das Museum Neuhaus ist nach der einflussreichen Politikerfamilie Neuhaus benannt. In einer der Abteilungen sind im Original Räume und Mobiliar des Wohnhauses der Familie zu sehen. Unter den Möbeln befindet sich auch ein Schachtisch.

Eine weitere Abteilung beherbergt eine Aufsehen erregende Sammlung von Geräten rund ums Kino. Dazu gehören eine Vielzahl alter Kameras, Projektionsgeräte, die ersten Maschinen zur Herstellung bewegter Bilder, Filmplakate und vieles mehr.


Ein früher Zeichentrickfilm mit Vorführapperat


Frühe Kameras


Alte Prokktonsapperate


Filmplakat mit Jeanne Moreau

Kunst und Heimat verbindet sich mit den Namen Robert und Walser. Dem Werk des Schriftstellers Robert Walser (Der Gehülfe u.v.m.) ist ebenfalls eine Abteilung im Museum gewidmet. Robert Walser wurde zu Lebzeiten verkannt und nach seinem Tod erst berühmt. Sein Bruder Karl war Buchillustratur. Zu Lebzeiten gefeiert, geriet er zu Unrecht in Vergessenheit.

Eine ganze Dynastie von Malern war die Familie Robert. Bekannt sind vor allem Léo-Paul Robert und seine Söhne Phillipe und Paul-André.


Phillipe Robert: Schlosspark von Nidau

Text und Fotos: André Schulz


 


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