In Gedenken an Moshe Czerniak

von André Schulz
03.02.2020 – Moshe Czerniak gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den besten Spielern des neu gegründeten Staates Israel. Neunmal spielte er für Israel bei Schacholympiaden mit. Schon 1939 war er Teilnehmer der Mannschaft von Palästina und bleib nach der Schacholympiade einige Jahre in Argentinien. |Foto: Dutch National Archive

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Moshe Czerniak zum 110. Geburtstag

Bei der Schacholympiade 1939 in Buenos Aires nahm erstmals auch eine Mannschaft aus Palästina teil. Die Region Palästina war bis 1917 Teil des Osmanischen Reiches. 1917 besetzten im Zuge des Ersten Weltkrieges dann englische Truppen Palästina und den Irak und richteten Militärregierungen ein. In einem Abgrenzungsvertrag hatten England und Frankreich Gebiete des zusammengebrochenen Osmanischen Reiches unter sich aufgeteilt und ließen sich diese Vorgehensweise durch einen Vertrag mit der Türkei (1923) und durch Mandate des Völkerbundes (1922) legitimieren. Das britisch kontrollierte Gebiete umfasste das heutige Israel, das Westjordanland, Jordanien, den Gazastreifen und Teile der Golanhöhen. Knapp 800.000 Menschen lebten damals dort, in der Mehrheit Muslime (knapp 600.000) und knapp 90.000 Juden als zweitgrößte Volksgruppe.

In den 1920er Jahren setzte dann eine starke Einwanderungswelle von jüdischen Immigranten ein. Etwa 100.000 Menschen kamen ins Land, viele aus Osteuropa, vor allem Russland. Die Zuwanderung führte bald zu starken Spannungen, Aufständen und Massakern zwischen der arabischen und der jüdischen Bevölkerung. Die britische Militärregierung versuchte jüdische, aber auch arabische Einwanderung durch Quoten zu regulieren, allerdings recht erfolglos.

Wegen des hohen finanziellen und personellen Aufwandes gab England das Mandat 1947 an die neu gegründete UN zurück. Im Mai 1948 zog sich England aus Palästina zurück. Kurz danach erklärt der Staat Israel seine Unabhängigkeit.

Zu den Menschen, die zwischen den beiden Weltkriegen nach Palästina auswanderten, gehörte  auch Moshe Czerniak. Er wurde heute vor 110 Jahren in Warschau geboren, am 3. Februar 1910. In der Mega Datenbank findet man einen frühen Wettkampf des damals 19-jährigen Czerniak gegen den im gleichen Jahr geborenen Mojsze (später Miguel) Najdorf, der klar zugunsten von Najdorf ausging. Im gleichen Jahr nahm Czerniak an einer Simultanveranstaltung mit Weltmeister Alexander Aljechin teil, war aber auch hier unterlegen. 

1934 wanderte Czerniak nach Palästina ein. Er war bald danach Teilnehmer des Schachturniers bei der 2. Maccabiade, 1935 in Tel Aviv, und belegte hier den 7.-8. Platz. 1936 und 1938 wurde er Landesmeister von Palästina. 1939 spielte er bei der Ersten Meisterschaft des Schachclubs Lasker Tel Aviv mit. Im gleichen Jahr gewann er die Meisterschaft von Jerusalem. 

Für die Schacholympiade in Buenos Aires 1939 bildete Palästina eine eigene Mannschaft. 

Die Mannschaft von Palästina und Salome Reischer, die für Palästina bei der Frauen-WM mitspielte

Moshe Czerniak spielte am ersten Brett und machte dort 5 Punkte in 16 Partien. Bester Spieler des Teams war der aus Deutschland eingewanderte Heinz Foerder mit 11 aus 14. Forder hatte 1928 noch in der deutschen Mannschaft gespielt und wurde nach seiner Auswanderung einer der besten Spieler Israels. Er benannte sich nach dem Krieg später in Josef Porath um und schaffte es 1964 bis ins Interzonenturnier. Für seine Leistung bei der Schacholympiade 1939 erhielt Forder die Individual-Goldmedaille an Brett zwei. 

 

Die Mannschaft von Palästina qualifizierte sich in ihrer Vorgruppe für das Finale und erreichte dort einen Mittelplatz. Der Wettkampf gegen Deutschland wurde nicht gespielt, stattdessen eine kampfloses 2:2 vereinbart.

Während der Schacholympiade begann der Zweite Weltkrieg. Czerniak blieb während des Krieges, wie viele andere Teilnehmer der Schacholympiade auch, in Argentinien und spielte dort eine Reihe von Turnieren mit. Erst 1950 kehrte er in seine Heimat, nun der Staat Israel, zurück.

Nach dem Krieg nahm Moshe Czerniak für Israel an neun weiteren Schacholympiaden teil: 1952, 1954, 1956, 1958, 1960, 1962, 1966, 1968 und 1974. Er war außerdem regelmäßiger Teilnehmer an Turnieren in Israel und in Europa. 1951 gewann er das Schlechter Memorial in Wien, im gleichen Jahr auch ein Turnier in Reggio Emilia. 1961 war er Co-Sieger beim Turnier in Netanya, 1962 ebenso beim IBM-Turnier in Amsterdam. 1962 gewann er das Turnier in Netanya und 1968 wurde er dort geteilter Zweiter hinter Robert Fischer. 1955 hatte er die israelische Landesmeisterschaft gewonnen. Den Titel eines Internationalen Meisters verlieh die FIDE ihm 1952. 

 

 

 

Moshe Czerniak tat viel für das Schach in Israel. Er gab im ganzen Land Schachunterricht, veröffentlichte eine Reihe von Schachbüchern und hatte sogar im einzigen TV-Sender des Landes eine Schachsendung.

Einer von Czerniaks Schülern ist der bekannte israelische Studienexperte Yochanan Afek.

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.