Moskau vor Sieg bei Senioren Mannschaftseuropameisterschaft

24.02.2006 – Viele Veteranen haben sich zur Offenen Mannschafts-Europameisterschaft eingefunden, die in heute Dresden zu Ende geht. Unter den Teilnehmern finden sich neben Viktor Kortschnoj, Hans-Joachim Hecht oder Wolfgang Uhlmann oder Fernschachweltmeister Fritz Baumbach auch Schachlegenden, die man zuletzt weniger auf Turnieren gesehen hat. So hat Heikki Westerinen den Weg aus Finnland nach Dresden gefunden und aus England ist Bob Wade, mit 84 Jahren der älteste Spieler bei der EM, angereist. Eine Runde vor Schluss steht die Mannschaft von Dostoinstvo Moskau vor dem Turnierssieg. Engster Verfolger ist Deutschland (Gutmann, Uhlmann, Hecht, Klundt), das aber kaum mehr als Chancen auf Silber hat. Dagobert Kohlmeyer sprach mit Bob Wade, der seit seinem Kubabesuch 1963 u.a. zu den persönlichen Freunden von Che Guevara gehörte. Turnierseite...Impressionen, Interview...

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Moskau vor Turniersieg, Deutschland peilt Silber an

Spannung pur vor der Schlussrunde der Senioren-Mannschafts-EM am Freitag in Dresden. Favorit
Moskau führt weiterhin mit einem Punkt Vorsprung vor dem Team Deutschland, das am siebenten Spieltag den Rückstand gern verkürzt hätte. Dazu war ein hoher Sieg gegen die Catalonier nötig und ein Straucheln der Russen.


Das deutsche Team: Gutman, Uhlman, Hecht, Klundt (v.r)

Nach vier Stunden zur ersten Zeitkontrolle schien alles noch völlig offen. Das Match Moskau-Katernberg stand zwischenzeitlich 1:1, und zwei spannende Partien liefen noch. Die Deutschen kämpften noch alle gegen Catalonien. In der Zeitnotphase gewann Klaus Klundt, und Lev Gutman verlor durch eine taktische Kombination gegen GM Orestes Rodriguez. Die beiden Partien von Wolfgang Uhlmann und Hajo Hecht bargen zwar Vorteile, aber noch keine vollen Punkte. Schließlich setzte sich nach 5 Stunden sowohl bei Moskau als auch bei Deutschland die Klasse durch und beide Teams gewannen 3:1. Unsere Männer konnten damit keinen Boden gegenüber Moskau gutmachen. Nach hinten allerdings ist durch die Niederlage der Katernberger wiederum ein Punkt zu Bronze, so dass zwar Gold für Deutschland kaum noch zuholen sein wird, aber Silber aus eigener Kraft gewonnen werden sollte.

 


Lev Gutmann und Klaus Klundt


Gutmann und Wasjukov


Kortschnoi gegen Baumbach


Im Analyseraum


Heikki Westerinen

Am Rand des Geschehens hatte Dagobert Kohlmeyer Gelegenheit zum Gespräch mit einer wahren Schachlegende.

Bob Wade: Ein Evergreen des Schachs
Von Dagobert Kohlmeyer

Er ist so alt wie Wassili Smyslow und wird in wenigen Wochen 85 Jahre: Robert Graham Wade aus England. Die aus Neuseeland stammende Schachlegende begann mit acht Jahren und sah sich nie als großes Talent. Aber die Freude am Schach führte Bob Wade dazu, dass er dem Spiel ein Leben lang treu blieb. Jetzt setzte er schon zum vierten Mal für das englischen Team bei der Senioren-Mannschafts-EM in Dresden die Figuren. Von Schachmüdigkeit keine Spur bei ihm. Wade geht zwar inzwischen am Stock, aber sein Kopf arbeitet noch vorzüglich. In der siebten Runde am Donnerstag trennte er sich von Österreichs Schachlegende Dr. Andreas Dückstein remis. Immer zu einem Spaß aufgelegt, antwortete er in der Hotel-Lobby gern auf unsere Fragen.

Wie jung fühlen Sie sich im  Moment?

Gefühltes Lebensalter 48, obwohl ich schon 84 bin.

Aber nicht mehr lange...

Ja, im April werde ich 85. Wassili Smyslow ist zwei Wochen älter als ich. Wir spielten zum ersten Mal 1950 zusammen. Ich konnte ihm ein Remis abtrotzen. Später habe ich einige Male gegen ihn verloren.

Was zeichnete Smyslow als Weltmeister und Schachpersönlichkeit aus?

Er war ein sehr solider Spieler, vor dem die Gegner ganz viel Respekt hatten. Smyslow arbeitete hart am Brett. Während Botwinnik vor allem durch häusliche Vorbereitung glänzte, hat Smyslow seine großen Züge im Kampf Mann gegen Mann gefunden. Er spielte mit viel mehr Intuition als die meisten seiner Zeitgenossen.

Wer ist Ihr Lieblingsspieler?

Ich mag vor allem die Partien von David Bronstein, mit dem ich befreundet bin. Wir sehen uns öfter. Er hat ja auch wie Smyslow gegen Botwinnik um die Schachkrone gespielt und seinerzeit mit seinem 12:12 ganz ehrvoll bestanden.

Und wer ist für Sie der beste Spieler aller Zeiten?

Es ist sehr schwierig, das zu beurteilen. Einen Lieblingsweltmeister habe ich nicht. Ich kannte alle Champions in den vergangenen 60 Jahren. Das Spiel hat sich in jüngster Zeit sehr gewandelt. Der Computer veränderte das Schach gravierend. Kasparow ist der letzte große Spieler gewesen.

Haben Sie eine Lieblingsfigur?

Keine spezielle. Man muss mit allen Steinen gut arbeiten.

Sie haben vor kurzem sogar noch die offene Neuseeland-Meisterschaft mitgespielt, wollen wohl niemals aufhören?

Nein, es macht mir einfach zu viel Spaß. Ich kam down under auf insgesamt sechs Punkte. Dabei verlor ich nur ein Spiel, gewann drei Partien und spielte sechsmal remis. Unter anderen teilte ich mit Hajo Hecht und Murray Chandler den Punkt.

Ist es Ihr Wille, bis zum Lebensende Schach zu spielen?

Ich hoffe sehr, dass mir dies gelingt.

Können Sie sich vorstellen, am Brett zu sterben?

Nette Frage. Warum nicht.

Was tun Sie nach der Senioren-EM in Dresden?

Natürlich Schach spielen. Ich habe nächste Woche schon wieder einen neuen Wettkampf in England.

Wo leben Sie?

Im Londoner Stadtteil Greenwich. Und das fast seit sechzig Jahren.

Haben Sie vielleicht Einfluss auf die Zeit und das Wetter?

Leider nicht.


Dückstein gegen Wade

Mr. Wade, die erste Partie, die ich von Ihnen kennen lernte, datiert aus dem Jahre  1946. Es war ein Franzose gegen Keres, in dem Sie fürchterlich verloren haben.

Erinnern Sie mich bitte nicht daran. Ich hätte den Bauern nicht annehmen sollen. Aber ich habe in meinem Leben auch sehr schöne Partien gespielt. Weil Sie Französisch erwähnten, verrate ich ihnen etwas. Einmal habe ich beim Turnier in Skopje gegen den Dresdener Schachhero Wolfgang Uhlmann in seiner Spezialeröffnung schön gewonnen.

Wir werden gleich in der Database nachsehen und die Partie veröffentlichen. Danke für das Gespräch und alles Gute, Mr. Wade!


Weitere Bilder vom Turnier:


Analyse, Organisator Dirk Jordan (Mitte) schaut zu


Chernikov (Russland)


Gehmann (Holstein)


Peter Hohler (Schweiz)


Svein Johannessen (Norwegen)


Viktor Kortschnoj


Littlewood (Britannien)


Keith Richardson (Britannien)


Ross McDonald (Britannien)


Nils Ake Malmdin (Schweden)


Text: Dagobert Kohlmeyer,
Fotos: Dagobert Kohlmeyer, Falk Sempert, Franz Gärtner

 

 

 

 

 

 

 



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