Nachdenken im Kreuzgang

von Gerd Densing
24.06.2014 – Eine besonders schöne Turnieratmosphäre bietet das Echternach Open. Im Frühsommer sorgen die Räumlichkeiten in der früheren Abtei der Stadt für angenehme Temperaturen. An die 250 Spieler traten die Reise nach Luxemburg an. Im Kampf um den Turniersieg hatte Andrei Istratescu erneut knapp die Nase vorn vor Romain Edouard. Mehr...

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Erfolgreiche Titelverteidigung von GM Andrei Istratescu beim 21. Echternacher Schnellschachopen

Andrei Istratescu wurde nach erneut solider Vorstellung mit 8 Punkten aus 9 Partien zum zweiten Mal Sieger in Echternach.

An einem sehr  schönen Sommer-Juni-Wochenende fand am 21. und 22.6. die 21. Auflage des beliebten Echternacher Schachopens statt.

Der Vereinsvorsitzende des ausrichtenden Clubs, „de Sprenger Echternach“, FM Serge Brittner, konnte 260 Teilnehmer beim Luxemburger Traditionsturnier begrüßen. Mit 8 GM und 12 IM war das Turnier an der Spitze etwas schwächer besetzt als in den Vorjahren. Grund für eine insgesamt leicht geringere Teilnehmerzahl waren mehrere andere Turniere, welche am gleichen Wochenende stattfanden wie z.B. die Rheinland-Pfalz-Meisterschaften oder die Finalrunde der DSB-Amateurmeisterschaft / Ramada-Cup.

 

Begrüßung durch Serge Brittner

Turnierort war auch dieses Jahr die ehemalige Abtei der Stadt Echternach mit Spiegelsaal, kühlen Kreuzgängen und gut klimatisierten Nebenräumen. Die 40 ersten Bretter waren im Spiegelsaal untergebracht.

Basilika und angrenzende Abtei Echternach, Spiegelsaal in der Bildmitte

Der Spiegelsaal warte auf die Spieler

Start der 1. Runde

Der Turniermodus blieb unverändert, sodass an zwei Tagen 9 Runden Schnellschach gespielt wurde (Partien mit 45 Minuten pro Spieler).

Erneut fanden wie in den Vorjahren viele dem Turnier treue Spieler aus Deutschland und den „BENELUX-Ländern“  den Weg nach Echternach. Nachdem bei der letztjährigen 20. Auflage des Turniers viele Ehrungen für langjährige Turnierteilnehmer vorgenommen wurden, wurden dieses Jahr die Teilnehmer bei der Siegerehrung mit einer Flasche Sekt belohnt, welche die 15. Turnierteilnahme in Echternach aufweisen konnten.

Die schöne Stadt Echternach als einem der touristischen Höhepunkte des Großherzogtums Luxemburg bot gerade am Austragungswochenende bei herrlichem Sonnenschein südländischen Flair im Herzen der kleinen Luxemburgischen Schweiz.

Der Marktplatz von Echternach

Das Rathaus

Park an der Sauer

In der Basilika

Lichtspiele

Traditionell bot der breite Spielermix zwischen Profis und Amateuren auch den Zuschauern spannende Partien. Im Vorhof bzw. Außenbereich der Abtei war in familiärer und freundschaftlicher Atmosphäre bei bester Biergarten-Atmosphäre für das leibliche Wohl bei sehr guter Witterung bestens gesorgt.

Auch in 2014 stellte der mit dem Echternacher Schachclub befreundete Schachverein „Schwarz Weiss Oberhausen“ auch dieses Jahr erneut die meisten Turnierteilnehmer und gewann somit erneut den Sonderpreis für den zahlenmäßig am stärksten vertretenen Verein. Nachdem letztes Jahr der bisherige Wanderpokal endgültig in das Eigentum der Oberhausener ging, gab’s dieses Jahr einen „neuen „ Wanderpokal nebst Getränkenachschub.

Nachdem das Turnier im Jahre 1994 mit 64 Teilnehmern und 3 Titelträgern, im Wesentlichen Spieler aus Luxemburg als größere Stadtmeisterschaft im Spiegelsaal der Abtei in Echternach startete, hat das Open bis heute kontinuierlich an Beliebtheit gewonnen und weit über Luxemburg hinaus einen hohen Bekanntheitsgrad und erlangt.

Neben Würstchen und Getränken am Pavillon gab’s innen in der Abtei Salate, Siedewürstchen sowie Kaffee und Kuchen. Für die vielen Schachbegeisterten dazu große Stände mit Schachbüchern, Chessbase-DVD’s und Spielmaterial.

Spielsaal für die hinteren Tische

Kreuzgang ab Brett 41

Für die Fußball-Fans gab es die Gelegenheit, in den Partie-Pausen in einem separaten Raum an einem großen Fernseher aktuell laufende WM-Begegnungen zu schauen.

Zum Turnier/Turnierverlauf:

Erneut fanden einige Profis den Weg nach Luxemburg, wobei das Turnier an der Spitze mit 28 Titelträgern aber weniger Großmeistern als in den letzten Jahren leicht schwächer besetzt war, wie in den Vorjahren.

Zu den Favoriten zählten ganz klar Romain Edouard (Sieger 2009 + 2010) und Andrei Istratescu (Sieger 2013).

Romain Edouard

Andrei Istratescu

Daneben waren der frühere Luxemburger und jetzt für Italien spielende Alberto David und die „lebende Schachlegende“ Ulf Andersson (2. Turnierteilnahme in Echternach) mit am Start.

GM Alberto David gegen GM Felix Levin

Ulf Andersson gegen Lennert Lenaerts

Seniorenduell IM Klaus Klundt gegen GM Ulf Andersson

In den ersten Runden gab es im Spiegelsaal wenige Überraschungen.

Alienkin-Edourad, kommentiert von Romain Edouard

 

 

Die beiden Setzlistenersten erreichten eine volle Punktausbeute, sodass erst in Runde 6 am 2. Tag eine Vorentscheidung fallen konnte beim direkten Aufeinandertreffen der bis dahin unangefochten führenden Edouard Romain und Andrei Istratescu. Da diese Partie schnell remis endete, sollte die nächste Runde eine Vorentscheidung bringen.

Duell der beiden führenden in Runde 6

IM Dieter Morawietz gegen GM Andrei Istratescu

Philippe Linster gegen IM Georg Seul

Hervorzuheben ist an dieser Stelle, dass als Zweitwertung die Punktsummenwertung / Fortschrittswertung herangezogen wird.

IM Fred Berend gegen GM Andrei Istratescu

Während GM Istratescu in einem zwischendurch zweifelhaften Endspiel gegen IM Fred Berend seine Routine und Technik ausspielen konnte und den vollen Punkt einfuhr, hatte GM Romain Edouard mit Weiß gegen GM Alberto David lange Zeit mit Problemen und einer lange Zeit mehr oder weniger klaren Verluststellung zu kämpfen.

GM Romain Eduouard gegen GM Alberto David

Nach beiderseitigen Angriffen und gleichzeitig Verteidigungszügen sowie vielen taktischen Verwicklungen endete die Partie mit ungleichem Materialverhältnis (Läufer und Bauer gegen Turm bei jeweils noch Damen und weiteren Bauern auf dem Brett) mit einer Stellungswiederholung und Remis. Somit hatte der frühere rumänische Großmeister und Titelverteidiger für die restlichen beiden Runden die bessere Ausgangslage.

Französisches Duell an Tisch 1

Landsleute unter sich

In der 8. Runde setzte sich Andrei Istratescu gegen Großmeisterkollege und den für Echternach spielenden Alexander Berelowitsch durch, während Romain Edouard gegen den für Echternach spielenden und Teilnehmer des Word-Cup 2015, IM Michael Wiedenkeller gewann.

FM Claude Wagener gegen GM Alexander Berelowitsch

GM Alexander Berelowitsch gegen IM Georg Seul

GM Gennadi Ginsburg gegen WGM Elvira Berend

GM Felix Levin gegen IM Richard Polaczek

GM Gennadi Ginsburg gegen IM Fred Berend

IM Fred Berend gegen GM Andrei Istratescu

IM Klaus Klundt gegen IM Jean-Noel Riff

IM Richard Polaczek gegen Robin Jacoby

IM Yuri Boidman gegen IM Michael Wiedenkeller

Anders als in den Vorjahren und bei vielen anderen Turnieren gab es in der Schlussrunde kein Duell von Titelträgern. GM Andrei Istratescu traf auf einen der Überraschungsspieler des Turniers, den titellosen Stephen Dishman (Elo 2325) aus England. Beide Spieler riskierten nicht viel, sodass nach schnellem Abtausch der Damen und Leichtfiguren in symmetrischer Bauernstellung Remis vereinbart wurde, was dem Vorjahressieger auch den erneuten Turniersieg sicherte.

Edouard Romain spielte gegen seinen Landsmann, IM Nicolas Brunner eine schöne Partie mit Figurenopfer und Mattangriff mit Dame und zwei Springern und erreichte ebenso 8 Punkte. Nach Feinwertung wurde er 2. im Gesamtklassement.

GM Romain Edouard gegen IM Nicolas Brunner

Siegerfoto mit den drei Bestplatzierten rechts

Den Seniorenpreis gewann IM Yuri Boidman (Platz 17) vor IM Klaus Klundt (19.) und GM Ulf Andersson auf Rang 21 (alle 6,5 Punkte).

Bestplatzierte Senioren

Ein sehr starkes Turnier spielte der 16 jährige Jugendspieler Lennert Lenaerts aus Belgien.

Michael Yankelevich gegen Lennert Lenaerts

Lennert Lenaerts in der Schlussrunde

Er erreichte mit 7 Punkte Platz 10 und gewann den Jugendpreis sowie Ratingpreis in der Kategorie Elo <2300. Im Turnierverlauf schlug er u.a. WGM Elvira Berend und GM Felix Levin sowie remisierte gegen GM Ulf Andersson und in der Schlussrunde gegen IM Jean-Joel Riff aus Frankreich.

Bestplatzierte Damen

Den Damenpreis gewann WGM Elvira Berend mit 6,5 Punkten auf Platz 23 vor WGM Gisela Fischdick auf Platz 29 mit ebenfalls 6,5 Punkte.

Daneben wurden einige Ratingpreise vergeben sowie die besten Luemburger Spieler ausgezeichnet, neben den bereits genannten Ehrungen der „Stammspieler“ beim Echternacher Open mit 15 Teilnahmen.

Hier die vorderen Tabellenplätze:

Rangliste nach der 9.Runde / Abschlusstabelle

Rang

TNr

Teilnehmer

Titel

TWZ

S

R

V

Punk

PktSu

GegWrt

1.

2.

Istratescu, Andrei

GM

2668

7

2

0

8

42½

2308

2.

1.

Edouard,Romain

GM

2702

7

2

0

8

41½

2344

3.

3.

David,Alberto

GM

2570

6

3

0

39

2296

4.

22.

Dishman, Stephen

 

2325

6

3

0

37½

2177

5.

9.

Riff,Jean-Noel

IM

2463

6

2

1

7

38½

2267

6.

4.

Berelowitsch,Alexand

GM

2549

6

2

1

7

38

2266

7.

8.

Wiedenkeller,Michael

IM

2479

6

2

1

7

37½

2218

8.

12.

Polaczek,Richard

IM

2411

6

2

1

7

37½

2179

9.

20.

Bykov,Alexey

FM

2359

6

2

1

7

35½

2147

10.

40.

Lenaerts,Lennert

 

2170

6

2

1

7

35

2189

11.

7.

Levin, Felix

GM

2491

6

1

2

37½

2250

12.

6.

Ginsburg,Gennadi

GM

2506

5

3

1

37

2201

13.

17.

Berend,Fred

IM

2380

6

1

2

36½

2183

14.

16.

Alienkin, Aleksander

IM

2393

6

1

2

36

2208

15.

15.

Morawietz,Dieter

IM

2395

6

1

2

36

2187

16.

13.

Seul,Georg

IM

2405

5

3

1

36

2179

17.

14.

Boidman, Yuri

IM

2396

6

1

2

35½

2135

18.

10.

Brunner,Nicolas

IM

2436

6

1

2

35

2173

19.

24.

Klundt, Klaus

IM

2312

5

3

1

35

2171

20.

27.

Wagener,Claude

FM

2259

6

1

2

34

2156

21.

5.

Andersson,Ulf

GM

2526

4

5

0

34

2139

22.

29.

Jacobi, Robin

 

2226

6

1

2

34

2112

23.

21.

Berend,Elvira

WGM

2330

6

1

2

34

2100

24.

23.

Coenen,Norbert

IM

2313

5

3

1

34

2090

25.

36.

Barzen, Pascal

 

2183

5

3

1

34

2009

26.

18.

Taddei,Benoit

FM

2367

6

1

2

33½

2093

27.

25.

Wolter,Kai

FM

2285

5

3

1

33½

2072

28.

31.

Commercon,Simon

 

2219

5

3

1

32½

2012

29.

30.

Fischdick,Gisela

WGM

2225

5

3

1

32

1988

30.

19.

Gulbas, Cemil

IM

2365

5

2

2

6

35

2224

31.

45.

Heimsoth,Sven-Holger

 

2162

5

2

2

6

34½

2168

32.

11.

Belkhodja,Slim

GM

2412

6

0

3

6

33

2085

33.

48.

Gijsen, Stief

 

2156

4

4

1

6

32½

1933

34.

53.

Herbold, Manfred

CM

2140

6

0

3

6

32

2076

35.

51.

Ciornei,Dragos,Dr

 

2142

6

0

3

6

32

2015

36.

50.

Weber,Jean-Marie

 

2142

6

0

3

6

32

2014

37.

43.

Trauth,Michael,Dr

 

2166

6

0

3

6

30

2000

38.

28.

Prizker, Boris

 

2259

5

2

2

6

30

1940

39.

49.

Müller, Markus

CM

2148

5

2

2

6

29

1929

40.

58.

Resnjanskij, Denis

 

2112

6

0

3

6

29

1858

 …  insgesamt 260 Teilnehmer.

Tabelle als pdf...

Fortschrittstabelle (pdf)...

Das Schiedsrichter-Team unter Leitung des erfahrenen und routinierten Schiedsrichters Leon Muijs  leistete sehr gute Arbeit und sorgte erneut für einen reibungslosen und störungsfreien Turnierablauf.

Fazit: Auch die 21. Ausgabe des Echternacher Schnellschachopens war wieder ein rundum  gelungenes Schachevent  mit vielen interessanten, spannenden und umkämpften Partien und netten Gesprächen unter den Spielern. Weitere Informationen, Tabellen und Fotos sowie ein Archiv über die bisherigen Echternacher Open sind auf der Vereinshomepage des Ausrichters zu finden:

 Turnierseite...

Weiter im Turnierkalender des Berichterstatters geht es bereits am kommenden Wochenende beim Wirtzfeld-Open (Samstags: Mannschafts-Wettbewerb, Sonntags: Open / Einzelturnier) sowie am Sonntag dem 13. Juli beim kleinen, aber feinen Schnellschachopen im Luxemburgischen Diekirch.

 



Gerd Densing ist ein begeisterter Vereins- und Turnierspieler. Seine Eindrücke hat er in vielen Berichten auf der ChessBase-Nachrichtenseite festgehalten.
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