Nachrichten vom chinesischen
Frauenschach
Von Wang Wei
Die chinesische Frauen-Nationalmannschaft
traf sich als Vorbereitung für die kommende WM Mitte Oktober zu einem
geschlossenem Trainingsseminar in Qin Dao, Provinz Shan Dong.

Die Nummer Eins der chinesischen
Männer-Rangliste, Ye Jiangchuan, fungierte als Haupttrainer. Eigentlich
sollten die ganze Elite anwesend sein, der Ehrgeiz der Mannschaft ist
bekannt. Aber etwas Unerwartetes geschah. Was war es? Xie Jun, die
Weltmeisterin selbst, war nicht dabei. Denn sie wird nicht bei der
kommenden Weltmeisterschaft mitspielen. Aber nicht nur Xie Jun wird die WM
(die erste im neuen Jahrtausend!) absagen, weitere starke chinesische
Spielerinnen werden fehlen, nämlich: Qin Kanying, die Finalistin der
letzten WM, Wang Pin und ebenso Wang Lei. Alles Spielerinnen, die auf der
Rangliste vordere Plätze einnehmen und für jede Gegnerin eine hohe Hürde
sein würden. Was um Himmels Willen ist der Grund dafür?
Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Äpfel
können in Wasser nicht wachsen und alles hat seinen Grund". Zum Beispiel
Xie Jun: Sie ist jetzt 31 Jahre alt und erklärte, dass sie nicht am
WM-Turnier teilnehmen kann, weil sie die Doktorarbeit ihres
Psychologie-Studiums an der Universität Bejing zum Abschluss bringen muss.
Man muss ihre Wahl akzeptieren. Was soll's, Kortschnoj ist über 70 und
kämpft immer noch wie ein Löwe. Xie Jun hat schon mehr als einmal für
herausragende Leistungen gesorgt. Ihr Beitrag ist denkwürdig.
Bei den anderen drei Spielerinnen ist die
Lage ähnlich. Eigentlich ist es ganz einfach: Entweder sind sie gerade mit
ihren Hochzeitsangelegenheiten beschäftigt oder gerade verheiratet und
sortieren ihr neuen Lebensumstände. Alle drei sind älter als 27 Jahr. Und
vor die Wahl zwischen Karriere und Familie gestellt, haben sie sich für
die Familie entschieden. Quin Kanying ist seit einiger Zeit mit Peng
Xiaomin (dem bekannten chinesischen Spieler) verheiratet und nun erwartet
das Paar ein Baby. Welch ein Glück!

Peng Xiaomin und Quin Kanying
Wang Pin hat gerade verheiratet. Wang Lei
bereitet gerade ihre Hochzeit vor. Die anderen beiden "Wang"-Hälften sind
übrigens jeweils keine Schachspieler.

Wang Lei und Wang Pin
Jetzt bleibt nur noch Zhu Chen von der
einstigen Armada übrig. Aber auch sie ist eigentlich eine Braut. Ihr
Bräutigam ist ein Großmeister aus Qatar, der in seiner Heimat als Held
betrachtet wird. Er kam nach China um dort mit Zhu Chen zusammen zu leben.
Aber er schaut ihr nicht nur verliebt hinterher, sondern wird ihr auch
beim Verständnis unseres zauberhaften Spiels behilflich sein. Seien Sie
also nicht überrascht, wenn Zhu Chen demnächst bemerkenswerte
Turnierresultate erzielt.

Zhu Chen
Ye Jiangchuan ist trotzdem zuversichtlich, was seine Frauenmannschaft
angeht. Das ist eine gute Chance für die Jüngeren, sagte er, und dieses
Jahr haben wir einige viel versprechende neue Talente, wie z.B. Xu Yuhua,
Asienmeisterin Li Ruofan, Jugendweltmeisterin Xu Yuanyuan und viele mehr.
Alle haben beachtliche Spielstärke und baruchen nur noch Erfahrung und
Kampfesgeist um in Zukunft die schwere Bürde zu tragen. Öffnen wir unsere
Augen und schauen, wie weit sie kommen.

Ye Jiangchuan