Nachrichten aus der chinesischen Gegenwart

25.10.2001 – Kurz vor der kommenden Frauen-Weltmeisterschaft, die parallel zur Männer-WM im November/Dezember in Moskau statt findet, scheint sich beim chinesischen Frauenteam ein Generationswechsel anzubahnen. Xie Jun und Qin Kanying haben die WM abgesagt, ebenso Wang Lei und Wang Pin. Welche Gründe verbergen sich hinter diesen Nachrichten? Brief aus der chinesischen Gegenwart...

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Nachrichten vom chinesischen Frauenschach
Von Wang Wei

Die chinesische Frauen-Nationalmannschaft traf sich als Vorbereitung für die kommende WM Mitte Oktober zu einem geschlossenem Trainingsseminar in Qin Dao, Provinz Shan Dong.

Die Nummer Eins der chinesischen Männer-Rangliste, Ye Jiangchuan, fungierte als Haupttrainer. Eigentlich sollten die ganze Elite anwesend sein, der Ehrgeiz der Mannschaft ist bekannt. Aber etwas Unerwartetes geschah. Was war es? Xie Jun, die Weltmeisterin selbst, war nicht dabei. Denn sie wird nicht bei der kommenden Weltmeisterschaft mitspielen. Aber nicht nur Xie Jun wird die WM (die erste im neuen Jahrtausend!) absagen, weitere starke chinesische Spielerinnen werden fehlen, nämlich: Qin Kanying, die Finalistin der letzten WM, Wang Pin und ebenso Wang Lei. Alles Spielerinnen, die auf der Rangliste vordere Plätze einnehmen und für jede Gegnerin eine hohe Hürde sein würden. Was um Himmels Willen ist der Grund dafür?

Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Äpfel können in Wasser nicht wachsen und alles hat seinen Grund". Zum Beispiel Xie Jun: Sie ist jetzt 31 Jahre alt und erklärte, dass sie nicht am WM-Turnier teilnehmen kann, weil sie die Doktorarbeit ihres Psychologie-Studiums an der Universität Bejing zum Abschluss bringen muss. Man muss ihre Wahl akzeptieren. Was soll's, Kortschnoj ist über 70 und kämpft immer noch wie ein Löwe. Xie Jun hat schon mehr als einmal für herausragende Leistungen gesorgt. Ihr Beitrag ist denkwürdig.

Bei den anderen drei Spielerinnen ist die Lage ähnlich. Eigentlich ist es ganz einfach: Entweder sind sie gerade mit ihren Hochzeitsangelegenheiten beschäftigt oder gerade verheiratet und sortieren ihr neuen Lebensumstände. Alle drei sind älter als 27 Jahr. Und vor die Wahl zwischen Karriere und Familie gestellt, haben sie sich für die Familie entschieden. Quin Kanying ist seit einiger Zeit mit Peng Xiaomin (dem bekannten chinesischen Spieler) verheiratet und nun erwartet das Paar ein Baby. Welch ein Glück!


Peng Xiaomin und Quin Kanying

Wang Pin hat gerade verheiratet. Wang Lei bereitet gerade ihre Hochzeit vor. Die anderen beiden "Wang"-Hälften sind übrigens jeweils keine Schachspieler.

 
Wang Lei und Wang Pin

Jetzt bleibt nur noch Zhu Chen von der einstigen Armada übrig. Aber auch sie ist eigentlich eine Braut. Ihr Bräutigam ist ein Großmeister aus Qatar, der in seiner Heimat als Held betrachtet wird. Er kam nach China um dort mit Zhu Chen zusammen zu leben. Aber er schaut ihr nicht nur verliebt hinterher, sondern wird ihr auch beim Verständnis unseres zauberhaften Spiels behilflich sein. Seien Sie also nicht überrascht, wenn Zhu Chen demnächst  bemerkenswerte Turnierresultate erzielt.


Zhu Chen


Ye Jiangchuan ist trotzdem zuversichtlich, was seine Frauenmannschaft angeht. Das ist eine gute Chance für die Jüngeren, sagte er, und dieses Jahr haben wir einige viel versprechende neue Talente, wie z.B. Xu Yuhua, Asienmeisterin Li Ruofan, Jugendweltmeisterin Xu Yuanyuan und viele mehr. Alle haben beachtliche Spielstärke und baruchen nur noch Erfahrung und Kampfesgeist um in Zukunft die schwere Bürde zu tragen. Öffnen wir unsere Augen und schauen, wie weit sie kommen.



Ye Jiangchuan

 



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