Matthias Wüllenweber über die wichtigsten Neuheiten bei ChessBase 17

von Matthias Wüllenweber
22.11.2022 – ChessBase 17 kommt mit einem neuen Datenbank-Format, mit dem das Programm in vielen Bereichen flüssiger und schneller arbeitet. Es gibt aber auch viele sichtbare Neuerungen, zum Beispiel die verbesserten und intuitive Suchmaske. Die Überarbeitung des Enginefensters mit neuen radikalen Ansätzen bedeutet einen Quantensprung für die mitlaufende Partieanalyse. Chefentwickler Matthias Wüllenweber stellt die wichtigsten Neuerungen vor.

ChessBase 17 - Megapaket ChessBase 17 - Megapaket

ChessBase ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

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ChessBase 17: Matthias Wüllenweber stellt die wichtigsten Neuerungen vor

ChessBase 17 nimmt Dinge in den Blick, die aus unserer Sicht in den Anwendungsbereichen  des Programms oben stehen. Zunächst ist viel Arbeit in Bereiche geflossen, die man nur
unterschwellig wahrnimmt, die jedoch das Nutzungserlebnis durchaus beeinflussen: Das
neue ultra-hochauflösende 2D-Brett. Der richtig knackige Aufbau von Notation und Listen durch Unterstützung von „Direct 2D“. Läuft auf allen aktuellen Windows-Versionen. Ein allgemeiner Schliff am Look. Heute beliebt: Der „Dark Mode“.

Handwerkliches

Dann gibt es viele handwerkliche Verbesserungen, die das Programm allgemein  weiterbringen: Ein neues, schnelleres Datenformat mit wenigen Dateien und ohne Suchbeschleuniger. Es überwindet inzwischen lästig gewordene Grenzen des CBH-Formats. Eine neue Feineinstellung der Datenbankpfade, die Konflikte mit dem Dokumentverzeichnis und OneDrive löst. So kann man geschmeidig seine Datenbanken außerhalb
der Standard-Windowsverzeichnisse verwalten. Ein neuer übersichtlicher Optionen-Dialog.

Schachliches

Direkten schachlichen Nutzen hat die clevere Eingabe von Positionen: Man stellt wenige Steine
auf und sieht gleich, in welchen Partien der Referenzdatenbank dieses Stellungsfragment aufritt.

Durch einen Klick auf eine Partie kann man sich die restliche Eingabe sparen. Auch die neue Suchmaske ist interaktiver: Gibt man ein Suchkriterium ein, wird gleich angezeigt, auf wie viele Partien der Datenbank dieses passt. So weiß man schon vor dem Klick auf
„OK“, welche Ausbeute zu erwarten ist.

Das neue Enginefenster 

Viel hat sich auch in einem Bereich getan, der bei der täglichen Arbeit wichtig ist: Das Enginefenster. Wahrscheinlich verbringen die meisten ChessBase-Anwender 90% ihrer Zeit mit der interaktiven Analyse von Stellungen. Die Ausgabe von Engines ist seit 30 Jahren unverändert: Varianten, Bewertungen, staubtrocken, fertig.

In ChessBase 17 haben wir das grundsätzlich hinterfragt: Die neue visuelle Bewertung von Figuren und Messung der Komplexität – geschenkt, kennt man von Fritz 18.

Neues Enginefenster, Analyse in natürlicher Sprache und vieles mehr

Bahnbrechend neu ist jedoch die Interpretation einer Enginevariante in natürlicher Sprache. Es ist für einen Nicht-Titelträger anspruchsvoll, sich „blind“ vorzustellen, was in einer Enginevariante eigentlich passiert. Man sieht den besten Zug, die Bewertung und das war es. ChessBase 17 beschreibt in Worten, was die Variante an schachlichen Momenten birgt. 

Ein konkretes Beispiel: In einer superscharfen Stellung weist eine komplexe Variante die komische Bewertung „0.00“ auf. ChessBase 17 schreibt dann „Dauerschach“ oder „Stellungswiederholung“ und die Sache ist klar.

Materialveränderungen werden anschaulich beschrieben: „Weiß gewinnt die Dame
für Turm und Springer“. Andere Beispiele: „Die Stellung wird vereinfacht in ein Endspiel TL gegen 

TS“. Spannend sind Aussagen wie: „Weiß erhält einen gefährlichen Freibauern auf e6“. Oder: „Weiß opfert einen Läufer“, „Schwarz hat Angriff“, „Weiß bekommt die Majorität am Königsflügel“, „Beide Könige stehen unsicher“. „Schwarz spielt einen Hebel“, „Manöver Sd2-f1-e3-d5“.

Solche Hinweise verdeutlichen, welche Motive in einer Stellung stecken. Will man verstehen, was das Programm mit diesen Hinweisen meint, fährt man einfach mit der Maus auf den damit ausgewiesenen Zug, und die Stellung erscheint auf dem Hauptbrett.

Ein Klick auf einen Zug kopiert die Variante bis zu diesem Zug in die Notation, was die Kommentierung vereinfacht. 

Je bunter, desto schärfer – oder „Tod den Ausrufezeichen!“

Es macht einen Unterschied, ob eine Stellung scharf forcierte Varianten enthält, oder mehrere nahezu gleichwertige Züge gehen. Heutige Engines liefern diese Information nicht. ChessBase 17 zweigt daher einen kleinen Teil der Hardwareressourcen für einen Klon der Hauptengine ab und nennt das die „Buddy-Engine“.

Die Rechenkraft der Hauptengine wird dadurch nur leicht reduziert. Buddy geht nun über
die Varianten und analysiert die Stellung nach jedem Zug. Die Varianten werden gespeichert, so dass man sie leicht per Maus-Over auf dem Zug ansehen kann.

Entscheidend ist die Kommentierung von forcierten Zügen mit bunten Rechtecken. Das seit 170 Jahren in der Kommentierung von Partien verwendete Rufzeichen kann Buddys Suchergebnissen nicht gerecht werden. Daher verwenden wir es nur noch
für Opfer.

Die Farbe der Rechtecke zeigt die Bewertung an. Die Form zeigt, ab welcher Tiefe die Forcierung in der Berechnung erkannt wird. Triviale Taktik hat vertikal geteilte Rechtecke. Mittelschwere Forcierung teilt das Rechteck von links oben nach rechts unten
in zwei Dreiecke. Tiefe Forcierung teilt diagonal von rechts nach links. Ist der obere (oder linke) Teil grün, gewinnt der Zug. Ist der untere Teil z.B. gelb, bleibt die Stellung nach dem schlechteren Alternativzug grob in der Remisbreite. Bei Rot verliert der Alternativzug.

Dieses System scheint auf den ersten Blick komplex, hat aber den Vorteil, dass in einem platzsparenden Symbol viel Information signalisiert wird. Das Ausrufezeichen hat ausgedient. Eine Sache ist jedenfalls ganz einfach: je bunter, desto forcierter!

Jahrelang haben wir empfohlen, mit zwei Enginevarianten zu analysieren, damit man
zumindest einen forcierten Hauptzug gleich erkennt. Das kostet jedoch viel zusätzliche Rechenzeit. Mit ChessBase 17 beginnt eine Renaissance der Einvariantenanalyse. In gleicher Zeit geht die Rechnung damit viel tiefer. Buddy zeigt, ob der erste Zug erzwungen ist und liefert auch die zweite Variante.
 


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Matthias Wüllenweber, Gesellschafter und Geschäftsführer von ChessBase
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