Neu: Houdini 3

07.11.2012 – Seit der ersten Veröffentlichung vor zwei Jahren hat Robert Hodarts Schachengine Houdini alle Computerranglisten gestürmt und ist derzeit das Maß der Dinge im Computerschach, aber nicht nur dort. Auch die Profis vertrauen in ihrer Partievorbereitung und ihren Eröffnungsanalysen zum großen Teil dieser jungen Engine. Die neue Version Houdini 3 ist nochmals 50 Elopunkte stärker und kann ab sofort im ChessBase-Shop mit allen bewährten ChessBase-Komponenten bestellt werden. Wie aber war es möglich, in so kurzer Zeit eine so starke Engine zu entwickeln? Robert Houdart steht im Interview Rede und Antwort und erklärt, welche Rolle seine Liebe zur Astronomie dabei spielte.Houdini im Shop kaufen...Zum Interview...

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Interview mit Robert Houdart, dem Autor von Houdini

Robert, du bist eigentlich kein Vollzeit-Programmierer. Was genau machst du?

Meine akademischen Wurzeln liegen vor allem im Bereich der Strukturmechanik und der Wärmeübertragung. Meinen Universitätsabschluss habe ich 1991 gemacht und danach habe ich für Tractebel Energy Engineering in der Entwicklung gearbeitet und war am Bau belgischer und schwedischer Atomanlagen beteiligt. Acht Jahre lang hatte ich die Aufgabe, Atomrohrleitungssysteme zu entwickeln, die erdbebensicher waren und Flugzeugabstürze überstehen konnten. Im Rahmen dieser Aufgabe haben wir eine Reihe neuer Computerverfahren entwickelt, denen wir Phantasienamen wie "Twin Mode Rotation" und "Adaptive Modal Summation" gegeben haben.



Danach bin ich zu einem ganz anderen Bereich gewechselt, nämlich zu Business Software, die man unter dem Namen "Customer Relationship Management" kennt. Seit 1999 habe ich zwei CRM-Anwendungen entwickelt, "eLink" und "efficy", mit denen heute gut 25.000 Leute arbeiten, die meisten davon in Europa. Obwohl ich nie eine Ausbildung zum Programmierer gemacht habe, so habe ich doch immer programmiert seit ich 13 oder 14 war. Das liegt mir im Blut und allen meinen beruflichen Tätigkeiten habe ich immer einen Hauch "Programmieren" verliehen.

Wie kamst du dann plötzlich dazu, Houdini zu entwickeln, ein von Beginn an sehr starkes Schachprogramm?

Seit Mitte der 1980er habe ich eigentlich die ganze Zeit als Hobby Software geschrieben, die etwas mit Schach zu tun hatte – Schachengines oder ein Programm, um Schachdiagramme für die Vereinszeitschrift des Schachklubs Leuven auf einem Matrix-Drucker drucken zu können. Ich habe eine Reihe privater Engines entwickelt, die meisten davon allerdings nicht allzu stark und nicht völlig ausgereift.



Bei der Arbeit am Teleskop-Projekt – weiter unten mehr

Mit der Arbeit an Houdini habe ich 2009 begonnen. Ich habe damals auf den Spiegel für ein großes Teleskop-Projekt gewartet, an dem ich beteiligt war. Der Spiegel ließ lange auf sich warten und in gewisser Weise suchte ich nach einem Ventil für die kreative Energie, die sich in mir aufstaute. Ich hatte die Idee, die beste Schachengine zu entwickeln, die ich programmieren konnte – sehr hilfreich war dabei die Kultur des offenen Austauschs, die sich mit dem Internet entwickelt hat. Vor zwanzig Jahren musste man bei der Entwicklung jeder einzelnen Komponente einer Schachengine das Rad neu erfinden (das habe ich lange genug gemacht), aber heute sind Techniken, Ideen und Beispiele für jedermann verfügbar im Internet vorhanden. Man könnte sagen, die Computerschachszene ist erwachsen geworden – als Autor einer Engine muss man nicht länger alleine in seiner Ecke hocken und das Rad neu erfinden. Die Computerschach-Wikipedia, ein paar starke Open Source Engines und Diskussionen in Internetforen über Techniken und Ideen der Schachprogrammierung machen Design und Entwicklung einer starken Engine viel leichter als vor etwa zwanzig Jahren.
Was ist das Geheimnis von Houdini, was macht das Programm so stark?

Zwei Schlüsselkonzepte: gute Bewertung und eine noch bessere Auswahlmethodik. Es liegt auf der Hand, dass die gute Beurteilung einer Stellung ein entscheidender Faktor einer guten Schachengine ist. Houdini ist wahrscheinlich die beste Engine, wenn es um die Bewertung der Beweglichkeit der Figuren und Raumkontrolle auf dem Brett geht. In allen Phasen der Partie verfügt das Programm über eine sehr ausgewogene Bewertungsfunktion. Ich habe immer versucht, Houdinis Bewertung mit der Wahrscheinlichkeit zu verknüpfen, die Partie zu gewinnen. Wenn Houdini 3 zum Beispiel eine Bewertung von +1.00 im Mittelspiel anzeigt, dann hat es eine 80-prozentige Chance, die Partie gegen einen gleichstarken Gegner bei Blitzbedenkzeit zu gewinnen. Ich halte das für einen sehr nützlichen Aspekt der Engine.

Auswahlmethodik ist ein weiteres entscheidendes Merkmal von Houdini. Genau wie ein Mensch schaut sich eine Engine nicht alle Züge mit der gleichen Rechentiefe an. Potentiell gute Züge werden ausführlich untersucht, wohingegen man auf scheinbar schwächere nur einen kurzen oberflächlichen Blick wirft. Manche Züge werden 40 oder 50 Plies tief untersucht, andere nur fünf. Houdini kann sehr gut feststellen, welche Züge in der Stellung über ein gewisses Potenzial verfügen. Das ähnelt dem Instinkt und der Erfahrung eines starken menschlichen Spielers – man schaut sich in einer Stellung nur ein paar Züge näher an, während man die anderen 30 möglichen Züge fast sofort und ohne Nachzudenken verwirft.



Diese Fähigkeit – oder dieser “Instinkt”, wenn man so will – wurde in jeder Version bedeutend verfeinert und optimiert. Im Vergleich zu Houdini 1.03 hat Houdini 1.5a der Suche eine größere Breite verliehen und eine größere Zahl potenziell interessanter Züge erfasst. Houdini 2.0 hat der Breite von Houdini 1.5a dann eine bessere Taktikstufe hinzugefügt, um das Potenzial der "interessanten" Züge besser zu nutzen. Das erklärt auch, warum Houdini so gut im Blitz ist: sein "Instinkt" führt dazu, dass er bessere Züge auswählt, auch wenn die Zeit knapp ist.

Wie viel verdankst du anderen Programmen und Programmierern? Hast du mit irgendjemandem zusammengearbeitet, hast du Hilfe und Unterstützung bekommen?

Wie bereits gesagt, ist die Internet-Community eine große Inspirationsquelle und um die Informationen zu bekommen, die heutzutage in Sekunden zur Verfügung stehen, hätte man vor 20 Jahren Ewigkeiten gebraucht. Neben der Computer Chess Wiki, die eine wunderbare Quelle für jeden ambitionierten Entwickler einer Schachengine ist, muss die Stockfish Open Source erwähnt werden, durch die mir die Idee zum Multi-Threading von Houdini gekommen ist, sowie die IPPOLIT Open Source Engine, die eine ganze Reihe von Such- und Bewertungstechniken zur Verfügung gestellt hat. Die Entwicklungsarbeit habe ich allein geleistet, aber ich werde von Leuten auf der ganzen Welt unterstützt, die Verbesserungsideen schicken, sehr oft Stellungen, in denen Houdini keine gute Leistung bringt. Manche Fans haben sogar Hardware zur Verfügung gestellt, um die Engine zu testen. Es ist verblüffend, wie hilfreich die Community in den letzten zwei Jahren gewesen ist.



Bei der Entwicklung hilft es, dass ich früher ein ganz ordentlicher Schachspieler war (um die 2250 in den 1990ern). Das hilft bei der Feststellung von Schwächen und bei der Erstellung von verbesserten Bewertungsparametern, um sie zu korrigieren.

Welche spezifischen Stärken hat Houdini – abgesehen davon, dass das Programm alle Konkurrenten in direkten Wettkämpfen schlägt? Amateure und Profis sind vor allem daran interessiert, wie das Programm ihnen helfen kann.

Houdini setzt die Tradition von Rybka fort, indem das Programm in beinahe jeder Stellung, die in Partien vorkommt, genaue und nützliche Bewertungen liefert. Das Programm ist für Eröffnungsvorbereitung und Partienanalyse hervorragend geeignet. Es zeigt einem genau (und ohne Gnade), was in den eigenen Partien gut und was schlecht lief – von Eröffnung bis Endspiel.

Houdini ist sehr gut in der Verteidigung schwerer Stellungen (selbst gegen andere Spitzen-Engines) und seine taktischen Fähigkeiten sind wirklich übermenschlich. Ich habe immer versucht, Houdini einen ziemlich aggressiven Stil zu verleihen – immer wieder hat es die niedrigste Remisquote aller Engines in der Ratingliste. Gegen Gegner mit 3000+ hat Houdini eine niedrigere Remisrate, als sie in einem durchschnittlichen GM-Turnier bei Menschen üblich ist.

Kannst du ein paar Beispiele geben, wie Houdini auf interessante und nützliche Ideen kommt, die andere Engines nicht finden können?

Die eindrucksvollste Leistung Houdinis habe ich beim TCEC-Wettkampf gegen Rybka vor etwa 18 Monaten erlebt. Der fand kurz nach der Veröffentlichung von Houdini 1.5a statt und Martin Thoresen hatte diesen Freundschaftswettkampf – eine Art nicht-offiziellen Weltmeisterschaftskampf – organisiert. Gespielt wurde nach klassischer Bedenkzeit auf sehr starker Computerhardware. Die Partien konnte man live im Internet verfolgen und eine Partie, die ich verfolgt habe, hat mich sehr beeindruckt – in einem damenlosen Mittelspiel hat Houdini einen Bauern geopfert, dann einen zweiten und einen dritten, um die Partie am Ende überzeugend zu gewinnen. Während der Partie war ich überhaupt nicht sicher, ob all das, was wir sahen, brillant war – und nicht irgendwelche merkwürdigen Programmierfehler, von der ich die Engine nicht befreit hatte… Ich glaube nicht, dass irgendeine andere Engine diese Partie so gespielt haben könnte, wie Houdini es tat. Die Mischung aus Aggression in Verbindung mit überragender taktischer und positioneller Bewertung macht diese Partie wahrscheinlich zur besten Engine-Partie, die je gespielt wurde – vor allem, weil der Gegner fünffacher Computerschachweltmeister war. Es gibt ein sehr interessantes Video von dieser Partie, die sehr gut zeigt, wie beeindruckend und verblüffend diese Leistung ist.


Hier die Partie, die man auf unserem JavaScript-Brett nachspielen kann:



Willst du weiter an dem Programm arbeiten, um es noch besser und noch nützlicher für Schachspieler zu machen? Oder kehrst du irgendwann zum Ingenieurwesen oder zur Astronomie zurück?

Ich liebe das Schach und das Programmieren und die Entwicklung und Verbesserung eines Schachprogramms, das von Tausenden Schachfans in aller Welt genutzt wird, ist für mich eine der besten Möglichkeiten, meine Vorlieben zu verwirklichen. Ich hoffe, ich kann nach der sehr anstrengenden Entwicklung von Houdini 3 ein bisschen Zeit mit meiner Familie verbringen und Sterne und Planeten mit dem großen Teleskop beobachten. Aber Anfang 2013 werde ich mit der Arbeit an Houdini 4 beginnen.
Wie stark ist die aktuelle Version, die ChessBase nächste Woche veröffentlichen wird?

Im Vergleich zur ersten öffentlichen Version, die im Mai 2010 veröffentlicht wurde, konnte ich das Programm um etwa 150 Elo-Punkte verbessern. Das sind mehr als 50 Punkte pro Jahr, ein Zuwachs, über den sich jeder menschliche GM freuen würde. Das ist eine sehr befriedigende Entwicklung, denn jeder zusätzliche Elo-Punkt ist Ausdruck von viel Kreativität und harte Arbeit. 2009 habe ich ganz gewiss nicht damit gerechnet, dass Houdini die Schachszene in den folgenden Jahren dominieren wird, aber jetzt, wo das so ist, verfolge ich meinen Traum gerne weiter.

Copyright Houdart/ChessBase
Fotos: Jan Lagrain, Schaakfabriek

 



Eine unschlagbare Kombination: die stärkste Engine der Welt auf der besten Oberfläche der Welt

Erleben Sie den Zauber dieses Programms! Vor zwei Jahren eroberte die Houdini-Engine die Spitze der Ranglisten im Sturm und seitdem ist das Programm die unangefochtene Nummer Eins unter den Schach-Engines der Welt. Das Geheimnis ihres Erfolgs: bei Houdini wird Schach zur Zauberei! Die Engine des belgischen Programmierers Robert Houdart findet Tricks, wo andere Programme nichts entdecken.

Die neue Version, Houdini 3, geht noch einen Schritt weiter und gibt der Schachwelt noch mehr Spielstärke: zahlreiche Verbesserung im Suchalgorithmus machen das Programm mindestens 50 Elo-Punkte stärker. Das zeigt sich auf unterschiedliche Weise in unterschiedlichen Phasen der Partie. In der Eröffnung beweist Houdini 3 ein noch feineres Verständnis von Raum und Aktivität; im Mittelspiel erkennt das Programm schneller als bisher, wenn Figuren dominiert werden können; und im Endspiel werden die richtigen Bewertungen und Züge dank einer schnelleren und tieferen Suche viel schneller gefunden. Ob Sie es glauben oder nicht, im Laufe der Neuentwicklung und Verfeinerung des Programms hat Houdini zehn Millionen Testpartien gespielt!

Houdini 3 wird mit der neuesten Deep Fritz 13 Schachoberfläche ausgeliefert und damit stehen Ihnen sämtliche Trainings- und Analysefunktionen des weltweit führenden Schachprogramms zur Verfügung. Zusätzlich im Paket enthalten sind eine einjährige klassische Mitgliedschaft auf dem Fritz-Server, Online-Zugang zur weltgrößten Analysedatenbank “Let’s Check”* und die Nutzung der ChessBase Engine Cloud.

Houdini 3 umfasst:

Die Houdini 3 Engine
Die DeepFritz 13 Oberfläche im Windows Office 2010 Standard
Das DeepFritz 13 Database Management System
12 Monate Classic-Mitgliedschaft auf dem Fritz-Server
Zugang zur ChessBase Engine Cloud
Zugang zur ChessBase "Let’s Check"- FunKtion (bis 31.12.2015)
Datenbank mit über 1,5 Millionen Partien

wahlweise in zwei Varianten:

Houdini 3 Standard Multiprozessor-Version
Unterstützt bis zu sechs Cores und vier GB Hash
+ 12 Monate Classic Mitgliedschaft auf dem Fritz-Server
ISBN 978-3-86681-336-6 – EAN 4027975007229.
Preis: 79.90€

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Houdini 3 Pro Multiprozessor-Version
Unterstützt bis zu 32 Cores und 256 GB Hash
+ 12 Monate Classic Mitgliedschaft auf dem Fritz-Server
ISBN 978-3-86681-337-3 – EAN 402797500723-6.
Preis: 99.90€

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Systemvoraussetzungen:

Minimum: Pentium III 1 GHz, 1 GB RAM, Windows Vista, XP (Service Pack 3), DirectX9 Grafikkarte mit 256 MB RAM, DVD-ROM Laufwerk, Windows Media Player 9 und Internetzugang, um das Programm zu aktivieren, schach.de, Let’s Check, Engine Cloud und Updates.

Empfohlen: PC Intel Core i7, 2.8 GHz, 4 GB RAM, Windows 7 (64 bit) oder Windows 8 (64 bit), DirectX10 Grafikkarte (oder kompatibel) mit 512 MB RAM oder mehr, 100% DirectX10 kompatible Soundkarte, Windows Media Player 11, DVD ROM Laufwerk und Internetzugang, um das Programm zu aktivieren, schach.de, Let’s Check, Engine Cloud und Updates.

 

 

 

 



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