Neues aus Saint Louis

von André Schulz
06.09.2022 – Das Schach stand in der 4. Runde des Sinquefield Cups im Hintergrund. Magnus Carlsen hatte vor der Runde mit einem etwas rätselhaften Tweet seinen Rückzug aus dem Turnier erklärt. So etwas hatte es vorher noch nie gegeben. Ist Carlsen plötzlich ein schlechter Verlierer oder gibt es für seinen Rückzug eine andere Erklärung? Vermutungen und Reaktionen... | Fotos: Lennart Ootes

ChessBase 16 - Megapaket Edition 2022 ChessBase 16 - Megapaket Edition 2022

Dein Schlüssel zu frischen Ideen, präzisen Analysen und zielgenauem Training! ChessBase ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Jetzt mit den neuen Datenbanken Mega 2022 und der Fernschachdatenbank Corr2022! Außerdem neu im Megapaket: 1 Gutschein für ein Profi-Powerbook Ihrer Wahl + 250 ChessBase-Dukaten!

Mehr...

Die 4. Runde des Sinquefield Cups in Saint Louis wurde vom Rückzug von Magnus Carlsen aus dem Turnier überschattet. So etwas hat es in einem Spitzenturnier noch nie gegeben, schon gar nicht bei Magnus Carlsen, der als fairer Sportsmann bekannt ist. Es hat im Laufe der Karriere einige Turniere gegeben, in denen der Weltmeister indisponiert war. Und Carlsen ist bestimmt niemand, der Niederlagen unbeeindruckt hinnimmt. Aber wegen einer Niederlage würde er niemals ein Turnier abbrechen. Was könnten aber hier die Gründe sein? 

In seinem Tweet kurz vor Rundenbeginn hat Carlsen betont, dass er immer gerne in Saint Louis gespielt hat und dass er gerne wieder zurückkommen möchte. Ein Zerwürfnis mit dem Turnierveranstalter hat es also nicht gegeben. Und falls Carlsen krank geworden wäre, hätte er das frei heraus schreiben können. Hat er aber nicht. Stattdessen hat er sich so geäußert:
 

 

Und was soll das angehängte Video mit dem José Mourinho Statement: "Ich kann nichts sagen, sonst bekomme ich mächtig Ärger"?

Folgende Vorgänge konnten nach der Bekanntwerden von Magnus Carlsens Rückzug beobachtet werden:

- Es gab eine besonders strenge Kontrolle auf elektronische Geräte an den teilnehmenden Spielern

- Bei der Übertragung der Partien wurde nun eine Verzögerung von 15 Minuten eingeführt.

In der Summe kann das eigentlich nur eins bedeuten: Magnus Carlsen ist davon überzeugt, dass nicht alle Partien mit lauteren Mitteln gespielt wurden. Er hat dies offenbar hinter den Kulissen der Turnierorganisation mitgeteilt. Diese hat auch die genannten Maßnahmen eingeleitet. Aber das reichte dem Weltmeister nicht.

Da Carlsens Rückzug nach seiner Niederlage gegen Hans Niemann geschah, kann man vermuten, dass diese Partie damit in engem Zusammenhang steht. Mit anderen Worten: Alles deutet daraufhin, dass Carlsen vermutet, das Niemann in der Partie gegen ihn mit unlauteren Mitteln gespielt hat. Das kann er aber nicht klar sagen, denn das kann Carlsen nicht beweisen, da Niemann ja nicht auf frischer Tat ertappt wurde. Außerdem würde er als schlechter Verlierer dargestellt werden und das passiert auch jetzt in den einschlägigen Foren und auf Twitter im großen Chor der Ahnungslosen. 

Mit ziemlicher Sicherheit war Carlsen schon vorher davon überzeugt oder hatte zumindest den starken Verdacht, dass Hans Niemann mit unlauteren Mitteln spielt. Hikaru Nakamura wies in seinem Live Stream daraufhin, dass Niemann auf chess.com schon zweimal wegen Computer Cheatings zeitweise gesperrt war. 

In seiner Partie gegen Niemann wählte Carlsen - mit einer bestimmten Absicht !? - eine sehr selten gespielte Fianchetto-Variante gegen die Nimzoindische Verteidigung, die er sich zuvor genau vermutlich sehr genau angeschaut hatte. Diese Variante hatte Carlsen bisher noch nie gespielt, weder am Brett noch im Internet. Darauf konnte Niemann nicht vorbereitet gewesen sein. Trotzdem kannte dieser sich bestens aus.

 

Ramirez und Niemann im Post Mortem

Im Interview nach der Partie erklärte Niemann, dass er sich durch einen wundersamen Zufall genau diese Variante am Vormittag vor der Partie intensiv angeschaut hätte. Carlsen geriet nach der Eröffnung in ein etwas schlechteres Endspiel, hatte noch Remischancen, verlor aber nach zwei Fehlern in Zeitnot. 

Master Class Band 8 - Magnus Carlsen 2.Auflage

Sehen Sie, welche Eröffnungen Carlsen wählt, um seinen Gegner im Mittelspiel strategisch zu überspielen oder ein vorteilhaftes Endspiel zu erhalten.

Mehr...

Niemand kann aber öffentlich behaupten, dass Hans Niemann mit unlauteren Mitteln spielt, denn natürlich gibt es dafür keine Beweise - höchstens Indizien. Natürlich können solche auch immer anders gedeutet werden.

Die Spieler halten sich natürlich bedeckt.

Was er denn von Niemanns Leistung in der Partie gegen Magnus Carlsen halte, wollte Anatastasya Karlovich von Ian Nepomniachtchi nach der 4. Runde und Carlsens Rückzug wissen: "Mehr als beeindruckend", antwortete Nepomniachtchi und lachte vielsagend.
 

Man darf gespannt sein, wie es hier weitergeht. Das meint auch Fabiano Caruana:

 

 

Schach wurde im Saint Louis Chess Club auch gespielt. Hans Niemann erreichte gegen Alireza Firouzja eine sehr vorteilhafte Stellung, schenkte sie aber mit ein paar kraftlosen Zügen zum Remis weg. Levon Aronian gegen Leinier Dominguez und Ian Nepomniachtchi gegen Wesley So spielten ebenfalls remis.

Fabiano Caruana freute sich über einen schönen Sieg gegen Maxime Vachier-Lagraves Najdorf-Variante.

Und Shakriyar Mamedyarov kam zu einem kampflosen Sieg gegen Magnus Carlsen, über den er sich nicht gefreut haben wird. 

Carlsen wird nun aus der Wertung genommen und alle Ergebnisse gegen ihn werden annulliert, auch Niemanns Sieg. 

Ergebnisse

Stand

Partien

 

Turnierseite...

Reddit: Chronologie der Ereignisse...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
Diskussion und Feedback Senden Sie Ihr Feedback an die Redakteure


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren

Matthias Ruf Matthias Ruf 10.09.2022 02:08
Im Interview von Hans Moke Niemann gestand er ein, einmal als 12-Jähriger und einmal als 16-Jähriger bei Online-Schach Computerhilfe benutzt zu haben. Dabei wurde er erwischt, sonst hat er nie geschummelt, allen Ernstes?

Als Ratschlag für das Leben sollte man Menschen, die schon mehrfach betrogen und gelogen haben, eher meiden und keinesfalls Vertrauen schenken. In unserer Gesellschaft spielt das aber immer weniger eine Rolle. Da ChessBase aus Hamburg kommt, sei ein anderes Beispiel zum Cheating im Sport angeführt. Es dreht sich um den HSV-Fußballer Bakery Jatta. Auf meiner Webseite MatthiasRuf.Blog war ich übereinstimmend mit der Sport Bild schon 2019 sicher, dass dieser identisch mit Bakary Daffeh ist. Das hat er in einer Opferrolle aber immer verleugnet und ebenfalls als Hexenjagd bezeichnet. Nun ist unter Flüchtlingen bestens bekannt, dass man als minderjähriges, gambische Waisenkind nach der Einreise in Deutschland eine Duldung bekommt.

Das Gericht folgte im Juli 2022 der Argumentation von Anwalt Thomas Bliwier, dass sich der 14-jährige Jatta als 16-jähriger Daffeh ausgegeben habe, um in Nigeria und später im Senegal am bezahlten Fußball teilnehmen zu können. Das Age Cheating ist in Afrika ein großes Problem, funktioniert aber immer umgekehrt. Ältere Spieler geben sich mit gefälschten Pässen jünger aus und nehmen an Jugendmeisterschaften teil, für die sie aufgrund ihrer vorangeschrittenen körperlichen Entwicklung nicht zugelassen wären. Nichtsdestotrotz soll Jatta als Daffeh mit 15 Jahren den Siegtreffer zum 1:0 der U-20 Nationalmannschaft Gambias gegen Liberia erzielt haben.

Diesem Schwachsinn sollte kein intelligenter Schachspieler Glauben schenken.

Folgender Sachverhalt ist unbestritten. Magnus Carlsen war 53 Spiele ungeschlagen und verliert mit Weiß gegen einen jungen Gegner mit höchstem Ratingzuwachs. Die häufigste Ausrede bei Dopingverdacht ist: Das war alles hartes Training!
crizzy crizzy 08.09.2022 12:09
Bei aller Hochachtung vor Magnus Carlsen glaube ich, daß Magnus sich mit dem Rückzug vom Turnier und seinem Tweet, der indirekt Betrug suggeriert, keinen Gefallen getan hat.
Seine Niederlage gegen Hans Moke Niemann beendete seine lange Serie ohne Niederlage und war sicherlich schmerzlich. Sein Zug 4.g3 führte durch Zugumstellung zu einer Position, die sein Gegner kurz vor der Partie auf dem Brett gehabt haben könnte. Aber, schwere Fehler Carlsen´s führten zu seiner Niederlage, wobei auch Niemann mehrfach nicht fehlerfrei spielte. Wäre eine engine im Spiel gewesen, wären diese Fehler wohl nicht passiert.
Bei welchem Zug soll Niemann eine engine-Hilfe benötigt haben? Ich sehe in dieser Partie keine unmenschlichen Engine-Züge.
Perfide ist, daß ein Betrugsvorwurf nicht so einfach aus der Welt zu schaffen ist.
Durch den indirekten Betrugsvorwurf sind beide Spieler irgendwie beschädigt. Auch das Schach.
Gut ist jetzt die sofortige zeitversetzte Übertragung. Das ist doch ein guter Schutz gegen cheating.
Ich glaube dem 19jährigen jungen Niemann, daß er zwölf Stunden täglich trainiert und 260 Partien im letzten Jahr gespielt hat. Beides Zeichen eines großen Talents, Entschlossenheit und Zielstrebigkeit.
oegenix oegenix 08.09.2022 10:58
@Chris69 Den Auftritt von Niemann kann man wohlwollend als Überschwang der Gefühle eines 19-jährigen nach einem Sieg (ob mit oder ohne Betrug) über den Weltmeister bezeichnen. Zum seltsamen Inhalt hat Jan Gustafsson (link unter bei @arelius) alles gesagt.
Was mir aufgefallen ist, ist die gegenüber früheren Fotos neue Haarpracht von Niemann, bei der das linke Ohr fast vollständig bedeckt ist.
Eldon Tyrell Eldon Tyrell 08.09.2022 02:00
Wer sich fragt warum chess com, nach dem Rückzug von Magnus Carlsen, das Konto von Hans Niemann eingefroren hat findet in diser Meldung vieleicht einen mögliche Antwort.

Die Play Magnus Group (PMG), zu der auch chess24 und Chessable gehören, hat ein Übernahmeangebot von Chess.com erhalten, das zu einem Zusammenschluss der beiden Unternehmen führen könnte.

"Interesse macht manche Menschen blind, andere scharfsichtig."

https://www.chess.at/archiv-service/blog/sonstiges/5625-play-magnus-group-erhaelt-uebernahmeangebot-von-chess-com.html
schachkwak schachkwak 07.09.2022 11:01
@Lt Marseille Wenn es nicht um Spiele von ganz oben geht - bei uns im Verein spielt auch jemand, dessen medizinisches Gerät regelmäßig piepst. Das hat er dann seinem Gegner zwar schon erläutert, aber nach dem ersten Pieps muss er es dann häufig nochmal jemandem von der gegnerischen Mannschaft erläutern.

Auch ansonsten: Was ist mit Herzschrittmachern, Hörgeräten und dem Laptop, mit dem nach dem Punktspiel die Partien erfasst werden? Und wenn das alles nicht zutrifft, wäre ich trotzdem nicht bereit, mich solch starker elektrischer Strahlung auszusetzen.

Also elektrische Gräte grillen geht gar nicht. Bei Störsendern muss man GSM, GPRS, UMTS (wenn noch nicht abgeschaltet), LTE, 5G, WIFI B, G, N blocken. Dazu noch weitere Amateurfunk-Frequenzen und dabei muss man auch noch die Gesetze einhalten. Es geht also wirklich nicht.

https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2016/160624_Stoersender.html
Chris69 Chris69 07.09.2022 09:24
Gestern hat sich Niemann nach der Partei ausführlich zum Geschehen geäußert. Ich mag nicht darüber spektulieren. Hoffe es ist in Ordnung den Link hier reinzusetzten. Sehr gefallen hat mir am Schluss die Reaktion von Hr. Svidler.

https://www.youtube.com/watch?v=CJZuT-_kij0
oegenix oegenix 07.09.2022 09:19
Es ist gut, dass Carlsen das Thema Computerbetrug mal wieder ins Blickfeld gerückt hat. Wenn man sich die Berichte in "Schach" Heft 9 über Chennai durchliest, fällt es schwer zu glauben, dass dort alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Auch dort wurde wie ursprünglich beim Sinquefield Cup live ohne Zeitverzögerung übertragen. Damit wird Betrug enorm erleichtert, wenn man die technischen Möglichkeiten einer Übertragung von Zugvorschlägen an die Spieler nutzt. In Chennai wurden vor Spielbeginn zwar die Ohren der Spieler nach Miniempfangsgeräten kontrolliert, aber es gibt auch andere Möglickeiten.
Vielleicht bringt der Vorstoß Carlsens die Veranstalter dazu, künftig nur mit Zeitverzögerung zu übertragen und weitere technischen Möglichkeiten zur Eindämmung des Comuterbetrugs zu nutzen. Eigentlich wäre das Aufgabe der FIDE, für die das Thema nach meiner Einschätzung keine Priorität hat.
boheme boheme 07.09.2022 05:50
Wenn Beweise oder erdrückende Indizien vorliegen, soll man sie vorbringen. Die hier vorliegenden Indizien sind allerdings lächerlich. Erschreckend wie leicht so viele in die beginnende Hexenjagd einstimmen. Solange keine Beweise oder wirklich erdrückende Indizien vorliegen, ist Niemann unschuldig. Schuldig bis jetzt eher Carlsen, der hier Spekulationen anheizt und die Karriere eines jungen Spielers gefährdet. Erst zieht Carlsen sich vom WM-Kampf zurück, dann jetzt diese unrühmliche Geschichte.
Lt Marseille Lt Marseille 07.09.2022 12:25
Ich habe für all dies einen guten Lösungsvorschlag (wurde übrigens an meiner FH schon einmal getestet, als auch der Verdacht bestand, dass Studis bei Klausuren mit Handys, per Funk o.ä. betrügen) parat: Bei allen Turnieren bringe man einen großen Störsender zum Einsatz.
Wenn hinterher ein paar Handys kaputt sind, wird sich wohl keiner beschweren. Klappte an meiner Fh sehr gut.
Stefan Eichardt Stefan Eichardt 06.09.2022 11:00
Ich glaube, dass Carlsen aufgrund des Interviews von Niemann überzeugt war, Opfer eines Betrugs geworden zu sein. Niemann führt diese Partie
GCT Kolkata Rapid & Blitz (2019) (blitz), Kolkata IND, rd 9, Nov-25
an. Dort spielte Carlsen 4. Sf3 gefolgt von g3 und mit Zugumstellung kann man in die Partiestellung kommen. Doch 4. ...c5 auf Sf3 gilt heute als minderwertig. Der Hauptzug ist 4. ... 0-0. Also hätte Niemann bei korrekter Vorbereitung in seinen Analysen niemals diese Stellung aufs Brett bekommen.
Sprich, was Niemann im Interview sagt, stimmt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht, sondern er tischt da Mist auf. Niemann wird sich nicht, wie er behauptet, auf 4.g3 vorbereitet haben.
Es ist aber gut möglich, dass er die Partiestellung über diese Zugfolge auf dem Brett hatte: 1. d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.g3 Lb4 5. Sc3 0-0 6.Lg2 d:c4 7. a3 L:c3 8.b:c3 c5 9.0-0 c:d4 und man landet über Zugumstellung in der Partiestellung.
Diese Erklärung stammt von Lawrence Trent.
Arelius Arelius 06.09.2022 10:58
Hier noch mal eine Erklärung von J. Gustafsson u.A. auch zur Varianten Vorbereitung:
https://www.youtube.com/watch?v=Nd5tBAlrtiM
Eldon Tyrell Eldon Tyrell 06.09.2022 09:12
Betreff: "Diese Variante hatte Carlsen bisher noch nie gespielt, weder am Brett noch im Internet. Darauf konnte Niemann nicht vorbereitet gewesen sein. Trotzdem kannte dieser sich bestens aus."

Magnus Carlsen vs Wesley So
GCT Kolkata Rapid & Blitz (2019) (blitz), Kolkata IND, rd 9, Nov-25
Nimzo-Indian Defense: Romanishin Variation. English Hybrid (E20) · 1/2-1/2


https://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1981206
DoktorM DoktorM 06.09.2022 08:31
Betrug beim Schach gibt es auf allen Ebenen. Eine Computeranalyse bringt da wenig. Selbst zweitklassige Computerzüge sind für Menschen noch gut genug. Viele verstehen nicht, dass ein "guter" Schachbetrüger nicht immer betrügt, weder bei jeder Partie, noch bei jedem Zug, sondern nur dann, wenn es nicht offensichtlich ist. Die technischen Mittel für Betrug sind vorhanden. Die Kreativität für Betrugsmethoden dürfte bei einigen stark ausgeprägt sein. Als Spieler kann ich Carlsen verstehen, wenn sein Verdacht für ihn selbst ausreichend begründet ist. Nichts ist schlimmer, als gegen einen unfairen Spieler zu verlieren.
Arelius Arelius 06.09.2022 06:32
Es scheint eher sehr unwahrscheinlich, dass Niemann etwas Unerlaubtes getan haben sollte. Wie soll denn das bei so einem Turnier auch gehen? Diese gespielte Variante kann er sich im Vorfeld sehr wohl angeschaut haben. Wahrscheinlicher ist, dass M. Carlsen welcher auch als sehr voreingenommen gilt, sein Image geschädigt sieht und er diese Niederlage gegen diesen jungen Dachs einfach nicht verkraftet. Er weiß auch genau, dass seine Spielstärke nicht mehr jene vergangener Jahre ist und die jungen Topleute immer besser werden. Dieses Verhalten auch in Verbindung mit der Absage zur WM ist eines noch Weltmeisters einfach unsportlich.
Matthias Ruf Matthias Ruf 06.09.2022 06:30
Was mich in dem Interview von Hans Niemann nach seinem Sieg gegen Magnus Carlsen gestört hat war, wie überheblich er sofort nach der Weltmeisterkrone getrachtet hat. Es reichte ihm als Ziel nicht aus, lediglich Top 10 Spieler zu werden. Woher kommt dieser Hochmut und diese Siegesgewissheit? Die Manipulation beim Schach hat etwas von Zauberei. Die Menschen sehen beim Tricksen zu, aber sie verstehen nicht die verborgene Übermittlung der besten oder zweitbesten Züge. Hans Moke ist ein großer Magier in seinen Auftritten, der trotzdem bei der Partieanalyse seine Schwächen offenbart.
Die bisherige Geschichte der Chess Cheater untersuchend fällt auf, dass diese überhaupt kein schlechtes Gewissen haben. Sie fühlen sich unschuldig und machen einfach weiter mit dem Betrug, wenn sie können. Als Beispiel dient der blinde Norweger Tholo Bjørnsen, der log, dass sich die Balken bogen. Für die starken Spieler ist es eine riesige Belastung, wenn sie genau wissen, dass ihr Gegner den Computer zu Hilfe nimmt, aber die Beweisführung schwer fällt. Darum besteigt man schon einmal einen Toilettensitz und kiebitzt über die Trennungswand. Patrycja Waszczuk wurde mehrfach des Einsatzes eines Zweithandys überführt. Trotzdem ist die Betrügerin laut ihrem Vater ein zu bemitleidendes Unschuldslamm: "There was a hunt on my daughter. Terrible hate has been poured out on her. We're suffering terribly. People see us as cheaters, and that's not the case. There is no evidence of this. This case is a conspiracy by two direct rivals of Patrycja."
FLOSK FLOSK 06.09.2022 04:53
Sie schreiben, Carlsen werde "im großen Chor der Ahnungslosen" als schlechter Verlierer dargestellt.

Als wirklich verheerend sehe ich es an, wenn der mächtigste Schachspieler des Planeten für jeden erkennbar Herrn Niemann Betrug unterstellt ("wenn ich es sage, bekomme ich Ärger"). Nichts anderes als cheating soll gemeint sein und wird so verstanden. Ich finde es schlimm, dass dieser böse Verdacht nun auf dem jungen Spieler lastet und ihn viel Ansehen kostet / kosten soll ("semper aliquid haeret"). Wer wird ihn künftig einladen, wenn der Weltmeister wegen ihm aus einen Superturnier aussteigt?

Warum teilt er nicht während der Partie dem Schiedsrichter mit, dass er den Einsatz verbotener Mittel vermutet?

Florian Schulz-Knappe, Neustadt
Ivan Petrov Ivan Petrov 06.09.2022 03:42
Ich hab das Gefuehl der kleine 19 Jaehrige tut was unerlaubtes. Kann sein, dass er Cheater ist, aber nur Gott kann das beweisen. WIr koennen es nicht. Engine zu nutzen waehrend ein hochklassiges Schachspiel ist streng untersagt und strafbar, aber wir haben eben nichts gesehen. Trotzdem ich hab das Gefuehl, dass irgendwo er unehrlich am Schachbrett ist. Gottes Segen

ZU SCHADE wenn ein so schoenes Spiel wirklich auf diese Weise verunehrt wird, nur so kann ich Carlsi und MAgnus verstehen/ fuer sein Ruecktritt, God bless
Stefan Eichardt Stefan Eichardt 06.09.2022 02:37
Wie auch immer. Was ich von Carlsen mitbekommen habe, ist er immer als fairer Sportsmann aufgetreten.
Seine Aversion gegen Niemann wird jetzt vermutlich so stark sein, dass er vermutlich nie wieder ein Einladungsturnier mit Niemann zusammen spielen wird.
Man wird sehen, ob Niemann seine Leistung zu bestätigen weiß.
rollinghills rollinghills 06.09.2022 12:41
Eine Engine Analyse der Partie Carlsen - Niemann kann den Verdacht jedenfalls nicht erhärten. Niemann hat einige zweitklassige Züge gespielt, und Carlsen einfach einmal richtig tief daneben gegriffen. Die Wertung 87% - 92% bei Chess.com weißt nicht auf außergewöhnlich gutes Spiel einer Seite hin. Eher im Gegenteil. Ich hab das nur zum Spaß mal mit WM Partien gemacht. Da waren die Werte i.d.R. für beiden Seiten > 95%
Bretwalda Bretwalda 06.09.2022 12:03
Die Geschichte ist schon super. Erinnert mich an Mihaela Sandu oder Anna Rudolf. Niemann hat (man muss nur auf die FIDE-Seite schauen) in letzter Zeit immer wieder Partien verloren, also so kometenhaft ist der Aufstieg nicht. Die Beschuldigungen via Twitch oder Twitter sind der Sache auch nicht zuträglich. Was sich Nakamura da denkt ist mir mehr als zweifelhaft und erinnert stark an Verschwörungstheorie. Den Tweet von Christof Sielecki muss man sich halt anschauen. Er wird für genau eine Stunde gesperrt. Das kann viele Gründe haben, z.B. eine Beleidigung. So what? Im Übrigen wurde der Tweet schon wieder gelöscht. Was man damit schafft...eine Karriere beschädigen. Sowas verbreitet dann Chessbase auch noch. Gratulation.
1