Nigel Short gewinnt das Sigeman&Co-Turnier

10.06.2009 – Was, schon zu Ende? Tatsächlich! Das diesjährige Sigeman&Co-Turnier, letzte Woche in Malmö ausgetragen, dauerte nur fünf Runden. Dann hatten die diesmal nur sechs Teilnehmer alle einmal gegeneinander gespielt und fuhren wieder nach Hause. Nigel Short gewann mit 4 Siegen und einem Remis überlegen. Den zweiten Platz belegte überraschend Nils Grandelius. Er gewann zwei Partien und zahlte nur gegen Nigel Short (Bild) Lehrgeld. Außerdem hatte das gerade 16 Jahre alt gewordene schwedische Talent, international die Nummer Fünf des Jahrgangs 1993, ein besonderes Handicap zu tragen: Zu Beginn des Turniers musste er morgens auch noch die Schule besuchen. Axel Smith berichtet aus Malmö und sprach mit dem Überraschungszweiten.Turnierseite... Bericht, Bilder, Partien...

ChessBase 14 Download ChessBase 14 Download

ChessBase 14 ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...

 

Nigel Short gewinnt Sigeman mit 4½/5
Von Axel Smith
Fotos: Axel Smith und Calle Erlandsson


Sieger Nigel Short zu Anfang des Turniers

Vor Beginn des Turniers versprach Nigel Short, sein Startgeld zurück zu zahlen, falls er ein Kurzremis akzeptieren sollte. Seine kämpferische Einstellung machte sich bezahlt: mit 4½ / 5 gewann er nach seinem Sieg bei der offenen thailändischen Meisterschaft das zweite Turnier in Folge.


Tomi Nybäcks (rechts) gute Stimmung nach seiner Partie gegen Ivan Sokolov (links) ist leicht zu verstehen:
“Nun, im Prinzip stand ich bereits nach zehn Zügen schlechter und musste mich verteidigen.“
Das machte er mit Erfolg und kam zu einem Remis.

Was denkst du über dein Spiel in diesem Turnier?

Tomi Nybäck: “Ich weiß nicht. Ich holte weniger Punkte, als ich mir vorgenommen hatte. Gegen Nigel habe ich dumm verloren – okay, das passiert manchmal – aber in den beiden Partien gegen die Schweden hatte ich eine Qualität mehr und konnte nicht gewinnen. Das Turnier war spannend und interessant. Bei fünf Runden hat man genug Energie, um keine kurzen Remis zu machen. Mein nächstes Turnier ist das Miguel Najdorf Gedenkturnier in Novos.”

Ivan Sokolov: “Ich habe zu viele gute Stellungen verpatzt, deshalb hatte ich am Ende nur 50%. Gegen Grandelius bin ich dem Remis mehrfach ausgewichen und gegen Nigel hatte ich eine aussichtsreiche Stellung, in der ich dann leider einen schlechten Zug – Kh1 – gespielt habe, der einfach einen Bauern einstellt.”

Emanuel Berg: “Ich war nicht ausreichend vorbereitet, wie unschwer zu erkennen ist. Meine Vorbereitung war viel zu kurz. Die zwei Wochen nach meiner Rückkehr von Turnieren in Spanien habe ich mit meiner Familie verbracht. Ein paar Tage vor dem Turnier habe ich in Holland gespielt, aber ich glaube nicht, dass das ein Problem war – normalerweise wirkt sich das bei mir nicht aus.”


Bergs kompromissloser Stil bringt ihm viele Siege, aber manchmal verliert er auch mehr Partien als nötig.
In der letzten Runde spielte er 11.Sg5 Tf8 12.Sf3 Te8 gegen die Spanische Saizew-Variante,
aber wich dann der Zugwiederholung und dem Remis aus.



In der zweiten Runde spielte Nybäck 10.Ld2 im halboffenen Katalanen, was Short zum Nachdenken veranlasste. Nach etwa zehn Minuten spielte er mit 10…h6 eine Art Abwartezug. Schwarz möchte Sbd7 spielen, aber nicht, wenn Weiß darauf La5 antworten kann. In der Partie folgte das normale 11.a3, ein weiterer nützlicher Zug und dann brachte Short eine Neuerung: 11…Te8. Gehört der Turm wirklich auf die e-Linie?




Nybäck wollte sich noch nicht festlegen, ob er seinen Turm nach d1 oder nach c1 stellt, und entschied sich für 12.b4 und verschaffte dem Springer so Bewegungsfreiheit: 12…Sbd7. Üblicher ist 11…Ld6 12.b4, aber dann droht nach späterem e4 immer gleich e5. Vielleicht gewinnt das beinahe nutzlose Te8 ein Tempo anstatt eins zu verlieren!


Nils Grandelius, der im Verlauf des Turniers 16 wurde, lebt nur 25 Kilometer vom Spiellokal entfernt.

Herzlichen Glückwunsch Nils! Was ist das Geheimnis hinter deinem Erfolg?

Danke! Ich glaube, ich war gut auf das Turnier vorbereitet. Ich habe mich eine ganze Zeit darauf vorbereitet, und das hat nicht nur bei den Eröffnungen, sondern auch psychologisch geholfen.

Aber bis zum Beginn des Turniers bist du noch zur Schule gegangen. Hat das nicht gestört?



Nein, das war kein Problem. Die Schule hier ist sehr entspannt.



In zwei Wochen triffst du bei der schwedischen Meisterschaft erneut auf Tiger Hillarp-Persson und Emanuel Berg. Zählst du da auch zu den Favoriten?

Nein, ein gutes Turnier sagt nicht allzu viel aus. Berg und Hillarp Persson sind immer noch viel besser als ich. Aber natürlich spiele ich in der schwedischen Meisterschaft trotzdem auf Sieg.

Verfügen die Spieler mit 2600 über irgendwelche besonderen Fähigkeiten?

Natürlich sind sie in allen Bereichen besser, aber meiner Ansicht nach sind sie bei der Einschätzung von Stellungen besonders gut. Je schneller man da ist, desto mehr kann man sich auf das pure Rechnen konzentrieren. Vor allem in Zeitnot ist diese Intuition wichtig. Zum Beispiel habe ich in meiner Partie gegen Short geglaubt, ich hätte eine etwas bessere Stellung, aber in Wirklichkeit stand ich kritisch! Das habe ich erst gemerkt, als es zu spät war.

Auf der Elo-Liste der 1993 geborenen Spieler stehst du auf Rang 5. Allerdings enthält diese Liste nur wenige westliche Namen. Warum ist das so?

Ich glaube, das lässt sich leicht erklären: in armen Ländern ist es viel attraktiver, sich ganz aufs Schach zu konzentrieren, es gibt wirtschaftliche Gründe dafür. Ich glaube nicht, dass die Schachkultur eine große Rolle spielt, denn auch in Schweden kann man gutes Training bekommen. Okay, in vielen Ländern haben die Leute seit ihrer frühen Kindheit einen Trainer, aber ist das wirklich so wichtig? Ich glaube, es reicht aus, viel zu spielen und sich all den Spaß am Schach zu bewahren, den das Spiel bietet.
 

Stellan Brynell kommentierte die Partien und war mit seinem ironischen Stil höchst unterhaltsam.

Stellan Brynell: “Nigel Short hinterließ einen starken Eindruck! Nils war die große positive Überraschung. Seine beste Partie war die gegen Emanuel Berg. Gegen Nybäck und Sokolov hatte er ein bisschen Glück, aber um Glück zu haben, muss man kämpfen. Nybäck hätte mehr Punkte verdient gehabt. Gegen Nils und gegen Tiger hätte er gewinnen können. Vor dem Turnier gab es Bedenken, dass fünf Partien nicht genug sind, um das Turnier interessant zu machen, aber das Gegenteil war der Fall. Die Spieler haben wirklich gekämpft. Es gab kein einziges kurzes Remis.”

Nils Grandelius – Ivan Sokolov
Sigeman & Co Chess Tournament (2), 04.06.2009



Sokolov stand im Mittelspiel gut, aber dann überzog er. Jetzt steht vor allem der schwarze König unsicher. Grandelius verpasste einen studienartigen Sieg: Er spielte 49.Dd7+. 49.Dc3+! Dg8 50.Dc6!! Df8+ 51.Kg3 Da3+ 52.Kg4 h5+ 53.Kg5 musste geschehen. Schwarz hat nur ein Schach: 53…Dc1+ 54.Dxc1 Txc1 55.Kxg6 Kf8 56.Kxh5 Tc2 57.Tf4+! und jetzt behält Weiß entweder beide Bauern (57…Kg8 58.Tg4+) oder schneidet den schwarzen König ab (57…Ke7 58.g4). In der Partie fand Sokolov die einzige Verteidigung: 49…Kf8 50.Tf4+ Kg8 51.Dd5+ Kh8 52.Dd4+ Kg8 53.Dc4+ Kh8 54.Tf7 Te1 55.Dd4+ Te5 56.Kf4 g5+ 57.Kg4, aber jetzt hätte er 57…Kg8 mit guten Remischancen spielen sollen. Stattdessen kam 57…h5+ 58.Kh3! Kg8 59.Td7 Db5 und jetzt blieben Nils nur noch 80 Sekunden für den letzten Zug vor der Zeitkontrolle. Im Analyseraum herrschte Aufregung. Findet er den einzigen Weg zum Gewinn? 60.Kh2!  Ein ruhiger Zug entscheidet die Partie. Schwarz hat keine Schachs und kann seinen König nicht schützen. 60…Dc5 61.Dd3 1-0

 

 
“Der Spiegelsaal”. Zu sehen sind Schiedsrichter Anil Surender und Nils’ Sekundanten Michael de Verdier & Axel Smith.

Nils Grandelius – Emanuel Berg
Sigeman & Co Chess Tournament (4), 06.06.2009



26.Le6!
war ein Schock für Berg. Nach 26…Te7 27.Dxf6 Txe6 28.Txe6 Dxe6 29.Dxe6 fxe6 war das Bauernendspiel wegen der geringeren Zahl der Bauerninseln für Weiß gewonnen. 30.Kf3 Kf7 31.Kf4 Kf6 und jetzt wäre 32.g5+ hxg5 33.hxg5 Ke7 34.Ke5 a5 35.a4 Kf7 36.d5! der einfachste Weg zum Gewinn gewesen. Grandelius wählte stattdessen das mysteriöse 32.a3, aber gewann später mit dem gleichen Motiv.

 


Post Mortem


Nigel Short und Tiger Hillarp Persson


 

Endstand


 

Runde 1

Nybäck-Grandelius ½-½
Short-Berg 1-0
Hillarp-Sokolov 0-1

Runde 2

Grandelius-Sokolov 1-0
Berg-Hillarp 1-0
Nybäck-Short 0-1

Runde 3

Short-Grandelius 1-0
Hillarp-Nybäck ½-½
Sokolov-Berg 1-0

Runde 4

Grandelius-Berg 1-0
Nybäck-Sokolov ½-½
Short-Hillarp ½-½

Runde 5

Hillarp-Grandelius ½-½
Sokolov-Short 0-1
Berg-Nybäck 0-1

 

 

 

 

 



Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren