Norway Chess: Karjakin schlägt Carlsen

von André Schulz
13.09.2021 – Norway Chess ist ein schwieriges Pflaster für Magnus Carlsen. Schon öfters lief es hier nicht wie gewünscht und auch in diesem Jahr ist der Weltmeister noch nicht richtig in Fahrt gekommen. In der 5. Runde verlor er nun gegen Sergey Karjakin - nach einer äußerst spannenden Partie. | Fotos: Lennart Ootes

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Stavanger mit dem Norway Chess Turnier bleibt ein schlüpfriges Pflaster für Magnus Carlsen. Hier hat er in vergangenen Jahren mit schlechtem Abschneiden schon mal deutlich an Elopunkten verloren. Im letzten Jahr beendete Jan-Krzyzstof Duda Carlsens schöne Serie von 150 Turnierpartien ohne Niederlage.

Zuletzt hat sich Carlsen eigentlich in Top-Form präsentiert. Der Weltmeister legte beim World Cup einen starken Auftritt hin und wurde erst von Duda (schon wieder!) im Halbfinale gestoppt. Seine Online-Serie, die Champions Chess Tour dominiert Carlsen nach Belieben und hat fast alle Turniere als Sieger beendet. Nur beim Norway Chess läuft es wieder nicht.

Spielt Carlsen vor heimischen Publikum gehemmt? Gibt es bei seinem Heimturnier zu viel Rummel um ihn herum? Oder ist es einfach nur Zufall? Von außen schwer zu beurteilen.

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Der vielfache Weltmeister alle Klassen kam in Stavanger bisher nur schwer in Fahrt und musste in den ersten Runden einige schwierige Stellungen verwalten. In den ersten vier Runden kam er nicht über Remisen hinaus, was bei der Zählweise in Norwegen jeweils ein 1:1 bedeutete. Mit Schwarzremisen (=Sieg) und einem Weißsieg holte Carlsen sich immerhin stets den halben Extrapunkt in den Armageddon-Partien.

Am Sonntag erwischte es den offenbar noch nicht recht warm gespielten Weltmeister in der Partie gegen Sergey Karjakin. Carlsens WM-Herausforderer von 2016 wandelte aus Caruanas Spuren und bekämpfte Carlsens Sveshnikov-Variante auf die gleiche Weise wie sein Nachfolger als WM-Herausforderer es beim Match 2018 tat, mit der Variante 7.Sd5. Es entwickelte sich eine überaus spannende Partie, die lange auf des Messers Schneide stand.

 

Karjakin,Sergey (2758) - Carlsen,Magnus (2855) [B33]

9th Norway Chess 2021 Stavanger NOR (5.1), 12.09.2021 [as]

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5 6.Sdb5 d6 7.Sd5 [Erinnerungen an die WM 2018 werden wach. Das war Caruanas Antwort auf Carlsens Sveshnikov-Variante. Die Hauptvarianten beginnen mit 7.Lg5]

7...Sxd5 8.exd5 Se7 9.c4 Sg6 10.Da4 Ld7 11.Db4 Db8 12.h4 h5 13.Le3 [13.Ld3 a6 14.Sc3 f5 15.Le3 Le7 16.Sa4 Dc7 17.Sb6 Td8 18.g3 e4 19.Le2 Se5 20.0–0–0 0–0 ½–½ (58) Vachier Lagrave,M (2780)-Carlsen,M (2872) Moscow 2019]

13...a6 14.Sc3 Le7 [14...a5 15.Db3 a4 0–1 (28) Caruana,F (2832)-Carlsen,M (2835) London 2018 CBM 187 [Fernandez,D]; 14...f5 15.0–0–0 Le7 16.g3 0–0  0–1 (33) Van Foreest,J (2612)-Carlsen,M (2835) Wijk aan Zee 2019 CBM 188 [Howell,David]]

15.g3 0–0

 

16.Le2 b5 [Schwarz setzt auf Linienöffnung. Die Möglichkeiten in dieser dynamischen Stellung sind gleich.]

17.cxb5 axb5 18.Lxh5 Ld8 [Hier gab es noch eine Vorgängerpartie aus dem Fernschach, die den beiden Spielern aber wohl eher nicht bekannt gewesen sein dürften. 18...Tc8 19.Tc1 Ld8 20.Lxg6 fxg6 21.0–0 La5 22.Db3 Lxc3 23.Txc3 Txc3 24.bxc3 ½–½ (24) Pecka,J (2429)-Pravec,L (2380) ICCF email 2016]

19.0–0 Se7 20.Lg5 La5 21.Db3 Sf5 [Das Feld d4 ruft. Das weiße Läuferpaar am Königsflügel zielt noch etwas ins Leere. Aber Weiß hat Ideen.]

22.Se2 Lb6 23.Tac1 Ta4

 

[Schwarz hat das Kommando übernommen. Da7 ist nun eine Idee, mit Angriff auf a2 und f2. Dann ist auch Sg3 vielleicht mal ein Motiv.]

24.Tc6! [Mit einem Qualitätsopfer versucht Weiß, den schwarzen Plan zu stören und Gegenspiel zu bekommen.]

24...Lxc6 [Auch die Ablehnung war eine plausible Reaktion. 24...Lc5!?]

25.dxc6 [Weiß hat im Gegenzug einen Freibauern bekommen. Außerdem hat sich die Diagonale b3–f7 geöffnet. (25...g6? 26.Lxg6). Lg6 mit Angriff auf Sf5 ist ein Motiv.  25... Dxb5 droht nicht wegen Lxf3. Bauer b5 ist aber schwach.]

25...Tc4 26.a4 Sd4?! [26...Txa4 27.Lg6 Sd4 28.Sxd4 Lxd4 29.Tc1 mit ausreichender Kompensation für die Qualität.]

27.Sxd4 Lxd4

28.axb5

 

[Das ist nicht gut gelaufen für Schwarz. Weiß hat nun zwei Freibauern am Damenflügel.]

28...d5?!

[28...Tc5 29.Le7 Txb5 30.Dd3 Tc5 (30...Txb2 31.Lxf8 Kxf8 32.Df5 Dc7 Sonst Matt. 33.Lf3 mit einem Traumendspiel für Weiß, der Chef auf den weißen Feldern ist.) 31.Lxf8 Dxf8 32.Lf3 d5 Sollte noch OK sein für Schwarz.;

28...Txc6 29.Le7 Tcc8 30.Lxf8 Txf8 31.Lf3 mit guten Remischancen, war auch spielbar.]

29.Tc1 Txc1+ 30.Lxc1 Db6 31.Le3 Lxe3 32.fxe3 Td8

 

[Das Blatt hat sich nun deutlich zugunsten von Weiß gewendet. Die beiden Freibauern am Damenflügel sind sehr stark und benötigen Dauerbewachung. Der Nachteil einer Qualität fällt nicht so sehr ins Gewicht.]

33.Kg2 g6 34.Le2 Kg7 35.Dc3 d4 36.exd4 exd4 37.Dd3 Da5 [Die Stellung ist sehr kompliziert. Die weißen Freibauern können nicht unmittelbar vorrücken. Beide Könige stehen nicht sicher. Der schwarze Bauer d4 spielt auch eine wichtige Rolle, als Angriffsobjekt und als Angriffswaffe.]

38.Dc2? [Eine Ungenauigkeit kurz vor der Zeitkontrolle. Die weiße Dame sollte am Bauern d4 bleiben, um Schwarz an die Deckung zu binden. 38.h5!?]

38...Db4? [Nach 38...Te8 ist das Ende offen, z.B.: 39.Lc4 (39.h5 gxh5; 39.c7? Tc8) 39...Te3 40.Df2 f6 41.b3 Da7 mit Gegenspiel.]

39.b3 Te8 40.Lc4 [Hier war 40.c7 möglich: 40...Tc8 mit dem Trick 41.Lg4 f5 42.Lxf5 gxf5 43.Dxf5 Df8 (43...Txc7 44.De5+) 44.Dxf8+ Kxf8 45.b6+– gewinnt.]

40...Te7? [40...Te3= mit der Idee 41.-- d3 42.Lxd3 Dg4] 41.Df2? [41.Dd3+–]

41...Dc3=

 

42.Df3 Db4? [42...f5=] 43.Kh3?! [43.Dd5 Dd2+ 44.Kh3+–]

43...Dd6? [43...De1 mit Gegenspiel.]

44.Df4! [Weiß hat sich ausgerechnet, dass das Endspiel seiner Freibauern gegen den Turm gewonnen ist. 44.b6+– war auch spielbar: d3 45.Lxd3 De6+ 46.Kh2 Dxb3 47.b7]

44...Dxf4 45.gxf4 d3 46.Lxd3 Te3+ 47.Kg2 Txd3 48.b6 Txb3 49.b7 Tb6 50.h5! [Nach 50.c7? Txb7 51.c8D Tb5 hat Schwarz eine Festung.]

50...gxh5 51.Kh3 [51.c7 Txb7 52.c8D gewinnt auch.]

51...Txc6 52.b8D Tc5 53.Db2+ f6 54.Kh4 1–0

Was für eine spannende und interessante Partie, bis zum Schluss!

Sergey Karjakin im Interview mit Anastasya Karlovich

 

 

 

Eröffnung bei Firouzja

Zu einem Sieg kam außerdem Alireza Firouzja gegen Aryan Tari. Mit den weißen Steinen triumphierte Firouzja im taktischen Mittelspiel mit zwei Türmen gegen die Dame plus Leichtfiguren.

Ian Nepomniachtchi ist gut gelaunt

Die Partie zwischen Ian Nepomniachtchi und Richard Rapport endete remis. Nepomniachtchi gewann das Armageddon. 

Stand

Partien Regulär

 

Partien Armageddon

 

 

Turnierseite...


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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