Norwegen, USA, Monaco oder Wien?

von Conrad Schormann
10.09.2018 – Die Schachweltmeisterschaft 2018 muss noch gespielt werden, aber die WM 2020 ist schon in Planung. Je nachdem wer dann Weltmeister ist, kämen die USA oder Norwegen als Ausrichter in Betracht. Allerdings würde auch der Österreichische Schachbund anlässlich seiner 100-Jahr Feier gerne die Rolle des Gastgebers übernehmen. | Christian Hursky und Prof. Kurt Jungwirth, (Foto: Österreichischer Schachbund)

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Wien will die Schach-WM: Kulturell ganz vorne, jetzt muss Geld in die Kasse

Norwegen will die Schach-WM 2020, die USA auch und Monaco ebenfalls. Das wurde jetzt am Rande eines Besuchs einer FIDE-/Agon-Delegation in Wien bekannt. FIDE-Schatzmeister Adrian Siegel und Agon-Chef Ilya Merenzon hatten die österreichische Hauptstadt besucht, um sie als potenziellen Schauplatz der WM 2020 zu inspizieren.

„Die Chancen steigen, die WM nach Österreich zu holen“, meldete der österreichische Verband anlässlich des hochrangigen Schachbesuchs. Die starke Konkurrenz suggeriert allerdings das Gegenteil. Außerdem ist offen, ob die beiden Wien-Reisenden Siegel und Merenzon mit der Vergabe der WM 2020 etwas zu tun haben werden.

Siegels Zukunft als Schachfunktionär hängt am Schicksal des Präsidentschaftskandidaten Georgios Makropoulos. Fällt der Grieche bei der FIDE-Wahl Ende September durch, ist auch der Schweizer raus. Und nach der Wahl wird sich bei der FIDE die Debatte zuspitzen, ob der latent unter den Erwartungen bleibende Schachpromoter Agon der richtige Partner ist.

Nach dem WM-Match Carlsen-Caruana im November wird entweder ein Norweger oder ein US-Amerikaner Weltmeister sein. So oder so, eine Bewerbung des Heimtatlandes des Weltmeisters wird ein Pfund sein, zumal bei beiden erhebliche Finanzkraft dahinterstecken wird. Carlsen hat sich in den Jahren seiner Regentschaft ein von skandinavischen Sponsoren flankiertes Schach-Imperium gebaut, und hinter Caruana steht der Milliardär Rex Sinquefield, der davon träumt, seinem Vorzeigeschachspieler ein Heimspiel zu organisieren.

Nicht, dass Wien keine Argumente hätte, aber die sind eher (schach)kultureller Natur. Zuerst wäre die reiche Schachtradition der österreichischen Hauptstadt zu nennen. Weil das 100-jährige Bestehen des österreichischen Schachbunds im Jahr 2020 ein fantastischer Anlass wäre, die größtmögliche Schachveranstaltung nach Wien zu holen, war ÖSB-Präsident Christian Hursky im März zum Kandidatenturnier nach Berlin gereist, um diese Möglichkeit mit Agon-Chef Ilya Merenzon auszuloten.

Was Hursky zu sagen hatte, muss so überzeugend gewesen sein, dass jetzt eine mehrköpfige Schach-Delegation nach Wien kam, um sich den potenziellen Schauplatz der nächsten WM näher anzuschauen. Vor Ort überzeugten sich Merenzon, Siegel und Agon-Marketingchefin Nadia Panteleeva von der Vielzahl mehr als vorzeigbarer möglicher Austragungsorte in der Donaustadt. Nichts gegen St. Louis, nichts gegen Oslo, aber in Sachen spektakulärer Bausubstanz können diese beiden nicht mit Wien konkurrieren. Als vorläufiger Favorit der Schach-Inspekteure kristallisierte sich das Museumsquartier heraus.

Neben dem allgemeinen Schach-Aufschwung in Österreich (unlängst hat gar der Bundespräsident die Schach-Nationalmannschaft zur Olympiade verabschiedet) haben Hursky und seine Mitstreiter noch ein Argument auf ihrer Seite: Ihre Bewerbung ist jetzt schon fortgeschritten und konkret, während auf Seiten der Konkurrenz eher Absichtserklärungen stehen.

Nun muss nur noch die Kasse stimmen. „Schach als Investition in die Zukunft“ erwartet Merenzon von der Ausrichterstadt und hoffte einmal mehr auf viele, viele Zuschauer.

Hursky jedenfalls hat die Botschaft vernommen. Ganz oben auf der Agenda der WM-2020-Planer steht jetzt Sponsorensuche.

Conrad Schormanns Blog "Perlen am Bodensee"...




Conrad Schormann, gelernter Tageszeitungsredakteur, betreibt in Überlingen am Bodensee ein Büro für Redaktion und Kommunikation. Fürs Schachspielen hat er zu wenig Zeit, was auch daran liegt, dass er so gerne darüber schreibt, sei es für Chessbase, im Reddit-Schachforum oder für sein Schach-Lehrblog Perlen vom Bodensee...

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flachspieler flachspieler 12.09.2018 12:26
Meiner Meinung nach sollte man erst einmal die WM 2018 in London abwarten.
Und wenn die ähnlich schlecht organisiert ist wie die letzte in NY, sollte sich
die FIDE statt Agon eine kompetentere Vermarktungsfirma suchen.
Ingo Althöfer.
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