Nostalgie in Amsterdam

16.07.2012 – Schwer zu glauben, aber es gab einmal eine Zeit, da spielte man Tennis mit Holzschlägern, schrieb Briefe mit der Hand und konnte nur zwei Fernsehprogramme empfangen. Wollte man Musik hören, legte man eine Schallplatte auf und beim Schach kam es nach fünf Stunden Spielzeit zu einer Hängepartie. Man schrieb den geplanten Zug auf sein Partieformular, das in einen versiegelten Umschlag gesteckt wurde. Eine Stunde oder ein paar Stunden oder sogar Tage später setzte man die Partie dann fort, in der Zeit dazwischen durfte man munter und mit jedermann analysieren. Doch durch die immer stärker werdenden Computerprogramme und den immer schneller werdenden Lebensrhythmus waren Hängepartien irgendwann nicht mehr zeitgemäß. Beim ACP Golden Classic Turnier in Amsterdam, das parallel zur Holländischen Meisterschaft und einer Reihe offener Turniere stattfindet, lässt man die alte Tradition noch einmal aufleben. Sieben Spieler wagen den Ausflug in die Vergangenheit und sind bereit für die Mühen und das Vergnügen der ausgedehnten Analyse von Hängepartien. Den besten Start erwischte dabei Vassily Ivanchuk mit 2 aus 2.Turnierseite...Mehr...

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Ein Turnier für Nostalgiker: Das ACP Golden Classic
Text: Albert Silver Fotos: Alina L'Ami

Die ACP, die Association of Chess Professionals, veranstaltet in Amsterdam zur Zeit das ACP Golden Classic, das parallel zur Holländischen Meisterschaft und einer Reihe offener Turniere stattfindet. Eine Reihe von Spitzengroßmeistern gehen im ACP Golden Classic an den Start: Vassily Ivanchuk (Ukraine), Gata Kamsky (USA), Baadur Jobava (Georgien), Krishnan Sasikiran (Indien), Le Quang Liem (Vietnam), Anna Muzychuk (Slowenien) und Emil Sutovsky (Israel).

Auf den ersten Blick sieht das zwar wie ein ganz normales Turnier aus, doch das ist es wirklich nicht. Das beginnt mit der Bedenkzeit: gespielt wird wie zu Fischers Zeiten mit einer Bedenkzeit von 2,5 Stunden für 40 Züge, und nach fünf Stunden Spielzeit - und jetzt kommt der wirklich nostalgische Teil - wird die Partie abgebrochen und es gibt eine Hängepartie.

Früher analysierte man Hängepartien mit Großmeisterkollegen, Sekundanten oder Freunden. Manche Partien wurden auch vor der Wiederaufnahme aufgegeben, aber auch in verlorener Stellung wurde gelegentlich weiter gespielt, wenn Hoffnung bestand, der Gegner würde noch den ein oder anderen Trick übersehen. Die Analyse von Hängepartien war in gewisser Weise eine wunderbare Möglichkeit, die analytischen Fähigkeiten zu verbessern und hochmotiviert eine Vielzahl von Endspiel zu studieren.

Doch mittlerweile gibt es keine Hängepartien und es gibt einen guten Grund dafür, warum diese Tradition ausgestorben ist. Heutzutage verfügt selbst Software, die man umsonst auf einem Handy installieren kann, über GM-Stärke. Nimmt man einen Laptop, dann analysiert das Gerät besser als jeder Großmeister der Welt. Trotzdem, dieses Experiment in Nostalgie verspricht gute Unterhaltung und außerdem wird das gesamte Turnier nicht elo-gewertet.


Der Spielsaal, in dem alle Turniere gespielt werden.

Bei sieben Teilnehmern und nur sechs Runden kann man seine Turnieraussichten mit einem schlechten Start gleich zu Beginn verderben. Vassily Ivanchuk machte es anders. Er begann mit 2 aus 2 und setzte sich gleich an die Spitze des Feldes.


Tabelle klassisches Turnier




Partien klassisches Turnier


Tabelle Holländische Meisterschaft (Männer):



Partien Holländische Meisterschaft (Männer):


Tabelle Holländische Meisterschaft (Frauen):


Partien Holländische Meisterschaft (Frauen):



Bilder






Anna Muzychuk, die vierte Frau in der Geschichte des Schachs, die über 2600 Elo kam. Sie gewann zum Auftakt gegen Krishnan Sasikiran.


Bei der Feier zur Eröffnung des Spa Opens und des Golden Classic Turniers gab es eine Wushu-Vorführung. Da 2012 nach chinesischem Kalender das Jahr des Drachen ist, durfte dieses Tier natürlich nicht fehlen.


Yuri Garrett, Vorsitzender des ACP-Führungskomitees


Letzte Vorbereitungen, damit es mit der Technik klappt


Letzte Vorbereitungen, damit es mit der Eröffnung klappt


GM Robin Swinkels


Martine Middelveld


Anish Giri, der amtierende holländische Meister verfolgt, wie das Turnier eröffnet wird.


Titelverteidigerin GM Peng Zhaoquin hat die holländische Frauenmeisterschaft bereits 13 Mal gewonnen, die letzten 12 davon in Folge.

Leider nehmen nur vier Spielerinnen an der Frauenmeisterschaft teil. Ein Grund dafür könnte fehlende Motivation sein, denn in Holland gibt es keine Frauenpreise. Könnte dies ein Grund für die Krise im holländischen Frauenschach sein?


Ja, das ist tatsächlich Vassily Ivanchuk. Er geht gerne durch die Reihen der Amateure, um nach interessanten Stellungen Ausschau zu halten.


Die kommenden Champions testen schon einmal, wie sich eine Krone anfühlt.


Dieses Jungtalent zieht eine andere Form des Kopfschmucks vor.


WIM Smaranda Padurariu aus Rumänien


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