Nostalgie: Schach der Großmeister

von André Schulz
11.11.2020 – Wenn man sich jetzt noch mit Wehmut an eine Sendereihe erinnert, die vor 15 Jahren eingestellt wurde, dann muss diese wohl besonderes gewesen sein. Und das war die Schach-Sendereihe "Schach der Großmeister" des WDR auch. Vlastimil Hort und Helmut Pfleger wurden nun noch einmal geehrt, Grund genug zurück zu blicken.

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1983 ging der Redakteur Dr. Claus Spahn mit seiner Reihe "Schach der Großmeister" erstmals im dritten Programm des WDR auf Sendung. Von Anfang an mit dabei war Dr. Helmut Pfleger als Schachexperte. Der Bamberger Großmeister und Mediziner hatte im Bayrischen Rundfunk im Schulprogramm erste Fernseherfahrung gesammelt und dann im NDR bei einer Kooperation mit der BBC Partien fernsehgerecht kommentiert. Bald stieß Vlastimil Hort zum hinzu, der mit seinem tschechischen Akzent und seinem hintergründigen Witz der Kommentierung eine Note nach Arte des braven Soldaten Schwejk verlieh.

Die Sendung wurde einmal im Jahr ausgestrahlt und ließ sich und ihren Zuschauern Zeit. Im Mittelpunkt stand eine Schachpartie zwischen zwei starken Großmeistern. Diese wurde von Pfleger und Hort kommentiert. Zur genaueren Analyse wurden auch Computer und Schachprogramme hinzu geholt. Matthias Wüllenweber war mit seinen Fritz-Programmen und mit ChessBaser regelmäßiger Gast. In den Pausen zwischen den Zügen interviewte Claus Spahn Gäste im Studio. 

Zu den eingeladenen Großmeistern gehörte die Crème de la Crème des internationalen Schachs, darunter Garry Kasparov, Anatoly Karpov, Vladimir Kramnik, Viswanathan Anand, Peter Leko, Zsuzsa und Judit Polgar, Michael Adams oder Rustam Kasimdzhanov und des deutschen Schachs mit Dr. Robert Hübner, Christopher Lutz, Artur Jussupov, Rainer Knaak und vielen anderen Topspieler. 

Als Interviewgäste wurden Schachfreunde eingeladen, die im deutschen Schach Rang und Namen hatten und über die jeweils aktuellen Vorgänge in der Schachszene berichteten.

In der ersten Sendung 1983 bestritten Robert Hübner und Anatoly Karpov die Partie. Zu den Expertengästen gehörte damals die Salzburger Landesmeisterin Brigitta Cimarolli. Als Miss November 1977 im Playboy und Covergirl im Penthouse im September 1983 entsprach sie nicht unbedingt dem Bild der typischen Schachspielerin. Sie kam in der Sendung allerdings kaum zu Wort und selten ins Bild.

Schach der Großmeister 1983

1990 spielte die damals 14-jährige Judit Polgar gegen den besten Spieler der DDR Rainer Knaak, kurz nach der Wende.

Schach der Großmeister 1990

1996 trafen Vladimir Kramnik und Viswanthan Anand in Köln aufeinander. 2008 sollten sie in Bonn einen WM-Kampf bestreiten.

Schach der Großmeister 1996

2000 spielten Kramnik und Leko. Auch das war ein Vorgriff auf einen WM-Kampf, der 2004 in Brissago stattfinden sollte.

Schach der Großmeister 2000

Im  Laufe der Jahre wurde die etwa zweistündige Sendung aus dem sonntäglichen Nachmittagsprogramm immer mehr in den Abend und dann fast in die Nacht hinein geschoben. 2005 war dann Schluss. In der letzten Sendung, spielten die beiden Großmeister-Moderatoren Helmut Pfleger und Vlastimil Hort gegeneinander (Remis). Dann wurden die Kulissen für immer weggeräumt.

Auf Youtube findet man eine Sammlung alter Aufnahmen der WDR Sendungen "Schach der Großmeister", eingestellt von Lot1975. Nostalgie pur.

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Legarion Legarion 12.11.2020 02:26
@spf, ich würde sogar sagen das das "deutsche Fernsehen" (lineares Fernsehen) kein Stellenwert mehr in Deutschland hat. "Fernsehen" findet schon längst bei der Generation U30 schon lange im Internet (Streamingdienste aller Art) statt. Lineares Fernsehen ist nur noch für Sport halbwegs interessant.

Schach hat länst das Internet für sich entdeckt, Twitch voran (danke Corona endlich mal angemessene Hits und auf der Frontpage) und mit Queengambit auch mal ne schöne Serie bei Netflix. Auch chess.com und chess24.com tragen ihren Teil bei, nutzen wenigstens das Potenzial. Wen interessiert da noch "dt. Fernsehen" (die Quotenmessung ist mittlerweile ein Witz, da hält das Fernsehen dran fest um sich selbst noch als relevant darzustellen... in Wirklichkeit verbringt die U30-Generation - relevante Zielgruppe - 99% der Bildschirmzeit NICHT mehr vor dem Fernseher (das taucht in den Quoten halt überhaupt nicht auf, mit Absicht um sich selbst oberflächlich am Leben zu halten... kompletter Witz ;)).

Schach der Großmeister hatte seine (gute) Zeit. Aber das Ende der Sendung ist schon völlig ok, überhaupt ins "dt. Fernsehen" zu wollen wäre heute ein Rückschritt.
DoktorM DoktorM 11.11.2020 10:27
Das war eine tolle Sendung. Am Ende aber auch schon mit Computerhilfe für die Kommentatoren (soweit ich mich erinnere). Im ÖR-TV gäbe es genügend Platz für Berichte über Randsportarten. Dazu zählt auch Schach. Aber nein, es müssen Kochsendungen, Gartensendungen, Bastelsendungen und anderer Mist gesendet werden. Und manchmal senden einige 3. Programme sogar exakt das gleiche. Was für ein Quatsch.
spf spf 11.11.2020 01:22
Ein schöner Artikel in Erinnerung an eine tolle Sendung im WDR. Leider hat Schach kein Stellenwert im deutschen Fernsehen, lasse mich da aber gern korrigieren, gibt es im deutschen TV noch irgendwelche (mir unbekannte) Schachsendungen ?
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