Offene Linien auf den Punkt gebracht

13.11.2013 – Was eine offene Linie ist und wie sie entsteht, das gehört zum strategischen Grundwissen. So einfach und klar das auf der einen Seite ist, so viele und komplexe Fragen und Entscheidungen sind damit in der Praxis verbunden. IM Michael Richter zeigt Ihnen auf der ersten DVD seiner Reihe "Erfolgsstrategien", wie man den Vorteil offener Linien gewinnbringend einsetzt. Zur Rezension...

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Michael Richter: "Erfolgsstrategien Band 1: Offene Linien“

Rezension von Lukas Wedrychowski

Internationaler Meister Michael Richter zeichnet mittlerweile seit längerem instruktive DVDs für die Firma ChessBase auf. Neben seinen exzellenten Werken zur Planfindung und Variantenberechnung kommt nun eine weitere DVD auf den Markt, die, wie der Titel vermuten lässt, einige Nachkommen haben wird. In seiner jüngsten Aufzeichnung beschäftigt er sich mit dem Thema der offenen Linien.

Offene Linien sind für Schachspieler in der Regel kein großes Mysterium. Ein Bauer schlägt, eine offene Linie entsteht. Das geschieht mitunter so häufig und schon fast unbewusst, dass der wahre Wert einer offenen Linie häufig in den Hintergrund gerät. Dieses Thema kann in gewissen Stellungen jedoch von großer Bedeutung sein. Häufig geht es darum, welche Partei die offene Linie kontrollieren und vor allem auch dominieren kann. Wer die dauerhafte Kontrolle über eine offene Linie erhält, der sollte danach streben diese auch zu dominieren; was so viel bedeutet wie ein Auftauchen der gegnerischen Schwerfiguren auf dieser Linie zu unterbinden. Wer dies geschafft hat, muss die nächsten Schritte einleiten.

Die Kontrolle und die Beherrschung einer offenen Linie ist nicht automatisch eine Garantie zum Erfolg. Man muss diesen Vorteil auch verwerten können. Und hier liegt im Grunde auch die Kunst. Was bringt eine offene Linie ohne Einbruchsfelder? Warum streben die sonst so standhaften Türme gen siebten Himmel? Inwieweit können weitere Figuren den Türmen beim Kampf um offene Linien zur Hilfe eilen? All das ist Thema dieser DVD.

Damit Sie sich einen besseren Überblick verschaffen können, schlage ich vor, dass Sie sich das Inhaltsverzeichnis der DVD ansehen:

Kapitel 1: Einbruchsfelder
Kapitel 2: 7. Reihe
Kapitel 3: Linienverstellung
Kapitel 4: Vorposten
Kapitel 5: Dominanz
Kapitel 6: Vertripelung
Kapitel 7: Eventuallinie
Kapitel 8: Entgegengesetzte Rochaden
Kapitel 9: Stellungstransformationen
Kapitel 10: Spiel gegen die Linie
Kapitel 11: Taktisches Motiv Testfragen


Wie Sie sehen können, gibt es zahlreiche Ideen beim Kampf um die offene Linie. Manche von den oben genannten werden von Anfängern gerne übergangen. Als Schachtrainer würde ich, aus eigener Erfahrung mit Schülern, besonders die folgenden drei Motive erwähen, die ganz besonders gern missachtet werden:

Einbruchsfelder – Eventuallinie – Linienverstellung

Der erste Begriff ist relativ klar, wenn man sich mit der Frage beschäftigt hat, was einem die Kontrolle über die offene Linie überhaupt bringt. Ohne Einbruchsfelder ist die Kontrolle über eine offene Linie nicht sonderlich viel wert. Warum? Zunächst einmal ist die Hauptidee bei der Besetzung der Linie mit Schwerfiguren zugleich, mit diesen auf die siebte Reihe (warum die siebte? Dort stehen die meisten Ziele zum Abholzen) einzudringen und dort Unruhe zu stiften. Daher kann der Gegner versuchen die Einbruchsfelder zu kontrollieren (z.B. mit dem Läuferpaar) oder aber die Linie mittels Figuren zu verstellen. Manchmal kann man das durch das Vorhandensein und das Besetzen eines Vorpostenfeldes erreichen. Dies verhindert eine komplette Dominanz der Linie und stellt die gegnerischen Figuren kalt. Dieser wird in der Regel versuchen die Figuren geschickt zu vertripeln, um den Vorteil zu zementieren. Dies sind alles relativ offensichtliche Pläne und jene, die in den ersten paar Lektionen besprochen werden.

Doch was, wenn keine offenen Linien existieren? Nun, dann gibt es genügend Möglichkeiten offene Linien zu schaffen. Eine Linie, die geöffnet werden kann (je nachdem, ob ein Spieler dazu gewillt ist), nennt sich Eventuallinie. Den Blick dafür zu entwickeln, ob eine Linie geöffnet werden kann und ob diese Öffnung vorteilhaft ist, ist ein wichtiges strategisches Mittel.
 

Teststellung 1: Weiß am Zug - Wie würden Sie fortsetzen?

Wer sich dem Kurs zum Thema „offene Linien“ unterzogen hat, den erwartet am Ende ein Übungskapitel mit Teststellungen, welche zur Lösung die besprochenen Ideen und Motive benötigen. Da die Vortragsweise und der allgemeine didaktische Wert der einzelnen Videoclips meiner Meinung nach sehr hoch ist, bin ich mir sicher, dass Sie kein Problem haben werden den gelehrten Stoff korrekt wiederzugeben.

Fazit: Sehr lehrreich, auf den Punkt gebracht und der Beginn einer vielverheißenden Reihe. Empfehlung an alle Spieler < 2000. Alle jenseits dieser Marke sollten den Stoff bereits beherrschen. Wenn nicht: back to the roots!

 

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