Offener Brief von 12 Kaderspielern

von ChessBase
21.11.2020 – Mit einem Offenen Brief machen 12 Spielerinnen und Spieler aus dem B-Kader des Deutschen Schachbundes auf Probleme im Bereich Leistungssport des DSB aufmerksam. Die Spieler sind mit den Entscheidungen und dem Auftreten des Bundestrainers ebenso wenig zufrieden wie mit dem Krisenmanagement des Präsidiums und fordern einen konstruktiven Dialog und den Rücktritt des Bundestrainers.

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Offener Brief, 21. November 2020

Die Entwicklungen der letzten Monate im Bereich Leistungssport des DSB beunruhigen uns zutiefst, daher sehen wir uns gezwungen zu handeln.

Das Präsidium des Deutschen Schachbundes ist nicht bereit, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen – einem lösungsorientierten Dialog wird kontinuierlich ausgewichen. Der einzige verlässliche Partner der KaderspielerInnen, der Leistungssportreferent Andreas Jagodzinsky, wurde zuletzt soweit isoliert, dass er seinen Rücktritt bereits angekündigt hat. Nachdem getroffene Absprachen ignoriert und zugesagte Kompetenzen zurückgenommen wurden, hat nun auch Alexander Naumann zum großen Bedauern aller Spielerinnen mitgeteilt, dass er als Frauenkapitän nicht mehr zur Verfügung steht.

In Deutschland sind die nötigen Mittel und SpielerInnen vorhanden, um mittelfristig auf Erfolge im Bereich Leistungssport hinzuarbeiten. Die Leistungssportförderung ist aktuell jedoch geprägt durch mangelnde Struktur, fehlende Kontinuität und Intransparenz. Die zuletzt dramatische Verschlechterung der Lage ist ebenso unnötig wie traurig.

Ohne Not trifft der Bundestrainer destruktive Entscheidungen, die ein unerträgliches Ausmaß erreicht haben. Insbesondere die Kaderspielerinnen sind einem Umgang ohne jeglichen Respekt ausgesetzt. Angesichts der abschätzigen Haltung, die der Bundestrainer vielen SpielerInnen entgegenbringt, und einem von persönlichen Sympathien und Animositäten geprägten Entscheidungsklima ist eine weitere Zusammenarbeit für uns nicht vorstellbar. Ein Neuanfang ist zwingend notwendig. Solange Dorian Rogozenco Bundestrainer ist, stehen wir für Einsätze in der deutschen Nationalmannschaft nicht mehr zur Verfügung.

Wir fordern eine transparente Förderung, die Angebote schafft und Anreize bietet, sowie einen respektvollen und sachlichen Umgang mit allen SpielerInnen. Wir wünschen uns Willen zur Veränderung. Wir hoffen, dass die Führung des Schachbundes Voraussetzungen schafft, unter denen im Bereich Leistungssport wieder alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Gerade in der aktuellen Situation sollte man sich einer Sache nicht mehr verschließen - dem konstruktiven Dialog mit den Spielerinnen und Spielern.

gezeichnet,

Josefine Heinemann   Sarah Papp   Vincent Keymer
Hanna Marie Klek    Matthias Blübaum Dmitrij Kollars   
Melanie Lubbe Daniel Fridman Georg Meier
Annmarie Mütsch Andreas Heimann   Rasmus Svane

Alle Unterzeichnenden sind B-KaderspielerInnen des DSB. Daniel Fridman und Georg Meier waren zudem Mannschaftseuropameister in 2011 (zusammen mit Arkadij Naiditsch, Jan Gustafsson und Rainer Buhmann) - beim einzigen Gewinn dieses Titels in der deutschen Schachgeschichte.




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cpp cpp 26.11.2020 06:36
@schachwak: (2. Teil)
"Und ich freue mich schon, wenn Deutsche einzeln oder mit der Mannschaft etwas erreichen."
Ich freue mich auch, wenn ein Vincent Keymer oder andere sympathische Deutsche gewinnen.
Aber die Frage ist halt immer, was diese Freude einem persönlich wert ist?

Vielleicht sollte man dazu einfach mal demokratisch die Mitglieder befragen, ob sie mit ihrem Beitrag Spitzensport fördern wollen und wenn ja, mit wieviel Euro im Jahr!?
Dann würde man sehen, wie wichtig das Thema Spitzensport-Förderung für die Mitglieder ist.
cpp cpp 26.11.2020 06:33
@schachwak:
"Demnach war also die Botwinnik-Schachschule (Schüler: unter anderem 3 Weltmeister mit K (*)) ein tragischer Irrweg, genau wie das Sekundantentum?"
Wer sagt denn, dass die Botwinnik-Schachschule ein Irrweg war, dazu ein tragischer?
Die Botwinnik-Schachschule war wie Sie selber schreiben sehr erfolgreich. Das war in diesen Zeiten umso wichtiger, als man mit der sportlichen Überlegenheit den anderen Nationen bzw. besser dem anderen System (i.e. Kapitalismus) beweisen wollte, dass der Kommunismus dem Kapitalismus auf jeder Ebene überlegen ist (Man erinnere sich auch an die politische Bedeutung des Wettkampfs Fischer - Spasski).

"Und die Nationalmannschaft ist wahrscheinlich einerseits unwichtig und funktioniert andererseits wahrscheinlich völlig von selbst?"
Eine Nationalmannschaft (und deren Erfolge) sehe ich tatsächlich als unwichtig auch wenn ich dafür nie den Begriff 'peinlich' verwenden würde, den Sie aufgeworfen haben.
Wenn man dann noch sieht, dass 'National'-Mannschaften zusammengekauft werden, wie beim Handball z.B. von Katar, dann ist das doch nur eine erweiterte Form von kommerzialisierten Vereinsmannschaften in anderem Namen und Auftrag.

Nichtsdestotrotz muss eine Nationalmannschaft auch organisiert und betreut werden, was zum Beispiel die Organisation einer Olympiade oder WM betrifft. Aber man kann das alles auch auf einem normalen Level bzw. auf kleiner Flamme betreiben, ohne den 'Fokus' (wie es Jogi Löw nennt) auf Erfolg zu setzen. Das kann ein DSB, den ich natürlich nicht abschaffen möchte, sicher leisten, auch wenn er seinen Fokus auf Breitensport und nicht auf Spitzensport-Förderung legt.

"Soweit ich weiß, wird Spitzensport auch vom Bund gefördert und es gibt auch weitere Sponsoren."
Na wenn der Bund (sprich Steuerzahler) das fördert und bezahlt, dann ist ja alles gut - es ist ja immer gut, wenn andere die Rechnung bezahlen.

(1. Teil)
schachkwak schachkwak 24.11.2020 10:53
Demnach war also die Botwinnik-Schachschule (Schüler: unter anderem 3 Weltmeister mit K (*)) ein tragischer Irrweg, genau wie das Sekundantentum? Und die Nationalmannschaft ist wahrscheinlich einerseits unwichtig und funktioniert andererseits wahrscheinlich völlig von selbst? Darf sich Schach überhaupt über Wettkämpfe definieren? Fragen über Fragen.

Kleine Anekdote:
Ich kenne jemanden, der schon vor Jahren meinte, wir sollen von Philosophen regiert werden. Er ist auch seiner eigenen Meinung nach Nicht-Schachspieler, aber heuerte dann in der 2. Bundesliga an. Naja - Entschuldigung, das hat uns jetzt auch nicht weitergeholfen.

Ein kleiner Einwurf:
Eine Nationalmannschaft finde ich wegen dem Wort 'National' definitiv nicht peinlich und so sehen das auch mindestens weit über 99% der Menschen (ich habe kurz eine Umfrage gemacht, und da sahen es sogar 100% so, Leute die zu laut 'Was?' gesagt haben habe ich nicht mitgezählt).

Noch etwas:
Soweit ich weiß, wird Spitzensport auch vom Bund gefördert und es gibt auch weitere Sponsoren. Es ist also keineswegs so, dass wir das allein durch unsere Mitgliedsbeiträge finanzieren - also durch unsere über 90 000 Mitglieder. Und ich freue mich schon, wenn Deutsche einzeln oder mit der Mannschaft etwas erreichen. Meiner Meinung nach braucht man dafür auch mehr als einen Spieler. Dafür müssen sich Leute professionell mit Schach beschäftigen, ohne dass sie selbst der "Athlet" sind. Etwas Organisation (was auch Schach an sich als Sport benötigt) als auch schachliche Hilfe für die Athleten. Hier zeigt sich die wissenschaftliche Komponente vom Schach: Als Einzelkämpfer hat man sehr wenig Chancen.


(*) Nein, nicht Keymer und auch nicht der ehemalige DDR-Meister Knaak
cpp cpp 24.11.2020 06:52
Ich stimme der Meinung von Legarion zu. Wozu sollte der DSB 'Spitzensport' fördern? Und wenn man das macht, dann sollte man wirklich einen Vincent Keymer mit allen Mitteln fördern - aber für echte Talente finden sich sowieso immer auch Sponsoren, wie man bei ihm sieht.
In Kombination mit der Aussage von Walter Rädler, dass der DSB kein Geld an Profis weitergeben darf, da er sonst die Gemeinnützigkeit nicht mehr erfüllt, sollte der Fokus wirklich auf die Förderung des Breitensports (z.B. an Schulen) gelegt werden.
Wenn man bedenkt, dass Intelligenz oder Begabung für eine bestimmte Sache immer entsprechend der Gaußschen Glockenkurve verteilt ist, mit ein paar wenigen Prozentanteilen an den Rändern, dann sollte doch auch klar sein, dass man vermutlich eher zu einem Talent kommt, wenn man möglichst viele Jugendliche ans Schach heranführt um dann die echten Talente zu entdecken.
Abgesehen von obiger Diskussion, frage ich mich allerdings prinzipiell: wieso soll Spitzensport gefördert werden? In einer Zeit, in der die Mehrheit der Bevölkerung beim Begriff 'National' gleich hellhörig wird, die Grüne Jugend gar beim Schwenken der Deutschlandfahne vor aufkeimendem Nationalismus und Faschismus warnt, muss man sich doch die Frage stellen für was man eine 'Nationalmannschaft' braucht, bzw. wieso es wichtig sein sollte wie die 'Deutsche Nationalmannschaft' abschneidet?
Erst recht rational denkenden Schachspielern sollte es eigentlich bewusst sein, wie absurd die Idee ist, 'stolz' auf den Gewinn eines Weltmeistertitels zu sein den andere errungen haben. (Stolz kann man meiner Meinung nur auf seine eigenen Leistungen bzw. Verdienste sein).
Für mich als Schachfreund ist es zudem unerheblich, ob ein deutscher Lasker oder ein Aljechin, Anand, Carlsen, Karpov, ... oder sonst ein Schachspieler eine schöne Partie gespielt hat - letztendlich zählt doch nur die Ästhetik der Partie bzw. des Spiels.
Legarion Legarion 24.11.2020 01:36
@Phantasy, jetzt ist er ja auch weg. Und jetzt wird alles besser klar (i dont think so) ;-)
Legarion Legarion 24.11.2020 01:35
@HC, alles unter 2800 ist halt auch tatsächlich uninteressant für Sponsoren (meistewegen dann halt 2750). Und 2750 erreicht niemand durch einen "Trainer" oder durch "Verbandsförderungen". Das ist allein Talent und Eigenleistung, ernsthaftes Training ab Elo 2300 gibt es doch quasi nicht (auch wenn das die Bücherschreiber oder Trainer gerne erzählen, weil sie damit Geld verdienen). Es zählt Talent, Leistung und Motivation (durch die Rückhalt der Familie, Freunde und finanziell durch Sponsoren).

Aber ich verstehe ihre Meinung total, es ist gut dass es auch sachlichere und versöhnendere Stimmen als meine gibt, sonst würde es auch nur im Chaos enden ;-) Wie gesagt, hab halt null Aktien drin und bin daher weder für noch wider irgendeinen Spieler (also bitte es soll keiner angegriffen fühlen, ich kenne die Leute eh nicht und weiiß auch nicht was wer zu wem gesagt hat) ;-)
Phantasy Phantasy 23.11.2020 05:40
Wenn quasi alle Spieler nicht mehr unter diesem Trainer spielen wollen, muessen die Bosse reagieren.

Wann sonst?
TobiasHabermehl TobiasHabermehl 23.11.2020 05:10
Ich schaue mit einer anderen Perspektive auf das Thema.
Ein Aspekt kommt mir bislang zu kurz: Spitzenspieler, Aushängeschilde bzw. Nationalmannschaften sind immer auch Motivation für junge Leute sich zu engagieren, zu bemühen den Idolen zu folgen. Wer einen Carlsen hat, der bekommt einen Schachboom. Und das wollen wir doch alle! :-)
Deswegen muß es sehr wohl eine "Elite"-Förderung geben. Oder wollen wir ernsthaft auf Schachnationalmannschaften verzichten?
Als Außenstehender kann ich nur feststellen, dass es im DSB seit Jahren "knirscht" und dass es schon lange Reibereien zwischen Spielern und Trainern gibt. Offenbar gibt es bei den Spielern zwei Lager. Siehe auch Interviews mit Elisabeth Pähtz. Generell drängt sich der Eindruck auf, daß die Strukturen im DSB stark verbesserungswürdig sind, daß es professioneller werden muß.
Walter Rädler Walter Rädler 23.11.2020 04:28
Scheint sogar eine dpa-Mitteilung zu sein. Die ehrbare Süddeutsche Zeitung berichtet auch darüber: https://www.sueddeutsche.de/sport/schach-streit-im-schachverband-nationalspieler-im-boykott-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-201123-99-433327
Trästlich für unsere Funktionäre ist die alte PResseweisheit, dass es keine schlechte oder gute Nachricht gibt.
Walter Rädler Walter Rädler 23.11.2020 03:57
Viele Zeitungen berichten über Schach: https://www.wz.de/sport/streit-im-schachverband-nationalspieler-im-boykott_aid-54776101
Herbert Christmann Herbert Christmann 23.11.2020 03:13
Legarion, ich finde Sie doch sehr negativ gesinnt. Alles unter 2800 ist uninteressant? Dann bleiben 2 Spieler der Welt übrig die interessant sind. Echt jetzt?
Es gibt 2 Möglichkeiten. Man fördert Spitzenschach, dann muss man die Strukturen und die dafür benötigten Gelder bereitstellen.
Oder eben nicht, dann könnte man auch die Nationalmannschaft auflösen. Ich erfreue mich auch an den "Einzelkämpfern" bei den Turnieren.
Ich bin überzeugt, dass ein Einsatz (zum Beispiel bei einer Schacholympiade) für jeden Spieler ein Erlebnis ist, auch wenn es nicht viel zu verdienen gibt.
Ich sehe unter den unterzeichnenden Spielern auch keine "Diven". Da sehe ich Leute, die sich für ihren Leistungssport einsetzen; einige davon sind auf dem guten Weg weiter nach oben. so hat jeder seine Sichtweise.
Legarion Legarion 23.11.2020 02:07
So negativ bin ich nicht, ich hab nur überhaupt keine Aktien in den DSB/Förder/Posten-Geschichten, daher sehe ich es als Außenstehender sehr relaxt.

Mich freut mehr die höhere Popularität von Schach in den letzten Monaten (auf Twich/Youtube/Onlineturniere). Da tut sich gerade richtig was (dank Corona muss man leider sagen) und die alten Strukturen (DSB, Leistungssport, "klassische" Turniere, Offline-Turniere, etc.) werden komplett ignoriert- sehr gut so, endlich mal Raum für echten Progress.

Chess.com hat übrigens die Übertragungsrechte für WM 2021 BTW, weiß aber noch nicht ob das gut ist, wenn sie es offen gestalten (und twich, YT mit einbeziehen) und sie junge Kommentatoren haben kann das gut sein.
Legarion Legarion 23.11.2020 02:04
@schachkwak, sorry, dass ich nur knapp antworte, aber will nicht zuviel Zeit hier versenken ;-)
- Förderung Spitzenschach: Sind vlt. nicht nur Mitgliedsbeiträge, sondern anderen Förderungen, aber letztlich kommt es vom Steuer- oder Beitragszahler (aber was den A-Kader angeht wohl kaum von Sponsoren... den A-Kader interessiert doch ernsthaft kein Werbeteibender). Die Bronzemedaille (oder silber/gold?) vor 10 Jahren interessiert doch nun wirklich niemand mehr. Alles unter Elo 2800 ist halt nicht ernst zu nehmen (auch wenn die 2600er/2700er es gerne so hätten).
Auch z.B. die Bundeswehrsportförderung für Schach: Die Realität ist doch, dass die Leute einfach monatelang chillen bzw. genau das tun was sie auch sonst gemacht hätten. Das Geld greift man halt noch nebenher ab. Dazu gibts genug Aussagen von ehemaligen Spielern die gefördert wurden. Im Grunde genommen hat "deutschland" (der förderer) dafür keinen ernsthaften Gegenwert, ergo es kann komplett gestrichen werden (warum soll ich irgendwelche Stundenten fördern die eh nicht DE auf internationaler Ebene ernsthaft vertreten werden... es gibt kein Gegenwert für den Steuerzahler sondern es wir nur der "Studentenlifestyle" von ganz wenigen "begabeten Leuten" gefördert).

- Postengeschachere: Habe ich bisher gar nicht so stark wahrgenommen. Mir kommt es eher wie Diva-Verhalten vor auf allen Ebenen. Schach zieht halt auch so Leute an (Egosport). Und wenn dann auch quasi kein Geld als "beruhigender" Faktor im Spiel ist, pocht halt jeder auf seine Meinung ohne Rücksicht auf Verluste. Zu verlieren hat ja niemand was (finanziell gesehen) und manche sind vlt. auch froh einen Grund zu finden ihren Posten "gut begründet" abgeben zu können.
Walter Rädler Walter Rädler 23.11.2020 11:13
https://www.deutschlandfunk.de/offener-brief-von-schach-nationalspielern-athleten-meutern.1346.de.html?dram:article_id=487960 Auch nicht-Schachaffine Medien berichten.
Mein Lieblingsexperte für Vereinsrecht Finanzen behauptet klipp und klar. Der Deutsche Schachbund darf von seinem Vermögen kein Geld an Profis weitergeben, damit riskiert er seine Gemeinnützigkeit. Deswegen gab es das windige Konstrukt der Wirtschafts-GmbH, die eingeschrottet wurde. Flüge, Unterkünfte für Schacholympiade sind natürlich genehmigt.
schachkwak schachkwak 23.11.2020 02:21
@Legarion: Das ist mir zu negativ. Ich habe kein Problem damit, dass das Spitzenschach gefördert wird. Und vermutlich wenn man etwas erreichen möchte, muss man es auch ernsthaft betreiben. Dazu gehört auch ein professionell geführter Verband (und es gibt auch noch andere Finanzquellen als die Mitgliedsbeiträge).

Funktionäre, die die Organisation übernehmen, müssen auch davon leben können und brauchen auch eine gewisse Planbarkeit in ihrem Leben. Aber bitte kein Postengeschachere und keinen Kampf um die Mittel gegeneinander.

Stattdessen müssen die Kräfte fokussiert in der Sache eingesetzt werden. Das gilt für die Funktionäre genauso wie für die Sportler. Die Mittel für den (Leistungs-)Sport müssen vor allem den Athleten und Trainer zugute kommen. Sei es durch Veranstaltungen oder direkt. Bekommen das die Verantwortlichen nicht auf die Reihe, dann muss etwas geändert werden.

Im Hinterhof kungeln und eventuell sogar Gelder umleiten, um davon leben zu können, das darf nicht der Weg sein. Ein Indiz dafür ist, wie häufig bei völlig berechtigten Denkanstößen von berechtigten Personen man von einem Abbruch der Diskussion gehört hat, also Transparenz verweigert wurde. Sei es durch Schweigen oder gar durch völlig deplatziertes Benehmen. Z.B. darf eine Aktivensprecherin Sarah Papp nicht rüde abgekanzelt werden. Auch sollten strittige Entscheidungen nicht ohne Absprachen getroffen werden - vor allem wenn man weiß, dass andere damit nicht einverstanden sind.

Noch ein Beispiel aus dem Fußball: Hoeneß, Rummenigge & co. haben als einen Grund für ihren viele Jahre andauernden Erfolg angegeben, dass sie sich jahrelang vertrauen konnten - es ging immer um die Sache und nie um die Personen.

Klar - nach der Anfangsphase von Hoeneß in den 1980er Jahren gabs auch ein Festgeldkonto, was jeden gemeinnützigen Verein durch seine bloße Existenz neidisch werden lässt. Konservatives Wirtschaften und solide Einnahmen wären für Sicherheit als Voraussetzung für Vertrauen notwendig.
Legarion Legarion 23.11.2020 12:24
Schaut euch die Preisgelder der Champions Chess Tour an, dann ist klar wie überflüssige Schach-Organisationen für den Spitzensport (nicht für den Breitensport) sind. Von mir bekämen die Profis (keine Trainer, keine Spieler, keine Reisen, etc.) kein Cent von den Mitgliedsbeiträgen. Das Gejammer seit Jahren zeigt doch wie falsch das System (auf beiden seiten, auf DSB- und Spieler-Seite).
Legarion Legarion 22.11.2020 11:14
Und von den Spieler die den Brief unterschrieben haben, ist mir jetzt auch keiner in den letzten Jahren durch tolle Leistungen aufgefallen, internaltional oder für den Ruf des DE-Schach spielen alle diese Spieler exakt keine Rolle. Und jemand wie Carlsen entsteht nicht durch Verbände oder Organisationen, das ist Talend und individuelle Förderung (aus der Familie heraus und später Sponsoren). Die nehmen sich alle viel zu wichtig... öffentliche Briefe sind im DE-Schach ja schon die Regelmäßigkeit... weil sich alle Beteiligen zu wichtig nehmen, aber trotzdem nur bei Elo 2600 rumkrebsen (... besser dann ein Handwerk erlernen oder studieren und so auch mehr Geld zu verdienen und gleichzeit der Gesellschaft auch mal was zurückgeben dass als durchschnittliche Schachdiva öffentliche Briefe zu schreiben).
Legarion Legarion 22.11.2020 11:09
Kern des Problems ist doch, dass der DSB oder organisiertes Leistungsschach einfach überflüssig sind. Die Spieler sind eh alles Einzelkämpfer und verdienen ihr Geld mit Training/Einzelunterricht/Internet und nicht mit Mannschaftskämpfen. Nakamura verdient mit YT/Twitch vermutlich schon jetzt mehr als mit Schachturnieren und Gustafsson in DE z.B. mehr mit Chess24 als mit DSB-A-Wettkämpfen. Im Fußball spielt man halt gerne für DE weil es gute Werbeverträge und Prämien gibt. Im Schach aber ne ziemliche Scheindiskussion.

Organisiertes Schach auf Profiebene ist quasi überflüssig. Insofern kann der DSB oder die Trainer machen was sie wollen, die Spieler werden immer jammern und Diva spielen (sie haben eh nix zu verlieren und wollen dafür für sich das Maximum fordern, auch wenn sie dadurch ein Rauswurf riskieren). Sobald dann der Trainer ein falsches Wort sagt und sich nicht in den Staub wirft, fangen wie Diven halt an zu jammern.

Ich wäre dafür den Leistungssport im DSB komplett aufzulösen und die Gelder nur in den Breitensport und Internetsdchachturniere- und Breitentraining (vom DSB) zu stecken. Nur ogranisiertes Breitenschach ist sinnvoll (weil es um nur um Spaß geht und eh keiner Geld erwartet).
Gsus Gsus 22.11.2020 02:54
Hallo liebe Schachfreunde und Schachfreundinnen,

auch ich kann mich in keinster Weise mit der in Teilen nachgewiesener rechtsradikalen AfD identifizieren und wir engagieren uns seit Jahren auch im Rahmen unserer Vereinsaktivitäten gegen Rechts.

Allerdings kann man unter
https://www.bdf-fernschachbund.de/offizielles/titeltraeger/international/uebersicht-deutsche-sim.html
nachlesen, dass Tobias Habermehl in der Liste "Deutsche Verdiente Internationale Meister (SIM)" des Deutschen Fernschachbundes geführt wird.

Unter
https://www.remoteschach.de/db/usermatches.php3?user=820
wird Tobias Habermehl mit einer Wertungszahl mit 2507 geführt.

Dies lässt durchaus den Schluss zu, dass er sich nach wie vor für den Schachsport interessiert.
Ob und seit wann er seine schachlichen Aktivitäten eingestellt hat, konnte ich bisher nicht recherchieren.

Eine Relativierung seines Kommentars bzw. das Niveau dessen, ist dies selbstverständlich nicht.
schachkwak schachkwak 21.11.2020 09:09
OK. Es war ein Zitat. Ich kenne es aus anderen Foren, dass Trolle öfters gemeinsam auftreten. Sorry.
pascha pascha 21.11.2020 08:48
Ich wollte darauf hinweisen, dass Sie dem Falschen an's Bein gepinkelt haben.
In dieser Reihenfolge lesen:
1. TobiasHabermehl
2. tierparktonie
3. Lt Marseille
4. kumagoro
Wird's jetzt klar?
Was es mit den "falschen" Gästen auf sich hat, müssen Sie sich schon in der Presse der letzten Tage selbst anlesen.
schachkwak schachkwak 21.11.2020 08:44
Ja Pascha, müllt das hier mit nichtssagendem Mist zu. Ist ja nicht schon schlimm genug, dass der Schachbund jede Dokusoap aus dem Vorabendprogramm schlägt. Nein, jetzt kriegen wir hier auch noch AFD-Trolle und das bei einer Kommentarfuktion ohne Threads. Vielen Dank auch.

Offensichtlich keine Chance, dass wird darüber diskutieren, dass hier offensichtlich jeder querschießt. Conrad Schorman ergreift in seinem Blog vehement Partei für Andreas Jagodzinsky. Dabei hatte er sich ja auch schon Dinge erlaubt, die einem Funktionär nicht anstehen. Bekommen wir das irgendwann hin, dass die Funktionäre den Sportlern dienen und nicht umgekehrt?

Dass Entscheidungen transparent und im Sinne der Mehrheit getroffen werden?
pascha pascha 21.11.2020 08:11
Tja schachwak,

einfach mal alle Kommentare lesen, verstehen, kommentieren, gell!?
schachkwak schachkwak 21.11.2020 08:04
@kumagoro Was soll der Mist? Was soll der Quatsch mit den falschen Gästen?

Der Text ist soweit verständlich und in den letzten Jahren war Geschlechterbanchteiligung der Frauen Teil der deutschen Schachgeschichte. Wenn sich die Athletinnen und Athleten in einem offenen Brief dafür entscheiden, das StudentInnen-i zu verwenden, dann hat man das nicht zuletzt deshalb zu akzeptieren.
kumagoro kumagoro 21.11.2020 07:06
"Gender-Dreck-Sprechen" - Niveau kommt nicht von Nivea!
Was kommt als Nächstes? Falsche Gäste auf dem DSB Kongress?
tigerinrente tigerinrente 21.11.2020 03:56
Na ja, die Sachverhalte sind schon öffentlich diskutiert worden, z.B. bei der Diskussion der Causa Elisabeth P. Z.T. hier bei chesbase aber mit mehr Tiefe z.B. hier: https://perlenvombodensee.de/2020/11/04/betr-leistungssport/
Werner
Lt Marseille Lt Marseille 21.11.2020 03:40
So langsam kommt es für den Schachbund ja wirklich hart: Nun schaltet sich gar ein AfD-Troll ein, wie "tierparktoni" offenbar festgestellt hat.
Aber im Ernst: Es ist von beiden Seiten alles extrem intransparent. Warum mauert der Schachbund und sagt - faktisch gar nichts? Es hat mit Nötigung nichts zu tun, wenn ca. 2/3 der Spieler den Kopf des Trainers fordern. Und die spielen ja nicht 'mal so schlecht wie unsere Fußballer. Welchen Grund also haben sie, so massiv gegen den Trainer zu sein?
Und hier kommt die 2. Intransparenz! Die Sfe in Dtld. (hoffentlich regt sich der AfD-Mann nicht über die Abkürzung auf!) haben ein Recht darauf zu erfahren, was überhaupt vorgefallen ist. Andeutungen, Unkonkretes! Wen hat Rogozenko mit welchen Worten und Handlungen beleidigt oder diskriminiert? Wer wurde unter welchen Begründungen nicht aufgestellt? Wie genau war in diesen Situationen die ELO - und Erfolgslage der Betroffenen? Hat der Trainer ggf. Frauen diskriminiert (das ist nämlich die Krux an der Gender-Schreibweise: Man kann bestimmte Fakten, sprich, um welche der beiden Nationalmannschaften es sich handelte, gar nicht mehr erkennen!)?
Von wie vielen Fällen reden wir hier? Der Referent für Leistungssport und der Damentrainer sind zwar zurückgetreten, aber etwas Greifbares ist von ihnen auch nicht zu hören. Als Beitragszahler muss ich um Aufklärung bitten - was meint Ihr wohl, was auf einer Aktionärsversammlung mit so einem Vorstand geschähe?
MfG, Lothar
tierparktoni tierparktoni 21.11.2020 02:10
Zu dem sehr sachlichen Kommentar von Tobias Habermehl sei Folgendes angemerkt:
Tobias Habermehl ist nicht in der DWZ-oder gar FIDE-Rating Liste aufzufinden. Auf chessgames.de finden sich einige Partien von übersichtlicher Qualität, zuletzt aus dem Jahr 1999. Aufgrund seiner sachlichen „Karriere“ spricht also wenig dafür, dass er sich ernsthaft für das Thema Nationalmannschaft oder Kaderspieler interessiert. Er gehört dem Vorstand des AfD Kreisverband Main-Taunus an. Geht die Parteistrategie jetzt schon soweit, Schachseiten mit tendenziösen und beleidigenden Sprüchen („Dreck“) zu überfluten? Beste Grüße
Gerhard Reis Gerhard Reis 21.11.2020 02:03
Man verlor zuletzt vor allem auch Andreas Jagodzinsky und Alexander Naumann.
Für mich ist unvorstellbar, dass das Präsidium jetzt nicht endlich reagiert. Wenn 12 von 19 B-Kaderspieler und -spielerinnen sich zu einem solchen Schritt gezwungen sehen, handelt es sich nicht (wie demnächst womöglich reflexartig vom Betroffenen und Präsidium behauptet) um Erpressung, sondern um ein sehr eindeutiges Misstrauensvotum.
DoktorM DoktorM 21.11.2020 01:51
Da muss ja einiges vorgefallen sein. Warum hat man davon nichts bzw. wenig mitbekommen? Transparenz gehört offensichtlich nicht zum Schachbund. Dabei haben wir Mitglieder ein Recht darauf. D.h. ich erwarte von den Spielerinnen und Spielern die konkrete Beschreibung von Vorfällen, auf die die angesprochenen Trainer oder Funktionäre antworten sollen. Dann kann man sich als Mitglied ein Bild von der Situation machen.
TobiasHabermehl TobiasHabermehl 21.11.2020 01:38
Schön, daß ChessBase (siehe Überschrift und Einleitung) beim Gender-Dreck-Sprechen nicht mitmacht.
ekpah ekpah 21.11.2020 11:09
Das Nichthandeln der Schachbund-Spitze verstößt gegen die Verpflichtung, zum Wohle des Verbandes zu handeln. Kein Unternehmensvorstand, der ein solch einhelliges Votum von Mitarbeitern gegen ihre Führungskraft erhält, würde an der kritisierten Person festhalten. Aber offenbar sieht die Schachbundspitze hier ausschließlich einen Machtkampf, in dem sie sich unbedingt durchsetzen will - unter Missachtung der Folgen für das deutsche Spitzenschach. Das einzig Tröstliche: Erfolgreiche Schachkarrieren sind natürlich auch ohne Verband möglich!
Krennwurzn Krennwurzn 21.11.2020 10:45
Der Bundestrainer ist zwar schon lange im Amt, aber es lief von Anfang an nicht wirklich rund:

https://www.schach-welt.de/BLOG/blog/dorianalleinimtv

und auch nachfolgend wurde es nicht ruhiger - am Weg verlor man u.a. mit Thomas Luther eine wichtige Persönlichkeit für das Spitzenschach in Deutschland und noch viel mehr ...
staxmann staxmann 21.11.2020 10:31
Zunächst einmal ist festzuhalten dass der Präsident das Problem des Bundestrainers von seinem Vorgänger geerbt hat. Ich habe den Bundestrainer nur einmal bei einem jJugendturnier erlebt und war vom Umgang mit einer damals vielleicht 16 jährigen Kaderspielerin schlichtweg entsetzt. Lautstärke Mimik und Gestik waren völlig inakzeptabel. Würde ich eines meiner Kinder - egal wie talentiert - in eine solche kaderschule geben? Sicher nicht. Als der jetzige Präsident angetreten ist sagte er sinngemäß er könne Krise. Ich hatte die Hoffnung dass er das auf Lösung bezieht. ... Die Aussenwirkung des Deutschen Schachbundes ist zur Zeit leider verheerend.
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