Olympiade der Generationen

01.06.2006 – Heute ist Ruhetag bei der Schacholympiade und Zeit für einige Betrachtungen zwischendurch. Dagobert Kohlmeyer hat sich unter den Spielern umgesehen und fest gestellt, dass die Schacholympiade nicht nur Völker verbindend ist, sondern auch Generationen umfassend. Viktor Kortschnoj ist mit 75 Jahren einer ältesten Spieler, wird aber sogar noch von William Hook (Foto) übertroffen. Dieser feierte kürzlich seinen 81. Geburtstag und spielt seine 16. Schacholympiade für die British Virgin Islands. Die jüngste Teilnehmerin ist Elnami Safa aus Libyen. Mit 10 Jahren ist sie mehr als 70 Jahre jünger als der älteste Teilnehmer. Unter den jüngeren Spielern sind auch schon eine Reihe von absoluten Topspielern zu finden, wie Magnus Carlsen und Sergey Kiriakov oder Yifan Hou bei den Frauen. Dagobert Kohlmeyer sprach außerdem mit Raj Tischbierek, der nun Damentrainer der Schweiz ist. Opa und Enkel...

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Schacholympiade - Bühne für Opa und Enkel
Von Dagobert Kohlmeyer

In der Autostadt Turin ist es stiller als sonst. Wo im Oval Lingotto bei den Winterspielen Eisschnellläufer um die Bahn flitzten, ermitteln Schachspieler aus 150 Nationen bei ihrer Olympiade die Teamweltmeister von Männern und Frauen. Am Sonntag stehen die Sieger fest, dann überlassen die Denksportler rechtzeitig König Fußball die Bühne – etwas weiter nördlich der Alpen.


Spitzenkampf China gegen Armenien


Russland gegen Ukraine

Der älteste Schachspieler hier ist über 80 Jahre, die jüngste Teilnehmerin gerade mal 10. William Hook (Foto)


William Hook (81)

kommt von den British Virgin Islands. Der Schach-Globetrotter feierte am letzten Sonntag 81. Geburtstag und erlebt seine 16. Olympiade. Bill spielt  am zweiten Brett seines winzigen Landes.

Am Spitzenbrett der Schweiz sitzt seit vielen Jahren eine Schachlegende: Viktor Kortschnoi, der einst aus der Sowjetunion emigrierte, ist mit 75 noch immer schachlicher Vorkämpfer seiner Wahlheimat. „Ich spiele hier meine 15. Olympiade“, sagt Kortschnoi und denkt keineswegs ans Aufhören.


Viktor Kortschnoj feierte in diesem Jahr seinen 75 Geburtstag

Er würde sogar ein Schachbrett mit ins Grab nehmen, hat Viktor der Schreckliche, wie er in der Szene achtungsvoll genannt wird, einmal zum Besten gegeben.

Solche Gedanken hegen die kleinen Figurenkünstler naturgemäß noch nicht. Da ist Elnami Safa aus Libyen (Foto).


Elnami Safa ist die jüngste Spielerin bei der Olympiade

Sie wurde im Dezember 1995 geboren und ist damit die Jüngste beim Turnier der Nationen. Noch nie startete jemand im zarten Kindesalter von 10 Jahren bei einer Schacholympiade. Nur wenig älter als die kleine Libyerin ist Megan Owens aus Wales.

Mit 11 Jahren und fünf Monaten gibt sie hier ihren Einstand in der großen Schachwelt. Megan stammt aus Chepstow, einer Stadt in Südwales und hat nach eigener Aussage erst mit 7 Jahren angefangen, Schach zu spielen. Schon nach kurzer Zeit erfolgte der Sprung ins Nationalteam, was für ein Talent! Gewonnen hat Megan in Turin auch schon.

12 Jahre und bereits eine Berühmtheit ist die Chinesin Hou Yifan.

Erstmals sorgte sie im Frühjahr bei der Frauen-WM in Russland für Schlagzeilen, als sie etablierte Großmeisterinnen aus dem Turnier warf. Yifan kommt aus Jiang Su im Osten Chinas, lebt aber inzwischen in Peking, wo sie die Sportschule besucht und für eine große Schachkarriere getrimmt wird. In Turin gibt es für das kluge Mädchen keine Wettkampfpause. Jeden Tag wird es von seinem Trainer an den Schachtisch gesetzt. Aus neun Partien holte sie sage und schreibe 7 Punkte. Sechsmal gewann die Schachfee aus dem Reich der Mitte, gab nur zwei Remis ab und büßte einen einzigen Punkt ein. Erleben wir hier die künftige Weltmeisterin? Wer mit angesehen hat, wie die junge Chinesin am neunten Spieltag die erfahrene Russin Kowalewskaja nervenstark vom Brett fegte, glaubt mit Sicherheit daran.

Ein Schachtrainer bringt es auf den Punkt: „Sie sind im zarten Teenageralter, aber lehren die großen Stars der Zunft schon das Fürchten.“ Bei den Damen ist es das Ausnahmetalent Hou Yifan, bei den Herren sorgen der Norweger Magnus Carlsen und der Ukrainer Sergej Karjakin seit einiger Zeit in den Turniersälen der Welt sowie auch jetzt bei der Olympiade in Turin für Schlagzeilen.

Carlsen ist längst Nationalheld in Norwegen. Ein Buch über ihn trägt den Titel „Wunderboy“. Schachgenies von heute wachsen mit den besten Trainern auf, gehen mit dem Notebook und ihrer elektronischen Datenbank schlafen. Nicht zuletzt deshalb entfalten sie immer früher ihr Können. Wenn der Trend so weiter geht, schmücken sich vielleicht bald Schachzwerge im Kindergarten mit dem Titel Internationaler Großmeister.

 

Raj Tischbierek ist in Turin Trainer der Schweizer Frauenmannschaft. Der heutige Chefredakteur von „Schach“ saß bei einer Olympiade (1990 in Novi Sad) für die DDR am Brett und kann sich an die vor ein paar Tagen von Uwe Bönsch erwähnte Flaggengeschichte erinnern. „1992 in Manila hat die Bundesrepublik auch einmal unter DDR-Flagge gespielt“, erzählte er uns. „Sie haben dort versehentlich die falsche Fahne aufgehängt.“

1998 in Elista, 2000 in Istanbul, 2002 in Bled und 2004 in Calvia war Tischbierek Coach der DSB-Frauen. Dieses Engagement ist nun zu Ende. Den Job hat jetzt Großmeister Philipp Schlosser übernommen, mit gutem Erfolg, wie man sehen  kann.


Die deutschen Frauen gegen Weißrussland.

Wie kam der Wechsel zustande, Raj?

Es gibt bestimmt nicht viele Trainer, die viermal hintereinander in einer Frauenmannschaft tätig sind. Denn immer gibt es in so einem Team ein paar Probleme. Diese haben dazu geführt, dass mein Wechsel erfolgte. Die Schweizer Frauen stehen nicht unter Leistungsdruck. Sie spielen mehr aus Freude am Schach.

Die aus Dresden stammende Gundula Heinatz (Foto),

seit einigen Jahren in der Schweiz lebend, spielt im Team der Eidgenossinnen.


Zwei Frauentrainer...

 

 

 

 

 

 

 

 



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